P.C. + Kristin Cast: House of Night – Gejagt (Bd. 5)

Autor: CAST, P. C. + Kristin //  Titel: House of Night – Gejagt // Originaltitel: House of Night – Hunted // Verlag: Fischer Jugendbuch // Erschienen: 11. Februar 2011 // ISBN-10: 3841420052 // ISBN-13: 978-3841420053 // Seiten: 575 // Einband: gebundene Ausgabe // Preis: 16,95 € // Genre: Fantasy, Kinder- und Jugendbuch

Inhalt

Es wird eng für Zoey Rebird und ihre Freunde: Nachdem es Neferet gelungen ist, den Dämon Kolona aus seiner Verdammnis zurückzuholen, müssen die Jugendlichen aus
dem House of Night fliegen.
Abgeschnitten von der Außenwelt verbringen sie ihre Zeit in den Gewölben unter der Stadt Tulsa – bis Zoey von einem Rabenspötter schwer verletzt wird und ins House of Night zurückkehren muss…

Meine Meinung

Wie auch in den vier vorherigen Bänden, beschränkt sich die eigentliche Handlung auf ein Minimum. Die “Rätsel” in Form von Gedichten sind zu einfach zu durchschauen (dabei wäre es ein Leichtes gewesen, hier “mehr” herauszuholen),  die Probleme werden viel zu einfach aufgelöst. So kommt nicht einmal ansatzweise Spannung auf, obwohl die Rahmenhandlung ja durchaus Möglichkeiten geboten hätte: Der Ansatz, dass eine ehemalige Hohepriesterin und ein schrecklicher Dämon sich  verbünden, um einen Krieg gegen die Menschheit anzuzetteln, ist durchaus reizvoll,  in House of Night allerdings denkbar schlecht umgesetzt. Schade. Viele ausführlich beschriebe Dinge  haben die Handlung keineswegs vorangetrieben. Die angedeutete Vergewaltigung ist ebenso überflüssig wie der Hinweis darauf, dass die Rabenspötter Frauen vergewaltigen können. Für mich wirkt das in diesem Buch einfach zu 100% deplatziert. Manchmal ist weniger mehr.
Ebenso störend wie in den ersten vier Bänden war erneut Zoeys Gefühlschaos in Bezug auf die Herren der Schöpfung. Einfach grausig. Dennoch war in diesem Band – und das halte ich ihm wirklich zu Gute – keine so massive Häufung von  Attributen wie “sexy”, “unglaublich süß” und “geil” anzutreffen, wie in den  anderen Teilen der Reihe. Immerhin etwas.
Wie erwartet durchlaufen die Figuren auch in diesem fünfen Teil keine nennenswerte
Entwicklung; Einzig Stark entwickelt sich ein bisschen, aber eben auch nur sehr dürftig.
Der große Lichtblick ist mal wieder Aphrodite, bei der sich zwar auch nicht viel tut,
die aber immerhin immer wieder so garstig ist, dass sie lustig ist – und vor allen
Dingen ist sie nicht nur schwarz oder weiß, nein, da sind sogar ein paar bunte Tupfer
dazwischen. Überhaupt nicht plausibel finde ich übrigens den “Wandel” von Erik. Kolona hätte eine interessante Figur abgeben können – zusammen mit Neferet – aber auch hier
wurden alle Chancen vertan. Er ist zu glatt, zu konturlos, ebenso wie seine Geliebte.  Zoey ist nach wie vor ein Ärgernis: Ständig wird sie hochgelobt als Priesterin mit dem absoluten
Durchblick (und die Meisterin im Treffen weiser Entscheidungen, Alter!) – in Wirklichkeit
ist sie aber noch… “weniger intelligent” als Theodor Fontanes Effi Briest (und die dachte ja bekanntlich schon nur von der Wand bis zur Tapete). Sie verhält sich einfach völlig unreif.
Sprachlich war auch dieser Band wieder unterirdisch, aber dennoch etwas besser als die ersten Teile der Reihe. Einen winzigen Punkt muss ich an dieser Stelle auch noch anmerken: Zum ersten Mal (wenn ich mich recht entsinne!) wurde nicht aufgedröselt, dass u-we-tsi a-ge-hu-tsa das Cherokee-Wort für Tochter ist. Wiederholungen in dieser Art sind bei HoN ja nun schon beinahe gebetsmühlenartig und in diesem Band gab es davon entweder erstaunlich wenige, oder sie sind mir einfach nicht aufgefallen.
Auch diesmal bleiben wieder kleinere Fragen offen, die vermutlich im nächsten Band beantwortet werden – und mal wieder dazu führen, dass ich auch diesen lesen werde. Ohje.

Fazit: Was mich am meisten an der HoN-Reihe stört, ist die Tatsache, dass man einfach Seite für Seite merkt, dass hier ein paar altbekannte Zutaten vermischt wurden, um möglichst viel Geld herauszuschlagen. Nun gut, das machen mit Sicherheit auch andere Autoren. Richtig ärgerlich wird es aber dann, wenn fünf Bücher (!) mit je 300-600 Seiten mit einem Inhalt gefüllt werden, der sich auf 150-200 Seiten (oder sogar weniger) ebenso gut unterbringen ließe. Ein Ende der Reihe ist nicht in Sicht – wenn ich das richtig sehe, sind 12 Teile geplant (waren es nicht einmal 7?). Auch “Gejagt” strotzt wie auch schon die meisten Vorgänger vor ungenutzen Möglichkeiten, eindimensionalen und langweiligen Figuren und einer kaum vorhandenen Handlung. Weil es trotzdem noch einen ganzen Tick besser ist als Band 1, der neben “Biss zum Sonnenstrahl” von Stephenie Meyer so ziemlich das schlechteste Buch war, das ich in den letzten Jahren gelesen habe, vergebe ich 1.5 von 5 Sternen. Warum ich die Bücher trotzdem lese? Mit gehangen, mit gefangen – und es gibt ja glücklicherweise eine Bibliothek in der Nähe, ich muss also die Bücher nicht auch noch kaufen… (wobei ich ja dieses… ohje, wie heißt das noch gleich? die Gestaltung der inneren Buchdeckel! … also… die Aufmachung gefällt mir.. wenigstens etwas, nicht? :-) )

Katherine John – Regungslos

Autor: JOHN, Katherine // Titel: Regungslos // Originaltitel: a well-deserved murder // Verlag: rororo // Erschienen: 01. März 2011 // ISBN-10: 9783499254543 // ISBN-13: 978-3499254543 // Seiten: 320 // Einband: Taschenbuch // Preis: 8.99 € // Genre: Krimi

gelesen im März 2011

Inhalt

Eine Hausfrau wird mit einer Axt erschlagen. Da sie einem eigenartigen Hobby fröhnte, nämlich dem Bespitzeln der Nachbarn, hat sie sich mehr als genug Feinde gemacht. Niemand weint ihr eine Träne nach. Doch wer hat sie ermordet? …

Meine Meinung

Ich habe das Buch aufgrund des Covers (so eine hübsche blutige Axt) und vor allen Dingen wegen dem Klappentext gekauft: “Vorort der Hölle” heißt es dort, von menschlichen Abgründen ist dort die Rede, von Gefahren und von einigen vielversprechenden Geheimnissen.
Meine Erwartungen wurden bitter enttäuscht.
Egal ob es um das “Geheimnis” der ermordeten Hausfrau Kacey geht, um die Geheimnisse ihres homosexuellen Mannes oder ihres Ex-Mannes, die kleinen perversen Spielchen der Kirchenältesten oder darum geht, wer der Mörder ist — es handelt sich um “Geheimnisse”, die ihren Namen nicht verdienen, da sie schon mit der Einführung der Personen völlig offensichtlich sind. Darüber hinaus bedient sich die Autorin 0815-Klischées und in den meisten Fällen läuft alles auf sexuelle Neigungen hinaus. Spannung kam da eher wenig auf und der große Aha-Effekt, als der Mörder entdeckt wurde, blieb aus.
Überhaupt ist die Verknüpfung zweier Fälle, dem Mord an Kacey und dem Drogenkampf zweier “Drogenbarone” (mit den tollen Namen “Red Dragon” und… und…? Ja, ich habe den Namen schon wieder vergessen, “White Baron”, glaube ich) nicht gerade überzeugend gelungen. Es ist von Anfang an klar, dass beides zusammenhängt und somit auch, wer der Drogenboss der Stadt ist (und wer hinter dem Mord an Kacey steckt).
Die Handlung war trotz all ihrer Offensichtlichkeit zuweilen verwirrend, weil es einfach extrem unpassendes/überflüssiges Beiwerk gab – vermutlich steckte dahinter der Versuch, den Figuren mehr Leben einzuhauchen; und dieser Versuch ist wohl eher nicht geglückt.
Ich habe mir nicht einen Namen merken können (selbst Kacey musste ich noch einmal nachschlagen) – höchst ungewöhnlich für mich – da einfach jede der Figuren eindimensional und langweilig war. Da bleibt beim besten Willen nichts im Gedächtnis haften.
Regungslos ist Teil einer Serie – eventuell bin ich auch deswegen nicht mit den Figuren warm geworden, denn dieser fünfte Teil ist bisher der einzige, den ich kenne. Vermutlich waren die Beziehungen auch deshalb ab und an etwas verwirrend für mich und der Lesefluss gestört.
Für mich ist klar, dass ich die anderen Bände nicht anrühren werde.

Fazit: Ich ärgere mich über die 9€ (oder besser 15 CHF), die ich für das Buch ausgegeben habe. Auch um die Zeit ist es schade, denn die hätte ich sicherlich in eine schönere Lektüre investieren können. Trotzdem war es eine nette Unterhaltung für zwischendurch – insbesondere, wenn man sowieso schon völlig im Stress ist und nicht so viel Lust auf einen anspruchsvollen Roman hat.

Ich vergebe 1 1/2 von 5 Sternen für “Regungslos” – und den halben Stern gibt es nur, weil es sich eben um den Teil einer Reihe handelt, die ich nicht gelesen habe und ich vermute, dass die Figuren im Rahmen einer Reihe vllt. nicht ganz so eindimensional erscheinen.

P. C. + Kristin Cast: House of Night – Erwählt (Bd. 3)

Autor: CAST, P. C. + Kristin  // Titel: House of Night – Erwählt (Bd. 3 der House of Night Serie)  // Originaltitel: House of Night – Chosen // Verlag: Fischer FJB // Erschienen: 28. Juli 2010 //ISBN-10: 3841420036 //ISBN-13: 978-3841420039 // Seiten: 448 // Einband: Gebundene Ausgabe // Preis: 16,95 €

gelesen am 16.01.2011, Rezension überarbeitet am 24.01.2011

Inhalt

Für Zoey Redbird und ihre Freunde bricht ein weiterer Monat im House of Nights an. Nicht nur Zoeys Geburtstag steht diesmal auf dem Plan – zu ihren alltäglichen Aufgaben wie dem Ritual der Töchter der Dunkelheit, ihrer Sorge um Stevie Rae und ihrer “Freundschaft” zu Aphrodite gesellt sich auch noch ein regelrechtes Gefühlschaos…
Heath, Erik oder Loren?
Zoey muss eine Entscheidung treffen…

Meine Meinung

Der dritte Band der House of Night Serie beginnt wenig spannend (nämlich mit Zoeys Geburtstag) und plätschert die restlichen fast 500 Seiten einfach vor sich hin. Dabei muss gesagt werden: die Geschichte hätte durchaus einige Spannungsmomente geboten, die aber irgendwie – zumindest für meinen Geschmack – nicht richtig ausgelotet wurden. Zum einen die Morde, zum anderen die Geschichte mit Stevie Rae und dann noch mit Neferet und Loren Blake… Da hätten die Autorinnen sehr viel herausholen können, was sie aber leider nicht getan haben. Diese interessanten Entwicklungen muten beinahe wie eine Nebenhandlung an – und auch diesmal ist die Handlung leider wieder allzu offensichtlich.
Zoey jammert wieder seitenlang darüber, dass sie zwischen Heath, Erik und Loren steht, dass sie ihre Geburtstagsgeschenke scheiße findet und wie schlimm es überhaupt ist, sie zu sein.

Fazit: Das Potential war vorhanden, wurde aber denkbar schlecht genutzt.
Langweilig war auch die Tatsache, dass mit Hilfe dieses einen Rituals immer alle Probleme gelöst werden können. Und dieses Ritual läuft einfach immer gleich, immer gleich, immer gleich ab – bald kann ich’s auswendig ;-)

Sprachlich ist auch dieser Band überzeugender als der erste der Reihe und auch als der zweite Band. Die Anzahl der Einschübe, Klammern und flapsigen Bemerkungen hat spürbar abgenommen.

Die “beste” Figur in diesem Band war Aphrodite – sie war nämlich die einzige, die wirklich irgendwie eine Wandlung durchgemacht hat. Die anderen Figuren blieben flach und in ihren Mustern verhaftet, insbesondere Zoey hat sich (mal wieder) gar nicht weiterentwickelt – von einem Gefühlschaos und Fettnäpfchen in das nächste und dabei immer wohlwollend unterstützt von Nyx.

Insgesamt fand ich diesen Band fast so schwach wie den ersten – aufgrund der eindimensionalen Figuren und der kaum vorhandenen Handlung – allerdings hat er mehr Potential gezeigt (Morde etc.) und sprachlich war der dritte Band auch besser, als der erste. Insgesamt war der Band aber deutlich schlechter als der zweite. Ich hoffe darauf, dass der vierte Band mir besser gefallen wird und vergebe 1,5 von 5 Sternen.

Donna W. Cross – Die Päpstin

Autor: CROSS, Donna W. //  Titel: Die Päpstin // Originaltitel: Pope Joan // Verlag: Rütten und Loening Verlag // Erschienen: 2. Auflage, 24. September 2009 // ISBN-10: 3352007756 // ISBN-13: 978-3352007750 // Seiten: 585 // Einband: gebundene Ausgabe // Preis: 9.99 € // Genre: Krimi

gelesen für die Challenge “der Geschichte auf der Spur” am 18. und 19. Oktober 2010 – Station: frühes Mittelalter

Ein paar Worte zur Besänftigung…

Es geht mir nicht darum, jemandem dieses Buch zu vermiesen – mit Sicherheit hat es nicht umsonst so viele Fans auf dieser Welt. Natürlich kann ich mich, was die historischen Fakten betrifft, auch irren – denn ich habe keine große Lust und auch nicht die Zeit, für jede meiner Aussage einen Quellenbeleg zu suchen (schließlich schreibe ich ja auch kein Buch über “die Päpstin”); generell gebe ich hier meinen Eindruck wieder und ich denke, ich habe mich lange Zeit und wirklich intensiv mit dem Thema beschäftigt, und habe zumindest ein bisschen Ahnung, irgendwie. Die Kritik, die ich hier also an der
historischen Dimension anbringe, kann getrost überlesen werden. Es liegt auch nicht in meinem Interesse, einen historischen Roman zu zerpflücken – denn schließlich geht es in den seltensten Fällen um historische “Wirklichkeit” (was sowieso Blödsinn ist), sondern um Unterhaltung.
Mich hat es beim Lesen trotzdem gestört – aber vielleicht ist das auch eine schlechte “Historiker”-Angewohnheit?

Letztendlich waren die historischen Elemente, mögen sie nun falsch oder richtig sein, nicht die Grundlage für meine Bewertung, sondern die Handlung selbst und die Ausarbeitung der Figuren.

Nun aber zum Buch…

Johanna wächst als junges Mädchen unter einem Vater auf, für den sie weniger wert ist, als ein Stück Dreck. Trotzdem geht sie mutig ihren Weg, lernt lesen und schreiben, Griechisch und Latein, wird schließlich an einer Klosterschule angenommen
und gelangt, als Mann getarnt, zuletzt in das Amt des Papstes.

Ich habe mich für dieses Buch entschieden, da ich dachte “so viele Leute, die dieses Buch gut finden, können einfach nicht irren.” – Deswegen habe ich mich auch nicht abschrecken lassen, als ich auf dem Klappentext las “Eine Frau, die gegen ihre Zeit
aufbegehrt”, obwohl allein dieser Satz schon eine Vorahnung heraufbeschwor, die ich nun leider bestätigt finde: mit “Geschichte” hat dieses Buch wenig zu tun, auch wenn die
Autorin in einem populärwissenschaftlichen Anhang versucht, die historische “Richtigkeit” ihres Werkes zu verteidigen und nur hier und da ein paar Veränderungen vorgenommen zu haben, die sie selbstverständlich “allumfassend” darlegt.
Um die Legende um Päpstin Johanna als wirklich absolut richtig darzulegen, spekuliert sie und führt z.B. den stella stercoraria ins Feld – all jenen, die interessiert sind, warum
genau dieser “Stuhl” eben kein stichhaltiger “Beweis” für die Legende um die Päpstin ist, sei “Der Leib des Papstes – eine Theologie der Hinfälligkeit” ans Herz gelegt.

Hier ein kleiner Ausflug in Bezug auf die Historie… :

Ich habe zwar noch keinen Doktortitel und stecke noch in meinem Grundstudium der Geschichtswissenschaft, aber ich bilde mir ein, mich schon so lange und intensiv
mit dem Mittelalter von wissenschaftlicher Seite aus beschäftigt zu haben, um einiges ( ! ) was in diesem Buch steht und als “historische Wirklichkeit” verteidigt wird, in Frage zu stellen. (Anscheinend ist die Autorin sich nicht einmal dem Umstand bewusst, dass aufgrund des eigenartig chaotischen Systems, mit dem in vielen ( ! ) Klöstern Unterlagen geordnet wurden, so unendlich viel Quellenmaterial verloren ging (z.B. durch Hochwasser) und so auch einfach viele Dinge überliefert sind, die eigentlich nicht unbedingt “überlieferungswert” erscheinen und andere wiederherum unwiederruflich verloren gegangen sind… Das hat noch lange nichts damit zu tun, dass die Kirche versuchte, irgendetwas auszuradieren ; ) … Das ist einfach ein Umstand, den man immer im Hinterkopf behalten sollte, gerade, wenn man mit frühmittelalterlichen Quellen arbeitet (was sie ja nicht mal getan hat… sie bezieht sich ja auf deutlich spätere Schriften)).
Mal davon abgesehen, dass _kein_ Mensch ein authentisches Mittelalterbild (re-)konstruieren kann. …

Beim Lesen habe ich mich ernsthaft gefragt, ob die gute Frau nicht einfach mal ins Blaue hineingeschrieben und dann irgendwelche wahren historischen Gegebenheiten eingeflochten hat – oder ob sie einfach schlecht recherchiert hat (gut, ich
hab’s jetzt auch nicht – ich schreibe aber auch keinen Mittelalterroman)
.
Damit beziehe ich mich jetzt gar nicht auf die Legenden um die Päpstin Johanna selbst, die man glauben mag (es aber auch sein lassen kann), sondern auf Dinge, die mich beim
Lesen wirklich furchtbar gestört haben…

Ich möchte dafür kurz zwei Stellen im Buch anführen, bei denen es sich zwar nur um Kleinigkeiten handelt – aber in einem guten Buch wird eben auch auf Detailswert gelegt, meiner Meinung nach…

Nehmen wir mal die Sache mit der griechischen Sprache. Aeskulapius, ein griechischer Gelehrter, der selbst ( !  ) an einer lateinisch-christlichen ( ! ) Schule unterrichtet
(was irgendwie nicht zu dem “Weltbild” passt, das Cross konstruiert) und auch dafür sorgt, dass Johanna später an dieser Schule aufgenommen wird, hinterlässt ihr als
Abschiedsgeschenk ein Buch: seine Abschrift der Illias von Homer in griechischer Sprache und seine lateinische Übersetzung. Ihr Vater, ein Dorfpriester, ist mehr als nur erzürnt, dass Johanna in diesem Buch liest, denn 1) sind für ihn die Griechen selbst Heiden (wodurch er irgendwie den “Beschluss” der Geistlichen an der Schule in Frage
stellt – was irgendwie nicht zu ihm passt) und vor allen Dingen 2) betitelt er die griechische Sprache als heidnisch/ketzerisch etc. etc. etc. … Fakt ist aber: Durch die Inschrift “Jesu Christi, der König der Juden”, die sowohl in Hebräisch, als auch in Lateinisch _und_ in griechisch verfasst wurde ( ! ), waren von Beginn des Christentums an genau dieses drei “kanonischen” Sprachen legitimiert. Das Griechische als heidnisch in Frage zu stellen: das wäre “Ketzerei” gewesen.

Als zweites Beispiel möchte ich ebenfalls einen kleinen Schnitzer nehmen, der relativ am Anfang des Buches steht: die “Hexenprobe” an der Hebamme Hrotrud. Fakt ist: a) es gab _keine_ Hexenverfolgungswellen im karolingischen frühen Mittelalter und b) wurde dies sogar von Karl dem Großen ausdrücklich so bestätigt! … Zwar einige Jahre vorher – aber vmtl. immernoch gültig. Wieso sollte ein so kleiner Dorfpriester sich so etwas
widersetzen? Auch, dass Hexenverfolgungen zu dieser Zeit praktisch nicht statt fanden, hat die Autorin mit keinem Wort erwähnt. Das Karolingerreich wurde erst nach 840 geteilt – es ist also anzunehmen, dass die das Ganze immernoch in die
Zeitspanne fällt…

Sorgfältig recherchiert?

Das sind Dinge, die mich persönlich einfach sehr gestört haben – das liegt aber vielleicht auch daran, dass ich mich eben mit viel Fachliteratur zum Thema beschäftigt
habe etc. — deswegen möchte ich diese Kritik nicht in meine abschließende Bewertung einbeziehen, denn es ist unmöglich, etwas zu schreiben, das “historisch authentisch” ist und eigentlich sollte einem auch klar sein, dass man keinen Blick auf “wahre Geschichte”
erhält, wenn man einen mehr oder weniger fiktiven historischen Roman liest.

Deswegen nun zur eigentlichen Kritik:

Die Schwarz-Weiß Malerei des Buches hat mich wirklich furchtbar gestört. Beginnen wir auch hier mit der Darstellung der Geschichte – diesmal ohne das Ganze an Fakten festzumachen:

Natürlich war die Frau im Mittelalter ihrem Manne Untertan. Natürlich hatten Frauen im frühen Mittelalter _nie_ etwas zu melden. Natürlich waren Frauen Gegenstände und keine Lebewesen.

Natürlich wollten die Franken sich nicht waschen – nein, nein, das könnte schädlich sein (ich meine mich zu erinnern, in einer _wissenschaftlichen_ Publikation genau das Gegenteil gelesen zu haben – dass nämlich im frühen Mittelalter die Körperhygiene noch recht ausgeprägt war…) …

Natürlich waren die Zeiten düster und finster und schrecklich (man konnte ja jederzeit von den Normannen überfallen werden und jeder, der nicht irgendwie adlig war oder ein hoher Kleriker, lebte in furchtbarer Armut — wobei der Aspekt ausgeklammert wird, dass Armut auch nicht zwangsläufig vor “blauem Blut” halt machte) …

Aber nicht nur die “Epoche frühes Mittelalter” wird äußerst plakativ ins Feld geführt (es gibt übrigens einen tollen wissenschaftlichen Aufsatz über Mittelalter und Antike in Literatur und Film – und die gängigen “Mittelalterklischées” werden auch in diesem Buch leider wieder und wieder bestätigt) – die Figurengestaltung ist ebenso eindimensional und flach, wie die Sicht der Autorin auf diese eigentlich äußert vielfältige Zeit. Und das ist mein wirklich großer Kritikpunkt an diesem Buch:

Es ist meines Erachtens nach einseitig und plakativ – zu eindimensional für meinen Geschmack.

Die Guten sind durch und durch rein und gut – nehmen wir als Beispiel Gerold. Gerold sieht “blendend” gut aus, wie die Autorin sich ausdrückt, hat nebenher noch ein
Herz aus Gold, ist ein tapferer Krieger, hält der Frau, die er liebt _ewige_ Treue bis in den Tod und stirbt als Held… Das klingt platt?
Gehen wir weiter zu Matthias. Ein zehnjähriger Junge, der doch so offensichtlich (glaubt man der Autorin) in einem Umfeld aufwächst, in dem Frauen für dumm und
verachtenswert hält und unter so einem brutalen und dominanten Vater… der nimmt die Gefahr auf sich, seiner kleinen, neugierigen und aufgeweckten Schwester Lesen und Schreiben beizubringen? Natürlich. Denn er ist ja durch und durch gut. Und natürlich stirbt der arme Kerl denn auch tragisch an Krankheit.
Johannas Mutter Gudrun, eine herzensgute Frau – doch, oh Schreck, sie ist eine Heidin. Natürlich verdammt Johannas Vater, der Priester, sie noch im Tod und schiebt alles, was überhaupt passiert ist, auf den heidnischen Glauben. Welchen Grund sollte ein Missionar wie _er_ gehabt haben, eine Heidin zur Frau zu nehmen? Er selbst
war ja nie davon überzeugt, sie missioniert zu haben? Aber egal, Johannas Mutter stirbt, nachdem sie ihr ganzes Leben unter Johannas Vater gelitten hat – und sie war immer durch und durch gut, sie war hübsch und warmherzig und hat versucht, ihren Kindern das Leben so angenehm wie möglich zu machen – einen Schnitzer erlaubt sie sich, als sie lügt; aber doch nur, weil sie das Beste für Johanna will.

Aber wenn wir schon von Johannas Vater reden, sind wir gleich bei der anderen Seite der Medaille angelangt. Er scheint ein hässlicher Kerl zu sein – und da entspricht es ja nur seinem Naturell, ein brutaler Schläger zu sein, der keines seiner Kinder wirklich liebt, einen absoluten Ego-Trip fährt und seine Tochter selbst nach langen Jahren und obwohl er seine ganze Familie verloren hat, beinahe dem Schicksal überantwortet hätte, für
ihre “Lügen” zu sterben. Durch Verrat.

Und Verräter gibt es einige. Die intrigante, eifersüchtige Ehefrau Gerolds. Die Gegenspieler in Rom. … Aber sie alle sind schlicht und einfach irgendwie Böse. Sie haben
nichts Gutes an sich. Kein Fünkchen.

So weiß und rein, wie die weißen Lämmer sind, so abgrundtief schwarz sind die Seelen der Bösen – oder so…

Am meisten hat mich jedoch Johanna gestört. Während ihr Bruder Johannes (der seiner Schwester nämlich “verzeiht” – und ups, dann natürlich auch gleich als Held stirbt) und damit eine charakterliche “Wandlung” vollzogen hat – wenn auch sehr inkonsequent – bleiben die restlichen Figuren ausnahmslos stereotyp und starr. Insbesondere Johanna.

Johanna kann von klein auf lesen und schreiben. Sie ist noch nicht einmal zehn Jahre alt, spricht schon fließend Griechisch und Latein und setzt sich schon überaus intelligent mit philosophischen Lehren und theologischen Fragestellungen auseinander. An der Schule wird sie der absolute Überflieger, ebenso im Kloster, wo man nur über ihre Fähigkeiten staunt. Natürlich geht ihr auch die Medizin leicht vom Flügel, so macht sie ja
sogar noch neue Entdeckungen. Mutig ist sie natürlich auch. Schon als Kind stellt sie
sich gegen den Vater und überall, wo Ungerechtigkeit herrscht, versucht sie, eine Lösung zu finden – denn sie ist ja so gut! Und sie kommt natürlich auch immer
mit allem durch! : ) Nur ihre Schwangerschaft enttarnt sie als Frau – aber da hat sie Glück, denn sie stirbt, noch während sie ihre Fehlgeburt erleidet.

Johanna macht einfach _null_ Entwicklung durch. Sie ist von Anfang an “unfehlbar” und alles, was ihr schmerzliches wiederfährt, ist immer auf die Ungerechtigkeit oder das Unvermögen anderer zurückzuführen.

Und wo Johannas tolle, charakterliche Stärke nicht ausreicht, da kommt eben Väterchen Zufall zur Hilfe. Der Vater stirbt wie gerufen ausgerechnet in dem Moment, in dem er sie verpfeifen will. Sie erwischt Johannes, weil dieser mit dem Boten ausgerechnet überfallen wurde und sich ängstlich verkrochen hat. … Natürlich rettet sie als sie an der “Pest” erkrankt (wo doch sonst alle dran sterben im Buch, huch) kein geringerer als Arn, dessen
Mutter sie “das Leben gerettet” hat, sozusagen. Und Arn würde sie natürlich nie verraten.

Natürlich tritt die kleine Arnalda in Johannas Fussstapfen, verkleidet sich ebenfalls als Mann und bemüht sich, die “Tilgung Johannas” aus den Büchern (denn die Kirche
wollte ja alles unbedingt verschleiern!), rückgängig zu machen.

Es gibt exakt drei Gründe, weshalb ich das Buch _nicht_vorzeitig aus der Hand gelegt habe.

1) Ich habe die ganze Zeit gehofft, dass sich die sonderbaren Zufälle nicht noch mehr häufen und habe versucht, die Dinge, die mich aus historischer Sicht gestört haben,
auszublenden.

Positiv… : )

2) Trotz allem ist das Buch gut geschrieben. Die Sprache ist schnörkellos und eingänglich. wenn auch nicht überragend. Mit besserer Recherche und einem etwas … naja, nicht ganz so abgehobenen Plot (und damit meine ich nicht mal, dass Johanna dann
Päpstin geworden ist, sondern die vielen kleinen Zufälle, die wenigen Verdachts-momente, die “Unfehlbarkeit” Johannas etc. pp.) hätte mir das Buch vermutlich sogar
ganz gut gefallen.

3) Das Buch hat zwar auch Längen, ist aber doch weitestgehend unterhaltsam zu lesen.

Dennoch… Es ist mir etwas schleierhaft, wie dieses Buch ein solcher Welterfolg werden konnte (und jetzt nicht einmal wegen den fragwürdigen historischen Aussagen -
vielmehr wegen den Figuren selbst) – und es ist mir ein Rätsel, wie man, als das Buch herauskam, wirklich davon schrieb, es wäre ein neues Zeitalter des historischen Romans angebrochen – unter einem bahnbrechenden Buch stelle ich mir etwas anderes vor. Aber vielleicht ist diese Aussage ja auch eher dahingehend zu verstehen, dass das Buch
einen Boom an schlechter bis guter Trivialliteratur zum Thema “Geschichte” ausgelöst hat – ähnlich wie Twiligt einen Hype um Vampire entfacht hat.

Ich vergebe aufgrund der guten Lesbarkeit und dem eindeutigen Unterhaltungsfaktor 1,5 von 5 Sternen und bringe dieses Buch mit dem guten Gewissen zurück in die Bibliothek, es niemals wieder zu lesen.

Getaggt habe ich das Buch sowohl unter “Historischer Roman”, denn als solcher gibt er sich selbst aus – aber auch unter “Fantasy”, denn da gehört er meiner
Meinung nach eher hin.