Akif Pirinçci: Göttergleich (Felidae #8)

Francis ist zurück – und langsam aber sicher macht ihm das Alter zu schaffen. Das denken zumindest Sancta und Junior, als Francis ihnen klarzumachen versucht, dass die Zeit rückwärts läuft. Sancta möchte gar, dass er sich vom Hauskater eines bekannten Psychotherapeuten therapieren lässt; Francis kommt ihrer Bitte nach und ahnt nicht, was auf ihn zukommt…

Meine Meinung

Von mir aus könnte Akif Pirinçci gut und gerne noch acht weitere Felidae-Bände schreiben – ich hab die flauschigen Samtpfoten einfach allesamt in mein Herz geschlossen.

Francis war einfach fabelhaft wie immer: Ironisch, gewitzt und wieder einmal ganz und gar ein “Klugscheisser” ( ;) ). Sancta und Junior spielten im achten Band der Felidae-Reihe nur am Rande eine Rolle (ebenso wie Gustav) und leider hatte auch Blaubart nur einen kurzen Gastauftritt.

Die Handlung war – wie erwartet – spannend und nicht allzu leicht zu durchschauen, trotzdem bin ich mit der ganzen Geschichte nicht wirklich warm geworden. Die Idee hat mir gut gefallen, aber irgendwie war der Plot für meinen Geschmack am Ende dann doch zu abgefahren (Stichwort: Chronos). Auch spielte Francis genialer Verstand diesmal eine eher untergeordnete Rolle, immer wieder kam ihm Frau Fortuna zur Hilfe. Leider wurden auch nicht alle Handlungsstränge ausgereizt (aber ich würde wohl zu viel verraten, wenn ich an dieser Stelle näher darauf eingehen würde) – so blieben am Ende des Buches einige Fragen offen.
Darüber, dass ich Pirinçcis Bücher verschlingen könnte, weil sein Schreibstil so toll ist, habe ich mich hier im Blog ja schon zu genüge ausgelassen.

Fazit
Göttergleich reicht meiner Meinung nach nicht an manch andere Bände der Felidae-Reihe heran, ist für Felidae-Fans aber sicher dennoch zu empfehlen. Weil ich weiß, was für tolle Bücher Pirinçci schreiben kann, warte ich schon gespannt und voller Vorfreude auf den nächsten Felidae-Teil, der hoffentlich irgendwann erscheinen und mir besser als sein Vorgänger gefallen wird ;-)

Autor: Akif Pirinçci | Titel:  Göttergleich (Felidae #8) | Originaltitel: – | Verlag: Heyne-Verlag | Erscheinungsdatum: 24. September 2012 | ISBN-10: 3453268466 | ISBN-13: 978-3453268463 | Seitenzahl: 336 | Ausgabe: gebundene Ausgabe | Preis: 19,99 € bzw. 31,90 CHF | Genre: Abenteuer, Krimi

Folgende Felidae-Romane sind bisher erschienen:

Felidae (ISBN 3-442-42886-6)
Francis
(ISBN 3-442-43372-X)
Cave Canem (ISBN 3-442-44991-X)
Das Duell (ISBN 3-596-15992-X)
Salve Roma (ISBN 3-453-35092-8)
Schandtat (ISBN 3-453-00620-8)
Felipolis (ISBN 978-3-453-29097-6)
Göttergleich (ISBN 978-3-453-26846-3)

Deborah Harkness: Die Seelen der Nacht (All Souls #1)

Inhalt

Für einen bevorstehenden Vortrag fordert die Historikerin Diana Bishop verschiedene Manuskripte in der Bodleian Bibliothek der Universität Oxford an – und bemerkt schon bald, dass mit einem von ihnen etwas nicht stimmt: Ashmole 782.
Als sich dann auch noch Dämonen und Vampire an dem Manuskript und an ihrer Person – schließlich ist sie die Nachfahrin der Hexen von Salem und selbst eine Hexe – ein übermäßig großes Interesse zeigen, wird ihr die Sache unheimlich. Der Vampir Matthew nimmt sich ihrer an und Diana bemerkt bald, dass ihre Lebenswege sich vielleicht nicht nur zufällig gekreuzt haben…

Meine Meinung

Wie bereits in diesem Beitrag erwähnt, habe ich etwas Mühe damit “Die Seelen der Nacht” zu rezensieren. Das liegt in erster Linie wohl daran, dass ich mir von Anfang an gewünscht habe, dass mir dieses Buch gefällt – und so wohl irgendwie mit den falschen Erwartungen herangegangen bin. Ich beginne mit den Figuren, denn in ihnen liegt meiner Meinung nach das größte Potential des Buches, hier habe ich aber auch meine größten Kritikpunkte.

Diana ist Hexe und Historikerin (toller kann man eine Figur für mich gar nicht konzipieren ;)). Seit sie ein Kind ist hadert sie mit ihren magischen Kräften und versucht, ihren Alltag möglichst gewöhnlich und ohne Zaubereien zu gestalten; so ganz mag ihr das freilich nicht gelingen. Ihre ermordeten Eltern – eine mächtige Hexe und ein äußerst talentierter Zauberer, beide Nachfahren der Salem-Hexen – spielen dabei eine nicht unerhebliche Rolle, aber ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Im Prinzip mag ich Diana wirklich sehr, sehr gerne: Sie ist intelligent, manchmal ein bisschen zerstreut, eher etwas eigenbrötlerisch und mit Leib und Seele Historikerin.
Dann trifft sie auf Matthew und ab diesem Zeitpunkt geht mir alles zu schnell. Es dauert nicht lange, bis sie Hals über Kopf in ihn verliebt ist und – von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen – bietet sie ihm herzlich wenig Paroli, was irgendwie nicht so recht zu ihr zu passen scheint, wirkte sie doch vor ihrer Begegnung mit Matthew sehr selbstbestimmt. Das stört mich, denn diese charakterliche Wandlung ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Etwas übertrieben wirkt auf mich auch, wie gut Diana einfach in allem ist, was sie tut – da versteht es sich ja von selbst, dass sie eine unglaublich gute und mächtige Hexe sein muss.

Matthew ist wohl der Hauptgrund, warum “Die Seelen der Nacht” mir nicht so gut gefallen hat, wie ich es mir vorher erhofft habe: Er bietet einfach so gar keine Überraschungen. Er ist unfassbar gutaussehend, total gebildet, hadert zum Teil mit seiner Vergangenheit und trifft keine falschen Entscheidungen (mehr), weil er so erfahren ist. Er ist immer da, auf ihn ist immer Verlass und nebenher gibt er sowieso immer den Ton an und alle folgen ihm auf’s Wort (sogar sein Bruder, der ihm der Hierarchie nach eigentlich übergeordnet ist, fügt sich seinem Willen). Matthew hat einfach keine Kanten. Es gibt da zwar diese typische “Oh-mein-Gott-ich-bin-ein-Vampir-und-ich-will-dich-bloß-nicht-verletzen-denn-ich-habe-schon-einmal-jemanden-verletzt/getötet/ausgesaugt/etc.” Problematik, aber die alleine reicht nicht aus, um aus Matthew eine Figur zu machen, die mehr Tiefgang hat als so manch anderer oberflächlicher Literatur-Vampir.

Durch Matthews weitestgehend vorhersehbaren Charakter, bleibt bei mir auch die Spannung und Freude an der Liebesgeschichte zwischen Diana und Matthew auf der Strecke: Während der Lektüre hatte ich immer öfter hatte ich den Eindruck, dass sie ihn einfach nur (kritiklos) anbetet wie ein kleines Teenager-Mädchen einen großen Star. Daher ließ mich die Beziehung der beiden ziemlich kalt und hat mich auch zusehends etwas genervt; ich konnte dieser Verbindung einfach nicht viel abgewinnen.
Viel zu schnell ist die Beziehung zwischen beiden “zu eng” (kann man jemanden nach ein paar Wochen wirklich schon so gut kennen, dass man sicher weiß, dass man mit ihm den Rest des eigenen Lebens verbringen will?)  und wirkt daher im Endeffekt “unglaubwürdig” auf mich (wenn man das bei einem Buch über Hexen und Vampire so sagen kann und darf); schließlich geht es hier ja nicht um zwei verliebte Teenager, sondern um einen 1500 Jahre alten Vampir und eine Hexe, die mitten im Leben steht.

Einige Nebenfiguren finde ich sehr interessant, darunter natürlich Em und Sarah (oh, und ich liebe das sich ständig verändernde Haus!), aber auch Ysabeau, Matthews “Mutter”. An Ysabeau hat mich übrigens gestört, dass sie als “Hexenhasserin” ins Buch eingeführt wird, sich dann aber so gutmütig und nahezu ohne ein böses Wort um Diana kümmert… Natürlich kann auch Mutterliebe Grenzen überwinden, aber hier hätte es so viel spannendes Konfliktpotential gegeben!

Dann möchte ich hier noch anmerken, dass ich es wirklich sehr, sehr positiv finde,  wie Deborah Harkness versucht hat, jeder Figur durch ihre ganz eigene Geschichte Glaubwürdigkeit zu verleihen. Das hat mir wirklich sehr gefallen.

Schade finde ich, dass die Rahmenhandlung durch die Liebesgeschichte wirklich derart arg ins Hintertreffen gerät. Die Geschichte von Dianas Eltern interessiert mich nämlich ebenso, wie die im Buch gemachten wissenschaftlichen Untersuchungen, die problematischen Mordfälle, der angezettelte Krieg, die Geschichte des Ordens und die Geschichte des Manuskripts. Da die Liebesgeschichte jedoch derart stark im Vordergrund steht, finden all diese Aspekte eher wenig Beachtung.

Mir gefällt, dass Deborah Harkness so detailliert schreibt (und gerade ihre Ausführungen über Alchemie sind enorm interessant), aber manchmal ist es mir doch etwas zu viel des Guten, weil viele Nebensächlichkeiten beschrieben werden, die die Handlung nicht voranbringen. Mich stört es nicht, dass es zwischen Diana und Matthew nicht gleich zum Äußersten kommt, aber insgesamt habe ich beim Lesen oft das Gefühl gehabt, dass sich Situationen unnötig in die Länge ziehen. Richtig interessante Stellen (z.B. Dianas “Aufeinandertreffen” mit der finnischen Hexe) sind dann aber eher oberflächlich beschrieben.

Fazit

Eigentlich bietet “Die Seelen der Nacht” eine tolle Ausgangssituation: Eine mächtige Hexe und ein jahrhundertealter Vampir verlieben sich, riskieren somit mehr als nur den Zorn ihrer “Zunft” und bemühen sich um ein mit einem Bannfluch belegtes Manuskript, das viele Geheimnisse lüften könnte. Leider hat die Liebesgeschichte die restliche Handlung beiseite gedrängt – und ist darüber hinaus nicht besonders speziell: Eine Frau wird zum Schäfchen, als sie auf ihren Macho-Mann trifft und ihre verbotene Liebe löst eine ganze Reihe von Schwierigkeiten aus… Hinzu kommt, dass die Figuren leider ebenfalls nicht sonderlich speziell sind – nicht, weil sie nicht interessant konzipiert sind, sondern weil es ihnen oft an den Fehlern, an den Ecken und Kanten, mangelt, die Figuren besonders sympathisch und glaubwürdig machen.

Ob ich die Fortsetzung lesen werde, kann ich noch nicht sagen. Den Film werde ich mir wohl auf jeden Fall ansehen.

 

Website zum Buch

 

Autor: Deborah Harkness | Titel:  Die Seelen der Nacht (All Souls #1) | Originaltitel: A Discovery of Witches | VerlagBlanvalet | Erscheinungsdatum: 26.09.2011 | ISBN-10: 3764503912 | ISBN-13: 978-3764503918 | Seitenzahl: 800 | Ausgabe: gebundene Ausgabe | Preis: 19,99 € / 31,90 CHF | Genre: Urban-Fantasy, Romantik

Kerstin Gier: Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten (Edelsteintrilogie #1)

Von heute auf morgen wird Gwendolyns Leben komplett umgekrempelt: Eben war sie noch die (bedeutungslose) Cousine von Wunderkind Charlotte, doch plötzlich stellt sich heraus, dass sie das “Zeitreise-Gen” besitzt und nicht ihre Cousine. Gwendolyn kann in der Zeit springen und ist – im Gegensatz zu Charlotte – ganz und gar nicht auf das vorbereitet, was sie in längst vergangenen Zeiten erwartet… Ihr Mitreisender Gideon und den Auftrag, den beide zu erfüllen haben, machen die Angelegenheit für Gwendolyn nicht einfacher…

Meine Meinung

Ich bin etwas zwiegespalten, was das Buch angeht: Einerseits habe ich es ziemlich schnell ausgelesen, weil es sich – in typischer Gier-Manier geschrieben – einfach wunderbar lesen lässt, andererseits fand ich den Gang der Handlung eher weniger mitreißend.

Zunächst zu den Figuren: Wie erwartet sind einige herrlich schräge Charaktere darunter! Allen voran die herzliche Tante Maddy (von der ich wirklich gerne mehr lesen würde), aber auch die schrullige Lady Arista und vor allen Dingen Tante Glenda! Tanta Glenda ist eine Schreckschraube, wie sie im Buche steht und ich hoffe, dass ihr noch eine größere Rolle zuteil werden wird (vllt. in Form einer “Intrige”?)…
Gwendolyns beste Freundin Leslie ist recht amüsant, bleibt aber weitgehend farblos. Auch Charlotte wird eher am Rand gestreift, was ich sehr schade finde, da Gwendolyn und Charlotte prinzipiell ziemlich viel Konfliktpotential bieten.
Gwendolyn ist eine angenehme Protagonistin: Sie hat Humor, sie hat Gefühl und sie hat Verstand. Trotzdem fehlt mir bei ihr das gewisse Etwas. Gideon empfinde ich als eher unangenehm, da er – für sein Alter – doch recht überheblich und wankelmütig wirkt. Aus diesem Grund weiß ich auch noch nicht recht, wie ich die begonnene Liebesgeschichte einordnen soll; bisher hat sie mich eher wenig berührt.

Die Handlung hat einen schönen Kern, insgesamt habe ich mir an manchen Stellen aber etwas mehr Tiefe gewünscht, was die Vorgeschichte der eigentlichen Handlung angeht. Kerstin Gier wartet mit interessanten Ideen auf, doch im Grunde genommen passiert – meinem Empfinden nach – im ersten Band der Trilogie nicht allzu viel Bewegendes und das finde ich sehr schade; allerdings ist mit Rubinrot die Saat für ein wirklich spannendes Zeitreiseabenteuer gelegt, daher erwarte ich mit Neugierde, was sich auf Gwendolyns und Gideons Zeitreisen noch ereignen wird.

Fazit

“Rubinrot” ist ein Roman, der im typisch lockeren Stil von Kerstin Gier daherkommt, mit einigen schrägen Figuren aufwartet und durch tolle Ideen (ich will hier nichts verraten) überzeugt. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass sowohl bezüglich der Handlung als auch der Figuren etwas mehr in die Tiefe gegangen worden wäre. Auch hätte ich es schön gefunden, wenn im ersten Band etwas mehr passiert wäre.

Autor: Kerstin Gier | Titel:  Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten (Edelsteintrilogie #1) | Originaltitel: – | Verlag: Arena | Erscheinungsdatum: Januar 2009 | ISBN-10: 3401063340 | ISBN-13: 978-3401063348 | Seitenzahl: 345 | Ausgabe: gebundene Ausgabe | Preis: 15,99€ / 23,90 CHF | Genre: Jugendbuch, Abenteuer, Fantasy, Romantik

Kerstin Pflieger – Der Krähenturm (Icherios Ceihn #2)

Autor: Kerstin Pflieger // Titel: Der Krähenturm // Originaltitel: - // Verlag: Goldmann Verlag // Erschienen: 19. Dezember 2011 // ISBN-10: 3442476798 // ISBN-13978-3442476794 // Seiten: 480 Seiten  // Ausgabe: Taschenbuch // Preis: 12.00 € / 19,90 CHF  // Genre: Abenteuer, Fantasy, Buchreihe

Nachdem Icherios Ceihn aus Dornfelde zum Ordo Occulto zurückgekehrt ist, erwartet ihn sogleich sein nächstes Abenteuer: Ein Medizinstudium in Heidelberg. Einer seiner grössten Wünsche geht damit in Erfüllung, so glaubt er. Nebenher soll er ein wenig für den Orden spionieren und ein “Heilmittel” gegen Vampirismus finden…

Meine Meinung

“Der Krähenturm” knüpft nahtlos an “Die Alchemie der Unsterblichkeit” an; man begegnet als Leser u.a. Carissima, der Vampirin aus Dornfelde, wieder und auch der Mord an Vallentin, Icherios’ bestem Freund, wird wieder aufgenommen.Icherios ist gewohnt ängstlich, zurückhaltend, misstrauisch und voller Selbstzweifel, doch ganz langsam klingt auch eine andere Seite in ihm durch: Die des Strigois, in den er verwandelt wurde. Die Sorge um seine Seele lässt macht ihn ruheloser als in “Die Alchemie der Unsterblichkeit” – doch ist sie auch Antriebskraft für ihn und lässt ihn stellenweise mutigere Entscheidungen treffen, als erwartet (z.B. in Bezug auf Maleficium).

Die weiteren Figuren sind meist interessant angelegt, bleiben jedoch ohne Tiefe. Egal ob Werratte, Hexe oder Hexenjäger; sie alle haben ihren Auftritt, doch weiß man hinterher nicht viel mehr über sie, als zu Beginn der Lektüre. Dies ist insbesondere in Bezug auf den Glasfürsten sehr schade… In dieser Figur steckt so viel Potential und ich hoffe ehrlich, dass Kerstin Pflieger diese Episode noch einmal aufgreifen und vertiefen wird. Die Idee ist einfach zu schön, um übergangen zu werden.

Anders als in “Die Alchemie der Unsterblichkeit” verfolgt die Autorin in “Der Krähenturm” mehrere Handlungsstränge, die jeweils unterschiedliche Figuren betreffen. Sie führt zwar am Ende alle Handlungsstränge wieder zusammen, doch ich habe das Gefühl, dass hier weniger mehr gewesen wäre. Einige Handlungsstränge beginnen, werden dann aber nicht mehr wirklich berührt (Es wäre doch interessant gewesen, wenn Professor Crabbé tiefer in die Ereignisse verstrickt gewesen wäre und welchen Grund gab es, den Handlungsstrang mit Julie nicht weiterzuverfolgen?); manche enden plötzlich in einer Art und Weise, die als wenig plausibel erscheint (Wieso sollte z.B. Hazecha Gismara ein so tiefgreifendes Versprechen abringen und dann doch einfach abwinken? Steckt bei den Zwistigkeiten zwischen Auberlin und Freyberg echt nicht mehr dahinter?); dies gilt sowohl für kleinere Handlungsstränge, als auch für den großen Rahmen des Romans.

Dadurch, dass so viele Handlungsstränge und Personen eingeführt werden, bleibt auch die Atmosphäre, die in “Die Alchemie der Unsterblichkeit” so wunderbar gestaltet war, auf der Strecke.

Insgesamt war die Handlung spannend (ich vermutete zwar schon früh richtig, wer der Verräter war, rechnete aber bis zum Ende noch mit etwas Unvorhergesehenem, das dann auch eintrat), wirkte aber stellenweise nicht “rund”, weil viele Handlungsstränge so endeten, dass sie nicht plausibel erschienen und weil die Auflösung durch die vielen Figuren und Ereignisse z.T. etwas schwer nachzuvollziehen waren.

Sprachlich ist der Roman, wie auch schon sein Vorgänger, schön gestaltet und gut lesbar, an manch einer Stelle waren die Lektoren allerdings nicht gerade genau.

Fazit

Trotz den genannten Kritikpunkten ist “Der Krähenturm” noch immer ein gut gelungenes Fantasy-Buch und ein würdiger Nachfolger von “Die Alchemie der Unsterblichkeit”. Ich hoffe, dass Kerstin Pflieger sich auf ihren wundervollen ersten Roman besinnen wird, wenn sie an einer Fortsetzung arbeitet und ein dritter Teil um Icherios Creihn wieder atmosphärisch dichter und insgesamt “runder” wird. Ich möchte mich einer Amazon-Rezensentin anschließen, die schrieb, dass ihr das Buch zwar gut gefallen, aber die Zusammensetzung diesmal für sie nicht gestimmt habe.

Jonathan Stroud: Bartimäus. Das Auge des Golem. (#2)

Autor: Jonathan Stroud // Titel: Bartimäus – Das Auge des Golem // Originaltitel: The Golem’s Eye (Bartimaeus Trilogy) // Verlag: Blanvalet // Erschienen: 13. Oktober 2008 // ISBN-10: 3442370035 // ISBN-13978-3442370030 // Seiten: 672 Seiten  // Ausgabe: Taschenbuch // Preis: 8,95 € / 16,90 CHF  // Genre: Fantasy, Jugendbuch

Nathanael arbeitet mit seinen 14 Jahren bereits für die Regierung – und nimmt weiterhin Bartimäus Dienste in Anspruch; dieser ist darüber natürlich alles andere als erfreut. Ihr gemeinsamer Weg führt sie nach Prag… Dort, so glaube sie, werden sie das Geheimnis um den Golem lüften können, der die Bevölkerung Londons in Atem hält.
Doch nicht nur ein Golem bereitet Nathanael Probleme. “Der Widerstand” organisiert weiterhin Aktionen gegen die Regierung und mit dem Einbruch in die Gruft des legendären Zauberers Gladstone gelingt es den Regierungsgegnern nicht nur, besondere Artefakte in ihren Besitzt zu bringen… Ausgerechnet Nathanael soll sowohl den Golem als auch die Angehörigen des Widerstands das Handwerk legen…

Meine Meinung

Der zweite Band der Trilogie ist meiner Meinung nach der spannendste (und da ich den dritten Band ja schon gelesen habe, kann ich mir da auch getrost ein Urteil bilden). Wie auch schon im ersten Teil, habe ich mich manches Mal aufs Glatteis führen lassen: Beim Lesen war ich mir nie wirklich sicher, ob ich mit meinen Vermutungen richtig lag.
Bartimäus macht keine nennenswerte Entwicklung durch, ich empfand ihn im zweiten Band dennoch als weitaus angenehmer (weniger “Witze” und Übertreibungen, mehr Ernsthaftigkeit) als in “Das Amulett von Samarkand”.
Nathanael ist  noch schleimiger, widerwärtiger, großspuriger und fieser als erwartet… Man muss schon recht genau hingucken (oder sich einfühlen), um zu bemerken, dass da noch etwas anderes mitschwingt, zum Beispiel Unsicherheit, die er durch seine unangenehme Art zu kompensieren versucht.
Wie auch schon im ersten Teil, spielt Stroud auch im zweiten Buch mit verschiedenen Perspektiven. Diese sind diesmal nicht auf Nathanael und Bartimäus beschränkt, sondern werden um Kittys Perspektive erweitert.
Endlich gab es mehr über den Widerstand zu lesen! Und endlich konnte ich auch mehr über Kitty erfahren – das hat sich wirklich gelohnt. Kitty erscheint nicht als strahlende Heldin oder graues, unauffälliges Gänschen… Sie ist irgendwo dazwischen. Sie hat so viele verschiedene Facetten, dass es immer wieder interessant war, ihre Geschichte mitzuverfolgen.
Auch die magische “Parallelwelt” gewinnt durch Kittys Perspektive an Tiefe, weil Kitty als “Gewöhnliche” eine andere Einstellung zu den Ereignissen hat, als er Dschinn Bartimäus oder der Zauberer Nathanael.

Fazit

Mir hat Kitty sehr gut gefallen und ich war froh, dass Bartimäus irgendwie weniger zu sagen hatte, denn mit seinem Humor bin ich immernoch  nicht recht warm geworden. Auch fand ich den zweiten Band spannender als den ersten. Enttäuscht hat mich die Entwicklung von Nathanael, weil er, wenn man nicht ganz genau liest, sehr eindimensional und unangenehm wirkt (und die “andere Seite” auch nur in winzigen Ansätzen zu erkennen ist) – das finde ich wirklich sehr, sehr schade. Insgesamt halten sich die positiven Veränderungen und die verschenkten Chancen die Waage, weshalb ich den  zweiten Band der Trilogie mit 3,5 Sternen bewerte – wie seinen Vorgänger “Das Amulett von Samarkand”.

In der Bartimäus-Reihe sind bisher erschienen:

  1. Das Amulett von Samarkand (2004)
  2. Das Auge des Golem (2005)
  3. Die Pforte des Magiers (2006)
  4. Der Ring des Salomo (2010)

Jonathan Stroud – Bartimäus. Das Amulett von Samarkand. (#1)

Autor: Jonathan Stroud // Titel: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand // OriginaltitelThe Amulet of Samarkand (Bartimaeus Trilogy) // Verlag: Blanvalet // Erschienen: 10. September 2007 // ISBN-10: 344236762X // ISBN-13978-3442367627 // Seiten: 544 Seiten  // Ausgabe: Taschenbuch // Preis: 8,95 € / 16,90 CHF  // Genre: Fantasy, Jugendbuch

Das hatte sich der 5000 Jahre alte Dschinn Bartimäus wirklich anders vorgestellt; anstatt sein Dasein nach seinem eigenen Gutdünken zu fristen, wird er von niemand geringerem als einem jugendlichen Rotzbengel gerufen, um für diesen ein wertvolles Amulett zu stehlen. Der Junge – Nathanel sein Name – hat gute Argumente, um den Dschinn zu erpressen. Bartimäus bleibt gar keine andere Wahl, als ihm zu helfen. Doch weder Nathanel noch  Bartimäus ahnen, in was sie durch den Diebstahl des Amuletts von Samarkand hineingeraten…

Meine Meinung

Bartimäus ist fies – im wahrsten Sinne des Wortes. Er verabscheut Zauberer und noch viel mehr verflucht er den Umstand, dass er ihnen zu Diensten sein muss, wenn sie bei ihren Beschwörungen nicht den ein oder anderen (entscheidenden) Fehler begehen. Nur zu gerne würde er dem kleinen Nathanael, den er nicht nur für arrogant und unfähig, sondern noch dazu für ziemlich uneinsichtig hält,  zeigen, was eine Harke ist. Doch Nathanael hat den Dschinn in der Hand und  dieser muss sich in sein Schicksal fügen…
Nathanael ist der Lehrling eines unfähigen Zauberers, der ihn bloßstellt, demütigt und vor allen Dingen absolut unterschätzt. Auch Simon Lovelace, in dessen Besitz sich das Amulett von Samarkand befindet, hat Nathanael gedemütigt und diese Schmach kann und will der junge Zauberer nicht auf sich sitzen lassen. Er riskiert Kopf und Kragen und beweist in mehr als einer Situation großen Mut und großes Talent…
Der Roman wird sowohl aus Bartimäus als auch aus Nathanels Sicht geschildert. Wirklich leiden können sich die beiden auf den ersten Blick nicht, doch schnell wird klar, dass ihr Verhältnis über eine reine “Zweckbeziehung” hinausgeht – wenn nicht aus Freundschaft, dann doch zumindest aus Sympathie füreinander, die sich beide nicht eingestehen wollen.
Für mich ist nicht Bartimäus, sondern Nathanael der eigentliche “Held” des Buches:  Er hat dermaßen viele Ecken und Kanten (er neigt zur Selbstüberschätzung, er ist überheblich, er ist arrogant, er ist zuweilen fies und ziemlich durchtrieben) – aber vor allen Dingen hat er (trotz allem) Mitgefühl, vergöttert Mrs Underwood, seine Ziehmutter und stellt sich den Problemen, die sein junges Zaubererleben mit sich bringt.
Bartimäus ist vor allen Dingen sarkastisch (>manchmal< sehr erheiternd), klug und keinesfalls der gute Kumpel von nebenan.
Um die beiden Protagonisten herum entwirft Jonathan Stroud eine “Parallelwelt” zu der unsrigen: Die Geschichte spielt in London, doch ist nicht die Queen das (repräsentative) Oberhaupt, sondern der “PM”, der Primeminister, der selbstverständlich ein Zauberer ist. Die Zauberer sind es, die den Staat lenken und leiten und sich selbst für unheimlich wichtig halten. Doch nicht jeder ist damit einverstanden, dass die Zauberer über die “Gewöhnlichen” herrschen. Zu den Staatsgegnern zählt auch eine Gruppierung, die  “der Widerstand” genannt wird…
Die Geschichte ist in Teilen vorhersehbar, doch so einfach, wie man vielleicht zu Beginn  denkt, geht die Rechnung in “Bartimäus” nicht auf: Auf ein simples schwarz/weiß-, bzw. gut/böse-Schema braucht man hier nicht zu hoffen und schon alleine deshalb gibt es die ein oder  andere (kleine) Überraschung. In Bezug auf Spannung und Inhalt ist Bartimäus gut, aber da ist, um es salopp zu formulieren, noch etwas Luft nach oben.
Für mich enorm störend waren die vielen Fußnoten. Sprachlich ist Bartimäus wirklich gut zu lesen, doch mich haben die Fußnoten stets aufs Neue aus meinem Lesefluss gerissen. Die Fussnoten sind lustig, teilweise enthalten sie auch wichtige Informationen – größtenteils empfand ich sie aber als überflüssig. Es ist nicht so, dass ich den Humor, der mit diesen Fußnoten verbunden ist, nicht verstehe… Aber ich finde, das hätte man auch anders lösen können.

Fazit

In Bartimäus – Das Amulett von Samarkand wimmelt es vor skurrilen Typen, tollen Ideen und Sarkasmus. Hin und wieder war die Handlung etwas vorhersehbar (ich hätte mir etwas mehr Spannung gewünscht) und mich haben die vielen Fußnoten eher gestört als unterhalten. Auch teile ich Bartimäus’ Humor nicht so wirklichl. Deswegen vergebe ich “nur” 3,5 Sterne.

In der Bartimäus-Reihe sind bisher erschienen:

  1. Das Amulett von Samarkand (2004)
  2. Das Auge des Golem (2005)
  3. Die Pforte des Magiers (2006)
  4. Der Ring des Salomo (2010)

Carrie Ryan – The Forest. Wald der tausend Augen

Autor: Carrie Ryan // Titel: The Forest. Wald der tausend Augen // Originaltitel: The Forest – of Hands and Teeth // Verlag: cbt // Erschienen: 18. Juli 2011 (Taschenbuch) // ISBN -10: 3570307298 // ISBN-13: 978-3570307298 // Seiten: 400 Seiten  // Ausgabe: Taschenbuch // Preis: 8,99 € / 14,90 CHF  // Genre: Jugendroman, YA, Romantik

Mary verspürt eine unendliche Sehnsucht nach dem Meer, das sie nur aus den Erzählungen ihrer Mutter kennt. Sie möchte wissen, was hinter dem Zaun liegt, der das Dorf, in dem sie lebt, umgibt; ob es noch andere Menschen, andere Dörfer gibt… Und ob hinter dem Wald der tausend Augen vielleicht das Meer liegt.
Als sie gezwungen ist, aus dem Dorf zu flüchten, entscheidet sie, nach dem Meer und anderen Menschen zu suchen…

Meine Meinung

Obwohl ‘The Forest’ sich nahtlos in die derzeitige YA- und Jugendliteratur einrreiht – ein “Endzeit”-Szenario, eine Liebe, die nicht sein darf, eine Gemeinschaft, welche die individuelle Entfaltung unterdrückt – hatte ich beim Lesen nicht das Gefühl, einen Aufguss eines anderen Buches zu lesen: Immer wieder ist die Autorin von bereits eingeschlagenen Pfaden abgewichen und hat mich überrascht – in Bezug auf die Entwicklung ihrer Figuren und auch in Bezug auf die Handlung; so wandelt sich Cass von der liebenswerten Freundin zu einem regelrechten Biest – doch dabei bleibt es nicht. Jed, Marys Bruder, erscheint zunächst vernünftig und gefühlskalt, doch auch diese Fassade beginnt schnell zu bröckeln… Die Liebesgeschichte zwischen Mary und Travis verläuft nicht so, wie ich sie erwartet habe – es gibt Spannungen und Reibereien… Und ein (mehr oder weniger) unerwartetes Ende.
Die Figuren haben mir gut gefallen: Mary, ihr Bruder Jed, die Brüder Harry und Travis, Marys Freundin Cass und Schwester Tabitha, eine Nonne – sie alle sind, obwohl eigentlich nur Mary im Zentrum der Handlung steht, gut ausgearbeitet und zeigen verschiedene Seiten. Oft erscheinen ja gerade Nebenfiguren eher eindimensional; in “The Forest” war dies nicht der Fall.
Mary ist eine sympathische, aber auch schwierige Protagonistin: Sie schwankt zwischen Egoismus und Selbstaufopferung, zwischen Angst und Mut, zwischen Zögerlichkeit und Neugierde. Nicht immer ist sie dabei gegen andere oder sich selbst gerecht – sie reflektiert jedoch ihr Handeln (eine Eigenschaft, die so manche Hauptfigur vermissen lässt) und gesteht sich ihre Fehler ein.
Schön (und plausibel) wäre es gewesen, wenn es zu mehr Konflikten innerhalb der Gruppe um Mary gekommen wäre.
Auch ich war neugierig, vor allen Dingen auf die Hintergründe des Buches: Die Ungeweihten (eindeutig Zombies – da habe ich mich natürlich sehr gefreut, als Zombie-Liebhaberin!) leben im Wald, leben auf der anderen Seite des Zaunes… Und im Dorf leben diejenigen, die nicht zu Zombies geworden sind. Wie war diese Zombie-Apokalypse möglich? Was weiß die “Schwesternschaft” und welche Geheimnisse hütet sie? Was hat die Schwesternschaft mit einem Mädchen zu tun, das später zum Zombie wird und eine für das Dorf verhängnisvolle Rolle einnimmt?
All diese Punkte werden leider nur am Rande berührt. Mehr “Hintergrundinformationen” hätten dem Buch mit Sicherheit zu mehr Spannung verholfen. So bleiben einige Fragen offen, deren Erklärung ich benötigt hätte, um von “The Forest” wirklich überzeugt sein zu können.

Fazit

Ich war wirklich sehr positiv von “The Forest – Wald der tausend Augen” überrascht: Mit einer “Zombie-Apokalypse” habe ich ebenso wenig gerechnet, wie mit einigen Handlungsverläufen, die Figuren haben mir gefallen und das Buch ließ sich gut lesen. Ich habe allerdings etwas “Tiefe” vermisst – mehr Geheimnisse (und deren Auflösung) und mehr Konflikte hätten dem Buch mit Sicherheit nicht geschadet.


 

Sara Gruen – Wasser für die Elefanten

Autor: GRUEN, Sara // Titel: Wasser für die Elefanten // Originaltitel: Water for Elephants // Verlag: Rowohlt // Erschienen: 1. April 2011 (8. Auflage, Buch zum Film) // ISBN-103499256029 // ISBN-13978-3499256028 // Seiten: 416 Seiten // Ausgabe: Taschenbuch // Preis: 8,99 € / 13,90 CHF // Genre: Historischer Roman, Liebesroman, Drama

Jacob Jankowski hat ein gutes Leben, bis das Schicksal eines Tages erbarmungslos
zuschlägt: Seine Eltern kommen bei einem Autounfall ums Leben. Er verliert nicht
nur seine Familie, sondern sein zu Hause, bringt es nicht über sich, sein Studium zu beenden und gibt alles auf, was er sich erarbeitet hat.
Eines Nachts springt er auf einen fahrenden Zug und macht dort Bekanntschaft mit einigen Zirkusleuten, die ihn schon bald beim Zirkus “Benzini” – welcher die spektakulärste Show der Welt verspricht – als Arbeiter einschleusen. Zu seinem großen Glück fehlt dem Zirkusdirektor noch ein Veterinär. Jacob hat sein Studium zwar nicht beendet, doch ein halber Tierarzt ist besser als gar kein Tierarzt…

Meine Meinung

Das Buch beginnt zunächst unerwartet, denn der Leser bekommt es nicht mit einem jungen Mann zu tun, der über Umwege zum Zirkus gelangt ist und jetzt sein Leben in die Hand nimmt, sondern mit einem alten Herren, der seinen Mitbewohnern im Altenheim ab und an den letzten Nerv raubt, eine Vorliebe für eine seiner Betreuerinnen hegt und sich immer wieder darüber aufregt, wenn eine gewisse Person in seinem Umfeld behauptet, sie habe Wasser für die Elefanten beim Zirkus getragen.
Man lernt Jacob Jankowski als alten, schrulligen Opa kennen – und lieben. Sara Gruen gelingt es, diese Figur so echt und liebenswert wirken zu lassen, wegen ihrer kleinen Ecken und Kanten, dass die Lektüre ein wahrer Genuss ist! Senioren kommen in Büchern  ohnehin viel zu selten zu Wort. Und noch dazu so gewitzte alte Knaben. Die Darstellung des jungen Jacob kann da leider nicht mithalten – Jacob entwickelt sich zu wenig.
In einer Art Rückblende erfährt man von Jacobs Erinnerungen – oder auch, wenn er von seiner Zeit beim Zirkus erzählt.
Im Amerika der 1930er Jahre ist die große Depression noch spürbar und sie macht
selbstverständlich auch nicht vor der Unterhaltungsbranche halt: Nicht nur mit den Tieren wird skrupellos verfahren, auch die Menschen zählen nur etwas, so lange man ihre Leichen noch fleddern kann.
Eine der schillerndsten Figuren in dieser Melange ist mit Sicherheit August, der Stallmeister und Tierdompteur. Auf der einen Seite so weich wie ein Stück heißes Wachs – auf der anderen eine unberechenbare Bestie, deren Zerstörungswut sich gegen Tiere und Menschen richtet… Tierliebhaber dürften ihre Mühe mit dieser kompromisslosen Figur haben und mit der Art und Weise, wie er die ihm anvertrauten Tiere behandelt. August ist undurchschaubar und gerade deswegen so interessant.
Interessant ist auch Marlena, die ihren Mann August auf eine naive Art und Weise anhimmelt und sich dann letztendlich doch so konsequent gegen ihn stellt.
Obwohl Marlena, Jacob und August im Mittelpunkt des Geschehens stehen, bietet Sara Gruen durchaus facettenreiche Nebenfiguren auf (allen voran Kinko) und webt diese geschickt in die Haupthandlung ein. So auch Rosie, die sympathische Elefantendame, die ein eigenes kleines “Geheimnis” hat und die man einfach von ihrem ersten Auftritt an ins Herz schließen muss.
Wasser für die Elefanten ist atmosphärisch: Mittendrin statt nur dabei – so wirkt die
Szenerie, welche die Autorin erschafft. Sie schildert das Zirkusleben detailreich und in vielen Facetten, welche zum Teil humorvoll, zum Teil tragisch oder brutal sind. Sara Gruen beschönigt nicht den grausamen Umgang mit den Tieren und auch nicht das abscheuliche Verhalten Personen gegenüber, die auf ihre Rechte pochen, obwohl sie in der “Rangordnung” des Zirkus’ ganz unten rangieren. Es geht hier nicht um glanzvolle Vorstellungen und hübsche Tierdressuren, die einem als Kind vielleicht viel Freude bereitet haben, sondern darum, mit welch’ harten Fesseln um die wirtschaftliche Existenz gekämpft wird und wie korrupt und skrupellos sich (fast) jeder selbst der nächste ist.
Der große Knackpunkt ist für mich die Handlung: Mir hätte das Buch deutlich besser gefallen, wenn es anders geendet hätte (in Bezug auf Marlena und Jacob) und auch, wenn Rosie etwas mehr im Mittelpunkt gestanden hätte. Schließlich heißt das Buch Wasser für die Elefanten – etwas mehr von der lieben dickhäutigen Elefantendame zu lesen wäre schön gewesen. In großen Teilen war das Buch leider auch vorhersehbar, auch, wenn durch August immer wieder ein unberechenbares Element eingeflochten wurde. Die Liebesgeschichte hat mir gefallen – allerdings hätte ich diesbezüglich auch gerne noch mehr über August erfahren… Der Film (von dem ich bisher nur den Trailer gesehen habe) hat übrigens mehr Liebesgeschichte versprochen, als meinem Empfinden nach im Buch wirklich zur Sprache kam. Ich empfand dies als weniger schlimm, weil ich das Buch von Anfang an nicht als “Liebesroman” begriffen habe. Romantik-Fanatiker werden mit Wasser für die Elefanten aber wohl eher nicht auf ihre Kosten kommen.
Das Buch zieht sich stellenweise, weil die Autorin mehr auf Atmosphäre und Momentaufnehmen setzt, als auf eine spannende Entwicklung der Geschichte – der Handlungsstrang fällt einfach zu dünn aus.

Fazit

Insgesamt habe ich Wasser für die Elefanten als faszinierendes Buch empfunden, das vor allen Dingen durch die (ungewohnte) Zirkusatmosphäre überzeugt. Jacob ist insbesondere als alter Herr eine sehr interessante Figur. Die Handlung ist mir persönlich zu oberflächlich und vorhersehbar.
Wasser für die Elefanten hatte durchaus Schwächen, dennoch habe ich die Lektüre genossen.


Akif Pirinçci – Felipolis (Felidae, Bd. 7)

Autor: PIRINCCI, Akif // Titel: Felipolis (Felidae, Bd. 7) // Originaltitel: – // Verlag: Diana Verlag // Erschienen: 30. August 2010 // ISBN-10: 9783453290976 // ISBN-13: 978-3453290976 // Seiten: 352 Seiten // Einband: gebundene Ausgabe // Preis: 19,99 € // Genre: Krimi

gelesen am 24. Juli 2011

Inhalt

Ob Francis möchte oder nicht: Auf seine alten Tage wartet doch noch ein neuer Fall auf ihn. Die junge Katze Domino hat ein Vermögen geerbt, von dem jeder einen Anteil für sich verbuchen möchte – ob Mensch, ob Tier. Verängstigt verkriecht sich das Kätzchen und scheint in größter Gefahr zu schweben. Keine Frage, dass Francis einschreiten muss!
Was Francis und seine Freunde im Verlauf der Ermittlungen herausfinden ist jedoch größer als alles, womit Francis je gerechnet hat…

Meine Meinung

Francis ist anfangs sehr zynisch – vor allen Dingen in Bezug auf Gustav – dann auch wieder nachdenklich, erschüttert, mutig, bemitleidenswert, tapfer, humorvoll, besorgt oder neugierig. Alles in Allem zeigt Pirinçci hier wieder einen wahrhaft liebenswerten und facettenreichen Detektiv auf vier Beinen, der versucht, Leben zu schützen und Irrungen und Wirrungen aufzulösen.
Mit von der Partie ist auch wieder Blaubart, der sich in altbekannter Manier
stoffelig und mürrisch gibt, aber ein Herz aus Gold hat, wenn es darauf ankommt.
An seiner Seite agiert Junior, der, ganz wie der Herr Papa, nicht auf den Kopf
gefallen ist und mit dem ein oder anderen flotten Spruch daher kommt. Außerdem trägt er entschieden zur Lösung des “Falles” bei.
Erneut trifft der Leser auch auf Sancta, Francis’ italienische Liebe, die ebenfalls bei Gustav ihren Lebensabend verbringt. Die Sticheleien und Streitigkeiten zwischen ihr und Francis erinnern an ein zänkisches Ehepaar und sind einfach amüsant.
Auch diesmal geizt Pirinçci nicht mit neuen, interessanten Figuren: Allen voran dem österreichischen Kater Herzl (der sich mit einem überdeutlich jiddischen Einschlag artikuliert), dem Killer-Trio Clint, Smith & Wesson oder dem etwas abgerissenen Josef, einem Anhänger der Kommunisten, der mit seinen nicht minder verwahrlosten Artgenossen eine Revolution des Proletariats plant.
Nein, an interessanten Figuren mangelt es “Felipolis” mit Sicherheit nicht, dafür
vermochte mich die Handlung nicht so recht zu überzeugen.
Die Rahmenhandlung gefällt mir gut: Eine alte, milliardenschwere Dame vererbt ihren gesamten Besitz ihrer geliebten Miezekatze, der von nun an alle ans Leder wollen, um ein Stück des Erbes abzugreifen. Was hinter den Kulissen abläuft, ahnen nur wenige und es dauert eine Weile, bis Francis endlich Wind vom geheimnisvollen “Felipolis” erhält – eine Idee, die durchdacht und wirklich toll ist. Pirinçci verpackt diese ganze Geschichte darüber hinaus noch in politische Verstrickungen – ebenfalls sehr interessant – und spart natürlich auch nicht an erhobenen Zeigefingern, die unter anderem deutlich machen sollen: Gier lohnt sich nicht und es gibt wichtigeres als Geld. – Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack.
Für meinen Geschmack hat Francis sich etwas arg schnell von seinen (beinahe tödlichen) Verletzungen erholt. Von einem skrupellosen Mann mehrfach gegen eine Wand geschleudert – und zwar so heftig, dass es ihm sämtliche Knochen im Leib gebrochen haben müsste – behält er einige Quetschungen und Blutungen zurück und wandelt kurzzeitig zwischen dem Reich der Toten und der Lebenden. Schon kurze Zeit später macht er wieder muntere Sprünge und ignoriert seine Schmerzen, die tatsächlich nachlassen. Es ist unlogisch, dass ausgerechnet Gustav, dessen Liebe zu Francis ja in jedem Buch deutlich zu Tage tritt, ihn in einer solchen Situation herumstreunen lässt.
Für mich war leider ein Teil des Rätsels, um dessen Aufklärung Francis sich bemüht, von Anfang an sehr offensichtlich – was daran liegen kann, dass ich auch die anderen Felidae-Romane gelesen und gezielt nach solchen Anzeichen Ausschau gehalten habe (ohne es zu wollen…). Glücklicher weise wurde ich gegen Ende ja dann doch noch mit einer unvorhergesehenen Wende überrascht. Trotzdem war es das Ende, was mir “Felipolis” leider verdorben hat: Zu konstruiert, zu vorhersagbar, zu “abgedreht” – schlicht und ergreifend “too much”.
Positiv anzumerken ist noch, dass Pirinçci seine Erzählungen durch unzählige Details und eine großartige Bildhaftigkeit zum Leben erweckt. Dass diese Bilder ab und an sehr brutal und mitunter sehr blutig sind, dürfte jedem bewusst sein, der die anderen Felidae-Romane gelesen hat. Sprachlich ist “Felipolis” wie auch die anderen Felidae-Romane ein Lesegenuss.

Fazit

Bei “Felipolis” handelt es sich um einen gewohnt gut konstruierten Katzenkrimi, der durch seine Sprache und natürlich durch seine Protagonisten besticht. “Felipolis” ist interessant und hält den ein oder anderen Schockmoment bereit, bevor die Spannung gegen Ende ihren Höhepunkt erreicht. Am Ende hat Akif Pirinçci aber vielleicht zu viel gewollt – aus diesem Grund (und auch wegen der teilweise fehlenden Spannung, weil ein Teil der Lösung bereits offensichtlich war), vergebe ich 3,5 von 5 Sternen für “Felipolis” und hoffe inständig, dass dies nicht der Abschluss der Felidae-Reihe ist.

 

Kai Meyer – Herrin der Lüge

Autor: MEYER, Kai //  Titel: Herrin der Lüge // Originaltitel: - // Verlag: Bastei Lübbe // Erschienen: Taschenbuchausgabe, 15. Juli 2008 // ISBN-10: 3404158911 // ISBN-13: 978-3404158911 // Seiten: 848 // Einband: Taschenbuch // Preis: 9,95 € // Genre: Fantasy, Historischer Roman

gelesen vom 02.-04. Juni 2011

Inhalt

Saga besitzt eine besondere Gabe, die sie in das Blickfeld einer Frau rückt, die nur ihr eigenes Anliegen durchbringen will: Gräfin Violante von Lerch wird auf das junge Mädchen aufmerksam, als es auf einem Jahrmarkt lügt und möchte die junge Gauklerin und ihr Talent für ihre eigenen Zwecke einsetzen. Doch Saga ist nicht nur eine begnadete Lügnerin – sie besitzt den Lügengeist, der es nahezu unmöglich macht ihren Lügen zu widerstehen, wenn man ihnen Glauben schenken möchte.
Violante erpresst das junge Mädchen, das sich daraufhin mit ihr auf einen irrsinnigen Kreuzzug nach Jerusalem begibt: auf den Kreuzzug der Jungfrauen…

Meine Meinung

Die Handlung selbst finde ich persönlich etwas “langweilig”. Mir war zu schnell
klar, um was es eigentlich geht; selten ereignet sich Unvorhersehbares. Wenn Spannung erzeugt wird, dann meist in Form von (spektakulären) Kämpfen oder von Verfolgungen – der Rest der Handlung plätschert mehr oder weniger vor sich hin.  Gerade die Geschehnisse um  Saga verlieren immer mehr an Spannung und werden zunehmend langweiliger,  obwohl sich die Umstände, denen Saga ausgesetzt ist, immer wieder verändern. Es ist schwer zu sagen, woran  das liegt; vielleicht liegt es daran, dass die Handlung an sich nicht allzu gehaltvoll ist und überwiegend durch Detailreichtum und interessante Figuren aufrecht erhalten wird; vielleicht ist der Grund, dass sich manche Stellen einfach sehr in die Länge ziehen; vielleicht ist der Grund aber auch, dass durch die vielen unterschiedlichen Perspektiven die Möglichkeit fehlt, eine der Figuren tiefgehender kennenzulernen und sich so intensiver mit ihr auseinanderzusetzen… Und obwohl diese wechselnden Erzählstränge einerseits eine Schwäche des Romans sind (aus den o.g. Gründen), sind sie andererseits von Vorteil: Immer dann, wenn es gerade spannend
wird, wechselt Meyer auf einmal zu einem anderen Erzählstrang, weshalb man dann doch (fluchend)  weiterliest um zu erfahren, wie der vorherige Teil der Erzählung denn nun sein Ende findet.
Sehr schade finde ich, dass der Erzählstrang um den Bethianer und die kleine Maria so schnell beendet wurde. Hier hätte Meyer viel Potential gehabt, um eine weitere spannende Geschichte einzuflechten. Die Liebesgeschichte bleibt leider sehr unspektakulär und verläuft nach einem 0815-Muster. Gerade aufgrund der Figuren hätte ich hier ein paar Wendungen mehr  erwartet. Der “Kreuzzug der Jungfrauen” (eine überaus schöne Idee, wie ich finde), kommt teilweise etwas zu kurz, da sich die Handlung oft nur um Saga und Violante (teils auch Zinder, Karmesin oder Jorinde) dreht.
Interessant ist Meyers Interpretation des vierten Kreuzzuges – historisch in meinen Augen
eher unhaltbar, aber für eine literarische Verarbeitung durchaus interessant. Historisch “korrekt” sind einige Dinge nicht, aber es handelt sich ja auch mehr um einen Fantasy-/ Abenteuerroman, der eben im Mittelalter angesiedelt ist. Wer kann schon sagen, was historisch wirklich “korrekt” ist? Dieser Roman dient ja eher dazu, zu unterhalten und weniger dazu, etwas über die Zeit der Kreuzzüge zu lernen. So betrachtet finde ich diese “Schnitzer” nicht schlimm, da Meyer – anders als Donna W. Cross im Nachwort zu “Die Päpstin” – nicht versucht, die historische Glaubwürdigkeit seines Werkes hervorzuheben. Es ist klar, dass Meyer einem hier nicht einen Apfel für eine Birne verkaufen möchte.
Die in meinen Augen größte Stärke des Romans sind die vielen liebenswerten und unterschiedlichen Figuren – es ist wirklich eine Freude ist, jede einzelne von ihnen kennenzulernen, auch, wenn die Figuren teilweise eher oberflächlich bleiben. Besonders gut hat mir Tiessa gefallen – ein  junges Mädchen, das eine so schwere Bürde zu tragen hat und dennoch nicht zerbricht, sondern  im Gegenteil weise und klug handelt und dabei die ein oder andere Überraschung auf Lager hat; einfach toll! Im Vergleich zu ihr bleiben Saga, Violante, Faun, Zinder oder auch Karmesin sogar nahezu blass.
Die Idee eines “Lügengeistes” finde ich auch sehr nett. Bis zuletzt ist unklar, woher der
Lügengeist eigentlich kommt – existiert er “wirklich” oder doch nur in Sagas Einbildung?

Ich habe einen sehr durchwachsenen, aber überwiegend positiven Eindruck. Bisher habe ich noch nicht sehr viel von Kai Meyer gelesen – um genau zu sein die Sieben-Siegel-Reihe (die ich auch sehr gerne gemocht habe als Kind!) und Rattenzauber (wonach ich mir geschworen habe, nie wieder einen historischen Roman von Kai Meyer zu lesen) – “Herrin der Lüge” hat mich jedoch überzeugt, diesen Umstand schnellstmöglich zu ändern, da ich Meyers Schreibstil einfach wunderbar finde: So locker erzählt er eine Geschichte und bevor man es richtig gemerkt hat, ist sie auch schon vorbei und ein Wälzer von über 800 Seiten ausgelesen; Das ist gute Unterhaltung!

Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen für “Herrin der Lüge”.