Iny Lorentz – Die Wanderhure

Autor: Iny Lorentz // Titel: Die Wanderhure // Originaltitel: – // Verlag: Knaur // Erschienen: 1. April 2005 // ISBN -10: 3426629348 // ISBN-13: 978-3426629345 // Seiten: 607 Seiten  // Ausgabe: Taschenbuch // Preis: 9,95 € / 16,90 CHF  // Genre: Drama, historischer Roman

Die junge Bürgerstochter Marie wird Opfer einer Intrige und muss ihren Lebensunterhalt fortan als Wanderhure bestreiten, da sie des Landes verwiesen wird. Ihr Schicksal erträgt sie einzig und alleine, weil sie den Gedanken daran, sich eines Tages an ihren Peinigern rächen zu können, nicht aufgibt – und weil ihre treue Gefährtin Hiltrud ihr nicht von der Seite weicht…

Meine Meinung

Als ich auf der Rückseite des Buches die nachfolgenden Wort las, wurde mir bereits Angst und Bange – dennoch wollte ich es mit “Der Wanderhure” versuchen, legen mir doch schon seit Jahren Freunde und Bekannte nahe, es einmal mit einem Buch vom Autorengespann “Iny Lorentz” zu versuchen:

“Die grausame Welt des Mittelalters und der Kampf einer Frau um ihr persönliches Glück”

- so wird das Buch also vom Verlag beworben. Mir rollten sich bereits bei diesem Satz die Zehennägel auf, verhieß er doch die Aussicht darauf, einmal mehr mit Figuren konfrontiert zu werden, die “für ihre Zeit” in besonderem Maße “aufgeklärt”, “rebellisch”, “stark”, “intelligent” o.ä. sind. Zumindest in dieser Hinsicht hielt das Buch, was der Klappentext versprach (und hat damit vermutlich auch vollkommen den Nerv der angestrebten Klientel getroffen).
Marie, die Hauptfigur, ist nicht nur auffallend hübsch (“madonnenhaft”) – so, dass (fast) jeder Mann sie sexuell anziehend findet – sondern darüber hinaus auch sehr intelligent, sehr rebellisch (riskiert sie doch vor mächtigen Personen ein loses Mundwerk) und auch sehr stark, denn sie erträgt die Widrigkeiten ihres Lebens, immer von dem Wunsch beseelt, sich eines Tages an ihren Peinigern zu rächen. Vor allen Dingen aber ist sie sehr modern und aufgeklärt und bereits hier offenbart sich eine – für mich – frappante Schwäche des Romans: Die Autoren haben eine neuzeitliche Figur geschaffen und diese in ein – ihrer Meinung nach – mittelalterliches Setting eingebaut.
Das Duo zeichnet ein Mittelalterbild (“die grausame Welt des Mittelalters”), welches ich  als unpassend und unangebracht empfinde. Das Buch scheint nicht besonders gut recherchiert zu sein, was an sich nicht so schlimm ist – doch passen die Figuren, ihre Handlungen etc. meiner Meinung nach keinesfalls in ein “grausames Mittelalter”.
Intrigen gab und gibt es zu jeder Zeit – nicht nur im Mittelalter. Nicht jeder Söldner war ein Vergewaltiger. Nicht jede Frau wurde zwangsläufig ein Vergewaltigungsopfer, nur, weil sie sich einen Meter vor die Stadtmauern wagte. Nicht hinter (nahezu) jedem der männlichen Geschöpfe, welche auf dieser Erde wandeln, verbergen sich gierige, wüste Lüstlinge, die sich das, was sie wollen, notfalls mit Gewalt nehmen – dies gilt für heute ebenso wie für die Zeit um 1400.
Der Roman von Iny Lorentz verkommt zu einem Sumpf aus Vergewaltigung, derben Scherzen und Intrigen und zeichnet ein Abziehbild des Mittelalters, wie es sich viele Menschen wohl vorstellen: Es gibt viel Dreck, Vergewaltigungen und andere Grausamkeiten sind an ebenso an der Tagesordnung (ohne entsprechend geahndet zu werden) wie Hurerei, Trinkgelage und Intrigen. Für mich ist das kein besonders “authentisches” Bild des Mittelalters, sondern ein Bild, das Klischees ebenso bedient, wie das Verlangen, eine möglichst dramatische Geschichte erzählt zu bekommen.
Es ist jedoch nicht einzig und allein diese teils falsche Vorstellung des Mittelalters, die mich stört. Es handelt sich ja schließlich um einen Roman und in einem Roman ist (fast) alles erlaubt – da das Paar Lorentz jedoch immer wieder als “die” Autoren für deutsche historische Romane angepriesen werden, hat mich dieses platte Mittelalter- und Menschenbild doch schon sehr verwundert und auch enttäuscht.
Ebenfalls enttäuscht haben mich die meisten Figuren: Marie habe ich ja bereits beschrieben, muss aber noch hinzufügen, dass zumindest sie mir recht sympathisch war. Ebenso Hiltrud, die zwar keine nennenswerte Entwicklung durchmacht, aber einfach eine sehr liebevoll gezeichnete Figur ist. Aber was ist mit dem Rest? Michel wäre sicherlich interessant gewesen, hätte man bloß mehr über ihn erfahren. Aus Ruppert hätte man eindeutig mehr machen können: Ein Fiesling wird doch viel interessanter, wenn er auch noch ganz andere Seiten hat… Berta hätte für viel größere Reibereien sorgen können.
Die Figuren bleiben größtenteils starr, vorhersehbar und entwickeln sich kaum; darüber hinaus sind viele von ihnen sehr schwarz-weiß gezeichnet: die “guten” Figuren sind meist in irgendeiner Art und Weise reinlich und hübsch, die “schlechten” hingegen oft hässlich und/oder ungepflegt. Noch dazu wirken sie alle sehr anachronistisch.
Die Handlung war immerhin nicht ganz so vorhersehbar, wie ich befürchtet habe (auch, wenn das Ende von Anfang an klar war). Ab und an handelten vor allem Nebenfiguren etwas anders, als ich es erwartet habe. Die Intrigen waren relativ gut durchdacht und auch ganz interessant, allerdings kam für meinen Geschmack doch etwas oft Meister Zufall zur Hilfe. Hin und wieder gab es Passagen, die mir als unnötig erschienen (Stichwort: Söldner – eigentlich hatte diese ganze Szenerie ja keine Auswirkung auf die Handlung). Darüber  hinaus lässt das Buch stellenweise (historische) Plausibilität vermissen: Was ist mit Geschlechtskrankheiten (es wäre ja schön, wenn eine Prostituierte sich durch die Auswahl ihrer Freier und eine gewisse Sauberkeit davor schützen könnte…)? Warum sollte sich ein Kaufmann und angesehener Bürger geehrt fühlen, wenn der Bastard ( ! ) eines Grafen seine Tochter heiraten möchte?
Das Buch ließ sich gut lesen; der Schreibstil war nicht überragend, aber ich habe schon viel, viel schlechter geschriebene Bücher vor mir gehabt (es soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass die ein oder andere sprachliche Verfehlung auch in “Die Wanderhure” zu finden ist, so z.B. der Vergleich zwischen Brüsten und saftigen/reifen “Herbstäpfeln”…).
Insgesamt bin ich sehr enttäuscht, weil ich nach den vielen Lobeshymnen, Empfehlungen und auch nach den ersten rund 100 Seiten deutlich mehr erwartet habe.

Fazit

Für mich war die Lektüre von “Die Wanderhure” enttäuschend: Ein klischeehaftes Mittelalterbild, eine merkwürdige Sichtweise auf Männer, eindimensionale Figuren und fehlende Plausibilität konnten für mich nicht durch eine einigermaßen sympathische Protagonistin und eine prinzipiell recht gut durchdachte Intrige aufgewogen werden.

“Die Wanderhure” ist der Auftakt zu einer Romanreihe. Außerdem erschienen sind bisher:

Die Kastellanin, 2005
Das Vermächtnis der Wanderhure, 2006
Die Tochter der Wanderhure, 2008
Töchter der Sünde, 2011

Jean M. Auel – Ayla und der Clan des Bären (Erdenkinder-Zyklus, Bd. 1)

Autor: AUEL, Jean M. // Titel: Ayla und der Clan des Bären (Kinder der Erde Zyklus, Bd. 1) // Originaltitel: The clan of the cave bear // Verlag: Heyne Verlag // Erschienen: 1. Mai 2002 (Original erschienen im Jahr 1980) // ISBN-10: 3453215257 // ISBN-13: 978-3453215252 // Seiten: 604 Seiten // Ausgabe: Taschenbuch (broschiert) // Preis: 9,95 € /  Genre: (Prä-)Historischer Roman, Belletristik

Inhalt

Die kleine Steinzeit-Mädchen Ayla verliert mit einem Schlag alles: Ein furchtbares Erdbeben macht sie zur Vollwaise, denn nicht nur ihre Eltern, sondern auch ihr zu Hause und ihre gesamte Sippe werden Opfer der Katastrophe. So muss sie sich zunächst alleine durchschlagen, bis sie von der Medizinfrau eines anderen Stammes, Iza, gefunden und wie eine Tochter aufgenommen wird. Diese Verbindung bringt einige Probleme mit sich, denn nicht jeder in Izas Clan ist erfreut über Aylas Aufnahme – über ein Mädchen, das so anders ist, als alle anderen weiblichen Mitglieder des Clans. Dies liegt darin begründet, dass Ayla nicht nur einem anderen ‘Stamm’ angehört, sondern sogar einer anderen Art, denn Iza und die Clanmitglieder sind Neandertaler, während das Mädchen einer anderen Art angehört…
Ayla muss viele Hindernisse überwinden, bevor sie schließlich selbst entscheiden muss, ob sie weiterhin dem Clan angehören möchte, oder sich auf die Suche nach ihren Wurzeln begeben will…

Meine Meinung

Ich hatte sehr große Probleme, mich in das Buch hineinzufinden, weswegen ich es auch mehrfach begonnen und dann doch immer wieder weggelegt habe. Dies mag in einem meiner größten Kritikpunkte begründet sein: in der verwendeten Sprache. Ich kann nicht beurteilen, ob die Übersetzung diesbezüglich “schlecht” ist, oder das Ausgangsmaterial – für mich war die Lektüre einfach nur mühsam und frustrierend. Man kann ja mal einen Satz mit einer Genitiv-Konstruktion beginnen, aber in diesem Buch nahm das Ganze einen viel zu großen Raum ein, der wirklich störend war und den Lesefluss immens hemmte. Sätze wie “Des Mädchens Finger zitterten aufgeregt.” “Des Zaubers Kraft liegt in der Zubereitung.” oder “Des Clans schnellfüssige Jäger könnten sie leicht in einem halben Tagesmarsch erreichen.” reihen sich ein in eine Folge von umständlichen Satzkonstruktionen (oft unnötige Schachtelsätze, z.T. störende Konstruktionen) und Wörtern wie “Bangnis” oder “Kältnis”.
Auch wenn ich die sprachliche Ebene außer Acht lasse, vermochte mich “Ayla und der Clan des Bären” keinesfalls zu überzeugen. Die Handlung ist in meinen Augen langweilig, da sie trotz des außergewöhnlichen “Settings” unheimlich vorhersehbar und daher oft uninteressant ist; Insgesamt wirkt sie zuweilen auch sehr unglaubwürdig (ich möchte den Grund hier nicht erläutern, da ich nicht zu viel verraten möchte). Ausgeschmückt ist das Ganze durch einen Detailreichtum, der eigentlich sehr schön ist, aber die Passagen oft unnötig in die Länge zieht.
Meines Erachtens nach krankt der Roman nicht nur an seiner Sprache und seiner Handlung, sondern auch an seinen Figuren. Ayla ist diejenige, die alle “überragt” (im wahrsten Sinne des Wortes), über alle Maßen erhaben und außergewöhnlich und schlicht und ergreifend viel zu glatt und kantenlos. Es gibt zwar immer wieder Konflikte und Reibungspunkte, doch nie trifft Ayla eine “wirkliche” Schuld. Eine solche Figur ist mir offen gestanden zu eindimensional. Ich konnte mich mit ihr wirklich gar nicht anfreunden.
In Bezug auf die weiteren Figuren erging es mir da nicht anders – am Ehesten sagte mir noch Brun, der Clanführer, zu, weil er ein paar Facetten mehr aufzuweisen hatte, als die anderen Protagonisten. Iza ist alles in allem viel zu lieb und zu nett und besonders was Creb betrifft, finde ich, dass die Autorin hier so viele schöne Chancen in den Wind geschlagen hat. Der Mo-gur des Clans hätte eine wirklich, wirklich interessante Figur werden können, ebenso wie Broud, der auch viel mehr Möglichkeiten geboten hätte. Stattdessen verkommt er zum Bösewicht ohne wirklich gute Seiten – und der Grund, aus dem er Ayla hasst, ist sehr konstruiert und unglaubwürdig.
Leider bleibt unklar, ob es sich bei Ayla bereits um einen Cro-Magnon-Menschen handelt oder ob sie noch ein “Bindeglied” darstellt, zwischen dem homo neanderthalensis und dem homo sapiens, denn eine “Bindeglied-Funktion” scheint sie ja auf jeden Fall zu haben. 1980 ging man ja auch noch fest davon aus, dass der “moderne” Mensch vom Neandertaler abstamme.
Über die historische Korrektheit des Buches kann ich nichts sagen, da ich von Vor- und Frühgeschichte nicht allzu viel Ahnung habe. In jedem Fall hat mich der Roman dazu angeregt, meine Kenntnisse bezüglich des Themas aufzufrischen und zu erweitern, da diese ganzen Prozesse und Entwicklungen einfach viel zu spannend sind, um sie zu ignorieren.

Fazit

Ich hatte mit “Ayla und der Clan des Bären” wirklich massive Schwierigkeiten. Einerseits war die Lektüre in meinen Augen sehr mühsam – insbesondere durch die Sprache – und über weite Strecken auch sehr, sehr langweilig. Dies ist nicht dem Umstand geschuldet, dass der Roman in prähistorischer Zeit spielt (ganz und gar nicht!), sondern liegt an der vorhersehbaren und teilweise unglaubwürdigen Handlung ebenso wie an den platten Figuren und ihren klischeehaften Beziehungen zueinander. Immerhin habe ich durch “Ayla und der Clan des Bären” wieder deutlich mehr Interesse an der Ur- und Frühgeschichte gewonnen.

Ayla und der Clan des Bären ist der erste Band einer mehrteiligen Reihe, die den Namen “Erdenkinder-Zyklus” trägt. Bisher sind sechs Bände erschienen, der letzte davon in diesem Jahr.

Bettina Belitz – Scherbenmond

Autor: BELITZ, Bettina // Titel: Scherbenmond // Originaltitel: – // Verlag: Script 5 // Erschienen: 10. Januar 2011 // ISBN-10: 3839001226 // ISBN-13: 978-3839001226 // Seiten: 686 Seiten // Einband: Taschenbuch // Preis: 19,95 € // Genre: Kinder- und Jugendbuch, Fantasy, Romantik // gelesen am 03./04. August 2011

Inhalt

Ellies Vater ist verschwunden und niemand weiß, wohin – lebt er überhaupt noch?
Er hat Ellie Hinweise hinterlassen, denen sie nachgehen soll und so macht sie sich auf den Weg nach Hamburg zu ihrem Bruder Paul, den sie in ganz anderer Verfassung vorfindet, als erwartet. Er scheint etwas zu verbergen und Ellie möchte unbedingt herausfinden, was es ist…

Meine Meinung

Positiv möchte ich an dieser Stelle zunächst die Atmosphäre der Hamburger Speicherstadt bei Nacht hervorheben: traumhaft düster und somit wunderschön. Das Buch hätte mir vermutlich um Längen besser gefallen, wenn sich diese Stimmung im gesamten Buch fortgesetzt hätte – doch leider wurde sie abgelöst durch Wut und Aggression, flapsige
sexuelle Anspielungen und eine selten nachvollziehbare Gefühlswelt der Protagonistin.

Elisabeth ist in meinen Augen der absolute Schwachpunkt des Buches. Ich wurde schon im ersten Band nicht mir ihr warm, weil sie mir als zu unreif und zu ‘verbiegsam’ erschien und oftmals in einer Art und Weise reagierte, die mich störte. In “Scherbenmond” erreicht sie dann einen absoluten Tiefpunkt: Sie ist zornig und aggressiv, motzig und trotzig, hasserfüllt und verliebt – und obwohl die Zerissenheit einer Figur zutiefst erschütternd sein kann,
ließ mich Ellies Gefühlsleben absolut kalt. Ich empfand ihre Reaktionen als unangemessen und oftmals auch als wenig plausibel.
Auch von Colin gab es prinzipiell nicht viel Neues: Er gibt sich überwiegend unnahbar und als Held – so wie auch schon in “Splitterherz” – und nicht einmal seine KZ-Erlebnisse vermochten mich zu berühren. Nebenbei erscheint er oft besserwisserisch und lehrerhaft in Bezug auf Ellie. Er blieb mir im Verlauf des Buches noch immer fremd.
Tillmann hat eine in meinen Augen ungünstige Wandlung vollzogen, indem er sich vom Außenseiter und Sonderling hin zum Schönling und “Frauenschwarm” entwickelt hat und Drogenkonsum als sinnvolles Mittel erachtet, um sich aufzuputschen. Das macht ihn für mich im Großen und Ganzen nur noch unsympathisch und stellenweise auch überheblich.
Paul, Gianna und François sind kleine Lichtblicke am Figuren-Horizont: Paul vermag vor allem durch seine Opfer-Rolle zu überzeugen, denn er wirkt so naiv, dass man ihn irgendwie mögen muss. Gianna entspricht charakterlich ganz dem Klischee einer lebenslustigen Italienerin, wodurch ein angenehmer Gegenpol zu Ellis ewiger Zickerei
entsteht und François halte ich von allen Figuren für diejenige, die am Besten gelungen ist.

Die Handlung hätte Bettina Belitz vermutlich auch auf der Hälfte der Seiten unterbringen können, denn eigentlich ist sie schnell erzählt: Ellies Vater ist verschwunden, hinterlässt seiner Tochter ein paar Aufgaben und sie findet im Rahmen ihrer Nachforschungen Dinge heraus, die ihr das Blut in den Adern gefrieren lassen. Ihre Freunde müssen ihr helfen und zum Schluss gibt es einen Showdown.
Das größte Spannungselement war diesmal wohl Pauls Geschichte, weil man als Leser schnell bemerkte, dass hier etwas nicht mit richtigen Dingen zuging. Als sein Geheimnis jedoch “gelüftet” wurde (und dieses Geheimnis war z.T. leider auch schon offensichtlich),
war der Rest weitestgehend vorhersehbar und daher nicht mehr sonderlich spannend. Bettina Belitz muss ich an dieser Stelle jedoch zu Gute halten, dass es dennoch die ein oder andere Wandlung gab, die ich so nicht erwartet hatte. Insbesondere die Entwicklung von François finde ich gelungen, die Geschichte, die sich gegen Ende  bei Colin und Ellie anbahnt, hat mir dafür gar nicht gefallen. Diese Passage wirkte mir zu aufgesetzt und dadurch, dass dann noch ein, zwei Kapitel ein großes Geheimnis darum gemacht wurde, war ich eher frustriert statt gespannt im Bezug auf die Auflösung.

Immens gestört hat mich die Sache mit der Homosexualität. Natürlich hat Ellie nichts dagegen – aber ist dann doch so grauenhaft intolerant und auch beleidigend dem Gefühlsleben anderer gegenüber? Natürlich passte das zur Handlung, aber Homosexualität erhielt hier irgendwie einen “widernatürlichen” Touch (der bestimmt nicht gewollt war) und das war mir persönlich zutiefst zuwider.
Sexualität war ohnehin ein großes Thema in “Scherbenmond” und das nicht gerade auf schöne, romantische Weise. Für mich gab es zu viel Gerede über sexuelle Erlebnisse, zu viele flapsige und unpassende Witze und Bemerkungen und letztendlich völlig unpassende “Angebote” (Stichwort: Colin – Tillmann – Ellie). Sexualität nahm für mich diesmal einen deutlich  zu großen Stellenwert in der Geschichte ein – und das, obwohl meinem Gefühl nach mindestens 95% der Passagen, in denen es um Sex ging, völlig überflüssig gewesen wären. Die etwas naive Liebesgeschichte zwischen Ellie und Colin erhält dadurch
eine Färbung, die mir persönlich nicht gefällt.
Überflüssig empfand ich auch die Szenerie im Jerusalem-Krankenhaus. Meinem Empfinden nach erfüllten weder Dr. Sand noch seine Patienten eine irgendwie wichtige Funktion. Die Ortswechsel gingen mir zum Teil zu schnell und auch durch die Wahl der Zeitspanne wirkte das Geschehen ab und an  hektisch auf mich. Interessant finde ich übrigens, dass ziemlich oft Ellies “Vorzug”, absolut logisch zu denken, hervorgehoben wurde. Ellie ist nicht analytisch oder rational, sondern überemotional.

Fazit

Ich bin froh, dass ich von Anfang an keine großen Erwartungen an “Scherbenmond” hatte. Da mir “Splitterherz” schon nicht so gut gefafllen hat, habe ich auch der Lektüre von “Scherbenmond” nicht unbedingt entgegengefiebert und daher hielt sich die Enttäuschung in Grenzen. Aufgrund der Figuren, die ich als überwiegend unsympathisch empfand und aufgrund der Handlung, die in meinen Augen nicht immer plausibel und auch nicht unbedingt spannend war, vergebe ich eine etwas schlechtere Wertung als bei “Splitterherz”: 2 von 5 Sternen. Ob mich wohl “Dornenkuss”, das Finale der Splitterherz-Trilogie überzeugen kann?

Richelle Mead – Blutsschwestern (Vampire Academy, Bd. 1)

Autor: MEAD, Richelle //  Titel: Blutsschwestern (Vampire Academy, Bd. 1)// Originaltitel: Vampire Academy // Verlag: LYX Verlag // Erschienen: 15. Januar 2009 // ISBN-10: 9783802582011 // ISBN-13: 978-3802582011 // Seiten: 302 // Einband: broschiert // Preis: 12,95 € // Genre: Fantasy, Kinder- und Jugendbuch, Romantik / gelesen vom 27.-30. Juni 2011

Inhalt

Vasilisa “Lissa” Dragomir und Rosemary “Rose” Hathaway verbindet eine außergewöhnnlich starke Freundschaft, wie sie für Vampire ihres Standes höchst ungewöhnlich ist: Lissa ist eine Prinzessin, Rose soll eines Tages ihre Wächterin sein. Während Lissa eine reinblütige Vampirin ist, ist Rose ein halber Mensch. Während Lissa aus Adelskreisen stammt, wurde Rose in der Vampire Academy aufgezogen.

Roses Aufgabe ist es, Lissa vor allen Gefahren zu beschützen – und als sich seltsame Vorfälle um Lissas Person ereignen, besteht kein Zweifel mehr daran, dass Lissa diesen Schutz auch bitter nötig hat…

Meine Meinung

Mit Rose hatte ich anfänglich meine Schwierigkeiten, da sie mir etwas zu rebellisch und unvernünftig für ihr Alter wirkte. Sehr schön ist aber, dass sie – ebenso wie Lissa auch – lernfähig ist und sich im Verlauf des Buches verändert; Der Leser hat es hier nicht mit einer Dauerheulsuse wie Bella (Twilight Saga) zu tun, auch nicht mit einer unfehlbaren und begnadeten Zoey Redbird (House of Night), sondern mit einer jungen Frau, die ihren Weg erst noch finden muss. Die schönste Veränderung vollzieht meines Erachtens nach jedoch Lissa, auch wenn ich ihre selbstschädigenden Handlungen als etwas deplatziert empfand. Schade, dass sie ihre Konflikte gegen Ende des Buches nicht selbst austragen musste, sondern mittels Tabletten einer Auseinandersetzung aus dem Weg gehen konnte.

Die übrigen Figuren bleiben flach (leider auch Christian Ozera), sind aber immerhin weitestgehend “sympathisch”.

Es ist mitunter schwierig, den Protagonisten zu folgen, da schnell von einem Thema zum nächsten gewechselt wird und Andeutungen nicht vertieft werden – auch Beziehungen der Figuren untereinander werden oftmals nur am Rande erwähnt, so dass man ins Grübeln gerät, wenn die Figuren erneut aufeinander treffen. Mühe hatte ich auch mit der erschaffenen “Vampirgesellschaft” – Moroi, Strigoi, Dhampire, Menschen… Da habe ich wirklich den Überblick verloren, warum wer mit wem in einer bestimmten Beziehung steht und überhaupt…

Sehr sprunghaft erfolgt zum Teil auch der Wechsel von der Gegenwart in die Vergangenheit in Form von Rückblenden. Manchmal bemerkte ich diese Sprünge erst an Details, die nicht passten. So etwas ist schlicht und ergreifend: anstrengend. Von der ersten Seite an ist etwas unklar, worin genau Rose nun die Bedrohung für Lissa sieht – das wird erst im Verlauf des Buches ansatzweise gelüftet und dies auch über Rückgriffe auf bereits geschehenes. Alles in allem sehr durcheinander und chaotisch, muss ich sagen…

Insgesamt lässt sich in der Handlung erst spät ein roter Faden erkennen, was wohl durch die Zeitenwechsel und die vielen Andeutungen noch verstärkt wird. Der Storyverlauf ist zwar in sich konsequent, die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird,  ist allerdings verwirrend und ich habe weit mehr als 100 Seiten benötigt, um mich mit dem Buch anfreunden zu können.

Die umgesetzten Ideen waren nicht neu und auch nicht unbedingt spannend, trotzdem hat dieses Buch mehr Handlung als alle bisherigen HoN-Bände zusammen und wurde mit einem runden Ende abgeschlossen (das eigentlich auch ohne Fortsetzung hätte stehen bleiben können), was ich als sehr angenehm empfunden habe. Einen Kritikpunkt habe ich jedoch auch an dieser Stelle: Der Zickenkrieg war mir ein wenig zu viel. Ich mag es, wenn zwischen den Figuren Spannungen zu Tage treten und diese auch ausgefochten werden – aber vielleicht bin ich zu erwachsen um einem “Du hast dir meinen Exfreund gekrallt? Gut, ich hole ihn mir zurück und knutsche vor deinen Augen mit ihm rum“-Gehabe noch etwas abgewinnen zu können ;-)

Ärgerlich sind die vielen unlogischen Stellen im Buch – ich kann damit leben, wenn mal eine Stelle vorkommt, wo ein Autor patzt oder auch zwei. In Vampire Academy gibt es mir davon aber eindeutig zu viele. Ein Beispiel? Rose und Lissa gehen am hellichten Tage shoppen (was ja an sich schon eigenartig ist, wird ja zuvor erwähnt, dass Lissa das Sonnenlicht eigentlich eher nicht verträgt) und Rose fasst den Plan, mit Lissa abzuhauen. Nun steht im Text, dass sie Lissa an der Hand fasst und mit ihr die Mensa verlässt (wo sie sich doch eigentlich weit weg von der Akademie in irgendeiner Modeboutique befinden) und wenige Sekunden später befinden sich beide wieder in der Boutique, als wäre nichts gewesen. Solche Stellen treten vermehrt auf und ich finde sie einfach nur irritierend, unverständlich und störend.

Noch ein Beispiel? Als Rose sich den Knöchel verstaucht fällt sie in Ohnmacht vor Schmerz (aber wenn sie schlimmste Prügel bezieht, macht ihr das herzlich wenig aus). Dimitri trägt sie zur Krankenstation, wovon sie folgerichtig nichts mitbekommt, da sie ja ohnmächtig ist. Die Ärztin erzählt allerdings, dass Rose einen Heidenlärm veranstaltet hätte, auf dem Weg zur Krankenstation…

Nachlässig erscheint teilweise auch die Sprache (die trotz einiger teeniehafter Einsprengsel aber immernoch deutlich, deutlich angenehmer daher kommt als in House of Night): Die Redewendung “jemanden unter seine Fittiche nehmen” ist zwar gut und schön, aber nicht in zwei direkt aufeinanderfolgenden Sätzen.

Es ist eine interessante Idee, Theologie mit Vampirismus zu verbinden – mir erschien der christliche Glaube an dieser Stelle aber eher als unpassend. Warum genau, weiß ich auch nicht – aber irgendwie passen Vampire und christlicher Glaube für mich nicht zusammen. Vielleicht liegt es an Dracula? Er wurde zum Vampir, nachdem er Gott abschwor. Die Verbindung mutete irgendwie seltsam an.

Fazit

“Blutsschwestern” war eindeutig besser, als ich erwartet habe – allzu viel habe ich allerdings auch nicht erwartet. Die Handlung war insgesamt rund und in sich abgeschlossen, mäßig spannend mit einem kleinen Tupfer Liebe und Eifersucht garniert; Die Figuren waren in Ordnung. Die Form des Buches hat mich allerdings massiv gestört: Logikfehler sind ärgerlich und lassen die Autorin überaus nachlässig erscheinen. Die Geschichte war chaotisch und durcheinander geschrieben, was eine entspannte Lektüre unmöglich machte.

Ich vergebe aufgrund dieser – für mich wirklich eklatanten – Schwächen 2 von 5 Sternen für “Blutsschwestern”.

Rezension zu “Blutsschwestern” (Vampire Academy, Bd. 1)
Rezension zu “Blaues Blut” (Vampire Academy, Bd. 2)
Rezension zu “Schattenträume” (Vampire Academy, Bd. 3)
Rezension zu “Blutschwur” (Vampire Academy, Bd. 4)

Rezension zu “Seelenruf” (Vampire Academy, Bd. 5)
Rezension zu “Schicksalsbande” (Vampire Academy, Bd. 6)

John Ajvide Lindqvist – So finster die Nacht

Autor: LINDQVIST, John Ajvide // Titel: So finster die Nacht // Originaltitel: Låt den rätte komma in // Verlag: Bastei Lübbe // Erschienen: 4. Auflage, 19. Februar 2010 // ISBN-10: 9783404157556 // ISBN-13: 978-3404157556 // Seiten: 641 // Einband: Taschenbuch // Preis: 8.99 € // Genre: Fantasy, Horror

gelesen im März 2011

Inhalt

Der zwölfjährige Oskar liest gerne, klaut Süssigkeiten, macht sich vor Angst in die Hose und ist zu dick – und somit das perfekte Opfer für Demütigungen. Er hat keine Freunde und ist einsam, bis er eines Tages Eli kennenlernt.
Eli wohnt nebenan und Eli ist anders als andere Kinder, genau wie er.
Doch es herrscht keine Vorstadtidylle in Blackeberg, im Gegenteil: die Leiche eines Jungen wird gefunden, ein weiterer entgeht nur knapp einem Mordanschlag und langsam aber sicher begreift Oskar, dass Eli etwas mit den Vorgängen zu tun haben muss…

Meine Meinung

Aufgrund der Figuren ist “So finster die Nacht” lesenswert. Kommen sie mit Ausnahme von Oskar zwar eher unaufällig daher und werden kaum tiefergehend behandelt, sind sie einem doch schon von Anfang an seltsam vertraut; vom Jugendlichen, der Klebstoff schnüffelt und Einbrüche begeht, weil ihm sein Leben zuwider ist, von Kindern, die andere Kinder triezen, weil sie selbst eine zerüttete Familie haben, von im Leben gescheiterten Alkoholikern, von Einsamen bis hin zu unglücklich Liebenden…
John Ajvide Lindqvist betreibt hier wahrlich eine Art “Sozialstudie”.
Eine bemerkenswerte Figur ist Oskar, der im Laufe der knapp 700 Seiten eine wirkliche Entwicklung durchmacht und doch wieder so grausam zurückgeworfen wird.
Die Stimmung in Blackeberg wird grau-in-grau gezeichnet, der Autor geht beschreibt hier ein Stück weit Realität, vor der sicherlich der ein oder andere Leser gerne die Augen verschließen würde.
Sehr rührend war die Beziehung zwischen Virginia und Lacke – und ich gehe so weit und behaupte für mich, dass sie es war, die mir an diesem Buch am meisten gefallen hat. Noch mehr als die unschuldige ‘Liebe’ zwischen Eli und Oskar.
Ich bin kein Freund von immerzu wechselnden Erzählperspektiven, da sie im Regelfall überflüssig sind und schlecht angewendet werden, nicht so in diesem Roman. Die unterschiedlichen Erzählstränge werden immer wieder zusammengebracht und stehen nicht einfach isoliert – sie machen Sinn. Diese Form scheint mir für den Roman sehr gut gewählt worden zu sein.
Zu Beginn hat mir die Lektüre auch wirklich noch Freude bereitet… aber dann? …
Ein für mich sehr schwerwiegender Kritikpunkt ist Håkan. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass ich nichts gegen Pädophile habe und auch nicht der Meinung bin, dass jeder Pädophile ein Kinderschänder ist – dennoch war mir das pädophile Gedankengut Håkans zutiefst zuwider. Insbesondere auf die Stelle, an der Håkan Eli beinahe vergewaltigt hätte, hätte ich getrost verzichten können. Möglicherweise bin ich durch meine Vergangenheit etwas zu sensibel was solche Dinge angeht – mir persönlich hat sich teilweise der Magen herumgedreht und ich wäre froh darüber gewesen, wenn der Autor in diesen Dingen nicht so sehr ins Detail gegangen wäre. Diese Stellen waren es auch, die mich dazu verleitet haben, das Buch immer wieder aus der Hand zu legen und erst am nächsten Tag wieder aufzuschlagen.
Das Buch ist ohnehin nichts für Menschen mit schwachem Magen. Ich bin eine ausgemachte Horrorfilmfanatikern, dennoch wurde mir bei der ein oder anderen detailreichen Beschreibung (und diese detaillierten Beschreibungen beschränkten sich nahezu nur auf ekelhafte Szenen) wirklich übel.  Die Stelle mit den Katzen war zu viel für mich. Sie war zwar nicht wirklich eklig, aber ich mag Katzen einfach viel zu sehr, um so etwas ohne Magenschmerzen lesen zu können.
Ein richtiger Spannungsbogen fehlt leider, die Handlung hätte auch gut auf die Hälfte oder ein Drittel der Seiten heruntergebrochen werden können. Dadurch hätte die Geschichte möglicherweise mehr Dynamik gewonnen. Das überraschend eintretende Ende fiel hingegen sehr kurz und lieblos gestaltet aus.
Der Klappentext war irreführend. Aufgrund des Films (den ich noch nicht gesehen habe), wusste ich zumindest, dass es um Vampire geht (was der Klappentext mit keinem Wort erwähnt), um einen Thriller, wie der Roman klassifiziert wird, handelt es sich in meinen Augen aber ganz sicher nicht.

So finster die Nacht ist auf jeden Fall „anders“, ich wage allerdings zu bezweifeln, dass es sich hierbei wirklich um eine „Offenbarung der schwedischen Literatur“ handeln soll, wie im Klappentext angepriesen. Da der Film extrem gut sein soll werde ich ihn auf jeden Fall noch ansehen – und vielleicht gefällt er mir besser als das Buch?

Ich vergebe 2 von 5 Sternen für “So finster die Nacht”.

Stephenie Meyer – Bis(s) zum Ende der Nacht

Autor: MEYER, Stephenie // Titel: Bis(s) zum Ende der Nacht (Twilight Saga Bd. 4) // Originaltitel: Breaking Dawn // Verlag: Carlsen // Erschienen: 20. Januar 2011 // ISBN-10: 3551358060 //ISBN-13: 978-3551358066 // Seiten: 800 // Einband: Taschenbuch // Preis: 11.90 € // Genre: Jugendbuch, Vampirroman, Liebesroman

gelesen vom 15.-23. Februar 2011

Inhalt

Bella und Edward heiraten und verbringen ihre Flitterwochen auf einer wunderschönen Insel – doch schon bald herrscht Unruhe im Paradies: Bella wird schwanger. Ein Umstand, der eigentlich nicht sein dürfte. Niemand weiß, was in Bellas Körper heranwächst und Edward weiß nur eins: Was auch immer es ist, es ist drauf und dran Bella umzubringen.
Bella steht die Geburt jedoch tapfer durch und bevor sie stirbt, vollzieht Edward den letzten Schritt: er macht Bella zu einem Vampir.
Die Geburt der gemeinsamen Tochter zieht auch die Aufmerksamkeit der Volturi auf die Familie Cullen – sie glauben, dass es sich um ein unsterbliches Kind handelt; und unsterbliche Kinder müssen ausgelöscht werden…

Meine Meinung

Wie man an dem Zeitraum, in dem ich das Buch gelesen habe, sicher erkennen kann, hat mich die Lektüre nicht unbedingt zu großen Begeisterungsstürmen veranlasst. Waren Band 2 und 3 relativ angenehm zu lesen, wenn auch nichts besonderes, so war Band 4 in erster Linie unglaublich langweilig.
Langweilig deshalb, weil alles so vorhersehbar ist und der einzige Knackpunkt, der sich in der Geschichte ergeben hat, nämlich das Zusammentreffen mit den Volturi, dann auch noch so lasch abgehandelt wird und endet (übrigens ist mir da ein kleiner Logikfehler ins Auge gesprungen: kurz vor dem bevorstehenden “Kampf” wird erwähnt, dass Esme ungleichmäßig atmet – dabei atmen Vampire doch in der Twilight Saga gar nicht?).
Das zweite Buch (das Buch ist in drei Bücher unterteilt), das aus Jacobs Sicht erzählt wird, las sich alles andere als gut – die Kommunikation der Wölfe untereinander, Jacobs (abstruse) Gedankengänge… Puh, da habe ich wirklich lange Zeit gehangen.
Auch Bellas Vampirdasein hätte mit Sicherheit spannender gestaltet sein können. Renéesme (was für ein Name!) hätte sehr viel Potential gehabt, das nicht genutzt wurde.
Leah, auf deren Gedanken in Buch 2 noch so viel Wert gelegt wird, scheint in Buch 3 völlig vergessen worden zu sein. Durch die Volturi hätte Spannung erzeugt werden können, Aro erging sich jedoch ständig in denselben Phrasen und so gestaltete sich auch die Verhandlung mit den Volturi als unspektakulär.
Die Vampire, die sich versammeln um zu bezeugen, dass Renéesme kein unsterbliches Kind ist, hätten wirklich tolle Möglichkeiten geboten (Stichwort: (Lebens-)Geschichten und Erfahrungen!) – diese Möglichkeiten blieben leider ungenutzt.
Einzig Garrett tritt in einer Rede in Erscheinung – und diese Stelle war auch die einzige im Buch, die mir wirklich gefallen hat.
Das Ende ist furchtbar kitschig.

Dieser Band ist in meinen Augen deutlich schlechter als die vorherigen Bände, ich vergebe deshalb 2 von 5 Sternen für “Bis(s) zum Ende der Nacht”.

P. C. + Kristin Cast: House of Night – Betrogen (Bd. 2)

Autor: CAST, P.C. + Kristin // Titel: House of Night: Betrogen // Originaltitel: House of Night: Betrayed // Verlag: Fischer FJB // Erschienen: 23. März 2010 //ISBN-10: 3841420028 //ISBN-13: 978-3841420022 // Seiten: 509 // Einband: Gebundene Ausgabe // Preis: 16,95 €

gelesen am 12.01.2011

Nachdem Zoey ihren ersten Monat im House of Night hinter sich hat, könnte eigentlich alles gut sein. Sie ist nun die Anführerin der Schwestern der Dunkelheit, sie steht in Nyx’ Gunst und trotzdem gibt es Dinge, die ihr keine Ruhe lassen… Sie hat einen schrecklichen Verdacht.

Der zweite Band der House of Night Reihe hat mir insgesamt schon deutlich besser gefallen als der erste. Die Handlung ist dichter gestrickt (im ersten Band war es ja mehr oder weniger so, dass auf den 400 Seiten kaum Handlung zu erkennen war), wenn auch leider immernoch viel zu offensichtlich.

Auch sprachlich finde ich den zweiten Band schon etwas besser als den ersten. Es gibt weniger Einschübe und weniger Anmerkungen in Klammern, die Sprache ist weniger vulgär. Es steht auch nicht mehr auf allen drei Seiten irgendetwas über einen “megageilen” Kerl etc. Schön auch, dass die Wiederholungen sich nicht so extrem häuften wie im ersten Band.

Loren verspricht, eine interessante Figur zu werden, die Geschehnisse um Stevie kamen (zumindest für mich) überraschend. Die Entwicklung in Bezug auf Neferet und Aphrodite ging meiner Meinung nach zu schnell von Statten. Das hätte man sicherlich plausibler gestalten können.

Richtig gestört hat mich die Position, die Zoey zwischen drei Männern eingenommen hat – das war irgendwie zu viel des Guten. Da habe ich oft Lust verspürt, das Buch aus der Hand zu legen, mit dem Gedanken: Hat die denn keine anderen Probleme?

Zoey selbst wirkt mir – nach zwei Bänden – insgesamt zu glatt. Sie ist die Auserwählte, alle liegen ihr zu Füßen und sie ist absolut unfehlbar und fantastisch… über diesen Umstand täuschen auch die eingestreuten Kommentare nicht hinweg (“ich benahm mich wie ein Idiot” etc.). Zoey könnte wesentlich interessanter sein, wenn sie auch ihre Kanten hätte.

Dank der offenen “Kampfansage” bin ich jetzt sogar etwas neugierig auf den dritten Band ;)!

Aber insgesamt muss ich sagen, dass doch eine deutliche Steigerung vorhanden ist. Deswegen vergebe ich 2 von 5 Sternen für Band 2 der House of Night Reihe.