Ilsa J. Bick – Ashes: Brennendes Herz (Ashes, Bd. 1)

Autor: BICK, Ilsa J. // Titel: Ashes – Brennendes Herz (Ashes, Bd. 1) // Originaltitel: Ashes // Verlag: Egmont INK // Erschienen: 4. August 2011 // ISBN-10: 386396005X // ISBN-13: 978-3863960056 // Seiten: 502 Seiten // Einband: gebundene Ausgabe // Preis: 19,99 € / 31,90 CHF // Genre: Jugendbuch, YA-Roman, Endzeitroman // gelesen vom 14.-16. August 2011

Inhalt

Stell’ dir vor, dass du zu einem Wanderurlaub aufbrichst, um mit dir selbst ins Reine zu kommen. Du hast dich perfekt vorbereitet und alles läuft nach Plan; bis du auf einen alten Mann und seine Enkelin triffst – und das Schicksal hart und erbarmungslos zuschlägt.
Innerhalb eines Herzschlags ist nichts mehr so, wie es sein sollte, denn eine Katastrophe hat die Welt, die du kanntest, in Schutt und Asche verwandelt… Nun ist sich jeder selbst der Nächste – oder etwa nicht?

Meine Meinung

Ashes erzählt von einer jungen Frau, die kurz davor steht, alles aufzugeben – Wozu leben, wenn man sterben muss? Weshalb eine Therapie machen, wenn doch keine Aussicht auf Besserung besteht? – und dann um ihr nacktes Überleben kämpfen muss. Denn nicht nur die Welt um sie herum verändert sich, sondern auch sie selbst…
Alex, die Protagonistin, ist schwer krank und hat einen schweren Schickalsschlag überwinden müssen. Sie unternimmt eine Wandertour, weil sie ganz für sich alleine eine Entscheidung treffen und vielleicht auch ihre Grenzen austesten möchte. Doch dann kommt alles anders als geplant, denn als sie die Katastrophe sich ereignet, ist sie plötzlich nicht nur für sich selbst, sondern auch für ein kleines Mädchen verantwortlich. Sie überwindet sich – und ihre Abneigung gegen die kleine Ellie – und nimmt das Ruder in die Hand. Auch, wenn sie an der ein oder anderen Stelle zu straucheln droht, ist Alex eine Kämpferin, die so schnell nicht aufgibt; eine starke Protagonistin, die mir sehr, sehr gut gefällt.
Ellie erscheint zunächst wie eine kleine, nervige Göre, doch der Schein trügt, denn hinter ihrer zickigen Fassade steckt ein verletzliches, ängstliches und liebes Mädchen, das schon in jungen Jahren schwer vom Schicksal gezeichnet ist. So kommt man als Leser nicht umhin, Anteil zu nehmen, wenn sie sich in Gefahr befindet.
Der junge Soldat Tom, dem sich Alex und Ellie anschließen, ist ein offener Mensch, der sehr intelligent ist und Entscheidungen trifft, auch wenn er sie lieber nicht treffen würde.  Er trifft seine Entscheidungen nicht leichtfertig, sondern erst, nachdem er die Möglichkeiten, die ihm bleiben, sorgsam durchdacht hat. Doch für Tom ist Vernunft nicht alles – denn ist eine Liebe unter solchen Umständen ‘vernünftig’? Kann Liebe überhaupt vernünftig sein?
Damit wären drei der wichtigsten Protagonisten in “Ashes” grob umrissen. Alle drei unterscheiden sie sich stark – im Bezug auf ihr Alter, im Bezug auf ihr Wesen – und doch haben sie alle etwas gemeinsam: Der Leser fühlt mit ihnen, was nicht zuletzt daran liegt, dass Ilsa J. Bick ihren Figuren eine gewisse Tiefe verliehen hat, ohne dabei zu viel über sie preiszugeben. So bleiben sie interessant und man möchte erfahren, wie es mit ihnen weitergeht – oder auch was ihnen zugestoßen ist, bevor sie aufeinandertrafen.
Ich muss ehrlich gestehen, dass Ellie mich anfangs wirklich Nerven gekostet hat. Auch in Anbetracht der Vorgeschichte finde ich nicht, dass sie sich anfangs wie eine Achtjährige verhält, sondern mehr wie ein trotziger Teenager wirkt. Dieser Eindruck hat sich jedoch genauso schnell verändert, wie sich Ellie selbst verändert hat – und nun sitze ich hier und frage mich, was die Autorin in Bezug auf das kleine Mädchen noch für ihre Leser bereithalten mag.
Es tauchen einige Figuren auf in “Ashes” – manche von ihnen sind bösartig oder erschreckend, andere verzweifelt und es gibt auch solche, die eine Rolle spielen, die man ihnen nicht zutraut.
Nicht zugetraut habe ich diesem Buch, das für die Altersgruppe 14-17 empfohlen wird, dass es mit einer solchen Brutalität zur Sache geht. Für mich ist das wirklich kein Problem – ich habe die Lektüre offengestanden sogar sehr genossen, weil ich immer wieder Stellen entdeckte, die mich extrem an Horrorfilmszenen erinnerten, die ich mochte. Natürlich waren die Beschreibungen nicht so plastisch, aber von der Grundstimmung her und einigen Ideen konnte ich schon einen Bezug zum ein oder anderen Horrorfilm herstellen. So etwas muss man mögen – wenn man also einen empfindlichen Magen hat, ist das Buch stellenweise sicher nicht geeignet. Mich hat diese Erinnerung an mir bekannte Filme sehr überrascht, weil ich damit wirklich nicht gerechnet habe. Die Bedrohung wurde durch diese “grausamen” Elemente wirklich spürbar und ab und an schlug mir das Herz bis zum Hals. Trotzdem hätte es von mir aus gerne noch etwas mehr “Horror” sein dürfen (z.B. in der Rangerhütte…) – wobei das Szenario an sich ja eigentlich schon “Horror” genug ist. Endzeit – dieses Wort trifft den Kern der Sache wohl recht gut. Der Leser wird hier nicht mit Samthandschuhen angefasst, sondern damit konfrontiert, wie Menschen sich verhalten (können), wenn eine solche Krisensituation eintritt und das hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Einen bitteren Nachgeschmack deshalb, weil ein solches Verhalten – Mord, Raub, Gewalt, Plünderung – nicht als an den Haaren herbeigezogen erscheint, sondern als eine durchaus reale Bedrohung, die so jederzeit eintreten könnte; Das Prinzip “nichts hören – nichts sehen” funktioniert in solchen Zeiten nicht.
Insgesamt ist die Handlung nervenaufreibend und überwiegend spannend. Dadurch, dass die Protagonisten nicht immer absolut “logisch” handeln (was in Anbetracht der Umstände ja auch irgendwie verständlich ist – unklar bleibt mir z.B., warum das Trio die Rangerhütte zu einem so ungünstigen Zeitpunkt verlassen hat), bleibt die Geschichte, sowohl von Seiten der Figuren als auch durch das ganze Szenario bedingt, zu einem guten Teil unvorhersehbar. Die Autorin hat geschickterweise in viele Kapitel kleine Cliffhanger eingearbeitet – wenn man das Buch nachts im Bett liest, kann man also hart auf die Probe gestellt werden: Schlafen oder dem Drang nachgeben, doch nur noch ein Kapitelchen zu lesen? Ich musste mich jedenfalls wirklich zwingen, das Buch nicht in ein paar Stunden durchzulesen. In der Mitte hat die Spannung etwas nachgelassen; ein Umstand, der durch die nachfolgendenen Ereignisse aber fast wieder wett gemacht wurde. Die Ereignisse in Rule gehen nur schleppend voran und entsprachen leider ziemlich genau dem, was ich bereits vermutet hatte – was dann folgte, hat mich jedoch wieder sehr überrascht.
Der Schluss wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet und so blicke ich aufgeregt wartend der Fortsetzung von  “Ashes” entgegen und hoffe, dass ich die Wartezeit mit ebenso spannenden Büchern gut überbrücken kann.

Fazit

Ashes ist tempo- und actionreich, atemberaubend spannend und keine leichte Lektüre. Der Nervenkitzel ist garantiert und trotz ein paar kleinen Schwächen hat mich Ashes absolut überzeugt. Wer sich allerdings darauf verlässt, hier eine weit ausschweifende Liebesgeschichte vorzufinden, wie der Klappentext vermuten lässt, wird hier wohl nicht ganz auf seine Kosten kommen.

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