Sven Koch – Brennen muss die Hexe

Autor: Sven Koch // Titel: Brennen muss die Hexe // Verlag: Knaur Verlag // Erschienen: 1. Juni 2012 // ISBN-10: 3426508559 // ISBN-13978-3426508558 // Seiten: 416 // Ausgabe: Taschenbuch // Preis: 8,99 € / 14,90 CHF // Genre: Kriminalroman

In Lemfeld treibt ein Mörder sein Unwesen: Er foltert Frauen und verbrennt sie anschließend bei lebendigem Leibe. Schnell stößt die Polizeipsychologin Alexandra von Stietencron auf eine Spur, die sie tief in die blutige Vergangenheit der Region führt – und der Mörder beobachtet jeden ihrer Schritte.

Meine Meinung

“Brennen muss die Hexe” kommt zunächst als typischer Krimi daher: eine Profilerin mit Vergangenheit, die es mit ihren überwiegend männlichen Kollegen nicht immer einfach hat, ein Serienmörder, der in Wahnvorstellungen verhaftet ist, inszenierte Tatorte, Lebensgefahr und ein Hauch von einem Mysterium…
Interessant war “Brennen muss die Hexe” für mich in erster Linie, weil ein Bezug zur Hexenverfolgung besteht. Ich kam diesbezüglich nicht wirklich auf meine Kosten, dafür hat der Autor einen interessanten Aspekt eingebracht, mit dem ich nicht gerechnet habe: Esoterik und/oder Wicca. Hätte Sven Koch diese Thematik (deutlich) stärker ausgebaut, hätte mir der Krimi wohl besser gefallen – so verbleibt der Roman in “typischen” Krimibahnen und hebt sich meiner Meinung nach nicht sonderlich von vielen anderen Krimis ab, auch wenn die Verbindung zu Afghanistan interessant ist.
Etwas Mühe hatte ich mit der Protagonistin Alex – nicht, weil ich sie unsympathisch finde, sondern weil auf mich zu übertrieben wirkt: Mit ihren knapp 30 Jahren hat sie ein Medizinstudium angefangen, in Psychologie abgeschlossen, Fortbildungen etc. bei der Polizei gemacht und ist nun “Profilerin” – das alles natürlich, obwohl ihre Eltern mit ihrer Studienwahl nicht zufrieden waren und obwohl ihre Vergangenheit von einem grausamen Ereignis überschattet wird, das sie erst dazu gebracht hat, diesen Beruf zu ergreifen. Das ist für meinen Geschmack einfach etwas zu viel des Guten – wahrscheinlich, weil man als Leser außer diesen Aspekten doch recht wenig über Alex erfährt (nunja, es gibt da noch so ein völlig überflüssiges Telefonat…). So erscheint sie etwas zu einseitig.
Sehr schade ist meiner Meinung nach, dass Schneider, Alex’ Kollege, wirklich zur Nebenfigur verkommt – denn Alex und Schneider sind eigentlich ein gutes Team… Von den übrigen Nebenfiguren bleibt der autistische Historiker noch am Besten im Gedächtnis – über die Gründe schweige ich hier, denn ich möchte ja nicht zu viel verraten ; )
Überhaupt habe ich – als angehende Historikerin – mich sehr darüber gefreut, dass gleich zwei Historiker im Roman auftauchten und beide nicht den gängigen Historikerklischees entsprachen (auch wenn ich den Vergleich mit Ville Valo und Bon Jovi (war es Bon Jovi? Ville Valo ist mir natürlich in Erinnerung geblieben!) als etwas unpassend empfand).
“Brennen muss die Hexe” konnte mich leider auch nicht wirklich fesseln, da ich den Mörder recht früh erkannt hatte (und die andere Fährte einfach zu plump und einfach gewesen wäre). Auch war viel zu schnell klar, wohin die Reise führt – und das Ende war mir erneut etwas “zu viel”, um mir gut zu gefallen.

Fazit

Insgesamt betrachtet finde ich “Brennen muss die Hexe” nicht schlecht, aber es gibt doch zu viele Dinge, die mich das Buch eher mittelmäßig bewerten lassen: 1) Die Protagonistin, die zu eindimensional wirkt, 2) die z.T. interessanten Nebenfiguren, deren Potential nicht ausgeschöpft wird, 3) die stereotyp wirkende Entwicklung der Handlung und die aus diesem Grund z.T. fehlende Spannung, 4) die z.T. zu nebensächlichen Dialoge und nicht zuletzt 5) das für meinen Geschmack zu übertriebene Ende. Dennoch hat mich das Buch gut unterhalten : )

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