Inhalt
Für einen bevorstehenden Vortrag fordert die Historikerin Diana Bishop verschiedene Manuskripte in der Bodleian Bibliothek der Universität Oxford an – und bemerkt schon bald, dass mit einem von ihnen etwas nicht stimmt: Ashmole 782.
Als sich dann auch noch Dämonen und Vampire an dem Manuskript und an ihrer Person – schließlich ist sie die Nachfahrin der Hexen von Salem und selbst eine Hexe – ein übermäßig großes Interesse zeigen, wird ihr die Sache unheimlich. Der Vampir Matthew nimmt sich ihrer an und Diana bemerkt bald, dass ihre Lebenswege sich vielleicht nicht nur zufällig gekreuzt haben…
Meine Meinung
Wie bereits in diesem Beitrag erwähnt, habe ich etwas Mühe damit “Die Seelen der Nacht” zu rezensieren. Das liegt in erster Linie wohl daran, dass ich mir von Anfang an gewünscht habe, dass mir dieses Buch gefällt – und so wohl irgendwie mit den falschen Erwartungen herangegangen bin. Ich beginne mit den Figuren, denn in ihnen liegt meiner Meinung nach das größte Potential des Buches, hier habe ich aber auch meine größten Kritikpunkte.
Diana ist Hexe und Historikerin (toller kann man eine Figur für mich gar nicht konzipieren ;)). Seit sie ein Kind ist hadert sie mit ihren magischen Kräften und versucht, ihren Alltag möglichst gewöhnlich und ohne Zaubereien zu gestalten; so ganz mag ihr das freilich nicht gelingen. Ihre ermordeten Eltern – eine mächtige Hexe und ein äußerst talentierter Zauberer, beide Nachfahren der Salem-Hexen – spielen dabei eine nicht unerhebliche Rolle, aber ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Im Prinzip mag ich Diana wirklich sehr, sehr gerne: Sie ist intelligent, manchmal ein bisschen zerstreut, eher etwas eigenbrötlerisch und mit Leib und Seele Historikerin.
Dann trifft sie auf Matthew und ab diesem Zeitpunkt geht mir alles zu schnell. Es dauert nicht lange, bis sie Hals über Kopf in ihn verliebt ist und – von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen – bietet sie ihm herzlich wenig Paroli, was irgendwie nicht so recht zu ihr zu passen scheint, wirkte sie doch vor ihrer Begegnung mit Matthew sehr selbstbestimmt. Das stört mich, denn diese charakterliche Wandlung ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Etwas übertrieben wirkt auf mich auch, wie gut Diana einfach in allem ist, was sie tut – da versteht es sich ja von selbst, dass sie eine unglaublich gute und mächtige Hexe sein muss.
Matthew ist wohl der Hauptgrund, warum “Die Seelen der Nacht” mir nicht so gut gefallen hat, wie ich es mir vorher erhofft habe: Er bietet einfach so gar keine Überraschungen. Er ist unfassbar gutaussehend, total gebildet, hadert zum Teil mit seiner Vergangenheit und trifft keine falschen Entscheidungen (mehr), weil er so erfahren ist. Er ist immer da, auf ihn ist immer Verlass und nebenher gibt er sowieso immer den Ton an und alle folgen ihm auf’s Wort (sogar sein Bruder, der ihm der Hierarchie nach eigentlich übergeordnet ist, fügt sich seinem Willen). Matthew hat einfach keine Kanten. Es gibt da zwar diese typische “Oh-mein-Gott-ich-bin-ein-Vampir-und-ich-will-dich-bloß-nicht-verletzen-denn-ich-habe-schon-einmal-jemanden-verletzt/getötet/ausgesaugt/etc.” Problematik, aber die alleine reicht nicht aus, um aus Matthew eine Figur zu machen, die mehr Tiefgang hat als so manch anderer oberflächlicher Literatur-Vampir.
Durch Matthews weitestgehend vorhersehbaren Charakter, bleibt bei mir auch die Spannung und Freude an der Liebesgeschichte zwischen Diana und Matthew auf der Strecke: Während der Lektüre hatte ich immer öfter hatte ich den Eindruck, dass sie ihn einfach nur (kritiklos) anbetet wie ein kleines Teenager-Mädchen einen großen Star. Daher ließ mich die Beziehung der beiden ziemlich kalt und hat mich auch zusehends etwas genervt; ich konnte dieser Verbindung einfach nicht viel abgewinnen.
Viel zu schnell ist die Beziehung zwischen beiden “zu eng” (kann man jemanden nach ein paar Wochen wirklich schon so gut kennen, dass man sicher weiß, dass man mit ihm den Rest des eigenen Lebens verbringen will?) und wirkt daher im Endeffekt “unglaubwürdig” auf mich (wenn man das bei einem Buch über Hexen und Vampire so sagen kann und darf); schließlich geht es hier ja nicht um zwei verliebte Teenager, sondern um einen 1500 Jahre alten Vampir und eine Hexe, die mitten im Leben steht.
Einige Nebenfiguren finde ich sehr interessant, darunter natürlich Em und Sarah (oh, und ich liebe das sich ständig verändernde Haus!), aber auch Ysabeau, Matthews “Mutter”. An Ysabeau hat mich übrigens gestört, dass sie als “Hexenhasserin” ins Buch eingeführt wird, sich dann aber so gutmütig und nahezu ohne ein böses Wort um Diana kümmert… Natürlich kann auch Mutterliebe Grenzen überwinden, aber hier hätte es so viel spannendes Konfliktpotential gegeben!
Dann möchte ich hier noch anmerken, dass ich es wirklich sehr, sehr positiv finde, wie Deborah Harkness versucht hat, jeder Figur durch ihre ganz eigene Geschichte Glaubwürdigkeit zu verleihen. Das hat mir wirklich sehr gefallen.
Schade finde ich, dass die Rahmenhandlung durch die Liebesgeschichte wirklich derart arg ins Hintertreffen gerät. Die Geschichte von Dianas Eltern interessiert mich nämlich ebenso, wie die im Buch gemachten wissenschaftlichen Untersuchungen, die problematischen Mordfälle, der angezettelte Krieg, die Geschichte des Ordens und die Geschichte des Manuskripts. Da die Liebesgeschichte jedoch derart stark im Vordergrund steht, finden all diese Aspekte eher wenig Beachtung.
Mir gefällt, dass Deborah Harkness so detailliert schreibt (und gerade ihre Ausführungen über Alchemie sind enorm interessant), aber manchmal ist es mir doch etwas zu viel des Guten, weil viele Nebensächlichkeiten beschrieben werden, die die Handlung nicht voranbringen. Mich stört es nicht, dass es zwischen Diana und Matthew nicht gleich zum Äußersten kommt, aber insgesamt habe ich beim Lesen oft das Gefühl gehabt, dass sich Situationen unnötig in die Länge ziehen. Richtig interessante Stellen (z.B. Dianas “Aufeinandertreffen” mit der finnischen Hexe) sind dann aber eher oberflächlich beschrieben.
Fazit
Eigentlich bietet “Die Seelen der Nacht” eine tolle Ausgangssituation: Eine mächtige Hexe und ein jahrhundertealter Vampir verlieben sich, riskieren somit mehr als nur den Zorn ihrer “Zunft” und bemühen sich um ein mit einem Bannfluch belegtes Manuskript, das viele Geheimnisse lüften könnte. Leider hat die Liebesgeschichte die restliche Handlung beiseite gedrängt – und ist darüber hinaus nicht besonders speziell: Eine Frau wird zum Schäfchen, als sie auf ihren Macho-Mann trifft und ihre verbotene Liebe löst eine ganze Reihe von Schwierigkeiten aus… Hinzu kommt, dass die Figuren leider ebenfalls nicht sonderlich speziell sind – nicht, weil sie nicht interessant konzipiert sind, sondern weil es ihnen oft an den Fehlern, an den Ecken und Kanten, mangelt, die Figuren besonders sympathisch und glaubwürdig machen.





Ob ich die Fortsetzung lesen werde, kann ich noch nicht sagen. Den Film werde ich mir wohl auf jeden Fall ansehen.
Website zum Buch
Autor: Deborah Harkness | Titel: Die Seelen der Nacht (All Souls #1) | Originaltitel: A Discovery of Witches | Verlag: Blanvalet | Erscheinungsdatum: 26.09.2011 | ISBN-10: 3764503912 | ISBN-13: 978-3764503918 | Seitenzahl: 800 | Ausgabe: gebundene Ausgabe | Preis: 19,99 € / 31,90 CHF | Genre: Urban-Fantasy, Romantik