Autor: STIEFVATER, Maggie // Titel: Ruht das Licht (The Wolves of Mercy Falls, Bd. 2) // Originaltitel: Linger // Verlag: Script 5 // Erschienen: 1. September 2011 // ISBN-10: 3839001188 // ISBN-13: 978-3839001189 // Seiten: 400 Seiten // Ausgabe: gebundene Ausgabe // Preis: 18,90 € // Genre: Young Adult, Kinder- und Jugendbuch, Romantik, Fantasy
Für Sam ist das Unvorstellbare Wirklichkeit geworden: Er hat eine Zukunft. Er wird nicht in zehn, zwölf oder fünfzehn Jahren sterben – und er wird ein Mensch bleiben. Niemals wieder wird er sich ‘nach dem Sommer’ in einen Wolf verwandeln.
Endlich kann er Pläne schmieden – für sich alleine und auch mit seiner Freundin Grace; doch die hütet ein Geheimnis. Sie fürchtet das Tier, das in ihr lauert...
Meine Meinung
“Ruht das Licht” knüpft nahtlos an “Nach dem Sommer” an. Wie auch schon im ersten Band wechseln die Erzählperspektiven: Es kommen neben Grace und Sam auch Isabel und eine neue Figur, Cole, zu Wort. Die jeweiligen Abschnitte werden aus Sicht der ersten Person geschildert und ermöglichen so mehrere Blickwinkel auf verschiedene Situationen. Es ist klug, Isabel und (insbesondere) Cole in der ersten Figur zu Wort kommen zu lassen, denn erst so erkennt man ihre Facetten – allerdings sind vier Figuren vielleicht etwas zu viel für diese Art der Erzählperspektive. Im Gesamtbild wirken dadurch einzelne Passagen sprunghaft und nicht wie “aus einem Guss” – und auf der anderen Seite ist es schwierig komplexe Figuren einzubringen, wenn jede von ihnen nur “kurz” ihre Eigensicht schildert.
Maggie Stiefvater ist es gelungen, zumindest teilweise facettenreiche Figuren zu erschaffen. Zunächst fällt Isabel als besonders gelungen auf – im ersten Band der Trilogie noch Zicke und Biest, mit einigen “sensiblen Momenten”, wird in “Ruht das Licht” ihre ängstliche und zerbrechliche Seite sehr viel stärker. Zeitweise wirkt sie so verletzlich, dass sie zur Sympathieträgerin des Buches wird, wenn sie ihre Ängste und Zweifel niederringt und die Dinge doch wieder anpackt.
Auch Cole ist so eine Figur, die durch ungewohnte Seiten und Komplexität überzeugt. Da ist zunächst einmal seine schwierige ‘Startsituation’ und seine Art und Weise, mit den Dingen umzugehen; Drogen, Sex, Flucht und Arroganz. Doch auf der anderen Seite stehen eine tiefe Sensibilität, eine große Intelligenz, Mitgefühl, vielleicht auch Angst und der Wunsch, nicht mehr er selbst sein zu müssen, weil er um seine vielen Fehler weiß. Cole war für mich das Highlight in “Ruht das Licht” und ich hoffe, dass er auch im folgenden Band eine wichtige Rolle einnehmen wird. Er war die mit Abstand facettenreichste Figur, die bisher in der Reihe auftauchte.
Diesen beiden vielschichtigen und interessanten Figuren, Isabel und Cole, stehen Grace und Sam gegenüber. Während sie in “Nach dem Sommer” im Mittelpunkt der Geschehnisse standen, scheinen sie in “Ruht das Licht” beinahe nur eine Nebenrolle zu spielen – denn sie entwickeln sich nur wenig, sie bleiben farblos und gehen neben Isabel und Cole unter.
Sam hat keine Ecken und Kanten. Er ist einfach zu glatt – immer um Höflichkeit bemüht, stets freundlich und zuvorkommend… Ein guter Sänger, ein abgöttisch-liebender Freund, ein treusorgender “Anführer”, der versucht, mit jedem auszukommen… Einfach “der nette Kerl von nebenan”. Dadurch, dass sich seine Beziehung zu Grace nicht weiterentwickelt und auch nichts wirklich Neues von Seiten der Wölfe auf ihn zukommt, fehlt hier jede Chance auf eine Veränderung, die ihn interessant werden lässt. Das ist wirklich schade, dann im ersten Band mochte ich Sam sehr, sehr gerne, während er in “Ruht das Licht” nur langweilig auf mich wirkt. Sie entwickelt sich zwar ein wenig, aber eher in eine “negative” Richtung. Sie wirkt unvernünftig, manchmal auch planlos und Sam gegenüber auch das ein oder andere Mal unaufrichtig. Auch wenn ihre Motive dafür klar sind, finde ich ihr Verhalten nicht gerade plausibel – in “Ruht das Licht” wirkte sie anders auf mich, nämlich so, als würde sie mit Sam alles teilen wollen, auch auf die Gefahr hin, dass er sich sorgt. Insgesamt empfand ich ihre Figur als nicht stimmig.
Den Vogel hat Maggie Stiefvater aber mit Graces Eltern abgeschossen: Ihre Tochter ist ihnen permanent so etwas von egal – aber als auf einmal ein Freund auf der Bildfläche erscheint (und wir rufen uns an dieser Stelle ins Gedächtnis, dass Grace 17 Jahre alt ist), werden sie plötzlich absolut autoritär und rechthaberisch (und das, obwohl ja eigentlich nichts passiert (ist)). Das kann ich einfach überhaupt nicht nachvollziehen – und für mich wirkte diese ganze Geschichte um Grace und ihre Eltern einfach so, als hätte noch unbedingt irgendein Störfaktor in die Beziehung von Sam und Grace hineingemusst; Das Ganze erschien mir als viel zu konstruiert und brachte eigentlich weder die Handlung, noch die Figuren “richtig” voran.
Die Handlung war insgesamt relativ dünn und vorhersehbar – eigentlich ist fast nichts passiert. Mit Cole ist eine gute, neue Figur hinzugekommen, doch weder in der Beziehung von Grace/Sam kam es zu großartigen Veränderungen, noch im Wolfsrudel oder in den äußeren Umständen der Handlung. In meinen Augen hat die Geschichte letztlich nur durch Cole und Isabel wirklich an Boden gewonnen und sowohl ihre Beziehung zueinander als auch ihre eigenen “Geschichten” haben für mich den Reiz von “Ruht das Licht” ausgemacht. Sam und Grace konnten mein Interesse hingegen nur mäßig fesseln und immer, wenn es irgendwie um Graces Eltern ging, wollte ich das Buch genervt zur Seite legen.
In einem Punkthat Maggie Stiefvater in Bezug auf die Handlung aber wirklich sehr punkten können: Sie hat darauf verzichtet, eine Dreieckskiste einzubringen, worüber ich bei der Lektüre wirklich, wirklich froh war.
Isabels Vater hätte eine interessante Rolle einnehmen können – durch seine “Jagd” auf die Wölfe wäre es möglich gewesen, eine Bedrohung einzubauen, die sich vom Leser nicht leicht vorherbestimmen lässt… Das ganze Wolfsthema wird wohl hoffentlich im dritten Teil noch einmal vertieft zur Sprache kommen, denn “Ruht das Licht” hat einige interessante Aspekte aufgeworfen, die mit Sicherheit noch wunderbar ausgebaut werden können.
Fazit
Isabel und Cole haben mir wirklich gut gefallen, Grace und Sam waren eher langweilig. Die Handlung kam nicht recht in Gang und wurde durch Graces Eltern, die in ihrem Handeln nicht schlüssig wirkten, in die Länge gezogen. Einige interessante Aspekte lassen auf mehr Spannung im dritten Teil hoffen – und vielleicht gefällt mir “In deinen Augen” (September 2012) ja dann auch wieder so gut wie “Nach dem Sommer”.
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