Autor: Ulrike Schweikert // Titel: Lycana – Die Erben der Nacht // Verlag: cbt // Erschienen: 6. Oktober 2008 (broschierte Ausgabe) // ISBN-10: 3570304795 // ISBN-13: 978-3570304792 // ASIN: B004OL2R02 // Seiten: 544 // Ausgabe: Kindle E-Book // Preis: 9,99 € (E-Book) / 12 € (broschierte Ausgabe) // Genre: Jugendbuch, Fantasy
Für die Jungvampire ist das zweite Lehrjahr an der erst kürzlich gegründeten Akademie gekommen. Ihr Weg führt sie dabei nach Irland zum Clan der Lycana, wo sie mit einer gefährlichen Fehde zwischen Vampiren und Werwölfen konfrontiert werden – zudem scheint Ivy etwas vor ihren Freunden zu verbergen…
Meine Meinung
Lycana weist meiner Meinung nach ähnliche Schwächen auf, wie schon Nosferas: Die Handlung ist in weiten Teilen ebenso vorhersehbar, wie auch das Verhalten der Protagonisten. Wer einen spannungsgeladenen Vampirroman erwartet, wird mit dem Jugendbuch also sicherlich nicht auf seine Kosten kommen. Auch nimmt sich Ulrike Schweikert einem bereits oft behandelten Thema an, wenn sie über einen Streit zwischen Werwölfen und Vampiren berichtet – dabei hätten die Druiden doch sicher auf eine spannende(re) Art und Weise eingearbeitet werden können…
Während ich bei Nosferas jedoch vor allen Dingen die fehlende Atmosphäre kritisierte, ist es die Atmosphäre in Lycana, die das Buch sehr lesenswert macht: Irland ist einfach wunderbar beschrieben und auch in diesem Roman hat Ulrike Schweikert wieder historische Begebenheiten mit einbezogen. Wie schon im ersten Teil der Reihe empfand ich die Rolle Bram Stokers (und auch Oscar Wildes) als zu… ja, als was eigentlich? Ich denke, “plakativ” trifft es recht gut: Eigentlich sind weder Stoker noch Wilde (wirklich) wichtig für die Handlung (vielleicht ändert sich das ja noch in den folgenden Bänden?) und fügen sich auch nicht gut in den Verlauf ein. Jedesmal, wenn ich auf die beiden stieß, fragte ich mich, ob es wirklich nötig war, sie auf diese Art und Weise in den Roman einzuflechten.
Ich hatte diesmal etwas Mühe mit dem Schreibstil der Autorin, da insbesondere die direkte Rede für meinen Geschmack zu konstruiert und künstlich wirkte. Als Historikerin und Sprachwissenschaftlerin bin ich mir darüber bewusst, dass im 19. Jahrhundert andere sprachliche Konventionen galten, als heute. Dennoch erscheint mir die Sprache als sehr überformt und daher auch als wenig authentisch in Anbetracht der jugendlichen Protagonisten (denn auch im 19. Jahrhundert haben “Kinder”, wenn sie unter sich waren, bestimmt nicht immer hochgestochen und sonderlich geschliffen gesprochen). Über diesen Aspekt bin ich bei der Lektüre immer wieder gestolpert.
Dies, gepaart mit den vielen Längen in der Handlung, der spärlichen Weiterentwicklung der Protagonisten und den vielen neuen Figuren und Orten, hemmte für mich den Lesefluss enorm und führte dazu, dass ich wirklich lange an Lycana gelesen habe, weil mir oft die Lust dazu fehlte, meine Lektüre fortzusetzen. Insbesondere aus den neu eingeführten Figuren wurde ich – bezüglich ihrer Funktion für die Handlung – nicht immer schlau; manchmal trugen sie gar zu Verwirrung bei.
Ich habe mich sehr gewundert, dass Ulrike Schweikert in Lycana ein paar Ideen, die eigentlich sehr schön waren, nicht weiter ausgebaut hat: Dies betrifft einerseits die Druiden, die zwar vorkommen, aber trotz Tara eher ein Randphänomen bleiben – andererseits betrifft es die Liebesgeschichte zwischen Vampir und Werwolf. Auch die Geschichte Ivys kam meiner Meinung nach zu kurz, obwohl doch fast das ganze Buch auf ihren Hintergrund hinauslief. Nun ja, wenigstens hat Ivy jetzt ihre “geheimnisvolle Aura” verloren (die mich beim Lesen zusehends gestört hat, weil ich sie von Anfang an nicht annähernd so besonders fand, wie ihre vampirischen Mitstreiter ;-))
Fazit
Insgesamt vergebe ich 2,5 Sterne, weil ich Nosferas mit 3 Sternen bewertet habe, Lycana aber deutlich schwächer finde: Zu viele (nicht näher vertiefte) Figuren, zu viel Aufsehen um Ivy, eine zu vorhersehbare Handlung und die vielen Längen haben immer wieder dazu geführt, dass ich das Buch für längere Zeit aus der Hand legte. Ich hoffe, dass die Reise zu den Pyras etwas spannender (und vielleicht auch etwas “tiefgründiger”) wird.
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