Kategorie-Archiv: Jugendbuch

Julie Kagawa: Sommernacht (Plötzlich Fee #1)

An ihrem 16. Geburtstag verändert sich für Meghan Chase auf einen Schlag ihr gesamtes Leben: Ihr jüngerer Bruder Ethan wird von mysteriösen Wesen entführt und sie zögert keine Sekunde, ihn zurückzuholen. Sie betritt das Nimmernie, das Land der Feen und stößt dort auf unsanft auf ihre eigenen Wurzeln – und auf Ash, den Prinzen des Winterreichs…

Meine Meinung

Mir ist äußerst positiv aufgefallen, dass Meghan sich weiterentwickelt. Anfangs ist sie das „perfekte Mobbingopfer“, das vor allen Dingen durch Robbie/Puck beschützt wird – später ist sie in der Lage, sich selbst zu schützen und sich ihren Ängsten zu stellen. Trotzdem hat Meghan mich nicht erreichen können; sie blieb mir, obwohl das Buch aus der Ich-Perspektive verfasst ist, von der ersten bis zur letzten Seite fremd. Sie ist zu sehr “objektive” Erzählerin, als Figur; als Leser erfährt man nur wenig über ihre Gefühle und ihre Gedankengänge.
Grimalkin hat mir sehr gut gefallen. Einerseits ein Schlitzohr sondergleichen, andererseits ein echter Freund und natürlich überaus katzenartig!
Ash und auch Robbie, bzw. Puck, blieben für mich leider sehr konturlos. Gegen Ende erfährt man wenig darüber, was zwischen den beiden vorgefallen ist und sonst… Ja, sonst weiß man als Leser eigentlich weder über den einen, noch über den anderen viel. Ich hätte gerne mehr über beide erfahren  – dafür werde ich dann wohl die nachfolgenden Bücher lesen müssen. Während Robbie/Puck mir aber trotzdem ganz gut gefiel, konnte ich mich von der ersten Sekunde an nicht mit Ash anfreunden. Er erinnerte mich doch etwas zu sehr an einen gewissen, funkelnden Vampir: zuerst (scheinbar) unnahbar, arrogant und überheblich und zum Schluss dann ganz und gar liebevoll. Diese Wendung kam in “Sommernachtstraum” für mich nicht plausibel rüber.
Die „Liebesgeschichte“ zwischen Ash und Meghan wirkte für mich zu oberflächlich. Sie sieht ihn und ist gleich hin und weg – er sieht sie, mag sie, darf sie aber nicht mögen usw. … Das kennt man und das gibt es in anderen Büchern einfach in besserer Ausführung. Es stört mich nicht, dass die Liebesgeschichte in „Sommernacht“ irgendwie nebensächlich ist – es irritiert mich einfach, dass sie handlungsrelevant ist, aber nur so grob ausgestaltet ist.

Julie Kagawas Schreibstil ist sehr detailliert. Das ist einerseits  sehr positiv, weil es den Einstieg ins Feenreich erleichtert – andererseits störte mich diese Detailliertheit jedoch teilweise. Das lag vor allem daran, dass die Autorin sehr, sehr viele Einfälle in „Sommernacht“ einarbeitet und durch den Schreibstil plötzlich sehr viele Kleinigkeiten als sehr wichtig erscheinen – es aber letztendlich nicht sind. Das ist eigentlich nicht schlimm, allerdings hatte ich beim Lesen manchmal den Eindruck, als hätte Julie Kagawa unbedingt noch hier ein Detail einschieben müssen und dort noch eines und so wirkt das Buch auf mich zu “hastig”. Eindruck reiht sich an Eindruck und zum Schluss haben die vielen kleinen Details doch nicht großartig zur Atmosphäre beigetragen, weil die Zeit fehlt, um die Eindrücke zu verarbeiten.
Während man bei manchen Büchern den Eindruck hat, dass die Handlung sich wie Kaugummi zieht, habe ich das Gefühl, dass der erste Band der „Plötzlich Fee“-Reihe „Ruhepausen“ nicht gut vertragen kann. Im „Nimmernie“ ist immer etwas los.
Die „Eisenfeen“ finde ich faszinierend. Es handelt sich um einen wirklich tollen Einfall und ich halte die Umsetzung der eisernen Feen auch für sehr gelungen.
Mir gefällt die Intertextualität von „Sommernacht“ sehr gut. Vielleicht mögen es manche als Manko ansehen, dass das Buch deutlich von Shakespeare, Caroll und Co. inspiriert ist (und von den dahinterstehenden Geschichten und Sagen); mir gefällt’s.

Fazit

Shakespeares „Sommernachtstraum” ist mir deutlich lieber als Julie Kagawas „Sommernacht“. Mich haben das Setting und die Idee der Eisenfeen überzeugt, nicht jedoch die Protagonisten und die Gestaltung der Handlung.

Autor: Julie Kagawa | Titel:  Sommernacht (Plötzlich Fee #1) | Originaltitel: The Iron King (The Iron Fey #1) | Verlag: Heyne | Erscheinungsdatum: 21. März 2011 | ISBN-10: 3453267214 | ISBN-13: 978-3453267213 | Seitenzahl: 496 Seiten | Ausgabe: Kindle-Edition | ASIN: B005114IMO | Preis: 16,99€ / 25,90 CHF (Hardcover), bzw. 13,99€ (Kindle) | Genre: Jugendbuch, Abenteuer, Fantasy, Romantik, Serien/Buchreihen

“Sommernacht” ist der Auftakt der Buchreihe “Plötzlich Fee”. Weitere Bände:

Winternacht (The Iron Daughter)
Herbstnacht (The Iron Queen)
Frühlingsnacht (The Iron King)
Das Geheimnis von Nimmernie (The Winter’s Passage, Summer’s Crossing, Iron’s Prophecy)

 

Kerstin Gier: Saphirblau – Liebe geht durch alle Zeiten (Edelsteintrilogie #2)

Gwendolyns Leben wird und wird nicht einfacher; schnell bemerkt sie, dass sie möglicherweise Zukunft und Gegenwart durch ihre Zeitsprünge verändert hat – doch weiß sie nicht genau, weshalb und sie ist auch nicht sicher, was sie getan hat. Doch damit nicht genug! Gideon verdächtigt sie zudem, mit Lucy und Paul gemeinsame Sache zu machen und gegen ihn zu agieren…

Meine Meinung

Ich hoffe, dass ich in diese Rezension nicht schon Dinge hineinpacke, die eigentlich in die Rezension des Folgebandes (Smaragdgrün) gehören – ich habe beide Bücher direkt hintereinander gelesen und bringe hoffentlich nichts durcheinander 8)

Gideon erscheint in “Saphirblau” noch sprunghafter als in “Rubinrot”, allerdings wird sein Verhalten zumindest ansatzweise aufgeklärt. Gwen ist witzig und sympathisch, wie auch schon in “Rubinrot”. Leider – und das ist ein ganz großer Liebespunkt – hatte ich beim Lesen weder das Gefühl, dass die Liebesgeschichte eine neue Wendung nimmt oder vertieft wird, noch konnte ich feststellen, dass bei den Protagonisten irgendeine Entwicklung stattfindet.

Mit dem verschwundenen (gestohlenen? ;)) Chronografen kommt ein neuer Handlungsstrang ins Rennen, der sich mit der Liebesgeschichte zwischen Gideon und Gwen überschneidet – und in beiden Punkten (Chronograf und Liebesgeschichte!) hätte ich mir einfach mehr Tiefgang gewünscht. Die Handlung “rauschte” weitgehend an mir vorbei, wartete aber dennoch mit (gefühlt unnötigen) Längen (Xemerius… ;)) auf. Der Handlung hat es meinem Empfinden nach einfach an Spannung gefehlt. Dazu kommt noch, dass ich das Gefühl hatte, die Lektüre wirklich mitten im Buch zu beenden – ich habe ja nichts gegen Cliffhanger, aber insgesamt war der zweite Teil der Triologie etwas zu offen und zu wenig abgerundet (bzw. in sich geschlossen) für mich.

Sprachlich war der Band in Kerstin-Gier-Manier: leicht zu lesen, humorvoll, angenehm und deswegen trotz aller Kritikpunkte lesenswert (wenn man denn mit der richtigen Erwartung an das Buch herangeht!).

Fazit

“Saphirblau” bleibt meiner Meinung nach hinter “Rubinrot” zurück. Die Handlung wird nur wenig vertieft und die Protagonisten entwickeln sich leider kaum. Das Buch kratzt für meinen Geschmack etwas zu sehr an der Oberfläche – schade, denn bei der Lektüre habe ich durchaus Spaß gehabt.

Autor: Kerstin Gier | Titel:  Saphirblau – Liebe geht durch alle Zeiten (Edelsteintrilogie #2) | Originaltitel: – | Verlag: Arena | Erscheinungsdatum: Januar 2010 | ISBN-10: 3401063472 | ISBN-13: 978-3401063478 | Seitenzahl: 400 | Ausgabe: gebundene Ausgabe | Preis: 16,99€ / 25,90 CHF | Genre: Jugendbuch, Abenteuer, Fantasy, Romantik

Kerstin Gier: Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten (Edelsteintrilogie #1)

Von heute auf morgen wird Gwendolyns Leben komplett umgekrempelt: Eben war sie noch die (bedeutungslose) Cousine von Wunderkind Charlotte, doch plötzlich stellt sich heraus, dass sie das “Zeitreise-Gen” besitzt und nicht ihre Cousine. Gwendolyn kann in der Zeit springen und ist – im Gegensatz zu Charlotte – ganz und gar nicht auf das vorbereitet, was sie in längst vergangenen Zeiten erwartet… Ihr Mitreisender Gideon und den Auftrag, den beide zu erfüllen haben, machen die Angelegenheit für Gwendolyn nicht einfacher…

Meine Meinung

Ich bin etwas zwiegespalten, was das Buch angeht: Einerseits habe ich es ziemlich schnell ausgelesen, weil es sich – in typischer Gier-Manier geschrieben – einfach wunderbar lesen lässt, andererseits fand ich den Gang der Handlung eher weniger mitreißend.

Zunächst zu den Figuren: Wie erwartet sind einige herrlich schräge Charaktere darunter! Allen voran die herzliche Tante Maddy (von der ich wirklich gerne mehr lesen würde), aber auch die schrullige Lady Arista und vor allen Dingen Tante Glenda! Tanta Glenda ist eine Schreckschraube, wie sie im Buche steht und ich hoffe, dass ihr noch eine größere Rolle zuteil werden wird (vllt. in Form einer “Intrige”?)…
Gwendolyns beste Freundin Leslie ist recht amüsant, bleibt aber weitgehend farblos. Auch Charlotte wird eher am Rand gestreift, was ich sehr schade finde, da Gwendolyn und Charlotte prinzipiell ziemlich viel Konfliktpotential bieten.
Gwendolyn ist eine angenehme Protagonistin: Sie hat Humor, sie hat Gefühl und sie hat Verstand. Trotzdem fehlt mir bei ihr das gewisse Etwas. Gideon empfinde ich als eher unangenehm, da er – für sein Alter – doch recht überheblich und wankelmütig wirkt. Aus diesem Grund weiß ich auch noch nicht recht, wie ich die begonnene Liebesgeschichte einordnen soll; bisher hat sie mich eher wenig berührt.

Die Handlung hat einen schönen Kern, insgesamt habe ich mir an manchen Stellen aber etwas mehr Tiefe gewünscht, was die Vorgeschichte der eigentlichen Handlung angeht. Kerstin Gier wartet mit interessanten Ideen auf, doch im Grunde genommen passiert – meinem Empfinden nach – im ersten Band der Trilogie nicht allzu viel Bewegendes und das finde ich sehr schade; allerdings ist mit Rubinrot die Saat für ein wirklich spannendes Zeitreiseabenteuer gelegt, daher erwarte ich mit Neugierde, was sich auf Gwendolyns und Gideons Zeitreisen noch ereignen wird.

Fazit

“Rubinrot” ist ein Roman, der im typisch lockeren Stil von Kerstin Gier daherkommt, mit einigen schrägen Figuren aufwartet und durch tolle Ideen (ich will hier nichts verraten) überzeugt. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass sowohl bezüglich der Handlung als auch der Figuren etwas mehr in die Tiefe gegangen worden wäre. Auch hätte ich es schön gefunden, wenn im ersten Band etwas mehr passiert wäre.

Autor: Kerstin Gier | Titel:  Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten (Edelsteintrilogie #1) | Originaltitel: – | Verlag: Arena | Erscheinungsdatum: Januar 2009 | ISBN-10: 3401063340 | ISBN-13: 978-3401063348 | Seitenzahl: 345 | Ausgabe: gebundene Ausgabe | Preis: 15,99€ / 23,90 CHF | Genre: Jugendbuch, Abenteuer, Fantasy, Romantik

Michael Northrop: Kälte

Eigentlich beginnt Scotty Weems Schultag wie immer: Er trifft seine Freunde Pete und Jason und macht sich Gedanken über die bevorstehende Sportsaison und doch ist etwas anders als sonst. Es schneit; nun, das ist nicht ungewöhnlich für den Winter, doch das, was als normaler Schneefall beginnt, wird schon bald zu einem ausgewachsenen Schneesturm. Scotty beschließt, dennoch mit Pete und Jason in der Schule zu bleiben, um noch am “Flammenwerfer”, einem selbstgebauten Gokart zu arbeiten – eine Entscheidung, die er schon bald bereuen wird… Denn der Schneesturm lässt nicht nach und begräbt ihn und ein paar seiner Mitschüler lebendig in der Schule…

Meine Meinung

“Kälte” beginnt eigentlich recht vielversprechend. Aus der Ich-Perspektive schildert Scotty die Anfänge des Schneesturms und deutet immer wieder an, welche Katastrophe sich anbahnen wird. Dementsprechend steigt die Spannung, denn auch, wenn nach der Lektüre des Klappentextes und der ersten Seiten klar ist, dass Scotty und ein paar Mitschüler in der Schule “einschneien” werden, harrt man als Leser der Dinge, die da noch kommen mögen. Wie werden die Jugendlichen mit der Situation umgehen? Welche Lösungen werden sie finden, um an Lebensmittel zu kommen und nicht zu erfrieren? Nicht zuletzt deutet Scotty auch noch an, dass nicht alle die bevorstehende Katastrophe überleben werden…

Leider stieg die Spannung im Verlauf des Buches nicht, sondern flachte zusehends ab. Um ihr leibliches Wohl brauchen sich die Jugendlichen nicht zu sorgen, da sie Zugang zur Schulküche haben. Dem Erfrieren beugen sie mit einem Feuer in einem der Schulräume vor und sonst…? Sonst gibt es nur sehr, sehr wenig Probleme.
Das ist für mich der große Knackpunkt von “Kälte”. Eigentlich befinden sich die Protagonisten in einer lebensbedrohlichen und angsteinflößenden Situation – trotzdem reagiert jeder völlig ruhig, es gibt kaum Reibereien und im Endeffekt auch kaum Probleme; eigentlich wirkt das Geschehen so, als wäre gar kein ernsthaftes Problem vorhanden (und das, obwohl die Gefahr der Situation allen Beteiligten bewusst ist!).
Die Figuren bleiben vielleicht auch deswegen so farblos – an Scotty vollziehen sich zwar ein paar minimale Veränderungen (er bemerkt, dass ein paar seiner Mitschüler nicht so sind, wie er dachte und es kommt zu leichten, wirklich ganz leichten Reibereien mit Freunden), die anderen Figuren bleiben aber stereotyp und vorhersehbar und das, obwohl zumindest zwei von ihnen im Kern recht interessant angelegt sind…
Eigentlich schafft Michael Northrop in Kälte die perfekte Situation für Streitereien, Hysterie und Ängste aller Beteiligten – eine Situation, an der im Endeffekt alle Figuren einen plausiblen Wandel vollziehen könnten; eine Situation, in der eigentlich alles offen ist… Und dennoch passiert nichts. Alles läuft einen vorhersehbaren Gang und wird deswegen sehr schnell langweilig – dies kann ich von Northrops Schreibstil nicht behaupten, denn der war zumindest flüssig und angenehm zu lesen.

Insgesamt hat es mir persönlich einfach an Spannung und etwas mehr Tiefgang gemangelt.

Fazit

“Kälte” hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Ich habe mit Nervenkitzel gerechnet, mit Streitigkeiten und scheinbar unlösbaren Problemen – bekommen habe ich eine Geschichte, die eigentlich eine interessante Ausgangslage hat, in deren Verlauf aber kaum Spannung aufgebaut wird. Schade, denn die Atmosphäre (ich liebe Schnee ;) ) und auch die Idee des Buches haben mir gut gefallen…

Autor: Michael Northrop | Titel:  Kälte | Originaltitel: – | Verlag: Loewe | Erscheinungsdatum: August 2012 | ISBN-10: 3785574282 | ISBN-13: 978-3785574287 | Seitenzahl: 256 | Ausgabe: Taschenbuch | Preis: 6,95€ / 11,90 CHF | Genre: Jugendbuch

Ulrike Schweikert – Lycana (Erben der Nacht #2)

Autor: Ulrike Schweikert // Titel: Lycana – Die Erben der Nacht // Verlag: cbt // Erschienen: 6. Oktober 2008 (broschierte Ausgabe) // ISBN-10: 3570304795 // ISBN-13978-3570304792 // ASIN: B004OL2R02 // Seiten: 544 // Ausgabe: Kindle E-Book // Preis: 9,99 € (E-Book) / 12 € (broschierte Ausgabe) // Genre: Jugendbuch, Fantasy

Für die Jungvampire ist das zweite Lehrjahr an der erst kürzlich gegründeten Akademie gekommen. Ihr Weg führt sie dabei nach Irland zum Clan der Lycana, wo sie mit einer gefährlichen Fehde zwischen Vampiren und Werwölfen konfrontiert werden – zudem scheint Ivy etwas vor ihren Freunden zu verbergen…

Meine Meinung

Lycana weist meiner Meinung nach ähnliche Schwächen auf, wie schon Nosferas: Die Handlung ist in weiten Teilen ebenso vorhersehbar, wie auch das Verhalten der Protagonisten. Wer einen spannungsgeladenen Vampirroman erwartet, wird mit dem Jugendbuch also sicherlich nicht auf seine Kosten kommen. Auch nimmt sich Ulrike Schweikert einem bereits oft behandelten Thema an, wenn sie über einen Streit zwischen Werwölfen und Vampiren berichtet – dabei hätten die Druiden doch sicher auf eine spannende(re) Art und Weise eingearbeitet werden können…

Während ich bei Nosferas jedoch vor allen Dingen die fehlende Atmosphäre kritisierte, ist es die Atmosphäre in Lycana, die das Buch sehr lesenswert macht: Irland ist einfach wunderbar beschrieben und auch in diesem Roman hat Ulrike Schweikert wieder historische Begebenheiten mit einbezogen. Wie schon im ersten Teil der Reihe empfand ich die Rolle Bram Stokers (und auch Oscar Wildes) als zu… ja, als was eigentlich? Ich denke, “plakativ” trifft es recht gut: Eigentlich sind weder Stoker noch Wilde (wirklich) wichtig für die Handlung (vielleicht ändert sich das ja noch in den folgenden Bänden?) und fügen sich auch nicht gut in den Verlauf ein. Jedesmal, wenn ich auf die beiden stieß, fragte ich mich, ob es wirklich nötig war, sie auf diese Art und Weise in den Roman einzuflechten.

Ich hatte diesmal etwas Mühe mit dem Schreibstil der Autorin, da insbesondere die direkte Rede für meinen Geschmack zu konstruiert und künstlich wirkte. Als Historikerin und Sprachwissenschaftlerin bin ich mir darüber bewusst, dass im 19. Jahrhundert andere sprachliche Konventionen galten, als heute. Dennoch erscheint mir die Sprache als sehr überformt und daher auch als wenig authentisch in Anbetracht der jugendlichen Protagonisten (denn auch im 19. Jahrhundert haben “Kinder”, wenn sie unter sich waren, bestimmt nicht immer hochgestochen und sonderlich geschliffen gesprochen). Über diesen Aspekt bin ich bei der Lektüre immer wieder gestolpert.

Dies, gepaart mit den vielen Längen in der Handlung, der spärlichen Weiterentwicklung der Protagonisten und den vielen neuen Figuren und Orten, hemmte für mich den Lesefluss enorm und führte dazu, dass ich wirklich lange an Lycana gelesen habe, weil mir oft die Lust dazu fehlte, meine Lektüre fortzusetzen. Insbesondere aus den neu eingeführten Figuren wurde ich – bezüglich ihrer Funktion für die Handlung – nicht immer schlau; manchmal trugen sie gar zu Verwirrung bei.

Ich habe mich sehr gewundert, dass Ulrike Schweikert in Lycana ein paar Ideen, die eigentlich sehr schön waren, nicht weiter ausgebaut hat: Dies betrifft einerseits die Druiden, die zwar vorkommen, aber trotz Tara eher ein Randphänomen bleiben – andererseits betrifft es die Liebesgeschichte zwischen Vampir und Werwolf. Auch die Geschichte Ivys kam meiner Meinung nach zu kurz, obwohl doch fast das ganze Buch auf ihren Hintergrund hinauslief. Nun ja, wenigstens hat Ivy jetzt ihre “geheimnisvolle Aura” verloren (die mich beim Lesen zusehends gestört hat, weil ich sie von Anfang an nicht annähernd so besonders fand, wie ihre vampirischen Mitstreiter ;-))

Fazit

Insgesamt vergebe ich 2,5 Sterne, weil ich Nosferas mit 3 Sternen bewertet habe, Lycana aber deutlich schwächer finde: Zu viele (nicht näher vertiefte) Figuren, zu viel Aufsehen um Ivy, eine zu vorhersehbare Handlung und die vielen Längen haben immer wieder dazu geführt, dass ich das Buch für längere Zeit aus der Hand legte. Ich hoffe, dass die Reise zu den Pyras etwas spannender (und vielleicht auch etwas “tiefgründiger”) wird.

Ransom Riggs – Die Insel der besonderen Kinder (Miss Peregrine #1)

Autor: Ransom Riggs // Titel: Die Insel der besonderen Kinder (Bd. 1) // OriginaltitelMiss Peregrine’s Home for Peculiar Children // Verlag: Pan Verlag // Erschienen: 02. November 2011 // ISBN-10: 3426283689 // ISBN-13978-3426283684 // Seiten: 416  // Ausgabe: gelesen als E-Book (Knaur-Ebook / ASIN: B005UL2GEM) // Preis: 14.99 € // Genre: Fantasy, Buchreihe, Jugendbuch

Der fünfzehnjährige Jacob ist der Einzige in der Familie, der eine enge Verbindung zu seinem Großvater Abraham hat: der exzentrische alte Mann macht es seiner Familie nicht leicht. Offenbar unter Verfolgungswahn leidend hortet er Waffen und erzählt wirre Geschichten über Kinder mit besonderen Fähigkeiten…
Jacob glaubt schon lange nicht mehr an diese Erzählungen – die Fotos, die sein Großvater ihm als Beweis zeigte, sind offensichtlich gefälscht. Doch dann muss Jacob mit ansehen, wie eigenartige Wesen seinen Großvater ermorden – hat der alte Mann etwa doch die Wahrheit gesagt?

Meine Meinung

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Von der ersten Seite an fand ich “Die Insel der besonderen Kinder” fesselnd. Ransom Riggs Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen – schnell baut er sowohl durch die Handlung als auch durch seine Wortwahl eine stimmige Atmosphäre auf, die einerseits unheimlich, andererseits anheimelnd ist.

Jacob ist ein angenehmer Protagonist: Mit typischen Teenager-Problemen (die – etwas ungewöhnliche – erste große Liebe, Selbstzweifeln, Selbstfindung etc.) konfrontiert hangelt er sich durch sein Leben und doch ist da viel mehr. Er bemerkt, dass er nicht ist, wie die anderen. Ransom Riggs beschreibt einen jungen Mann, der seinem Alter voraus ist, viel nachdenkt – über sich selbst und über andere und der bereit ist, Opfer zu bringen und sich um die Menschen in seinem Umfeld sorgt. Jacob wird, mit den Ereignissen auf der Insel und rund um die besonderen Kinder, spürbar reifer und obwohl er vor allen Dingen sehr sympathisch wirkt, hat er doch seine kleinen Ecken und Kanten.

Die anderen Protagonisten zu “entdecken” ist spannend: Wer sind diese “Kinder”? Was macht sie so besonders? Was hat es mit Miss Peregrine auf sich? Was ist zwischen Emma und Abe vorgefallen? Leider bleibt bei so vielen Figuren die Tiefe einzelner Figuren auf der Strecke, doch selbst Jacobs Vater, der wirklich als “Nebenfigur” bezeichnet werden kann, bleibt auch nach der Lektüre noch erstaunlich gut im Gedächtnis.

Insgesamt entwickeln sich sowohl die Figuren als auch die Handlung sehr konsequent und logisch weiter.

Die Handlung ist mitreissend: Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen miteinander und es gilt, Geheimnisse zu lüften. Ransom Riggs treibt die Geschichte stellenweise sehr schnell voran, vergisst darüber aber nicht, auch retardierende Momente an den richtigen Stellen einfließen zu lassen… Besonders überraschend gestaltet sich der Handlungsverlauf nicht, aber durch die Atmosphäre und die Details, die zum Weiterlesen animieren, fällt dies auch nicht großartig ins Gewicht.

Interessant ist die Aufmachung des Buches: Es sind alte Fotos eingefügt. Laut Nachwort des Autos handelt es sich dabei um wirkliche Sammlerstücke (also nicht um Fotographien, die extra für das Buch angefertigt wurden), die ihn zum Buch inspiriert haben. Die Bilder passen einfach perfekt und unterstreichen das Geschriebene noch einmal eindrücklich.

Insgesamt kann ich mir vorstellen, dass die Geschichte mit einem “runden” Ende vielleicht noch besser gewirkt hätte. Da es sich um den Auftakt einer Reihe handelt, gibt es natürlich ein dementsprechend offenes Ende…

Fazit

Ich bin ja wirklich furchtbar lange um dieses Buch herumgeschlichen wie die Katze um die Sahne und war mir einfach nicht sicher, ob ich es kaufen sollte oder nicht. Mein Freund hat mir dann die Entscheidung abgenommen – zum Glück! “Die Insel der besonderen Kinder” ist – trotz einiger kleiner Schwächen – eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Das Buch war insgesamt einfach stimmig, mitreißend, romantisch, lustig, traurig… Ich hoffe, ich habe nun nicht zu hohe Erwartungen an den zweiten Teil ; )

Cassandra Clare: City of Bones (Chroniken der Unterwelt #1)

Autor: Cassandra Clare // Titel: City of Bones (Chroniken der Unterwelt #1) // Originaltitel: City of Bones (The Mortal Instruments) // Verlag: Arena Verlag // Erschienen: 15. Januar 2008 // ISBN-10: 3401502603 // ISBN-13978-3401502601 // Seiten: 504  // Ausgabe: Taschenbuch (broschiert) // Preis: 13.99 € / 22.90 CHF // Genre: Fantasy, Buchreihe, Jugendbuch

Clarissa wird in einem New Yorker Szene-Club zur Zeugin eines Mordes – eines Mordes, den ausser ihr niemand wahrnimmt, da sich das Opfer in Luft auflöst und die drei Teenager, die den Mord begangen haben, sowohl für ihren guten Freund Simon als auch für den Türsteher unsichtbar sind.
Als dann auch noch Clarys Mutter verschwindet und sie von einem eigenartigen Wesen angegriffen wird, ist ihr klar, dass etwas vor sich geht, was die Grenzen der ihr bekannten Welt übersteigt…

Meine Meinung

Cassandra Clare hat ein paar Runen, ein paar Fabelwesen und ein paar Stellen aus der Bibel zusammen in einen Topf geworfen und kräftig herumgerührt: Herausgekommen ist der Auftakt der Mortal Instruments Reihe.

Und nun habe ich ernsthafte Schwierigkeiten damit, eine Rezension zu schreiben. Es ist nicht so, dass ich das Buch sehr gut oder sehr schlecht gefunden hätte. Es ist auch nicht so, dass ich genau sagen kann, was mir mehr und was mir weniger gefallen hat. City of Bones hat bei mir einfach gar keinen Eindruck hinterlassen. Oder vielleicht doch?

Als eher störend empfand ich die gesamte Anlage des Buches: Für mich wirken weder die Figuren, noch die Handlung oder die “Parallelwelt” sonderlich gut durchdacht. City of Bones hat von allem etwas, aber das gewisse Etwas fehlt. Vampire, Dämonen, Dämonenjäger, Werwölfe, Feen – sie alle tauchen in City of Bones auf, bleiben aber weitestgehend ohne Hintergrund, ohne Geschichte, ohne Tiefgang.
Ebenso, wie sämtliche Protagonisten. Einzig Jace und Alec haben noch ein wenig Tiefe, sind aber dennoch “offene Bücher”. Die Figuren sind insgesamt genauso  vorhersehbar, wie die Handlung, auch wenn sich die Autorin sichtbar darum bemüht hat, Figuren anders handeln zu lassen, als man es auf den ersten Blick erwarten würde. Vielleicht habe ich bei der Lektüre auch nur zu genau hingesehen?
Es ist zwar schön, dass Cassandra Clare gerade in Bezug auf die Liebesgeschichte etwas abseits von den bereits eingelaufenen Pfaden gewandelt ist, aber das ändert leider nichts daran, dass man als Leser viel zu früh merkt, wohin der Hase läuft.
Das hat City of Bones dann insgesamt doch recht langweilig für mich gemacht, was im Prinzip kein Problem gewesen wäre, wenn der Rest “gestimmt” hätte; oft hatte ich das Gefühl, Cassandra Clare hätte aus vielen Stellen mehr herausholen können – an Tiefe und an Atmosphäre. Summa Summarum gab es für meinen Geschmack zu viele Stellen, die auf Mitleid und “Drama” aufgebaut haben, was irgendwie nicht so recht ins Konzept gepasst hat.
Der Humor in City of Bones hat mir gefallen – oh, und natürlich der Einfall mit den “stillen Brüdern”. Über die hätte ich wirklich gerne mehr erfahren. Und über Simon.

Sprachlich war mir das Buch stellenweise zu übertrieben, z.B. an der Stelle, an der Clary und Jace in die Wohnung von Clarys Mutter zurückkehren und dort auf den Dämon treffen. Im Prinzip ist gar nicht viel passiert, aber Cassandra Clare hat es in dieser Passage quasi geschafft, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen ; ) Das ist zuweilen ganz unterhaltsam, in City of Bones waren es für mich ein paar derartige Stellen zu viel.

Das klingt nun alles furchtbar negativ, aber City of Bones ist nicht schlecht: Es liest sich gut, Cassandra Clare hatte ein paar nette Einfälle und das Buch ist mit Sicherheit nicht schlechter als vieles, was sonst noch so an Urban Fantasy auf dem Markt ist.

Fazit

Ich kann wirklich nicht viel zu City of Bones sagen, weil das Buch bei mir einfach keinen wirklichen Eindruck hinterlassen hat; dafür war alles etwas zu “aneinandergestückelt” (was für ein Wort!) und irgendwie nicht rund. Eventuell werde ich die Fortsetzung lesen, wenn ich sie günstig bekomme, denn Potential hat die Reihe meiner Meinung nach definitiv.
Weil das Buch einen fast neutralen (eher ins Negative tendierenden) Eindruck hinterlassen hat, gibt es von mir fast neutrale 2,5 Sterne.

Ulrike Schweikert: Erben der Nacht – Nosferas (Erben der Nacht #1)

Autor: Ulrike Schweikert // Titel: Erben der Nacht – Nosferas (#1) // Originaltitel: - // Verlag: cbt // Erschienen: 10. März 2008 (Printausgabe) / 1. April 2009 (E-Book) // ISBN-10: 3570304787 (Print) // ISBN-13978-3570304785 (Print) // ASIN: B004OL2SII (E-Book) // Seiten: 448 Seiten (Print)  // Ausgabe: E-Book // Preis: 12.00 €  (Print)/5.99 (E-Book) // Genre: Fantasy, Buchreihe, Jugendbuch

Die alten, großen Vampirfamilien – die Nosferas, Vamalia, Lycana, Pyras, Dracas und die Vyrad –  sind vom Aussterben bedroht. Ihr “Genpool” ist erschöpft und so versuchen sie, ihre Clans auszusöhnen, indem sie ihre Kinder fortan gemeinsam unterrichten: unter-richten in den Dingen, die ein Vampir wissen muss, um überleben zu können. Doch die Erben der Nacht gehen ihre eigenen Wege und in Rom, der ersten Station ihres Unterrichts, lauern Vampirjäger…

Meine Meinung

Ulrike Schweikert ist für ihre historischen Romane bekannt und so ist auch “Nosferas” in ein historisches Setting eingebettet. Dieses ist ihr (überwiegend) sehr gut gelungen – für jugendliche Leser (Zielgruppe), die mit Tornüren, einem Ridikül o.ä. nichts anzufangen wissen, gibt es auch noch ein Nachwort, in dem diverse Begriffe erklärt werden.

Sprachlich hat mir “Nosferas” gut gefallen, auch wenn ich anfangs etwas Mühe mit den zum Teil recht ausufernden Beschreibungen hatte. Insgesamt hat die Autorin Wert auf ihren Ausdruck gelegt und das merkt man durch das ganze Buch hindurch.

Trotz den oftmals umfangreichen Schilderungen, vermag das Buch in meinen Augen nicht, eine Atmosphäre aufzubauen. Das finde ich enorm schade, weil gerade die Verbindung von Vampir- und historischem Roman so viele Möglichkeiten bietet, Stimmung zu erzeugen. Man bedenke z.B., wie wundervoll dies Anne Rice in “Interview mit einem Vampir” gelungen ist.

Dass die Erben der Nacht ohne eine besondere Atmosphäre auskommen müssen, ist vielleicht der Anlage eines Jugendbuchs geschuldet: Es werden viele Figuren eingeführt, von denen jedoch keine einzelne vertieft behandelt wird. Es treten Konflikte und Probleme zu Tage, es werden Konsequenzen und Lösungen aufgezeigt, doch kommen weder komplexe Figuren, noch eine tiefergehende Handlung zustande. Hier wäre weniger vielleicht mehr gewesen, egal, ob der Fokus dabei auf einer Liebesgeschichte oder einem Abenteuer gelegen hätte.

Immer wieder werden Situationen, die atmosphärisch “dicht” sind (z.B. nächtliche Ausflüge) durch Ereignisse unterbrochen, bei denen ich mich hinterher gefragt habe, ob diese wirklich nötig und der Handlung zuträglich waren. Hinzu kommen kleinere Fehler, die sich auch wieder auf die Atmosphäre auswirken, weil man als Leser – wenn man denn auf solche Kleinigkeiten achtet – irritiert wird; ein Beispiel dafür ist die Atmung der Vampire. So wird herausgestellt, dass diese eigentlich nicht atmen müssen, doch gibt es wiederholt Stellen, in denen z.B. die Beschleunigung der Atmung als Stilmittel benutzt wird, um Aufregung (o.ä.) zu verdeutlichen.
Schweikerts Vampire scheinen darüber hinaus Aasfresser zu sein, wenn sie der Hunger packt, sobald sie mit Leichen alleine in einem Raum sind. Diese Episode empfand ich persönlich ohnehin als relativ überflüssig.

Einige Figuren sind schön angelegt, z.B. der recht erwachsene Malcolm, der nagelkauende Luciano, der biestige Franz Leopold oder die geheimnisvolle Ivy-Máire – doch leider bleibt es dabei. Als etwas facettenreicher erscheint einzig “Leo”, bei dem jedoch auch schnell klar ist, dass hinter der harten Schale ein etwas weicherer Kern steckt.

Einerseits erfreulich, andererseits ärgerlich ist die Einbettung von “historischem Personal”: Wilde und Stoker kommen als Figuren zu Wort, von Hoffmann, Lewis und Byron ist die Rede, aber irgendwie… Da fehlt etwas. Wenn Stoker flapsig sagt “… und dann werde ich einen Vampirroman schreiben” (oder so etwas in der Art), dann wirkt das auf mich so künstlich in den Roman hineingebogen, so unnatürlich. Stellenweise hat man als Leser das Gefühl, dass es hier denn auch zu einem grossen Teil um Erziehung und Wissensvermittlung geht (Wissenschaftler und Autoren werden gestreift), was ja eigentlich nicht schlecht ist – doch wirken diese Details und Einschübe oft wie ein Fremdkörper, weil es bei kleinen Andeutungen bleibt, die einem das Gefühl vermitteln: “Ach, hier wurde noch einmal fix ein berühmter Autor der Schauerromantik eingeschoben.”

Die Handlung verlief – meinen Erwartungen entsprechend – ohne grosse Überraschungen.

Fazit

Ulrike Schweikert hat sich sichtlich bemüht, jüngeren Lesern (die ja auch Zielgruppe dieses Buches sind), geschichtliche Aspekte näherzubringen und sie mit (alltäglichen) Problemen und deren Lösungen zu fesseln. Die erste Liebe wird ebenso angesprochen, wie ein Generationenkonflikt oder Probleme in der Schule.
Dabei bewegt sich die Geschichte leider in vorhersagbaren Bahnen, den Figuren fehlt jegliche Tiefe und die Atmosphäre bleibt oft auf der Strecke.

Insgesamt vergebe ich 3 Sterne, weil ich Nosferas insgesamt nicht schlecht fand und der Meinung bin, dass es für die “Zielgruppe” sicherlich gut geeignet ist. Allerdings habe ich auch dass Gefühl, dass die Geschichte und Figuren mehr Potential bieten, als Ulrike Schweikert hier ausgeschöpft hat.

“Erben der Nacht: Nosferas” ist der erste Band der “Erben der Nacht”-Reihe. Bisher sind folgende Bände erschienen:

Nosferas (2008, ISBN 978-3-570-30478-5)
Lycana (2008, ISBN 978-3-570-30479-2)
Pyras (2009, ISBN 978-3-570-30480-8)
Dracas (2010, ISBN 978-3-570-30656-7)
Vyrad (2011, ISBN 978-3-570-30655-0)

Suzanne Collins – Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele (#1)

Autor: Suzanne Collins // Titel: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele (#1) // OriginaltitelThe Hunger Games // Verlag: Oetinger Verlag // Erschienen: 17. Juli 2009 // ISBN-10: 3789132187 // ISBN-13978-3789132186 // Seiten: 414 Seiten  // Ausgabe: gebundene Ausgabe // Preis: 17,90 € / 26,90 CHF  // Genre: Abenteuer, Jugendbuch, Young Adult, Dystopie

Panem et circenses! Die 74. Hungerspiele haben begonnen.

Im Land Panem herrscht das Kapitol: über Ressourcen, über Menschen… Das Land, das irgendwann einmal Nordamerika war, wurde in zwölf Distrikte eingeteilt, aus denen jeder 2 Tribute zu den “Hungerspielen” entsenden muss – jährlich. Von den 24 Tributen darf nur ein einziger überleben… Dies soll dazu dienen, die Menschen in den Distrikten immer wieder daran zu erinnern, dass das Kapitol die Gesetze macht und sie nichts weiter sind, als Arbeiter, die keine Rechte besitzen… Insbesondere sollen die Spiele daran erinnern, dass Aufstände und Widerstand gegen das Kapitol zwecklos sind.
Doch im Kapitol hat man die Rechnung ohne Katniss Everdeen gemacht, die für Distrikt 12 an den Hungerspielen teilnimmt…

Meine Meinung

Obwohl ich (noch relativ) genau wusste, was passiert, hat mich der erste Band nicht weniger gefesselt, als bei meiner ersten Lektüre vor zwei Jahren. Sprachlich ist das Buch zweifellos anstrengend (wenn man auf die Sprache achtet), da die Sätze oftmals einfach nur in der gleichen Art und Weise aneinandergereiht sind – aber ich habe das Gefühl, man kommt gar nicht so sehr dazu, auf den Schreibstil zu achten, weil man ab einem gewissen Punkt von der Handlung derart mitgerissen wird, dass solche Dinge schnell nebensächlich werden.
Dennoch kann ich nicht von der Hand weisen, dass ich bei der ersten Lektüre aufgrund des Schreibstils Einstiegsschwierigkeiten hatte und dies beim erneuten Lesen nicht anders war.

Katniss ist kein Jammerlappen – wie es ja so oft bei Protagonistinnen in Jugendbüchern der Fall ist – sondern ein junges Mädchen, das schon früh zu Kämpfen gelernt hat. Ihr starker Wille und ihre Fähigkeit, immer wieder über sich selbst hinauszuwachsen, kommen ihr in der Arena zu Gute. Nur zu verständlich sind ihre Zweifel an sich selbst und an Peeta – doch obwohl sie ab und an wankt und nicht genau weiß, welchen Weg sie einschlagen soll, gibt sie nicht auf.
Gale erscheint von Anfang an als Gegner des Kapitols. Als Katniss’ bester Freund versucht er natürlich, mit ihr über einen möglichen Widerstand zu reden – doch er scheitert. So viel bleibt ungesagt, als Katniss in die Arena geht.
Und dann ist da noch Peeta, der Junge mit dem Brot. Peeta scheint auf den ersten Blick ein offenes Buch zu sein, doch überrascht er stets aufs Neue durch das, was er sagt oder tut.
Mein Highlight ist übrigens Cinna, Katniss’ Stylist, der so ganz anders ist, als der Großteil der Menschen im Kapitol. Er strahlt Wärme aus – Vertrauen. Und es ist Cinna, der maßgeblich zur Rebellion beiträgt…

Die Handlung ist fesselnd: Nur einer von vierundzwanzig Tributen darf in der Arena überleben. Jeder Fehltritt könnte den Tod bedeuten. Und obwohl man bei der zweiten Lektüre natürlich schon weiß, was geschieht, hält man noch immer die Luft an, wenn die Jägerwespen angreifen, wenn Katniss und Peeta erkennen, dass sie es mit Mutationen zu tun haben – oder wenn Katniss einen ganz persönlichen Akt der Rebellion ausführt, indem sie die kleine Rue in einer Art und Weise ehrt, die so ganz und gar nicht in das Konzept des Kapitols passt.
Nicht ganz so interessant ist bei einer zweiten Lektüre natürlich die Anreise zum Kapitol – beim ersten Lesen hatte ich stets ein unbehagliches Gefühl. Einerseits wegen Haymitch und Effie, die ich beide schlecht einordnen konnte, andererseits, weil ich mir gar keine Vorstellung davon machen konnte, was Katniss und Peeta bei ihrer Ankunft erwarten würde.

Fazit und Gedanken zur Buchverfilmung

Insgesamt erwies sich “Gefährliche Spiele” auch bei der erneuten Lektüre als “Page-Turner”. Der schwache Sprachstil wird durch Handlung und Figuren (weitestgehend) wettgemacht.

May the odds be ever in your favor.

Ich halte die Hunger-Games-Verfilmung für enorm gelungen. Zum einen ist es schön, weitestgehend unbekannte Gesichter auf der Leinwand zu sehen – zum anderen wurde der Film, zumindest meiner Meinung nach, richtig zugeschnitten: Die Buchvorlage wurde sinnvoll abgeändert und gekürzt, ein paar Stellen wurden aus dem zweiten Band eingeschoben und haben dem Film somit mehr Tiefe verliehen.
Viele Leute haben sich darüber geärgert, dass so viele Dinge weggelassen wurden – aber das ist in Filmen doch immer der Fall. Es ist nicht möglich, jedes Detail einzufangen, wenn der Film hinterher keine massive Überlänge haben darf/soll. Meinem Empfinden nach gab der Film genug Details aus den Filmen wider und vor allen Dingen hat nichts gefehlt, was wirklich wichtig war.
Mich hat einzig und allein die Kameraführung etwas gestört, wobei es natürlich geschickt gelöst ist, Gewaltszenen dermaßen verwackelt darzustellen, dass man nicht mehr viel erkennt. Hätte sich das Wackeln (und die tlw. Unschärfe) nur auf die brutalen Szenen beschränkt, hätte ich damit vermutlich auch kein Problem gehabt – so war’s für mich etwas zu viel davon.

Jonathan Stroud: Bartimäus. Das Auge des Golem. (#2)

Autor: Jonathan Stroud // Titel: Bartimäus – Das Auge des Golem // Originaltitel: The Golem’s Eye (Bartimaeus Trilogy) // Verlag: Blanvalet // Erschienen: 13. Oktober 2008 // ISBN-10: 3442370035 // ISBN-13978-3442370030 // Seiten: 672 Seiten  // Ausgabe: Taschenbuch // Preis: 8,95 € / 16,90 CHF  // Genre: Fantasy, Jugendbuch

Nathanael arbeitet mit seinen 14 Jahren bereits für die Regierung – und nimmt weiterhin Bartimäus Dienste in Anspruch; dieser ist darüber natürlich alles andere als erfreut. Ihr gemeinsamer Weg führt sie nach Prag… Dort, so glaube sie, werden sie das Geheimnis um den Golem lüften können, der die Bevölkerung Londons in Atem hält.
Doch nicht nur ein Golem bereitet Nathanael Probleme. “Der Widerstand” organisiert weiterhin Aktionen gegen die Regierung und mit dem Einbruch in die Gruft des legendären Zauberers Gladstone gelingt es den Regierungsgegnern nicht nur, besondere Artefakte in ihren Besitzt zu bringen… Ausgerechnet Nathanael soll sowohl den Golem als auch die Angehörigen des Widerstands das Handwerk legen…

Meine Meinung

Der zweite Band der Trilogie ist meiner Meinung nach der spannendste (und da ich den dritten Band ja schon gelesen habe, kann ich mir da auch getrost ein Urteil bilden). Wie auch schon im ersten Teil, habe ich mich manches Mal aufs Glatteis führen lassen: Beim Lesen war ich mir nie wirklich sicher, ob ich mit meinen Vermutungen richtig lag.
Bartimäus macht keine nennenswerte Entwicklung durch, ich empfand ihn im zweiten Band dennoch als weitaus angenehmer (weniger “Witze” und Übertreibungen, mehr Ernsthaftigkeit) als in “Das Amulett von Samarkand”.
Nathanael ist  noch schleimiger, widerwärtiger, großspuriger und fieser als erwartet… Man muss schon recht genau hingucken (oder sich einfühlen), um zu bemerken, dass da noch etwas anderes mitschwingt, zum Beispiel Unsicherheit, die er durch seine unangenehme Art zu kompensieren versucht.
Wie auch schon im ersten Teil, spielt Stroud auch im zweiten Buch mit verschiedenen Perspektiven. Diese sind diesmal nicht auf Nathanael und Bartimäus beschränkt, sondern werden um Kittys Perspektive erweitert.
Endlich gab es mehr über den Widerstand zu lesen! Und endlich konnte ich auch mehr über Kitty erfahren – das hat sich wirklich gelohnt. Kitty erscheint nicht als strahlende Heldin oder graues, unauffälliges Gänschen… Sie ist irgendwo dazwischen. Sie hat so viele verschiedene Facetten, dass es immer wieder interessant war, ihre Geschichte mitzuverfolgen.
Auch die magische “Parallelwelt” gewinnt durch Kittys Perspektive an Tiefe, weil Kitty als “Gewöhnliche” eine andere Einstellung zu den Ereignissen hat, als er Dschinn Bartimäus oder der Zauberer Nathanael.

Fazit

Mir hat Kitty sehr gut gefallen und ich war froh, dass Bartimäus irgendwie weniger zu sagen hatte, denn mit seinem Humor bin ich immernoch  nicht recht warm geworden. Auch fand ich den zweiten Band spannender als den ersten. Enttäuscht hat mich die Entwicklung von Nathanael, weil er, wenn man nicht ganz genau liest, sehr eindimensional und unangenehm wirkt (und die “andere Seite” auch nur in winzigen Ansätzen zu erkennen ist) – das finde ich wirklich sehr, sehr schade. Insgesamt halten sich die positiven Veränderungen und die verschenkten Chancen die Waage, weshalb ich den  zweiten Band der Trilogie mit 3,5 Sternen bewerte – wie seinen Vorgänger “Das Amulett von Samarkand”.

In der Bartimäus-Reihe sind bisher erschienen:

  1. Das Amulett von Samarkand (2004)
  2. Das Auge des Golem (2005)
  3. Die Pforte des Magiers (2006)
  4. Der Ring des Salomo (2010)