Umberto Eco: Der Name der Rose

Mit einer kirchenpolitischen Mission beauftragt, macht sich der Franiskanermönch William von Baskerville mit seinem Novizen, Adson von Melk, auf den Weg in eine italienische Benediktinerabtei, die nicht nur durch ihre Lage, sondern auch durch ihre riesige Bibliothek besticht. Tage der Ruhe sind William indes nicht beschieden, denn das Ableben einiger Mönche will genauer untersucht werden…

Meine Meinung

Zu “Der Name der Rose” gibt es nicht nur einen tollen Spielfilm, sondern auch zahlreiche literarische Abhandlungen, Dissertationen, einen Band mit Erklärungen von Umberto Eco selbst usw., usw., usw. …

Wer nichts über theologische Diskussionen im Mittelalter weiß, wer noch nie etwas von unterschiedlichen Ketzergruppen gehört hat, wer antike und mittelalterliche Autoren und Texte nicht kennt, dem sei an dieser Stelle angeraten, wohl dringend den Kommentarband zu lesen – denn sonst ist der Roman wohl über weite Strecken lediglich ein Krimi.
Tatsächlich aber setzt sich Umberto Eco sehr gezielt mit Fragen der Semiotik, der Theologie und des mittelalterlichen Schrifttums auseinander und entwirft so einen sehr, sehr tiefsinnigen, immens gut recherchierten historischen Roman – der nicht einfach zu lesen ist. Mir bereitete insbesondere der Spannungsbogen große Probleme: Ich hatte von Anfang an einen Verdacht, was in der Abtei vorgeht und wer dafür verantwortlich ist… Der “Krimi” wurde aber immer wieder durch breite Erörterungen über Theologie usw. “pausiert”, weswegen die Lektüre nicht immer sonderlich aufregend, aber wenigstens recht anregend war.
Die Rahmenhandlung hat mir wirklich gut gefallen (und die Anspielungen auf Sherlock Holmes waren toll!), aber insgesamt war “Der Name der Rose” für mich alles andere als ein “page turner”. Das lag wohl auch am Schreibstil, den ich oft als zu breit und zu (unnötig) detailliert empfand (was mich irgendwie an Fontane erinnerte)…

Fazit

“Der Name der Rose” ist nicht grundlos ein Weltbestseller – gut recherchiert, sehr tiefsinnig und vielschichtig. Ich bin nicht sicher, ob man den Roman ohne Vorkenntnisse sonderlich gut versteht (über die kriminalistische Handlung hinaus) und mir persönlich hat der Schreibstil an sich nicht so gut gefallen. In weiten Teilen war mir das Buch zu langatmig.  Latein-Kenntnisse sind ggf. von Vorteil, weil man dann die lateinischen Sachen nicht immer erst nachschlagen muss, sondern gleich flüssig weiterlesen kann ;-)

Autor: Umberto Eco | Titel:  Der Name der Rose | Originaltitel: Il nome della rosa | Verlag: DTV Erscheinungsdatum: 1986 (Erstveröffentlichung 1980) | ISBN-10: 3423105518 | ISBN-13: 978-3423105514 | Seitenzahl: 688 | Ausgabe: Taschenbuch | Preis: 9,90 € bzw. 15,90 CHF | Genre: historischer Roman, Krimi

Antonia Michaelis: Der Märchenerzähler

Antonia Michaelis erzählt in “Der Märchenerzähler” die Geschichte dreier Menschen: Anna, ein junges Mädchen aus wohlbehüteten Verhältnissen, Abel, einem Drogendealer und Sonderling und Micha, Abels kleiner Schwester.
Seitdem Michas und Abels Mutter verschwunden ist, sind die beiden auf sich allein gestellt und nur mit großer Hartnäckigkeit gelingt es Anna, zu Abel vorzudringen. Der erzählt der kleinen Micha und Anna Märchen, in denen Anna immer wieder die Realität zu erkennen glaubt. Täuscht sie sich? Oder steckt hinter Abels Märchen eine grausame Wahrheit, die sie nicht sehen will? …

Meine Meinung

Ich kann meine Meinung zu diesem Buch nicht ausdrücken, ohne hier und da wesentliche inhaltliche Elemente preiszugeben. Wer die Rezension dennoch gesamt lesen möchte, muss des nachfolgenden Textes mit der Maus markieren, damit er komplett sichtbar wird.

Was habe ich eigentlich erwartet? Ich habe erwartet, dass “Der Märchenerzähler” kein einfaches Buch ist. “Die Worte der weißen Königin” spukt mir heute noch ab und an im Kopf herum. Ich hatte Recht mit dieser Erwartung: “Der Märchenerzähler” ist ein sehr, sehr schwieriges Buch. Antonia Michaelis erzählt von Liebe, grenzenloser, vielleicht sogar psychopathischer Liebe – von Liebe zwischen zwei Teenagern, von Liebe zwischen einem großen Bruder und seiner kleiner Schwester… Sie erzählt von einer Freundschaft, die auch dann noch Bestand hat, als es kriselt. Sie erzählt von unerfüllten Hoffnungen, von furchtbaren Enttäuschungen, von Existenzängsten. Sie erzählt von vielen schlimmen Dingen; Sie erzählt von Kindesmissbrauch, von Vergewaltigung, von Prostitution, von Prügeleien, von Drogen, von Mord. Sie erzählt von endloser Verzweiflung, vom Scheitern am eigenen Leben, von tiefen, tiefen Abgründen.

Anna ist fernab dieser dunklen Seiten der menschlichen Existenz aufgewachsen, als wohlbehütetes Einzelkind einer Unidozentin und eines Arztes. Zum Entsetzen ihrer besten Freundin Gitta verliebt sie sich ausgerechnet in Abel, den “polnischen Kurzwarenhändler”, der an der Schule Drogen vertickt und sein Abi ohne Zweifel in den Sand setzen wird, weil er so oft die Schule schwänzt. In Abel, der “White Noise” hört, der sich unnahbar gibt, der ihr mehr als einmal unsanft zu verstehen gibt, dass sie sich nicht in seine Belange einmischen soll – und in Abel, der eine ganz, ganz andere Seite hat, wenn er mit seiner kleinen Schwester Micha zusammen ist. Die gemeinsame Mutter ist verschwunden und Abel lebt mit ihr alleine, krampfhaft darum bemüht, dass alles seinen normalen Gang geht – auch ohne Mutter.

Er sorgt für Micha wie ein Vater und seine größte Angst ist es, dass das Jugendamt ihm Micha wegnehmen könnte, weil er noch nicht volljährig und somit laut Gesetz gar nicht dazu in der Lage ist, die alleinige Verantwortung für seine kleine Schwester zu übernehmen. So versucht er, möglichst jeden von der kleinen Wohnung in der Plattenbausiedlung fernzuhalten – Anna inbegriffen. Doch Anna lässt sich nicht so leicht abwimmeln und schon bald dringt sie bis zu Abel vor und nimmt Teil an seinem Leben mit Micha – und an Abels Märchen über die kleine Klippenprinzessin.

Schon bald erkennt Anna hinter seinen Schilderungen ein Muster; die Märchenfiguren entsprechen Menschen, die sie kennt und die Handlung ist eng mit der Realität verbunden. Als Personen ermordet werden, mit denen Abel in einer schwierigen Beziehung steht, vermutet sie, dass er dahinter stecken könnte – doch ihm gelingt es zunächst, ihr diesen Gedanken auszureden.

Anna geht völlig auf in ihrer Verliebtheit und in ihrer (Für-Sorge) um Abel und Micha, bis sich die Puzzleteile Stück für Stück zusammenfügen und sie an den Geschehnissen schließlich zerbricht.

Anna ist eine starke, eine sehr starke Figur. Sie lässt sich nicht von Abels Wutausbrüchen erschüttern, sie versucht hartnäckig, an ihn heranzukommen, sie liebt ihn so sehr, dass sie ihm sogar das Unverzeihliche verzeiht: Sie verzeiht ihm, dass er sie vergewaltigt – und sie verzeiht ihm die Morde, die er begangen hat. Dass sie ihm die Vergewaltigung so schnell verzeiht, hat bei mir ein ungutes Gefühl zurückgelassen – doch es ist, wie es ist: Jedes Opfer muss für sich entscheiden, wie es mit den Erlebnissen umgeht und Antonia Michaelis hat entschieden, Anna nicht an diesem “Vorfall” zerbrechen zu lassen und nach einer kurzen Bedenkzeit trotzdem zu Abel zu stehen.

Abel ist nicht (mehr) so stark wie Anna; er ist vor allen Dingen verzweifelt, was angesichts seiner Geschichte auch nicht verwundert. Immer verantwortlich für die kleine Schwester, von der stets zugedröhnten Mutter alleine gelassen (auch im endgültigen Sinne…), vom Stiefvater missbraucht, abgerutscht in die Prostitution versucht er, mit sich und seinem Leben zurecht zu kommen. Micha braucht ihn – doch er braucht auch Micha, um nicht völlig abzurutschen. Aus der schier übermenschlichen Angst heraus, dass jemand Micha etwas antun, oder sie ihm wegnehmen könnte, mordet er schließlich… Als die Polizei ihn verhaften möchte, ist er es schließlich, der ein Urteil fällt: Er erschießt sich und richtet damit über sich selbst, über die Dinge, die er getan hat.

Doch es gibt nicht nur Anna, Micha und Abel in “Der Märchenerzähler”: Da ist auch noch Gitta, die zu Anna hält und für Anna da ist, obwohl sich die Freundinnen entfremdet zu haben scheinen; da ist Bertil, der immer und immer wieder zurückstecken muss, und Anna trotzdem nicht im Stich lässt. Da ist der Deutschlehrer, der aus Menschlichkeit immer wieder ein Auge zudrückt. Da sind Annas Eltern, die helfen wollen, aber nicht wissen wie…

Wer zwischen den Zeilen zu lesen vermag, entschlüsselt schnell, was im “Märchenerzähler” eigentlich geschieht – dennoch bleibt bis zum Schluss die Hoffnung, dass sich die Dinge auf andere Art und Weise ereignet haben.

Gewohnt wortgewaltig und mitreißend schildert Antonia Michaelis die Geschichte von Anna, Abel und Micha und lässt den Leser schließlich mit einem mulmigen Gefühl im Bauch zurück.

Fazit

“Der Märchenerzähler” ist erschütternd, traurig und wie erwartet ein Buch, das viel zum Nachdenken anregt. Antonia Michaelis gibt als Altersempfehlung 16 Jahre an, und ich denke, das ist auch angemessen. Ich möchte an dieser Stelle darauf verzichten, eine Wertung in Form von Sternen abzugeben.

Autor: Antonia Michaelis | Titel:  Der Märchenerzähler | Originaltitel: – | Verlag: Oetinger-VerlagErscheinungsdatum: Februar 2011 | ISBN-10: 3789142891 | ISBN-13: 978-3789142895 | Seitenzahl: 446 | Ausgabe: gebundene Ausgabe | Preis: 16,95 € bzw. 25,90 CHF | Genre: Jugendbuch, Junge Erwachsene, Drama, Krimi

Akif Pirinçci: Göttergleich (Felidae #8)

Francis ist zurück – und langsam aber sicher macht ihm das Alter zu schaffen. Das denken zumindest Sancta und Junior, als Francis ihnen klarzumachen versucht, dass die Zeit rückwärts läuft. Sancta möchte gar, dass er sich vom Hauskater eines bekannten Psychotherapeuten therapieren lässt; Francis kommt ihrer Bitte nach und ahnt nicht, was auf ihn zukommt…

Meine Meinung

Von mir aus könnte Akif Pirinçci gut und gerne noch acht weitere Felidae-Bände schreiben – ich hab die flauschigen Samtpfoten einfach allesamt in mein Herz geschlossen.

Francis war einfach fabelhaft wie immer: Ironisch, gewitzt und wieder einmal ganz und gar ein “Klugscheisser” ( ;) ). Sancta und Junior spielten im achten Band der Felidae-Reihe nur am Rande eine Rolle (ebenso wie Gustav) und leider hatte auch Blaubart nur einen kurzen Gastauftritt.

Die Handlung war – wie erwartet – spannend und nicht allzu leicht zu durchschauen, trotzdem bin ich mit der ganzen Geschichte nicht wirklich warm geworden. Die Idee hat mir gut gefallen, aber irgendwie war der Plot für meinen Geschmack am Ende dann doch zu abgefahren (Stichwort: Chronos). Auch spielte Francis genialer Verstand diesmal eine eher untergeordnete Rolle, immer wieder kam ihm Frau Fortuna zur Hilfe. Leider wurden auch nicht alle Handlungsstränge ausgereizt (aber ich würde wohl zu viel verraten, wenn ich an dieser Stelle näher darauf eingehen würde) – so blieben am Ende des Buches einige Fragen offen.
Darüber, dass ich Pirinçcis Bücher verschlingen könnte, weil sein Schreibstil so toll ist, habe ich mich hier im Blog ja schon zu genüge ausgelassen.

Fazit
Göttergleich reicht meiner Meinung nach nicht an manch andere Bände der Felidae-Reihe heran, ist für Felidae-Fans aber sicher dennoch zu empfehlen. Weil ich weiß, was für tolle Bücher Pirinçci schreiben kann, warte ich schon gespannt und voller Vorfreude auf den nächsten Felidae-Teil, der hoffentlich irgendwann erscheinen und mir besser als sein Vorgänger gefallen wird ;-)

Autor: Akif Pirinçci | Titel:  Göttergleich (Felidae #8) | Originaltitel: – | Verlag: Heyne-Verlag | Erscheinungsdatum: 24. September 2012 | ISBN-10: 3453268466 | ISBN-13: 978-3453268463 | Seitenzahl: 336 | Ausgabe: gebundene Ausgabe | Preis: 19,99 € bzw. 31,90 CHF | Genre: Abenteuer, Krimi

Folgende Felidae-Romane sind bisher erschienen:

Felidae (ISBN 3-442-42886-6)
Francis
(ISBN 3-442-43372-X)
Cave Canem (ISBN 3-442-44991-X)
Das Duell (ISBN 3-596-15992-X)
Salve Roma (ISBN 3-453-35092-8)
Schandtat (ISBN 3-453-00620-8)
Felipolis (ISBN 978-3-453-29097-6)
Göttergleich (ISBN 978-3-453-26846-3)

Ulrike Rylance: Villa des Schweigens

Zunächst ist Nina überglücklich, dass sie ein schönes und günstiges WG-Zimmer in Leipzig gefunden hat – doch so wirklich warm wird sie mit ihren Mitbewohnern nicht… Da ist Julius, dem die Wohnung gehört und dessen Launen allen auf die Nerven gehen, da sind Benjamin, Stefan und Claire – und auch noch Lauren, die zwar nicht in der WG wohnt, aber fast täglich dort ist… Sie alle sind Nina nicht ganz geheuer. Ninas Unbehagen verstärkt sich, als ein heimlicher Verehrer in mehrfach ihr Zimmer eindringt, und ihr Liebesbotschaften hinterlässt…

Meine Meinung

An “Villa des Schweigens” hat mir vor allen Dingen die Idee gefallen: Ich mag Romane, in denen unheimliche Dinge vor sich gehen, bei denen jede Figur ewas zu verbergen scheint, und bei denen man als Leser immer wieder Gefahr läuft, sich auf’s Glatteis führen zu lassen. So ganz geglückt ist das im Falle von “Villa des Schweigens” leider nicht, denn es war nicht schwer zu durchschauen, welches Spielchen in der Villa gespielt wird. Die Handlung gipfelt scheinbar im Tod eines Mädchens (der Name wird hier ebenfalls nicht verraten – Spoiler-Gefahr), ist damit aber noch nicht vollkommen ausgereizt. Auch das hat mir gefallen.
Ulrike Rylance hat sehr gekonnt eine Reihe von Verdächtigen ins Rennen geschickt, allen voran Julius (War er’s? War er’s nicht? Von mir wird nichts verraten!), der mit seinen Launen bis zum Ende recht schwer einzuschätzen ist, aber auch Claire, über die nicht viel verraten wird und letztendlich auch Benjamin und Stefan, die ebenfalls beide ein Motiv haben könnten. Nina, die Protagonistin, bleibt dabei leider sehr oberflächlich – obwohl das Buch aus ihrer Perspektive verfasst ist, wurde ich als Leserin nicht wirklich warm mit ihr. Ihr Charakter war mir zu eindimensional – zu naiv? – und ich hätte mir gewünscht, mehr von ihr zu erfahren.
Der Schreibstil ist einfach und flüssig, das Buch schnell ausgelesen.

Fazit

Insgesamt hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht – dann hätte das Buch wohl auch mehr Atmosphäre gehabt (im besten Falle eine unheimliche!). Idee und Setting an sich sind für meinen Geschmack gut gewählt, doch die Geschichte hat meiner Meinung nach mehr Potential geboten. So bleibt “Villa des Schweigens” ein (kurzer) Jugendkrimi für “Zwischendurch”, von dem nicht wirklich allzu viel hängen bleibt.

Autor: Ulrike Rylance | Titel:  Villa des Schweigens | Originaltitel: – | Verlag: DTV | Erscheinungsdatum: 01.11.2012 | ISBN-10: 3423715138 | ISBN-13: 978-3423715133 | Seitenzahl: 240 | Ausgabe: Taschenbuch | Preis: 6,95€ / 10,90 CHF | Genre: Kriminalroman, Jugendbuch

Nele Neuhaus: Böser Wolf (Bodenstein/Kirchhoff #6)

Ein Mädchen wird tot aus dem Main geborgen. Ein Staatsanwalt mischt sich ungewöhnlich stark in die Ermittlungen ein. Eine Frau des öffentlichen Lebens sticht mit ihren Fragen in ein Wespennest. Eine Frau verdächtigt ihren Ehemann, sich an der gemeinsamen Tochter zu vergehen. Und ein scheinbar netter Mann entpuppt sich als “böser Wolf”. Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein ermitteln zunächst in einem Mordfall und ahnen nicht, mit welchen Machenschaften sie es zu tun bekommen werden…

Meine Meinung

Zu diesem Buch kann ich keine “normale” Rezension schreiben – ich möchte nicht viel schreiben über die Figuren, über die Handlung, über Spannungskurven, Logik und falsche Fährten; ich möchte über etwas anderes schreiben.

Nele Neuhaus behandelt in “Böser Wolf” ein Thema, das in den letzten Jahren vor allen Dingen durch die Auseinandersetzung mit der Kirche öffentliches Interesse erregt hat: Kindesmissbrauch.

Bei Neuhaus geht es um organisierten Missbrauch von Kindern, der von höchsten Stellen aus gedeckt wird; auch der Hinweis auf Snuff-Movies bleibt nicht aus. Ich könnte mich an dieser Stelle ewig lange auslassen darüber, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder im wahrsten Sinne des Wortes an Menschen verkaufen, die mit Kindern unvorstellbare Dinge tun. Ich könnte mich darüber auslassen, dass es Menschen gibt, die Unsummen dafür bezahlen, einen Menschen (oft Kinder), unter grausamen Umständen sterben zu sehen… Wer es ertragen kann, der kann sich selbst mit dieser Thematik auseinandersetzen (es gibt z.B. einige sehr eindringliche Dokumentationen, in denen Opfer zu Wort kommen). Nele Neuhaus sensibilisiert mit ihrem Buch dafür, dass sich hinter der Fassade von Menschen, die alles erreicht zu haben scheinen und inmitten der Gesellschaft stehen, Kinderschänder verbergen können. Einfühlsam nimmt sie für die Opfer Partei ein, indem sie zeigt, wie ein kleines Mädchen, das missbraucht wird, sich verändert – und indem sie eine Frau zeigt, deren Leben durch den fortwährenden Missbrauch zerstört wurde.
Sie schafft dies völlig unaufdringlich, ohne Effekthascherei, ohne, dass man auch nur einen Moment das Gefühl hat, dass sie diesen Roman geschrieben hat, weil sich mit der Thematik vielleicht Geld verdienen lässt.

Ich wollte jetzt noch sehr viel mehr schreiben, aber ich lasse es bleiben. Nele Neuhaus wird das hier nie lesen, trotzdem danke ich ihr für dieses Buch, das einmal mehr darauf aufmerksam macht, dass Kindesmissbrauch ein Problem ist, das sich nicht schönreden lässt und dass den Opfern Gehör geschenkt werden muss.

Ich möchte das Buch an dieser Stelle auch gar nicht großartig bewerten. Sprachlich war es gewohnt gut und auch sonst ein solider Krimi (interessante Figuren, falsche Fährten etc.), doch die eigentliche Thematik war hier – meinem Gefühl nach – das Entscheidende, nicht der eigentliche “Fall”, den es für Bodenstein und Kirchhoff zu klären galt.

Autor: Nele Neuhaus | Titel:  Böser Wolf (Bodenstein/Kirchhoff #6) | Originaltitel: – | Verlag: Ullstein Verlag | Erscheinungsdatum: 11. Oktober 2012 | ISBN-10: 3550080166 | ISBN-13: 978-3550080166 | Seitenzahl: 480 | Ausgabe: gebundene Ausgabe | Preis: 19,99€ / 24,90 CHF | Genre: Kriminalroman

Alan Bradley: Flavia de Luce – Vorhang auf für eine Leiche (#4)

Daffy und Feely wollen Flavia einreden, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt – doch da haben sie die Rechnung ohne Flavias Chemie-Kenntnisse gemacht… Flavia nimmt sich vor, den Weihnachtsmann zu fangen (um zu beweisen, dass es ihn gibt!), doch inmitten der Vorbereitungen ihres Experimentes geschieht ein Mord auf Buckshaw! Da ihr Vater Buckshaw vorübergehend Filmleuten zur Verfügung gestellt hat, kommen viele Personen als Täter in Frage – Flavias kriminalistisches Geschick ist gefragt…!

Meine Meinung

Dieser Flavia-Roman ist anders als die drei vorherigen Bände… Toll ist er aber dennoch! Diesmal steht viel weniger der Mord im Vordergrund, als Flavia selbst – Alan Bradley zeigt sehr eindrücklich, wie sie sich entwickelt (z.B. in Bezug auf Antigone) und wie sich die Familienmitglieder de Luce untereinander arrangieren. Obwohl es mehrere witzige Wortgefechte und Streitereien zwischen Daffy, Feely und Flavia gibt, ist diesmal wirklich spürbar, dass die drei als Schwestern zusammengehören und das hat mir sehr gut gefallen. Und obwohl Haviland, Flavias Vater, kaum vorkommt, gebührt ihm doch die berührendste Stelle im ganzen Roman (aber darüber werde ich an dieser Stelle Stillschweigen bewahren, ich will ja nichts verraten!). Insgesamt geht Alan Bradley diesmal also insbesondere bezüglich der Familie in die Tiefe.

Der vierte Band der Flavia-Reihe ist sehr atmosphärisch; das verschneite Buckshaw, die Filmleute und die Weihnachtsstimmung… Für mich passt das Buch perfekt in die Vorweihnachtszeit :-)

Der Mord war diesmal etwas weniger spektakulär (die Motive waren leicht zu durchschauen und auch, wer das Opfer ermordet hat – obwohl durchaus mehrere Figuren in Frage kamen), dafür war Flavias Art und Weise, den Fall aufzuklären, umso brisanter; an dieser Stelle darf schon verraten werden, dass sie sich (eher ungewollt) durch ihre Ermittlungen selbst in größte Gefahr bringt.

Bradleys Schreibstil ist – wie immer – sehr angenehm und oftmals sehr humorvoll. Ich habe jedenfalls sehr viel gelacht und das Buch sehr schnell ausgelesen.

Fazit

“Vorhang auf für eine Leiche” ist ein wieder rundum gelungener Flavia de Luce Roman, der wunderbar in die Vorweihnachtszeit passt. In diesem vierten Teil der Flavia-Reihe liegt der Fokus insbesondere auf Flavia selbst (und auf ihrer Familie) und etwas weniger auf dem Mord, der sich auf Buckshaw ereignet – das tut der Spannung des Romans aber keinen Abbruch. Wie immer gibt es neben gefühlvollen und spannenden Momenten auch jede Menge zu lachen und Flavia entwickelt sich diesmal spürbar weiter.

Autor: Alan Bradley | Titel:  Flavia de Luce – Vorhang auf für eine Leiche (Flavia de Luce #4) | Originaltitel: I am Half-Sick of Shadows | Verlag: Penhaligon | Erscheinungsdatum: 22. Oktober 2012 | ISBN-10: 3764530987 | ISBN-13: 978-3764530983 | Seitenzahl: 320 | Ausgabe: gebundene Ausgabe| Preis: 19,99€ / 31,90 CHF | Genre: Krimi

Sven Koch – Brennen muss die Hexe

Autor: Sven Koch // Titel: Brennen muss die Hexe // Verlag: Knaur Verlag // Erschienen: 1. Juni 2012 // ISBN-10: 3426508559 // ISBN-13978-3426508558 // Seiten: 416 // Ausgabe: Taschenbuch // Preis: 8,99 € / 14,90 CHF // Genre: Kriminalroman

In Lemfeld treibt ein Mörder sein Unwesen: Er foltert Frauen und verbrennt sie anschließend bei lebendigem Leibe. Schnell stößt die Polizeipsychologin Alexandra von Stietencron auf eine Spur, die sie tief in die blutige Vergangenheit der Region führt – und der Mörder beobachtet jeden ihrer Schritte.

Meine Meinung

“Brennen muss die Hexe” kommt zunächst als typischer Krimi daher: eine Profilerin mit Vergangenheit, die es mit ihren überwiegend männlichen Kollegen nicht immer einfach hat, ein Serienmörder, der in Wahnvorstellungen verhaftet ist, inszenierte Tatorte, Lebensgefahr und ein Hauch von einem Mysterium…
Interessant war “Brennen muss die Hexe” für mich in erster Linie, weil ein Bezug zur Hexenverfolgung besteht. Ich kam diesbezüglich nicht wirklich auf meine Kosten, dafür hat der Autor einen interessanten Aspekt eingebracht, mit dem ich nicht gerechnet habe: Esoterik und/oder Wicca. Hätte Sven Koch diese Thematik (deutlich) stärker ausgebaut, hätte mir der Krimi wohl besser gefallen – so verbleibt der Roman in “typischen” Krimibahnen und hebt sich meiner Meinung nach nicht sonderlich von vielen anderen Krimis ab, auch wenn die Verbindung zu Afghanistan interessant ist.
Etwas Mühe hatte ich mit der Protagonistin Alex – nicht, weil ich sie unsympathisch finde, sondern weil auf mich zu übertrieben wirkt: Mit ihren knapp 30 Jahren hat sie ein Medizinstudium angefangen, in Psychologie abgeschlossen, Fortbildungen etc. bei der Polizei gemacht und ist nun “Profilerin” – das alles natürlich, obwohl ihre Eltern mit ihrer Studienwahl nicht zufrieden waren und obwohl ihre Vergangenheit von einem grausamen Ereignis überschattet wird, das sie erst dazu gebracht hat, diesen Beruf zu ergreifen. Das ist für meinen Geschmack einfach etwas zu viel des Guten – wahrscheinlich, weil man als Leser außer diesen Aspekten doch recht wenig über Alex erfährt (nunja, es gibt da noch so ein völlig überflüssiges Telefonat…). So erscheint sie etwas zu einseitig.
Sehr schade ist meiner Meinung nach, dass Schneider, Alex’ Kollege, wirklich zur Nebenfigur verkommt – denn Alex und Schneider sind eigentlich ein gutes Team… Von den übrigen Nebenfiguren bleibt der autistische Historiker noch am Besten im Gedächtnis – über die Gründe schweige ich hier, denn ich möchte ja nicht zu viel verraten ; )
Überhaupt habe ich – als angehende Historikerin – mich sehr darüber gefreut, dass gleich zwei Historiker im Roman auftauchten und beide nicht den gängigen Historikerklischees entsprachen (auch wenn ich den Vergleich mit Ville Valo und Bon Jovi (war es Bon Jovi? Ville Valo ist mir natürlich in Erinnerung geblieben!) als etwas unpassend empfand).
“Brennen muss die Hexe” konnte mich leider auch nicht wirklich fesseln, da ich den Mörder recht früh erkannt hatte (und die andere Fährte einfach zu plump und einfach gewesen wäre). Auch war viel zu schnell klar, wohin die Reise führt – und das Ende war mir erneut etwas “zu viel”, um mir gut zu gefallen.

Fazit

Insgesamt betrachtet finde ich “Brennen muss die Hexe” nicht schlecht, aber es gibt doch zu viele Dinge, die mich das Buch eher mittelmäßig bewerten lassen: 1) Die Protagonistin, die zu eindimensional wirkt, 2) die z.T. interessanten Nebenfiguren, deren Potential nicht ausgeschöpft wird, 3) die stereotyp wirkende Entwicklung der Handlung und die aus diesem Grund z.T. fehlende Spannung, 4) die z.T. zu nebensächlichen Dialoge und nicht zuletzt 5) das für meinen Geschmack zu übertriebene Ende. Dennoch hat mich das Buch gut unterhalten : )

Greg Scowen – The Spanish Helmet (Matthew Cameron #1)

Autor: Greg Scowen // Titel: The Spanish Helmet // Verlag: Create Space // Erschienen: 08. Juli 2011 // ISBN-10: 1463558481 // ISBN-13978-1463558482 // Seiten: 364  // Ausgabe: gelesen als E-Book (ASIN: B00537SKMA) // Preis: 13.99 € (Paperback) / 2.81 € (E-Book) // Genre: Abenteuer, Krimi

Es gibt sie, diese Tage, an denen ein Telefonanruf oder eine E-Mail das Leben eines Menschen für immer verändert: Dr. Matthew Cameron, ein Archäologe, erhält einen solchen Anruf… Sein Weg führt ihn raus aus seinem Büro, hinein in ein Abenteuer, dessen Ausgang die neuseeländische Geschichte völlig auf den Kopf stellen könnte – doch es gibt Menschen, die daran interessiert sind, Matthews Untersuchungen zu verhindern…

Meine Meinung

Zunächst fühlte ich mich bei der Lektüre ein wenig an Indiana Jones erinnert: ein mysteriöser Anruf, ein Artefakt, ein Geheimnis – und ein Abenteuer. Schnell nahm die Geschichte von “The Spanish Helmet” aber an zusätzlicher Fahrt auf und wurde vom archäologischen Abenteuerroman mehr und mehr zu einem mitreißenden Krimi – vor allen Dingen das Ende überrascht durch unvorhergesehene Ereignisse und Wendungen.
Weniger überzeugend als die “eigentliche” Handlung ist leider die Liebesgeschichte, die meiner Meinung nach zu sehr an den Rand gedrängt wird und über weite Strecken zu “blass” wirkt.
Greg Scowen führt seine Leser zunächst nach Neuseeland – Die Reise geht jedoch weiter, nämlich in die Schweiz, genauer nach Zürich. Wunderbar treffend beschreibt Greg Scowen die ETH, die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich – und ich gehe davon aus, dass seine Schilderungen Neuseelands mindestens genauso zutreffend sind.
Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt: Einmal aus der Perspektive Matthews, der nicht nur seinen Forschungen nachgeht, sondern sich auch noch seiner eigenen Vergangenheit (und Gegenwart) stellen muss – ein anderes Mal aus der Perspektive von Francisco de Hoces, einem spanischen Seefahrer, der bei einer fehlgeleiteten Expedition im 16. Jahrhundert mit seiner Crew nach Neuseeland kommt und dort von den Einheimischen aufgenommen wird. Diese historischen Tagebucheinträge sind sehr interessant, da sie dem Leser einen ganz anderen Blick auf die Situation der Ureinwohner und Einwanderer gewähren, als es mit einem anderen Erzählmittel möglich gewesen wäre.
Der Debut-Roman krankt meiner Meinung nach etwas an den beiden Hauptfiguren: Matthew handelt zu vorhersehbar und “gleichförmig” – Aimee mangelt es an Tiefe, was auch dem Umstand geschuldet sein kann, dass Matthews Sicht im Mittelpunkt steht. Von den Nebenfiguren sind vor allen Dingen Hemi, Warren und Julia interessant und über alle drei hätte ich gerne etwas mehr erfahren.

Fazit

“The Spanish Helmet” ist ein – meiner Meinung nach – gelungener Debut-Roman, mit einem interessanten Setting, einer spannenden Rahmenhandlung und ein paar kleineren “Kinderkrankheiten”, die vor allen Dingen nach Lektüre des tollen Endes nicht mehr großartig ins Gewicht fallen.

“The Spanish Helmet” ist mittlerweile auch auf Deutsch für den Amazon-Kindle erschienen.

Dear Greg, thank you so much for this great reading-experience! I’m really sorry for taking that much time!

Carsten Stroud – Niceville

Autor: Carsten Stroud // Titel: Niceville // Originaltitel: Niceville // Verlag: Dumont // Erschienen: 27. Januar 2012 // ISBN-10: 3832196463 // ISBN-13978-3832196462 // Seiten: 505 Seiten  // Ausgabe: gebundene Ausgabe // Preis: 19,99 € / 31,90 CHF  // Genre: Mystery, Thriller

Ein Junge verschwindet plötzlich und taucht an einem höchst eigenartigen Fleckchen Erde wieder auf. Seine Pflegemutter begeht Selbstmord. Eine Bank wird überfallen und irgendjemand versucht, gewaltige Unruhe zu stiften.
Nein, Niceville ist wahrlich nicht das kleine, beschauliche Städtchen, das es auf den ersten Blick zu sein scheint…

Meine Meinung

Ich habe mit einem Buch gerechnet, das Ähnlichkeiten mit “Needful Things” von Stephen King aufweist, mein Verdacht hat sich allerdings nicht bestätigt. Carsten Stroud erfindet mit “Niceville” gruselige Mystery-Romane zwar nicht neu, vermag aber durchaus durch eigene Ideen zu überzeugen, so zum Beispiel durch die Geschichten der Gründerfamilien von Niceville.
An gruseligen oder zumindest unbehaglichen Elementen hat Niceville einiges zu bieten – bei mir wollte jedoch einfach nicht die passende Stimmung dazu aufkommen. Zu oft hat der Autor Schauplätze und Protagonisten gewechselt, um eine – in meinen Augen angemessene – Atmosphäre entfalten und vor allen Dingen beibehalten zu können. So ist “Niceville” über weite Strecken verwirrend, weil alle Akteure nur gestreift werden und die Verflechtung der Handlungsstränge über viele Buchseiten hinweg unklar bleibt; man verliert als Leser schnell den Anschluss, wenn man das Buch ein paar Tage lang ruhen lässt.
Viele von Strouds Einfällen haben mir sehr gut gefallen, vor allen Dingen in Bezug auf den kleinen Rainey Teague, die vielen Vermisstenfälle oder Kate und deren Familie. Ein Störfaktor war für mich hingegen die Geschichte rund um den Banküberfall. Ich empfand sie als unnötig brutal und als nicht zum Buch passend. Anfänglich kamen mir diese Szenen vor, wie aus einem schlechten Action-Film. Im Nachhinein ist klar, dass es eine Verbindung zu den anderen Handlungssträngen gibt, beim Lesen konnte ich mich mit den entsprechenden Passagen jedoch keinesfalls anfreunden.
Sprachlich ist das Buch gegen Ende glücklicherweise besser geraten, als zu Beginn, wo man es als Leser z.B. mit Beschreibungen wie “Seine schwarze Robe umwallte ihn wie die Schwingen des Schicksals.” (S. 55) oder “(…) und er hatte Kate von einem langbeinigen Füllen mit dunkler Mähne und wachen blauen Augen zu dieser selbstbewussten, energischen jungen Anwältin heranwachsen sehen (…).” (S. 56) zu tun bekommt. Außerdem hat Stroud für meinen Geschmack etwas zu oft in Dialogen – ohne Unterbruch – geschrieben, vor allen Dingen zu Beginn des Buches.
Das Ende ist sehr offen, was jedoch nicht verwundert, da Niceville ja als Trilogie angelegt ist. Meinen Geschmack hat der Autor damit nicht getroffen, denn das Ende klärt für mich fast keine der Fragen auf, die mir bei der Lektüre gekommen sind.

Fazit

Ich stelle “Niceville” mit gemischten Gefühlen zurück ins Regal. Einerseits ist die Grundidee unheimlich und interessant, andererseits haben mich viele Dinge gestört, z.B. die oberflächlichen Figuren und die vielen Sprünge in der Handlung. Ich vergebe insgesamt 2,5 von 5 Sternen.

Alan Bradley – Halunken, Tod & Teufel (Flavia de Luce, Bd. 3)

Autor: BRADLEY, Alan // Titel: Flavia de Luce – Halunken, Tod & Teufel // Originaltitel: A red Herring without Mustard // VerlagPenhaligon Verlag // Erschienen: 24. Oktober 2011 // ISBN-10: 376453026X // ISBN-13: 978-3764530266 // Seiten: 352 Seiten // Ausgabe: gebundene Ausgabe// Preis: 19,99 € // Genre: Kriminalroman, Kinder- und Jugendbuch, Abenteuer

Als Flavia auf dem Jahrmarkt von Bishop’s Lacey versehentlich das Zelt einer Wahrsagerin in Brand steckt und die arme alte Frau daraufhin mit nach Buckshaw nimmt, ahnt sie nicht, welche Ereignisse sie mit ihrem Handeln in Gang setzt…
Mit viel Geschick, Interesse an Chemie und einem unstillbaren Wissensdurst versucht Flavia, die Geschehnisse aufzuklären – und wird dabei tatkräftig behindert… Von Daphne und Ophelia, von ihrem Vater und natürlich von Hewitt, der ihr Talent wie immer nicht völlig anerkennen möchte.

Meine Meinung

Endlich hat das Warten ein Ende! Flavia de Luce hat einen neuen Fall zu lösen! Während der zweite Band der Reihe (Mord ist kein Kinderspiel) mich nicht völlig überzeugen konnte, hat mich der dritte Band von Anfang an gefesselt.
In nahezu typischer “Flavia-Manier” bringt die junge Protagonistin sich und andere in Schwierigkeiten – und setzt dann alles daran, um die Dinge wieder gerade zu biegen. Flavia hat mir diesmal außerordentlich gut gefallen, weil sie jenseits von Neugier, Wissensdurst und ihrer Liebe zur Chemie diesmal auch eine ganz andere Seite gezeigt hat: Sie sorgte sich, hatte das ein oder andere Mal wirkliche Schuldgefühle und kümmerte sich um andere (wenn auch nicht ohne Hintergedanken). Trotzdem ist sie irgendwie noch ganz “die Alte” geblieben – Chemie ist ihr Leben, sie ist charmant, witzig und neunmalklug. Flavia ist eine  ungewöhnliche Protagonistin, die Miss Marple in nichts nachsteht. Flavia macht einfach Spaß! Natürlich kommt auch die Rache an Feely und Daffy nicht zu kurz – der Streich, den sie sich für Feely ausgedacht hat (und deren Reaktion) hat mich ebenso herzlich zum Lachen gebracht, wie Flavias giftige Kommentare.
Sehr gut hat mir diesmal auch Colonel Haviland de Luce, Flavias Vater gefallen. Eigentlich war er ja auch im ersten und zweiten Band sehr präsent, doch diesmal habe ich ihn als Leser ganz anders erlebt, als zuvor. Er hat plötzlich eine wirklich väterliche, besorgte und liebenswerte Seite gezeigt.
Von Mrs Mullet (auch Mrs M genannt) und Dogger gab es indes nicht wirklich viel Neues, dafür erfuhr der Leser etwas mehr über Harriet de Luce und Flavias Familiengeschichte.
Fenella und Porcelain Lee sind ebenso skurrile wie sympathische Figuren und vielleicht erfährt man ja zumindest von Porcelain im nächsten Band etwas mehr.
Insgesamt hat es Alan Bradley mal wieder geschafft, eine schrullige und zugleich witzige, bedrohliche und spannende Atmosphäre zu zaubern!
Wie immer liest sich der Roman dabei flüssig und überzeugt durch tolle Metaphern und stimmungsvolle Beschreibungen. Die Handlung ist spannend und wie immer nicht völlig vorhersehbar, sondern mit kleinen falschen Fährten versehen, über die man sich den Kopf zerbricht.

Fazit

Wieder einmal ein rundum gelungener Flavia de Luce Roman, den man einfach gelesen haben muss, wenn man Miss Marple oder Hercule Poirot mag, sich für Chemie interessiert oder einfach nur einen außerordentlich schön geschriebenen, intelligenten Krimi genießen möchte! “Halunken, Tod & Teufel” steht “Mord im Gurkenbeet” in nichts nach und übertrifft – meiner Meinung nach – “Mord ist kein Kinderspiel” um Längen!
Jetzt heißt es wohl wieder: 1 Jahr warten,  bis es endlich weitergeht.