Lauren Oliver – Delirium (amor deliria nervosa)

Autor: OLIVER, Lauren // Titel: Delirium (amor deliria nervosa) // Originaltitel: Delirium // Verlag: Carlsen Verlag // Erschienen: “Delirium” erscheint am 01. November 2011 // ISBN-10: 3551582327 // ISBN-13: 978-3551582324// Seiten: 416 Seiten // Ausgabe: gebundene Ausgabe // Preis: 18,90 € // Genre: Dystopie, Kinder- und Jugendbuch, Romantik

Lena lebt in einer Welt, in der alles perfekt ist – perfekt, weil die Menschen nicht durchdrehen, kaum kriminell sind, keine Depressionen haben… Perfekt, weil die Regierung das Heilmittel für die armor deliria nervosa, die Liebe, gefunden hat – die Krankheit, die alle Menschen irgendwann befällt und deren Folgen unabsehbar sind.
Kurz vor ihrem 18. Geburtstag soll auch Lena den Eingriff über sich ergehen lassen. Ihr Leben lang hat sie ihn herbei gesehnt, denn ihre Mutter fiel der Krankheit zum Opfer – doch dann lernt sie Alex kennen, der ihr Weltbild auf den Kopf stellt…

Meine Meinung

Zunächst besticht Lauren Olivers Buch “Delirium” durch die Sprache, die zwar schlicht, aber dennoch ausdrucksstark ist. Das Buch wirkt wie aus einem Guss – es gibt keine sprachlichen Auffälligkeiten, die ich als störend empfinde – und liest sich sehr gut und flüssig.
Der Inhalt ist nicht neu: George Orwells 1984 ist, wie in vielen anderen Dystopien, hier sicherlich auch Pate gewesen, trotzdem hat sie nicht einfach “abgekupfert”, sondern sich sichtlich um Originalität bemüht.
Lena, die Protagonistin, ist keine einfache Figur. Sie hat früh ihre Eltern verloren und ist bei ihrer Tante und ihrem Onkel aufgewachsen – aus lauter Angst, aufzufallen, hat sie sich immer angepasst und schließlich die Vorstellungen der Regierung so stark verinnerlicht, dass sie es kaum erwarten kann, ihren “Eingriff” zu haben. Sie fürchtet die armor deliria nervosa und überhaupt alles, was nicht konform ist. Bis sie erkennt, dass Liebe etwas Wunderschönes sein kann und dass ein Leben ohne Liebe vielleicht unkompliziert, dafür aber nicht lohnenswert ist, muss sie einen langen Weg gehen, sich oft selbst überwinden und sich selbst, ihre Ansichten und die Ansichten ihrer Familie hinterfragen.
Am Besten hat mir Hana gefallen, denn Hana hat bereits lange vor Lena begonnen, das System in Frage zu stellen. Sie will das Leben spüren, das außerhalb der ganzen Regeln existiert und setzt sich über Grenzen hinweg, ohne vor den Konsequenzen zurückzuschrecken. Trotz allem, was zwischen ihr und Lena vorfällt, deckt sie Lena und hilft ihr, wo sie nur kann.
Neben zwei so schön konstruierten Figuren, bleibt Alex leider blass und unauffällig. Es gibt einfach keine “Reibungsfläche”, er ist durch und durch gut und deswegen völlig langweilig. Schade!
Das System, in dem Lena, Hana und Alex leben, ist sorgfältig konstruiert. Ein Szenario, das anfangs zwar eigenartig, aber harmlos anmutet, wird schnell brutal und bedrohlich. Der schaurige Höhepunkt stellt hier mit Sicherheit Lenas Besuch in Block 6 dar. Die zunehmende Brutalität ist es auch, die mir besonders gut gefallen hat, weil sie das Buch immer ernster hat wirken lassen und die Atmosphäre immer faszinierender wurde.
Die Handlung hat mich zu Beginn nicht fesseln können, doch das änderte  sich schnell mit der ersten Razzia, mit dem ersten wirklichen Eingreifen des Staates. Von diesem Moment an war wirklich klar, wirklich spürbar, dass es hier nicht um eine “schöne neue Welt” geht.
Die Geschichte zwischen Lena und Alex war vorhersehbar (insbesondere das Ende), trotzdem habe ich sie genossen, weil sie nicht kitschig rüberkam, sondern relativ “normal” gewirkt hat. Ich mag ja keine kitschigen Liebesgeschichten…
Sehr gut haben mir kleinen einleitenden Passagen gefallen, welche sich die Autorin für jedes Kapitel ausgedacht hat. Durch die vermeintlichen Auszüge aus dem Buch Psst oder angeblichen Kinderliedern und -Reimen, werden die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit besser verwischt; Man ist nicht gleich mittendrin im Geschehen, sondern wird an die Hand genommen und in die Situation hineingeführt.

Fazit

“Delirium” hat mir alles in allem gut gefallen. Das Buch hebt sich jetzt nicht sonderlich von anderen Büchern des Genres ab, wartet aber dennoch mit interessanten Einfällen auf und ist insgesamt ansprechend und interessant gestaltet. Mit der Protagonistin Lena bin ich nicht wirklich warm geworden, auch Alex blieb mir fremd.
Da die Handlung mit einer unerwarteten Wendung überraschte, freue ich mich auf die Fortsetzung des Buches.

Danke an lovelybooks und den Carlsen-Verlag für das Rezensionsexemplar.

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