Ulrike Schweikert – Lycana (Erben der Nacht #2)

Autor: Ulrike Schweikert // Titel: Lycana – Die Erben der Nacht // Verlag: cbt // Erschienen: 6. Oktober 2008 (broschierte Ausgabe) // ISBN-10: 3570304795 // ISBN-13978-3570304792 // ASIN: B004OL2R02 // Seiten: 544 // Ausgabe: Kindle E-Book // Preis: 9,99 € (E-Book) / 12 € (broschierte Ausgabe) // Genre: Jugendbuch, Fantasy

Für die Jungvampire ist das zweite Lehrjahr an der erst kürzlich gegründeten Akademie gekommen. Ihr Weg führt sie dabei nach Irland zum Clan der Lycana, wo sie mit einer gefährlichen Fehde zwischen Vampiren und Werwölfen konfrontiert werden – zudem scheint Ivy etwas vor ihren Freunden zu verbergen…

Meine Meinung

Lycana weist meiner Meinung nach ähnliche Schwächen auf, wie schon Nosferas: Die Handlung ist in weiten Teilen ebenso vorhersehbar, wie auch das Verhalten der Protagonisten. Wer einen spannungsgeladenen Vampirroman erwartet, wird mit dem Jugendbuch also sicherlich nicht auf seine Kosten kommen. Auch nimmt sich Ulrike Schweikert einem bereits oft behandelten Thema an, wenn sie über einen Streit zwischen Werwölfen und Vampiren berichtet – dabei hätten die Druiden doch sicher auf eine spannende(re) Art und Weise eingearbeitet werden können…

Während ich bei Nosferas jedoch vor allen Dingen die fehlende Atmosphäre kritisierte, ist es die Atmosphäre in Lycana, die das Buch sehr lesenswert macht: Irland ist einfach wunderbar beschrieben und auch in diesem Roman hat Ulrike Schweikert wieder historische Begebenheiten mit einbezogen. Wie schon im ersten Teil der Reihe empfand ich die Rolle Bram Stokers (und auch Oscar Wildes) als zu… ja, als was eigentlich? Ich denke, “plakativ” trifft es recht gut: Eigentlich sind weder Stoker noch Wilde (wirklich) wichtig für die Handlung (vielleicht ändert sich das ja noch in den folgenden Bänden?) und fügen sich auch nicht gut in den Verlauf ein. Jedesmal, wenn ich auf die beiden stieß, fragte ich mich, ob es wirklich nötig war, sie auf diese Art und Weise in den Roman einzuflechten.

Ich hatte diesmal etwas Mühe mit dem Schreibstil der Autorin, da insbesondere die direkte Rede für meinen Geschmack zu konstruiert und künstlich wirkte. Als Historikerin und Sprachwissenschaftlerin bin ich mir darüber bewusst, dass im 19. Jahrhundert andere sprachliche Konventionen galten, als heute. Dennoch erscheint mir die Sprache als sehr überformt und daher auch als wenig authentisch in Anbetracht der jugendlichen Protagonisten (denn auch im 19. Jahrhundert haben “Kinder”, wenn sie unter sich waren, bestimmt nicht immer hochgestochen und sonderlich geschliffen gesprochen). Über diesen Aspekt bin ich bei der Lektüre immer wieder gestolpert.

Dies, gepaart mit den vielen Längen in der Handlung, der spärlichen Weiterentwicklung der Protagonisten und den vielen neuen Figuren und Orten, hemmte für mich den Lesefluss enorm und führte dazu, dass ich wirklich lange an Lycana gelesen habe, weil mir oft die Lust dazu fehlte, meine Lektüre fortzusetzen. Insbesondere aus den neu eingeführten Figuren wurde ich – bezüglich ihrer Funktion für die Handlung – nicht immer schlau; manchmal trugen sie gar zu Verwirrung bei.

Ich habe mich sehr gewundert, dass Ulrike Schweikert in Lycana ein paar Ideen, die eigentlich sehr schön waren, nicht weiter ausgebaut hat: Dies betrifft einerseits die Druiden, die zwar vorkommen, aber trotz Tara eher ein Randphänomen bleiben – andererseits betrifft es die Liebesgeschichte zwischen Vampir und Werwolf. Auch die Geschichte Ivys kam meiner Meinung nach zu kurz, obwohl doch fast das ganze Buch auf ihren Hintergrund hinauslief. Nun ja, wenigstens hat Ivy jetzt ihre “geheimnisvolle Aura” verloren (die mich beim Lesen zusehends gestört hat, weil ich sie von Anfang an nicht annähernd so besonders fand, wie ihre vampirischen Mitstreiter ;-))

Fazit

Insgesamt vergebe ich 2,5 Sterne, weil ich Nosferas mit 3 Sternen bewertet habe, Lycana aber deutlich schwächer finde: Zu viele (nicht näher vertiefte) Figuren, zu viel Aufsehen um Ivy, eine zu vorhersehbare Handlung und die vielen Längen haben immer wieder dazu geführt, dass ich das Buch für längere Zeit aus der Hand legte. Ich hoffe, dass die Reise zu den Pyras etwas spannender (und vielleicht auch etwas “tiefgründiger”) wird.

Ransom Riggs – Die Insel der besonderen Kinder (Miss Peregrine #1)

Autor: Ransom Riggs // Titel: Die Insel der besonderen Kinder (Bd. 1) // OriginaltitelMiss Peregrine’s Home for Peculiar Children // Verlag: Pan Verlag // Erschienen: 02. November 2011 // ISBN-10: 3426283689 // ISBN-13978-3426283684 // Seiten: 416  // Ausgabe: gelesen als E-Book (Knaur-Ebook / ASIN: B005UL2GEM) // Preis: 14.99 € // Genre: Fantasy, Buchreihe, Jugendbuch

Der fünfzehnjährige Jacob ist der Einzige in der Familie, der eine enge Verbindung zu seinem Großvater Abraham hat: der exzentrische alte Mann macht es seiner Familie nicht leicht. Offenbar unter Verfolgungswahn leidend hortet er Waffen und erzählt wirre Geschichten über Kinder mit besonderen Fähigkeiten…
Jacob glaubt schon lange nicht mehr an diese Erzählungen – die Fotos, die sein Großvater ihm als Beweis zeigte, sind offensichtlich gefälscht. Doch dann muss Jacob mit ansehen, wie eigenartige Wesen seinen Großvater ermorden – hat der alte Mann etwa doch die Wahrheit gesagt?

Meine Meinung

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Von der ersten Seite an fand ich “Die Insel der besonderen Kinder” fesselnd. Ransom Riggs Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen – schnell baut er sowohl durch die Handlung als auch durch seine Wortwahl eine stimmige Atmosphäre auf, die einerseits unheimlich, andererseits anheimelnd ist.

Jacob ist ein angenehmer Protagonist: Mit typischen Teenager-Problemen (die – etwas ungewöhnliche – erste große Liebe, Selbstzweifeln, Selbstfindung etc.) konfrontiert hangelt er sich durch sein Leben und doch ist da viel mehr. Er bemerkt, dass er nicht ist, wie die anderen. Ransom Riggs beschreibt einen jungen Mann, der seinem Alter voraus ist, viel nachdenkt – über sich selbst und über andere und der bereit ist, Opfer zu bringen und sich um die Menschen in seinem Umfeld sorgt. Jacob wird, mit den Ereignissen auf der Insel und rund um die besonderen Kinder, spürbar reifer und obwohl er vor allen Dingen sehr sympathisch wirkt, hat er doch seine kleinen Ecken und Kanten.

Die anderen Protagonisten zu “entdecken” ist spannend: Wer sind diese “Kinder”? Was macht sie so besonders? Was hat es mit Miss Peregrine auf sich? Was ist zwischen Emma und Abe vorgefallen? Leider bleibt bei so vielen Figuren die Tiefe einzelner Figuren auf der Strecke, doch selbst Jacobs Vater, der wirklich als “Nebenfigur” bezeichnet werden kann, bleibt auch nach der Lektüre noch erstaunlich gut im Gedächtnis.

Insgesamt entwickeln sich sowohl die Figuren als auch die Handlung sehr konsequent und logisch weiter.

Die Handlung ist mitreissend: Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen miteinander und es gilt, Geheimnisse zu lüften. Ransom Riggs treibt die Geschichte stellenweise sehr schnell voran, vergisst darüber aber nicht, auch retardierende Momente an den richtigen Stellen einfließen zu lassen… Besonders überraschend gestaltet sich der Handlungsverlauf nicht, aber durch die Atmosphäre und die Details, die zum Weiterlesen animieren, fällt dies auch nicht großartig ins Gewicht.

Interessant ist die Aufmachung des Buches: Es sind alte Fotos eingefügt. Laut Nachwort des Autos handelt es sich dabei um wirkliche Sammlerstücke (also nicht um Fotographien, die extra für das Buch angefertigt wurden), die ihn zum Buch inspiriert haben. Die Bilder passen einfach perfekt und unterstreichen das Geschriebene noch einmal eindrücklich.

Insgesamt kann ich mir vorstellen, dass die Geschichte mit einem “runden” Ende vielleicht noch besser gewirkt hätte. Da es sich um den Auftakt einer Reihe handelt, gibt es natürlich ein dementsprechend offenes Ende…

Fazit

Ich bin ja wirklich furchtbar lange um dieses Buch herumgeschlichen wie die Katze um die Sahne und war mir einfach nicht sicher, ob ich es kaufen sollte oder nicht. Mein Freund hat mir dann die Entscheidung abgenommen – zum Glück! “Die Insel der besonderen Kinder” ist – trotz einiger kleiner Schwächen – eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Das Buch war insgesamt einfach stimmig, mitreißend, romantisch, lustig, traurig… Ich hoffe, ich habe nun nicht zu hohe Erwartungen an den zweiten Teil ; )

Cassandra Clare: City of Bones (Chroniken der Unterwelt #1)

Autor: Cassandra Clare // Titel: City of Bones (Chroniken der Unterwelt #1) // Originaltitel: City of Bones (The Mortal Instruments) // Verlag: Arena Verlag // Erschienen: 15. Januar 2008 // ISBN-10: 3401502603 // ISBN-13978-3401502601 // Seiten: 504  // Ausgabe: Taschenbuch (broschiert) // Preis: 13.99 € / 22.90 CHF // Genre: Fantasy, Buchreihe, Jugendbuch

Clarissa wird in einem New Yorker Szene-Club zur Zeugin eines Mordes – eines Mordes, den ausser ihr niemand wahrnimmt, da sich das Opfer in Luft auflöst und die drei Teenager, die den Mord begangen haben, sowohl für ihren guten Freund Simon als auch für den Türsteher unsichtbar sind.
Als dann auch noch Clarys Mutter verschwindet und sie von einem eigenartigen Wesen angegriffen wird, ist ihr klar, dass etwas vor sich geht, was die Grenzen der ihr bekannten Welt übersteigt…

Meine Meinung

Cassandra Clare hat ein paar Runen, ein paar Fabelwesen und ein paar Stellen aus der Bibel zusammen in einen Topf geworfen und kräftig herumgerührt: Herausgekommen ist der Auftakt der Mortal Instruments Reihe.

Und nun habe ich ernsthafte Schwierigkeiten damit, eine Rezension zu schreiben. Es ist nicht so, dass ich das Buch sehr gut oder sehr schlecht gefunden hätte. Es ist auch nicht so, dass ich genau sagen kann, was mir mehr und was mir weniger gefallen hat. City of Bones hat bei mir einfach gar keinen Eindruck hinterlassen. Oder vielleicht doch?

Als eher störend empfand ich die gesamte Anlage des Buches: Für mich wirken weder die Figuren, noch die Handlung oder die “Parallelwelt” sonderlich gut durchdacht. City of Bones hat von allem etwas, aber das gewisse Etwas fehlt. Vampire, Dämonen, Dämonenjäger, Werwölfe, Feen – sie alle tauchen in City of Bones auf, bleiben aber weitestgehend ohne Hintergrund, ohne Geschichte, ohne Tiefgang.
Ebenso, wie sämtliche Protagonisten. Einzig Jace und Alec haben noch ein wenig Tiefe, sind aber dennoch “offene Bücher”. Die Figuren sind insgesamt genauso  vorhersehbar, wie die Handlung, auch wenn sich die Autorin sichtbar darum bemüht hat, Figuren anders handeln zu lassen, als man es auf den ersten Blick erwarten würde. Vielleicht habe ich bei der Lektüre auch nur zu genau hingesehen?
Es ist zwar schön, dass Cassandra Clare gerade in Bezug auf die Liebesgeschichte etwas abseits von den bereits eingelaufenen Pfaden gewandelt ist, aber das ändert leider nichts daran, dass man als Leser viel zu früh merkt, wohin der Hase läuft.
Das hat City of Bones dann insgesamt doch recht langweilig für mich gemacht, was im Prinzip kein Problem gewesen wäre, wenn der Rest “gestimmt” hätte; oft hatte ich das Gefühl, Cassandra Clare hätte aus vielen Stellen mehr herausholen können – an Tiefe und an Atmosphäre. Summa Summarum gab es für meinen Geschmack zu viele Stellen, die auf Mitleid und “Drama” aufgebaut haben, was irgendwie nicht so recht ins Konzept gepasst hat.
Der Humor in City of Bones hat mir gefallen – oh, und natürlich der Einfall mit den “stillen Brüdern”. Über die hätte ich wirklich gerne mehr erfahren. Und über Simon.

Sprachlich war mir das Buch stellenweise zu übertrieben, z.B. an der Stelle, an der Clary und Jace in die Wohnung von Clarys Mutter zurückkehren und dort auf den Dämon treffen. Im Prinzip ist gar nicht viel passiert, aber Cassandra Clare hat es in dieser Passage quasi geschafft, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen ; ) Das ist zuweilen ganz unterhaltsam, in City of Bones waren es für mich ein paar derartige Stellen zu viel.

Das klingt nun alles furchtbar negativ, aber City of Bones ist nicht schlecht: Es liest sich gut, Cassandra Clare hatte ein paar nette Einfälle und das Buch ist mit Sicherheit nicht schlechter als vieles, was sonst noch so an Urban Fantasy auf dem Markt ist.

Fazit

Ich kann wirklich nicht viel zu City of Bones sagen, weil das Buch bei mir einfach keinen wirklichen Eindruck hinterlassen hat; dafür war alles etwas zu “aneinandergestückelt” (was für ein Wort!) und irgendwie nicht rund. Eventuell werde ich die Fortsetzung lesen, wenn ich sie günstig bekomme, denn Potential hat die Reihe meiner Meinung nach definitiv.
Weil das Buch einen fast neutralen (eher ins Negative tendierenden) Eindruck hinterlassen hat, gibt es von mir fast neutrale 2,5 Sterne.

Ulrike Schweikert: Erben der Nacht – Nosferas (Erben der Nacht #1)

Autor: Ulrike Schweikert // Titel: Erben der Nacht – Nosferas (#1) // Originaltitel: - // Verlag: cbt // Erschienen: 10. März 2008 (Printausgabe) / 1. April 2009 (E-Book) // ISBN-10: 3570304787 (Print) // ISBN-13978-3570304785 (Print) // ASIN: B004OL2SII (E-Book) // Seiten: 448 Seiten (Print)  // Ausgabe: E-Book // Preis: 12.00 €  (Print)/5.99 (E-Book) // Genre: Fantasy, Buchreihe, Jugendbuch

Die alten, großen Vampirfamilien – die Nosferas, Vamalia, Lycana, Pyras, Dracas und die Vyrad -  sind vom Aussterben bedroht. Ihr “Genpool” ist erschöpft und so versuchen sie, ihre Clans auszusöhnen, indem sie ihre Kinder fortan gemeinsam unterrichten: unter-richten in den Dingen, die ein Vampir wissen muss, um überleben zu können. Doch die Erben der Nacht gehen ihre eigenen Wege und in Rom, der ersten Station ihres Unterrichts, lauern Vampirjäger…

Meine Meinung

Ulrike Schweikert ist für ihre historischen Romane bekannt und so ist auch “Nosferas” in ein historisches Setting eingebettet. Dieses ist ihr (überwiegend) sehr gut gelungen – für jugendliche Leser (Zielgruppe), die mit Tornüren, einem Ridikül o.ä. nichts anzufangen wissen, gibt es auch noch ein Nachwort, in dem diverse Begriffe erklärt werden.

Sprachlich hat mir “Nosferas” gut gefallen, auch wenn ich anfangs etwas Mühe mit den zum Teil recht ausufernden Beschreibungen hatte. Insgesamt hat die Autorin Wert auf ihren Ausdruck gelegt und das merkt man durch das ganze Buch hindurch.

Trotz den oftmals umfangreichen Schilderungen, vermag das Buch in meinen Augen nicht, eine Atmosphäre aufzubauen. Das finde ich enorm schade, weil gerade die Verbindung von Vampir- und historischem Roman so viele Möglichkeiten bietet, Stimmung zu erzeugen. Man bedenke z.B., wie wundervoll dies Anne Rice in “Interview mit einem Vampir” gelungen ist.

Dass die Erben der Nacht ohne eine besondere Atmosphäre auskommen müssen, ist vielleicht der Anlage eines Jugendbuchs geschuldet: Es werden viele Figuren eingeführt, von denen jedoch keine einzelne vertieft behandelt wird. Es treten Konflikte und Probleme zu Tage, es werden Konsequenzen und Lösungen aufgezeigt, doch kommen weder komplexe Figuren, noch eine tiefergehende Handlung zustande. Hier wäre weniger vielleicht mehr gewesen, egal, ob der Fokus dabei auf einer Liebesgeschichte oder einem Abenteuer gelegen hätte.

Immer wieder werden Situationen, die atmosphärisch “dicht” sind (z.B. nächtliche Ausflüge) durch Ereignisse unterbrochen, bei denen ich mich hinterher gefragt habe, ob diese wirklich nötig und der Handlung zuträglich waren. Hinzu kommen kleinere Fehler, die sich auch wieder auf die Atmosphäre auswirken, weil man als Leser – wenn man denn auf solche Kleinigkeiten achtet – irritiert wird; ein Beispiel dafür ist die Atmung der Vampire. So wird herausgestellt, dass diese eigentlich nicht atmen müssen, doch gibt es wiederholt Stellen, in denen z.B. die Beschleunigung der Atmung als Stilmittel benutzt wird, um Aufregung (o.ä.) zu verdeutlichen.
Schweikerts Vampire scheinen darüber hinaus Aasfresser zu sein, wenn sie der Hunger packt, sobald sie mit Leichen alleine in einem Raum sind. Diese Episode empfand ich persönlich ohnehin als relativ überflüssig.

Einige Figuren sind schön angelegt, z.B. der recht erwachsene Malcolm, der nagelkauende Luciano, der biestige Franz Leopold oder die geheimnisvolle Ivy-Máire – doch leider bleibt es dabei. Als etwas facettenreicher erscheint einzig “Leo”, bei dem jedoch auch schnell klar ist, dass hinter der harten Schale ein etwas weicherer Kern steckt.

Einerseits erfreulich, andererseits ärgerlich ist die Einbettung von “historischem Personal”: Wilde und Stoker kommen als Figuren zu Wort, von Hoffmann, Lewis und Byron ist die Rede, aber irgendwie… Da fehlt etwas. Wenn Stoker flapsig sagt “… und dann werde ich einen Vampirroman schreiben” (oder so etwas in der Art), dann wirkt das auf mich so künstlich in den Roman hineingebogen, so unnatürlich. Stellenweise hat man als Leser das Gefühl, dass es hier denn auch zu einem grossen Teil um Erziehung und Wissensvermittlung geht (Wissenschaftler und Autoren werden gestreift), was ja eigentlich nicht schlecht ist – doch wirken diese Details und Einschübe oft wie ein Fremdkörper, weil es bei kleinen Andeutungen bleibt, die einem das Gefühl vermitteln: “Ach, hier wurde noch einmal fix ein berühmter Autor der Schauerromantik eingeschoben.”

Die Handlung verlief – meinen Erwartungen entsprechend – ohne grosse Überraschungen.

Fazit

Ulrike Schweikert hat sich sichtlich bemüht, jüngeren Lesern (die ja auch Zielgruppe dieses Buches sind), geschichtliche Aspekte näherzubringen und sie mit (alltäglichen) Problemen und deren Lösungen zu fesseln. Die erste Liebe wird ebenso angesprochen, wie ein Generationenkonflikt oder Probleme in der Schule.
Dabei bewegt sich die Geschichte leider in vorhersagbaren Bahnen, den Figuren fehlt jegliche Tiefe und die Atmosphäre bleibt oft auf der Strecke.

Insgesamt vergebe ich 3 Sterne, weil ich Nosferas insgesamt nicht schlecht fand und der Meinung bin, dass es für die “Zielgruppe” sicherlich gut geeignet ist. Allerdings habe ich auch dass Gefühl, dass die Geschichte und Figuren mehr Potential bieten, als Ulrike Schweikert hier ausgeschöpft hat.

“Erben der Nacht: Nosferas” ist der erste Band der “Erben der Nacht”-Reihe. Bisher sind folgende Bände erschienen:

Nosferas (2008, ISBN 978-3-570-30478-5)
Lycana (2008, ISBN 978-3-570-30479-2)
Pyras (2009, ISBN 978-3-570-30480-8)
Dracas (2010, ISBN 978-3-570-30656-7)
Vyrad (2011, ISBN 978-3-570-30655-0)

Suzanne Collins – Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele (#1)

Autor: Suzanne Collins // Titel: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele (#1) // OriginaltitelThe Hunger Games // Verlag: Oetinger Verlag // Erschienen: 17. Juli 2009 // ISBN-10: 3789132187 // ISBN-13978-3789132186 // Seiten: 414 Seiten  // Ausgabe: gebundene Ausgabe // Preis: 17,90 € / 26,90 CHF  // Genre: Abenteuer, Jugendbuch, Young Adult, Dystopie

Panem et circenses! Die 74. Hungerspiele haben begonnen.

Im Land Panem herrscht das Kapitol: über Ressourcen, über Menschen… Das Land, das irgendwann einmal Nordamerika war, wurde in zwölf Distrikte eingeteilt, aus denen jeder 2 Tribute zu den “Hungerspielen” entsenden muss – jährlich. Von den 24 Tributen darf nur ein einziger überleben… Dies soll dazu dienen, die Menschen in den Distrikten immer wieder daran zu erinnern, dass das Kapitol die Gesetze macht und sie nichts weiter sind, als Arbeiter, die keine Rechte besitzen… Insbesondere sollen die Spiele daran erinnern, dass Aufstände und Widerstand gegen das Kapitol zwecklos sind.
Doch im Kapitol hat man die Rechnung ohne Katniss Everdeen gemacht, die für Distrikt 12 an den Hungerspielen teilnimmt…

Meine Meinung

Obwohl ich (noch relativ) genau wusste, was passiert, hat mich der erste Band nicht weniger gefesselt, als bei meiner ersten Lektüre vor zwei Jahren. Sprachlich ist das Buch zweifellos anstrengend (wenn man auf die Sprache achtet), da die Sätze oftmals einfach nur in der gleichen Art und Weise aneinandergereiht sind – aber ich habe das Gefühl, man kommt gar nicht so sehr dazu, auf den Schreibstil zu achten, weil man ab einem gewissen Punkt von der Handlung derart mitgerissen wird, dass solche Dinge schnell nebensächlich werden.
Dennoch kann ich nicht von der Hand weisen, dass ich bei der ersten Lektüre aufgrund des Schreibstils Einstiegsschwierigkeiten hatte und dies beim erneuten Lesen nicht anders war.

Katniss ist kein Jammerlappen – wie es ja so oft bei Protagonistinnen in Jugendbüchern der Fall ist – sondern ein junges Mädchen, das schon früh zu Kämpfen gelernt hat. Ihr starker Wille und ihre Fähigkeit, immer wieder über sich selbst hinauszuwachsen, kommen ihr in der Arena zu Gute. Nur zu verständlich sind ihre Zweifel an sich selbst und an Peeta – doch obwohl sie ab und an wankt und nicht genau weiß, welchen Weg sie einschlagen soll, gibt sie nicht auf.
Gale erscheint von Anfang an als Gegner des Kapitols. Als Katniss’ bester Freund versucht er natürlich, mit ihr über einen möglichen Widerstand zu reden – doch er scheitert. So viel bleibt ungesagt, als Katniss in die Arena geht.
Und dann ist da noch Peeta, der Junge mit dem Brot. Peeta scheint auf den ersten Blick ein offenes Buch zu sein, doch überrascht er stets aufs Neue durch das, was er sagt oder tut.
Mein Highlight ist übrigens Cinna, Katniss’ Stylist, der so ganz anders ist, als der Großteil der Menschen im Kapitol. Er strahlt Wärme aus – Vertrauen. Und es ist Cinna, der maßgeblich zur Rebellion beiträgt…

Die Handlung ist fesselnd: Nur einer von vierundzwanzig Tributen darf in der Arena überleben. Jeder Fehltritt könnte den Tod bedeuten. Und obwohl man bei der zweiten Lektüre natürlich schon weiß, was geschieht, hält man noch immer die Luft an, wenn die Jägerwespen angreifen, wenn Katniss und Peeta erkennen, dass sie es mit Mutationen zu tun haben – oder wenn Katniss einen ganz persönlichen Akt der Rebellion ausführt, indem sie die kleine Rue in einer Art und Weise ehrt, die so ganz und gar nicht in das Konzept des Kapitols passt.
Nicht ganz so interessant ist bei einer zweiten Lektüre natürlich die Anreise zum Kapitol – beim ersten Lesen hatte ich stets ein unbehagliches Gefühl. Einerseits wegen Haymitch und Effie, die ich beide schlecht einordnen konnte, andererseits, weil ich mir gar keine Vorstellung davon machen konnte, was Katniss und Peeta bei ihrer Ankunft erwarten würde.

Fazit und Gedanken zur Buchverfilmung

Insgesamt erwies sich “Gefährliche Spiele” auch bei der erneuten Lektüre als “Page-Turner”. Der schwache Sprachstil wird durch Handlung und Figuren (weitestgehend) wettgemacht.

May the odds be ever in your favor.

Ich halte die Hunger-Games-Verfilmung für enorm gelungen. Zum einen ist es schön, weitestgehend unbekannte Gesichter auf der Leinwand zu sehen – zum anderen wurde der Film, zumindest meiner Meinung nach, richtig zugeschnitten: Die Buchvorlage wurde sinnvoll abgeändert und gekürzt, ein paar Stellen wurden aus dem zweiten Band eingeschoben und haben dem Film somit mehr Tiefe verliehen.
Viele Leute haben sich darüber geärgert, dass so viele Dinge weggelassen wurden – aber das ist in Filmen doch immer der Fall. Es ist nicht möglich, jedes Detail einzufangen, wenn der Film hinterher keine massive Überlänge haben darf/soll. Meinem Empfinden nach gab der Film genug Details aus den Filmen wider und vor allen Dingen hat nichts gefehlt, was wirklich wichtig war.
Mich hat einzig und allein die Kameraführung etwas gestört, wobei es natürlich geschickt gelöst ist, Gewaltszenen dermaßen verwackelt darzustellen, dass man nicht mehr viel erkennt. Hätte sich das Wackeln (und die tlw. Unschärfe) nur auf die brutalen Szenen beschränkt, hätte ich damit vermutlich auch kein Problem gehabt – so war’s für mich etwas zu viel davon.

Jonathan Stroud: Bartimäus. Das Auge des Golem. (#2)

Autor: Jonathan Stroud // Titel: Bartimäus – Das Auge des Golem // Originaltitel: The Golem’s Eye (Bartimaeus Trilogy) // Verlag: Blanvalet // Erschienen: 13. Oktober 2008 // ISBN-10: 3442370035 // ISBN-13978-3442370030 // Seiten: 672 Seiten  // Ausgabe: Taschenbuch // Preis: 8,95 € / 16,90 CHF  // Genre: Fantasy, Jugendbuch

Nathanael arbeitet mit seinen 14 Jahren bereits für die Regierung – und nimmt weiterhin Bartimäus Dienste in Anspruch; dieser ist darüber natürlich alles andere als erfreut. Ihr gemeinsamer Weg führt sie nach Prag… Dort, so glaube sie, werden sie das Geheimnis um den Golem lüften können, der die Bevölkerung Londons in Atem hält.
Doch nicht nur ein Golem bereitet Nathanael Probleme. “Der Widerstand” organisiert weiterhin Aktionen gegen die Regierung und mit dem Einbruch in die Gruft des legendären Zauberers Gladstone gelingt es den Regierungsgegnern nicht nur, besondere Artefakte in ihren Besitzt zu bringen… Ausgerechnet Nathanael soll sowohl den Golem als auch die Angehörigen des Widerstands das Handwerk legen…

Meine Meinung

Der zweite Band der Trilogie ist meiner Meinung nach der spannendste (und da ich den dritten Band ja schon gelesen habe, kann ich mir da auch getrost ein Urteil bilden). Wie auch schon im ersten Teil, habe ich mich manches Mal aufs Glatteis führen lassen: Beim Lesen war ich mir nie wirklich sicher, ob ich mit meinen Vermutungen richtig lag.
Bartimäus macht keine nennenswerte Entwicklung durch, ich empfand ihn im zweiten Band dennoch als weitaus angenehmer (weniger “Witze” und Übertreibungen, mehr Ernsthaftigkeit) als in “Das Amulett von Samarkand”.
Nathanael ist  noch schleimiger, widerwärtiger, großspuriger und fieser als erwartet… Man muss schon recht genau hingucken (oder sich einfühlen), um zu bemerken, dass da noch etwas anderes mitschwingt, zum Beispiel Unsicherheit, die er durch seine unangenehme Art zu kompensieren versucht.
Wie auch schon im ersten Teil, spielt Stroud auch im zweiten Buch mit verschiedenen Perspektiven. Diese sind diesmal nicht auf Nathanael und Bartimäus beschränkt, sondern werden um Kittys Perspektive erweitert.
Endlich gab es mehr über den Widerstand zu lesen! Und endlich konnte ich auch mehr über Kitty erfahren – das hat sich wirklich gelohnt. Kitty erscheint nicht als strahlende Heldin oder graues, unauffälliges Gänschen… Sie ist irgendwo dazwischen. Sie hat so viele verschiedene Facetten, dass es immer wieder interessant war, ihre Geschichte mitzuverfolgen.
Auch die magische “Parallelwelt” gewinnt durch Kittys Perspektive an Tiefe, weil Kitty als “Gewöhnliche” eine andere Einstellung zu den Ereignissen hat, als er Dschinn Bartimäus oder der Zauberer Nathanael.

Fazit

Mir hat Kitty sehr gut gefallen und ich war froh, dass Bartimäus irgendwie weniger zu sagen hatte, denn mit seinem Humor bin ich immernoch  nicht recht warm geworden. Auch fand ich den zweiten Band spannender als den ersten. Enttäuscht hat mich die Entwicklung von Nathanael, weil er, wenn man nicht ganz genau liest, sehr eindimensional und unangenehm wirkt (und die “andere Seite” auch nur in winzigen Ansätzen zu erkennen ist) – das finde ich wirklich sehr, sehr schade. Insgesamt halten sich die positiven Veränderungen und die verschenkten Chancen die Waage, weshalb ich den  zweiten Band der Trilogie mit 3,5 Sternen bewerte – wie seinen Vorgänger “Das Amulett von Samarkand”.

In der Bartimäus-Reihe sind bisher erschienen:

  1. Das Amulett von Samarkand (2004)
  2. Das Auge des Golem (2005)
  3. Die Pforte des Magiers (2006)
  4. Der Ring des Salomo (2010)

Jonathan Stroud – Bartimäus. Das Amulett von Samarkand. (#1)

Autor: Jonathan Stroud // Titel: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand // OriginaltitelThe Amulet of Samarkand (Bartimaeus Trilogy) // Verlag: Blanvalet // Erschienen: 10. September 2007 // ISBN-10: 344236762X // ISBN-13978-3442367627 // Seiten: 544 Seiten  // Ausgabe: Taschenbuch // Preis: 8,95 € / 16,90 CHF  // Genre: Fantasy, Jugendbuch

Das hatte sich der 5000 Jahre alte Dschinn Bartimäus wirklich anders vorgestellt; anstatt sein Dasein nach seinem eigenen Gutdünken zu fristen, wird er von niemand geringerem als einem jugendlichen Rotzbengel gerufen, um für diesen ein wertvolles Amulett zu stehlen. Der Junge – Nathanel sein Name – hat gute Argumente, um den Dschinn zu erpressen. Bartimäus bleibt gar keine andere Wahl, als ihm zu helfen. Doch weder Nathanel noch  Bartimäus ahnen, in was sie durch den Diebstahl des Amuletts von Samarkand hineingeraten…

Meine Meinung

Bartimäus ist fies – im wahrsten Sinne des Wortes. Er verabscheut Zauberer und noch viel mehr verflucht er den Umstand, dass er ihnen zu Diensten sein muss, wenn sie bei ihren Beschwörungen nicht den ein oder anderen (entscheidenden) Fehler begehen. Nur zu gerne würde er dem kleinen Nathanael, den er nicht nur für arrogant und unfähig, sondern noch dazu für ziemlich uneinsichtig hält,  zeigen, was eine Harke ist. Doch Nathanael hat den Dschinn in der Hand und  dieser muss sich in sein Schicksal fügen…
Nathanael ist der Lehrling eines unfähigen Zauberers, der ihn bloßstellt, demütigt und vor allen Dingen absolut unterschätzt. Auch Simon Lovelace, in dessen Besitz sich das Amulett von Samarkand befindet, hat Nathanael gedemütigt und diese Schmach kann und will der junge Zauberer nicht auf sich sitzen lassen. Er riskiert Kopf und Kragen und beweist in mehr als einer Situation großen Mut und großes Talent…
Der Roman wird sowohl aus Bartimäus als auch aus Nathanels Sicht geschildert. Wirklich leiden können sich die beiden auf den ersten Blick nicht, doch schnell wird klar, dass ihr Verhältnis über eine reine “Zweckbeziehung” hinausgeht – wenn nicht aus Freundschaft, dann doch zumindest aus Sympathie füreinander, die sich beide nicht eingestehen wollen.
Für mich ist nicht Bartimäus, sondern Nathanael der eigentliche “Held” des Buches:  Er hat dermaßen viele Ecken und Kanten (er neigt zur Selbstüberschätzung, er ist überheblich, er ist arrogant, er ist zuweilen fies und ziemlich durchtrieben) – aber vor allen Dingen hat er (trotz allem) Mitgefühl, vergöttert Mrs Underwood, seine Ziehmutter und stellt sich den Problemen, die sein junges Zaubererleben mit sich bringt.
Bartimäus ist vor allen Dingen sarkastisch (>manchmal< sehr erheiternd), klug und keinesfalls der gute Kumpel von nebenan.
Um die beiden Protagonisten herum entwirft Jonathan Stroud eine “Parallelwelt” zu der unsrigen: Die Geschichte spielt in London, doch ist nicht die Queen das (repräsentative) Oberhaupt, sondern der “PM”, der Primeminister, der selbstverständlich ein Zauberer ist. Die Zauberer sind es, die den Staat lenken und leiten und sich selbst für unheimlich wichtig halten. Doch nicht jeder ist damit einverstanden, dass die Zauberer über die “Gewöhnlichen” herrschen. Zu den Staatsgegnern zählt auch eine Gruppierung, die  “der Widerstand” genannt wird…
Die Geschichte ist in Teilen vorhersehbar, doch so einfach, wie man vielleicht zu Beginn  denkt, geht die Rechnung in “Bartimäus” nicht auf: Auf ein simples schwarz/weiß-, bzw. gut/böse-Schema braucht man hier nicht zu hoffen und schon alleine deshalb gibt es die ein oder  andere (kleine) Überraschung. In Bezug auf Spannung und Inhalt ist Bartimäus gut, aber da ist, um es salopp zu formulieren, noch etwas Luft nach oben.
Für mich enorm störend waren die vielen Fußnoten. Sprachlich ist Bartimäus wirklich gut zu lesen, doch mich haben die Fußnoten stets aufs Neue aus meinem Lesefluss gerissen. Die Fussnoten sind lustig, teilweise enthalten sie auch wichtige Informationen – größtenteils empfand ich sie aber als überflüssig. Es ist nicht so, dass ich den Humor, der mit diesen Fußnoten verbunden ist, nicht verstehe… Aber ich finde, das hätte man auch anders lösen können.

Fazit

In Bartimäus – Das Amulett von Samarkand wimmelt es vor skurrilen Typen, tollen Ideen und Sarkasmus. Hin und wieder war die Handlung etwas vorhersehbar (ich hätte mir etwas mehr Spannung gewünscht) und mich haben die vielen Fußnoten eher gestört als unterhalten. Auch teile ich Bartimäus’ Humor nicht so wirklichl. Deswegen vergebe ich “nur” 3,5 Sterne.

In der Bartimäus-Reihe sind bisher erschienen:

  1. Das Amulett von Samarkand (2004)
  2. Das Auge des Golem (2005)
  3. Die Pforte des Magiers (2006)
  4. Der Ring des Salomo (2010)

Antonia Michaelis – Die Worte der weissen Königin

Autor: Antonia Michaelis // Titel: Die Worte der weissen Königin // Originaltitel: – // Verlag: Oetinger // Erschienen: August 2011 // ISBN-10: 3789142913 // ISBN-13978-3789142918 // Seiten: 267 Seiten  // Ausgabe: gebundene Ausgabe // Preis: 14,95 € / 23,90 CHF  // Genre: Jugendbuch, Drama

Lion kann sich gar nicht mehr an seine Mutter erinnern – so früh hat sie ihn und seinen Vater verlassen; um nach Westdeutschland zu gehen. Was Lion bleibt, ist seine Vorstellungkraft, die täglichen Streifzüge am Meer mit seinem Vater und eine große Faszination, welche Seeadler auf ihn ausüben.
Mit fünf Jahren verändert sich sein Leben, als er auf “die weiße Königin” trifft, eine alte Dame, die in der Kirche Geschichten vorliest – und während er beginnt, auf die nächste Vorleserunde hinzufiebern, entfernt sich sein Vater immer mehr von ihm.
Als Lions Vater dann seine Arbeit verliert und seine Sorgen und Minderwertigkeitskomplexe im Alkohol ertränkt, hält “der schwarze König” in Lions zu Hause Einzug und er sieht keinen anderen Ausweg mehr, als zu flüchten – Hilfe bekommt er dabei von einem Seeadler, seinem treusten Freund…

Meine Meinung

Antonia Michaelis erzählt in “Die Worte der weissen Königin” eine Geschichte über einen kleinen Jungen, dessen Schicksal wohl leider viele andere kleine Jungen (und auch Mädchen) nicht nur in Deutschland teilen: Lion ist zutiefst traumatisiert, denn sein Vater prügelt ihn in seiner Wut und seinem Selbsthass beinahe zu Tode. Regelmässig. Und Lion hat nicht die Kraft, sich zu wehren – er wünscht sich einfach nur, dass sein Vater wiederkommt, der Vater, mit dem er als kleines Kind so glücklich war. Doch sein Vater begreift erst, was er getan hat, als es schon fast zu spät ist -
Lion nämlich ergreift die Flucht und versucht, die “weisse Königin” ausfindig zu machen, die alte Dame, die ihm und anderen Kindern in der Kirche vorgelesen hat und deren Worte Lion Trost, Kraft und Schutz geben ~ denn bei seinen verzweifelten Versuchen, die richtigen Worte zu finden, ist er gescheitert. Auch sein Vater scheitert – allerdings bei dem Versuch, sich das Leben zu nehmen, als er realisiert, was er getan hat.
“Die Worte der weissen Königin” ist ein Buch über eine sehr ungewöhnliche, wunderbare Freundschaft – zwischen Lion und seinem geliebten Seeadler, den er selbst gezähmt hat -, über Güte und Hilfsbereitschaft und darüber, dass Menschen sich vielleicht auch ändern können. Freiheit spielt ebenfalls eine Rolle – einfach davonfliegen zu können, wie ein Seeadler… Und schließlich erzählen “die Worte der weissen Königin” auch davon, verzeihen zu können…
Wortgewaltig berührt Antonia Michaelis den Leser, rührt zu Tränen und macht an ihrem eigenen Buch deutlich, wie tröstlich die richtigen Worte zur richtigen Zeit sein können.
Lion muss auf seinem Weg zur “weissen Königin” nicht nur mit seiner Angst und Verzweiflung umzugehen lernen, sondern auch mit Wut, Enttäuschung und Hass, symbolisiert in seiner (Phantasie-)Schwester. Mehr als einmal ist er zwiegespalten ob seiner (künftigen) Handlungen – und weiß nicht, wie er sich entscheiden soll.
Das Ende ist – zumindest meiner Meinung nach – noch immer etwas offen und hat mich zwei Nächte lang nicht schlafen lassen. Ich habe in mehreren Rezensionen gelesen, dass das Ende zu “einfach” wäre – dem kann ich mich gar nicht anschließen. Für mich hat das Ende etwas zutiefst beunruhigendes.

SPOILER (zum Lesen markieren)

Natürlich scheint nun alles in Ordnung zu sein – doch das Ende ist lediglich eine Momentaufnahme. Wer verspricht, dass wirklich alles wieder in Ordnung kommt? So viele Alkoholiker erleiden Rückfälle… Und es passiert so oft, dass der erste Schein trügt, dass sich beim nächsten tragischen Ereignis alles wieder ins Gegenteil verkehrt…
Für mich wäre ein “einfaches Ende” ein Ende gewesen, in dem Lion vielleicht als alter Mann davon berichtet, dass sein Vater nie wieder gewalttätig gegen ihn geworden ist. So aber bleibt bei mir das mulmige Gefühl, dass Lion dieser Hölle möglicherweise allzu schnell wieder ausgesetzt ist…

SPOILER ENDE

Fazit

“Die Worte der weissen Königin” ist ein beeindruckendes, einfühlsames Buch über einen kleinen Jungen, der seinem gewalttätigen Vater zu entkommen versucht und sich in die tröstende Kraft der Worte flüchtet. Zur Seite steht ihm “sein” Seeadler – sein einziger Freund – bis zum Schluss. Es ist schwierig für mich, in Worte zu fassen, was dieses Buch bei mir ausgelöst hat; es hat mich zutiefst berührt.

Rick Riordan: Percy Jackson – Diebe im Olymp (#1)

Autor: RIORDAN, Rick // Titel: Percy Jackson – Diebe im Olymp (#1) // Originaltitel: Percy Jackson & the Olympians: The Lightning Thief // Verlag: Carlsen // Erschienen: 10. Februar 2010 // ISBN-103551359601 // ISBN-13: 978-3551359605 // Seiten: 448 Seiten // Ausgabe: Taschenbuch // Preis: 8,95 € / 14,90 CHF // Genre: Fantasy, Abenteuer, Kinder- und Jugendbuch

Percy Jackson ist 12 Jahre alt, geht zur Schule, wird von einer Mitschülerin permanent getriezt und von einer seiner Lehrerinnen gehasst – und ist vor allen Dingen ein echter Problemfall. Er leidet unter Legasthenie, weshalb er in der Schule nicht mithalten kann und wo er auch auftaucht, geht etwas schief. So auch bei einem verhängnisvollen Museumsbesuch… Percy ist kein Mensch. Naja, jedenfalls kein normaler, denn in seinen Adern fließt das Blut einer göttlichen Macht…

Meine Meinung

Als ich “Percy Jackson – Diebe im Olymp” kaufte, hoffte ich darauf, ein Buch in den Händen zu halten, das zumindest ansatzweise ein wenig Harry-Potter-Flair versprüht. Warum? Percy ist 12 Jahre alt, merkt durch mysteriöse Ereignisse, dass er kein normaler Mensch ist, wird in eine Art “Schule” (das Camp Half-Blood) verfrachtet und muss sich gegen übermächtige Gegner behaupten, die ihm ans Leder wollen. Begleitet wird er dabei von Hover, einem seiner Freunde und von Annabeth, die er anfangs ja gar nicht so gut leiden kann, die jedoch schnell zum “Team” gehört. Dieses Setting erinnert doch stark an das Harry Potter Universum.
Leider gelingt es Rick Riordan nicht, auch nur ansatzweise die Tiefe zu erreichen, die alleine der erste Harry Potter Band (Harry Potter und der Stein der Weisen) aufwies. Das ist sehr schade, bietet doch die griechische Mythologie einen wirklich reichhaltigen
Fundus an Geschichten, Kreaturen und Figuren.
Der größte Knackpunkt ist in meinen Augen Percy selbst. Er ist zwar irgendwie ganz nett und sympathisch, aber zumindest bei mir ist da kein “Funke” übergesprungen. Er nimmt einfach alles irgendwie hin, setzt sich wenig bis gar nicht zur Wehr und wirkt stellenweise überheblich. Dafür, dass er der Protagonist des Buches ist, wirkt er auf mich viel zu einfach und eindimensional.
Im Gegensatz zu den anderen Figuren scheint Perseus “Percy” Jackson jedoch schon fast richtig komplex zu sein! Wenigstens Hover und Annabeth hätten doch etwas eingehender geschildert werden können. Die Götter erscheinen leider weitestgehend stereotyp und werden nur sehr wenig durch originelle Einfälle oder dergleichen aufgepeppt. Schade! Hier wurde definitiv sehr viel Potential verschenkt!
Das Setting des Romans empfand ich als keineswegs überzeugend. Die Vorstellung, warum gerade die USA als “Höhepunkt der abendländischen Zivilisation” in Frage kommen, verschließt sich mir – und auch der Olymp hat in meinen Augen recht wenig in New York verloren. Interessant ist übrigens in diesem Zusammenhang auch das Erscheinungsbild der Medusa…
Natürlich ist es nachvollziehbar, dass das Buch in den Staaten spielt – aber für meinen Geschmack wurde es hier mit dem (Hurra-)Patriotismus deutlich übertrieben. Die USA stellen nur “eine Station von vielen” dar, das ändert aber nichts daran, dass die ‘Amerikanisierung’ mir hier einfach zu weit geht. Eine versteckte Kritik sucht man jedenfalls vergeblich und die USA erscheinen als das Maß aller Dinge. Das ist einfach too much…
Die Idee mit dem Diebesgut ist ansich recht gut gemacht, doch leider ist zu schnell sicher, wer dahinter steckt, weshalb sich die Frage nach der Spannung erübrigt. Percys Suche verläuft mir persönlich zu “schnell” (und erinnerte mich zeitweise an den zweiten Skulduggery Pleasant Band). Ich denke, hier wurde die Möglichkeit verschenkt, der Entwicklung der Figuren mehr Platz einzuräumen. Stattdessen wird eben von einem Schauplatz zum nächsten gehetzt.
Auch das Camp “Half-Blood” ist im Grunde genommen eine nette Idee, aber insgesamt erfährt man über das Camp und seine Bewohner nur ziemlich wenig.
Das Ende hat mir persönlich auch überhaupt nicht zugesagt – damit verbaut der Autor nicht nur die Chance, ein großes Konfliktpotential für die weiteren Bücher zu nutzen, sondern präsentiert auch eine wirklich fragwürdige Lösung für ein nicht zu unterschätzendes Problem.
Insgesamt vermisse ich bei Percy Jackson die Atmosphäre, die ein Buch zu etwas Besonderem machen kann. Percy Jackson “liest” sich einfach nur herunter – man fühlt als Leser nicht mit, man taucht nicht ein in die Handlung und die Welt, eben weil es an Atmosphäre fehlt. Bei der Thematik habe ich ehrlich gesagt mit mehr Flair, mit mehr Phantasie und Einfallsreichtum und mit mehr Liebe zum Detail gerechnet.
Die Sprache empfand ich für ein Jugendbuch als angemessen, auch wenn mir die “witzigen” Dialoge oft nicht einmal ein Schmunzeln abringen konnten. Gut, ich bin eben auch keine 12 Jahre mehr alt. Mit 12 hätte ich vielleicht noch darüber gelacht. Insgesamt kommt das Buch sprachlich “schwungvoll” daher und ist ganz angenehm zu lesen. Allerdings erschließt sich mir der ein oder andere Dialog nicht ganz – man sollte doch meinen, dass die Figuren angesichts einer gefährlichen Situation nicht noch diskutieren, sondern handeln.

Fazit

Percy Jackson – Diebe im Olymp ist meiner Meinung nach ein eher mittelmäßiges Kinder- und Jugendbuch, das zwar durchaus zu unterhalten vermag, dem aber die nötige Tiefe fehlt, die einen guten Roman ausmacht. Atmosphäre sucht man ebenso vergeblich wie sorgfältig konstruierte Figuren, die sich entwickeln und über den eigenen Tellerrand hinauszublicken vermögen. Phantasie und Einfallsreichtum gehen gegen Null – auch, wenn man den Vergleich zu Harry Potter nicht zieht, wird Percy Jackson dadurch nicht besser. Eventuell lese ich den zweiten Band, wenn ich ihn zufällig als Mängelexemplar kaufen oder in der Bibliothek ausleihen kann. “Harry Potter und der Stein der Weisen” finde ich auch nicht so gelungen, wie die anderen Bände der Harry Potter Reihe, den ersten Band der “Vampire Academy” fand ich derart grausig, dass ich gar nicht weiterlesen wollte und “Interview mit einem Vampir” hat mich dermaßen gelangweilt, dass ich gar nicht glauben konnte, dass “der Fürst der Finsternis” die Fortsetzung des Buches ist – möglicherweise verhält es sich ja mit Percy Jackson ähnlich. Im Hinblick auf das vom Hersteller empfohlene Lesealter vergebe ich 3 Sterne. Wäre die Altersangabe etwas höher angesetzt, hätte ich definitiv nur 2 vergeben, denn für Leser ab 14+ kratzt das Buch meinem Empfinden nach allzusehr an der Oberfläche.

Krystyna Kuhn: Das Tal – Der Fluch (Season 2.1)

Autor: KUHN, Krystyna // Titel: Das Tal – Der Fluch (Season 2.1) // Originaltitel: – // Verlag: Arena Verlag // Erschienen: November 2011 // ISBN-103401066072 // ISBN-13: 978-3401066073 // Seiten: 245 Seiten // Ausgabe: broschierte Ausgabe // Preis: 9,99 € / 16,90 CHF // Genre: Abenteuer, Kinder- und Jugendbuch

Rose distanziert sich zusehends von ihren Freunden am Grace College – denn während diese versuchen, das Geheimnis um das Tal zu lüften, möchte Rose den mysteriösen Ort einfach nur als das sehen, was er für sie bedeutet: als eine Rückzugsmöglichkeit, die ihr die Gelegenheit bietet, die Vergangenheit hinter sich zu lassen… Doch schon bald  muss Rose erkennen, dass die Vergangenheit nicht ruht…

Meine Meinung

Krystyna Kuhns Reihe rund um das Grace College zeichnet sich vor allen Dingen durch ein Element aus: Die Geschichten sind immer etwas mysteriös, ein wenig bedrohlich und gruselig. Auch im ersten Band von “Season 2″ geschieht so einiges, was zum Nachdenken anregt – nicht nur in Bezug auf Dave Yellad, sondern auch im Hinblick auf die Ereignisse im Grace selbst.
Dennoch finde ich diesen Band weniger gelungen als die vier Vorgänger. Zu schnell hatte ich Rose, ihre Vergangenheit und auch ihre Widersacher (oder Widersachererin?) samt den dazugehörigen Motiven erkannt. Trotzdem war das Buch unterhaltsam.

Probleme bereitete mir diesmal die Form. In den vorhergehenden Büchern blieben immer irgendwelche Dinge offen und ungeklärt – dies ist auch in “Der Fluch” der Fall. Allerdings griffen in den anderen Büchern die Erzählstränge besser ineinander über und verstärkten die Handlung. Bei “Der Fluch” stehen die Geschichte von Rose und die Geschichte von Dave Yellad ohne erkennbaren inhaltlichen Zusammenhang nebeneinander. Ich frage mich, weshalb Krystyna Kuhn das Buch so strukturiert hat. Mir persönlich hätte es besser gefallen, wenn irgendein Bezug der Ereignisse zueinander erkennbar gewesen wäre.

Wenn ich mich nicht irre, ist dieses Buch auch das erste der Reihe, das die Autorin aus der Ich-Perspektive der Figuren schildert. Gerade für Roses Geschichte scheint mir diese Perpektive sehr geschickt gewählt zu sein – da Rose in den ersten vier Teilen eher “fremd” bleibt, entwickelt man als Leser so schnell ein Verständnis ihrer Situation, ihrer Handlungen und ihrer Gedankengänge — und ich bin sicherlich nicht die einzige Leserin, die Rose gewaltig unterschätzt hat. Schön finde ich die Entwicklung, die Rose durchmacht (ähnlich, wie es auch schon bei Katie zuvor der Fall war). Etwas überflüssig erschienen mir hingegen die Kapitel aus Davids Sicht. Eigentlich ist er im ganzen Buch sehr wenig präsent und ich denke, die Geschichte hätte auch gut ohne seine “Innensicht” funktioniert.
Die Figuren, welche die Handlung um Rose vorantreiben, bleiben leider auch eher blass und werden nur oberflächlich gestreift. Das ist meiner Ansicht nach sehr schade, denn hinter allen drei Figuren steckt eine sicherlich interessante Geschichte, die leider nur angedeutet wird.

Fazit

“Der Fluch”, der fünfte Band der Reihe um das Grace College, besticht vor allen Dingen durch eine Protagonistin Rose, die eine erstaunliche Entwicklung durchläuft und deren Vergangenheit auf jeden Fall berührt. Dennoch vermag der Band nicht so sehr zu überzeugen wie seine vier Vorgänger – denn das “Geheimnis”  ist zu offensichtlich, die Einschübe von Dave Yellads Tagebuch sind zu unzusammenhängend im Bezug auf die aktuelle Handlung, einige interessante Figuren sind viel zu wenig ausgebaut…