Umberto Eco: Der Name der Rose

Mit einer kirchenpolitischen Mission beauftragt, macht sich der Franiskanermönch William von Baskerville mit seinem Novizen, Adson von Melk, auf den Weg in eine italienische Benediktinerabtei, die nicht nur durch ihre Lage, sondern auch durch ihre riesige Bibliothek besticht. Tage der Ruhe sind William indes nicht beschieden, denn das Ableben einiger Mönche will genauer untersucht werden…

Meine Meinung

Zu “Der Name der Rose” gibt es nicht nur einen tollen Spielfilm, sondern auch zahlreiche literarische Abhandlungen, Dissertationen, einen Band mit Erklärungen von Umberto Eco selbst usw., usw., usw. …

Wer nichts über theologische Diskussionen im Mittelalter weiß, wer noch nie etwas von unterschiedlichen Ketzergruppen gehört hat, wer antike und mittelalterliche Autoren und Texte nicht kennt, dem sei an dieser Stelle angeraten, wohl dringend den Kommentarband zu lesen – denn sonst ist der Roman wohl über weite Strecken lediglich ein Krimi.
Tatsächlich aber setzt sich Umberto Eco sehr gezielt mit Fragen der Semiotik, der Theologie und des mittelalterlichen Schrifttums auseinander und entwirft so einen sehr, sehr tiefsinnigen, immens gut recherchierten historischen Roman – der nicht einfach zu lesen ist. Mir bereitete insbesondere der Spannungsbogen große Probleme: Ich hatte von Anfang an einen Verdacht, was in der Abtei vorgeht und wer dafür verantwortlich ist… Der “Krimi” wurde aber immer wieder durch breite Erörterungen über Theologie usw. “pausiert”, weswegen die Lektüre nicht immer sonderlich aufregend, aber wenigstens recht anregend war.
Die Rahmenhandlung hat mir wirklich gut gefallen (und die Anspielungen auf Sherlock Holmes waren toll!), aber insgesamt war “Der Name der Rose” für mich alles andere als ein “page turner”. Das lag wohl auch am Schreibstil, den ich oft als zu breit und zu (unnötig) detailliert empfand (was mich irgendwie an Fontane erinnerte)…

Fazit

“Der Name der Rose” ist nicht grundlos ein Weltbestseller – gut recherchiert, sehr tiefsinnig und vielschichtig. Ich bin nicht sicher, ob man den Roman ohne Vorkenntnisse sonderlich gut versteht (über die kriminalistische Handlung hinaus) und mir persönlich hat der Schreibstil an sich nicht so gut gefallen. In weiten Teilen war mir das Buch zu langatmig.  Latein-Kenntnisse sind ggf. von Vorteil, weil man dann die lateinischen Sachen nicht immer erst nachschlagen muss, sondern gleich flüssig weiterlesen kann ;-)

Autor: Umberto Eco | Titel:  Der Name der Rose | Originaltitel: Il nome della rosa | Verlag: DTV Erscheinungsdatum: 1986 (Erstveröffentlichung 1980) | ISBN-10: 3423105518 | ISBN-13: 978-3423105514 | Seitenzahl: 688 | Ausgabe: Taschenbuch | Preis: 9,90 € bzw. 15,90 CHF | Genre: historischer Roman, Krimi

Thomas Weber: Hitlers erster Krieg. Der Gefreite Adolf Hitler im Weltkrieg.

Autor: Thomas Weber // Titel: Hitlers erster Krieg. Der Gefreite Hitler im Weltkrieg – Mythos und Wahrheit. // Originaltitel: Hitler’s First War // Verlag: List Verlag // Erschienen: 10. August 2012 (Taschenbuchausgabe)  // ISBN-10: 3548611109 // ISBN-13978-3548611105 //  Seiten: 608 Seiten // Ausgabe: Taschenbuchausgabe // Preis: 12,99 € / 21,90 CHF // Genre: Fachliteratur (Geschichte)

Lange Zeit war die Geschichtsforschung sich zumindest in einem Punkt mit der NS-Propaganda einig: Die Nazischergen verbreiteten – ebenso wie Adolf Hitler selbst – die Lehre, der “Führer” des “Dritten Reiches” sei vom Ersten Weltkrieg “geschaffen” worden. Selbst Größen in der Hitler-Forschung, z.B. Ian Kershaw oder Joachim Fest, zweifeln nicht an, dass der Erste Weltkrieg wohl entscheidend zur Radikalisierung Hitlers beigetragen hat – Beweise gibt es dafür freilich nicht, was vor allen Dingen in der dürftigen Quellenlage begründet ist: Ein paar Briefe und Postkarten, die Hitler in den Jahren 1914-1918 geschrieben hat, sind uns (vor allen Dingen zufällig) erhalten geblieben. Es gibt aber Beweise, die eindeutig zeigen, wie sehr Hitler und seine Anhänger daran interessiert waren, die Rolle Hitlers im Ersten Weltkrieg zu verklären und so zur Mythen- und Legendenbildung rund um den “Führer” beizutragen.

Wie schon zahlreiche Historiker vor ihm, räumt Thomas Weber mit diesen Mythen auf – viele Lügen der Nationalsozialisten in Bezug auf Hitlers Dienste im Ersten Weltkrieg können anhand der historischen Faktenlage widerlegt werden. Weber geht jedoch noch einen Schritt weiter, als viele Historiker vor ihm und setzt sich intensiv damit auseinander, inwiefern es glaubwürdig ist, dass Hitler bereits im Ersten Weltkrieg ein radikaler Antisemit gewesen sein soll (wie er selbst behauptete) und inwiefern der Erste Weltkrieg dazu beigetragen habe, dass Hitler eine “Laufbahn” als “Politiker” einschlug. Durch die Untersuchung der Geschichte des List-Regiments, in welchem Adolf Hitler diente, ist es ihm gelungen, ein überzeugendes Bild jener Soldaten zu zeichnen, das insbesondere zwei Aspekte deutlich macht: 1) Im List-Regiment herrschte kein ausgeprägter Antisemitismus. 2) Es ist wahrscheinlich, dass Hitlers Radikalisierung erst durch die Niederlage und in der unmittelbaren Nachkriegszeit erfolgte, nicht aber während des Ersten Weltkrieges. Beides sind Eindrücke, die sich schon alleine aufgrund der erhaltenen Briefe und Postkarten Hitlers “aufdrängen”, aber erst im Vergleich mit den Briefen und Zeugnissen anderer Soldaten des Lists-Regiments Kontur gewinnen.

Adolf Hitler wurde zweifellos vom Ersten Weltkrieg geprägt, doch er scheint nicht vom Ersten Weltkrieg “erschaffen” worden zu sein, wie er selbst behauptete.

Endgültig werden wir, die wir Adolf Hitler nicht im Ersten Weltkrieg kannten und erlebten, wohl nie mit Sicherheit entscheiden können, ob er bereits in jungen Jahren Juden verachtete und sich bereits damals abzeichnete, wohin er Deutschland einmal “führen” würde – Thomas Weber hat jedoch ein Buch geschrieben, das davon überzeugt, dass beides eher unwahrscheinlich gewesen sein dürfte…

In Bezug auf Hitler selbst offenbart “Hitlers erster Krieg” wenig Neues (wobei ich anmerken muss, dass ich z.B. nicht wusste, dass Hitler in Pasewalk u.a. in der psychiatrischen Abteilung wegen “Psychopathie mit hysterischen Symptomen” behandelt wurde), sehr interessant und überzeugend ist aber die Auseinandersetzung mit den Angehörigen des List-Regiments, die dazu beiträgt, die Kriegsjahre, deren Quellenbasis – Hitler betreffend – derart dürftig ist, weiter zu erhellen.

Greg Scowen – The Spanish Helmet (Matthew Cameron #1)

Autor: Greg Scowen // Titel: The Spanish Helmet // Verlag: Create Space // Erschienen: 08. Juli 2011 // ISBN-10: 1463558481 // ISBN-13978-1463558482 // Seiten: 364  // Ausgabe: gelesen als E-Book (ASIN: B00537SKMA) // Preis: 13.99 € (Paperback) / 2.81 € (E-Book) // Genre: Abenteuer, Krimi

Es gibt sie, diese Tage, an denen ein Telefonanruf oder eine E-Mail das Leben eines Menschen für immer verändert: Dr. Matthew Cameron, ein Archäologe, erhält einen solchen Anruf… Sein Weg führt ihn raus aus seinem Büro, hinein in ein Abenteuer, dessen Ausgang die neuseeländische Geschichte völlig auf den Kopf stellen könnte – doch es gibt Menschen, die daran interessiert sind, Matthews Untersuchungen zu verhindern…

Meine Meinung

Zunächst fühlte ich mich bei der Lektüre ein wenig an Indiana Jones erinnert: ein mysteriöser Anruf, ein Artefakt, ein Geheimnis – und ein Abenteuer. Schnell nahm die Geschichte von “The Spanish Helmet” aber an zusätzlicher Fahrt auf und wurde vom archäologischen Abenteuerroman mehr und mehr zu einem mitreißenden Krimi – vor allen Dingen das Ende überrascht durch unvorhergesehene Ereignisse und Wendungen.
Weniger überzeugend als die “eigentliche” Handlung ist leider die Liebesgeschichte, die meiner Meinung nach zu sehr an den Rand gedrängt wird und über weite Strecken zu “blass” wirkt.
Greg Scowen führt seine Leser zunächst nach Neuseeland – Die Reise geht jedoch weiter, nämlich in die Schweiz, genauer nach Zürich. Wunderbar treffend beschreibt Greg Scowen die ETH, die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich – und ich gehe davon aus, dass seine Schilderungen Neuseelands mindestens genauso zutreffend sind.
Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt: Einmal aus der Perspektive Matthews, der nicht nur seinen Forschungen nachgeht, sondern sich auch noch seiner eigenen Vergangenheit (und Gegenwart) stellen muss – ein anderes Mal aus der Perspektive von Francisco de Hoces, einem spanischen Seefahrer, der bei einer fehlgeleiteten Expedition im 16. Jahrhundert mit seiner Crew nach Neuseeland kommt und dort von den Einheimischen aufgenommen wird. Diese historischen Tagebucheinträge sind sehr interessant, da sie dem Leser einen ganz anderen Blick auf die Situation der Ureinwohner und Einwanderer gewähren, als es mit einem anderen Erzählmittel möglich gewesen wäre.
Der Debut-Roman krankt meiner Meinung nach etwas an den beiden Hauptfiguren: Matthew handelt zu vorhersehbar und “gleichförmig” – Aimee mangelt es an Tiefe, was auch dem Umstand geschuldet sein kann, dass Matthews Sicht im Mittelpunkt steht. Von den Nebenfiguren sind vor allen Dingen Hemi, Warren und Julia interessant und über alle drei hätte ich gerne etwas mehr erfahren.

Fazit

“The Spanish Helmet” ist ein – meiner Meinung nach – gelungener Debut-Roman, mit einem interessanten Setting, einer spannenden Rahmenhandlung und ein paar kleineren “Kinderkrankheiten”, die vor allen Dingen nach Lektüre des tollen Endes nicht mehr großartig ins Gewicht fallen.

“The Spanish Helmet” ist mittlerweile auch auf Deutsch für den Amazon-Kindle erschienen.

Dear Greg, thank you so much for this great reading-experience! I’m really sorry for taking that much time!

Kerstin Pflieger: Die Alchemie der Unsterblichkeit (#1)

Autor: PFLIEGER, Kerstin // Titel: Abbitte // Originaltitel: – // Verlag: Goldmann // Erschienen: 21. Juni 2011 // ISBN-103442474833 // ISBN-13: 978-3442474837 // Seiten: 352 Seiten // Ausgabe: Taschenbuch // Preis: 12,00 € / 19,90 CHF // Genre: Fantasy, historischer Roman

Karlsruhe, 1771: Icherios Ceihn, ein junger Mann mit großen Plänen und wenig Geld, arbeitet für die Kanzelley zur Inspektion unnatürlicher Begebenheiten. Sein erster Fall ereignet sich im Schwarzwald – weit ab von Idylle und schöner Landschaft! Das Fleckchen Erde ist düster, mysteriös und jagt dem jungen Gelehrten durchaus Angst ein. Seltsamer als die Umgebung sind jedoch die Bewohner der kleinen Gemeinde Dornfelde, in welcher Icherios ermittelt… Dennoch stürzt er sich ambitioniert in die Arbeit und muss bald erkennen, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, welche die Wissenschaft nicht zu erklären vermag.

Meine Meinung

Wer denkt bei Icherios Ceihn nicht an Ichabod Crane aus Sleepy Hollow? Tatsächlich weisen beide einie Parallelen auf: Icherios wird ebenso wie Ichabod in eine unheimliche Gegend entsandt, um dort eine mysteriöse Mordserie aufzuklären. Konfrontiert wird er dabei mit Hass und Misstrauen gegen seine Person – und auch die Dorfbewohner sind sich untereinander nicht ganz grün. Icherios ist intelligent, stellt sein Licht aber ab und an unter den Scheffel und glänzt oft durch Unsicherheit und Selbstzweifel. Ebenso wie Ichabod verliebt sich Icherios in die Tochter der Gastfamilie. Und ebenso wie Ichabod muss er über sich hinauswachsen, wenn er jemals (lebend!) aus Dornfelde wegkommen möchte.
Die anderen Figuren sind gut angelegt – sie entwickeln sich ein wenig, sie bringen z.T. unerwartete Wendungen ins Geschehen und sind (zumindest am Anfang) nicht sehr durchsichtig und interessant. Als unausgereift empfand ich leider den Mörder. Er tritt immer wieder durch eigene Gedanken in Erscheinung (in Form von sehr kurzen Kapiteln) und entlarvt sich damit sehr früh selbst. Dies ist an sich ja noch kein Manko – aber wenn schon so früh klar ist, wer der Mörder ist, dann hätte eine eindringlichere Schilderung jener Person der Handlung eine zusätzliche Spannung verleihen können. Außerdem finde ich es schade, eine so interessante Figur nicht auszureizen.
Spannend ist “Die Alchemie der Unsterblichkeit” dennoch, da die Protagonisten mit einigen unvorhersehbaren Wendungen konfrontiert werden und zum Teil auch eher überraschend reagieren. Zudem spitzen sich die Konflikte zwischen den verschiedenen Gruppen im Dorf zu, sodass sich eine äußere Bedrohung für Ichabold und sein Vorhaben ergibt. Die Handlung ist sehr plausibel (dies ist für sog. “Fantasy-Krimis” ja nicht immer
zutreffend) und wird konsequent fortgeführt. Icherios Vergangenheit offenbart bereits einen Anknüpfungspunkt für die Fortsetzung des Romans.
Schön ist, dass das Buch trotz Vampiren und Werwölfen, nicht als Aufguss eines anderen Buches daher kommt (auch, wenn Sleepy Hollow sicherlich eine Rolle gespielt haben mag), sondern als wirklich eigenständiges Werk.
Die Stimmung des Buches ist wundervoll. Ich liebe solche Bücher! Natürlich ist sie nicht “gruselig”, aber sie ist – wie bei Sleepy Hollow – einfach schön dunkel. Dies gelingt Kerstin Pflieger nicht zuletzt durch ihre sprachlichen Qualitäten, denn durch eine gute Wortwahl und bildliche Ausdrücke erzeugt sie eine gelungene, düstere Atmosphäre. Trotzdem kommen auch humorvolle Einlagen nicht zu kurz.

Fazit

“Die Alchemie der Unsterblichkeit” ist fesselnd, humorvoll, traurig und ‘dunkel’. Die Lektüre macht Spaß, weil Figuren und Handlung gut durchdacht und sorgfältig ausgearbeitet sind – doch der Mörder wird zu schnell entlarvt und seine Figur bleibt leider relativ einseitig. An dieser Stelle hätte die Autorin sicherlich noch mehr herausholen können. Alles in allem ist das Werk um Vampire, Werwölfe, Icherios Ceihn und seine Ratte Maleficium jedoch ein sehr gelungenes Roman-Debüt!

“Die Alchemie der Unsterblichkeit” ist der Auftakt einer Fantasy-Reihe, der zweite Teil, “Der Krähenturm”, erscheint am 19. Dezember 2011 im Goldmann-Verlag.

Joey Kelly: Hysterie des Körpers – Der Lauf meines Lebens

Autor: KELLY, Joey // Titel: Hysterie des Körpers – Der Lauf meines Lebens // Originaltitel: – // Verlag: Rowohlt Verlag // Erschienen: 1. Oktober 2011 // ISBN-10: 3499628104 // ISBN-13: 978-3499628108 // Seiten: 224 Seiten // Ausgabe: gebundene Ausgabe// Preis: 9,99 € / 16,90 CHF // Genre: Biographie, Abenteuer

Wer von uns würde ihn nicht gerne öfter überwinden – den inneren Schweinehund? Wer von uns nimmt sich nicht gelegentlich Dinge vor, deren Umsetzung an der eigenen Angst, Unlust oder mangelndem Durchhaltevermögen scheitern?

Joey Kelly macht eindrucksvoll vor, dass man den inneren Schweinehund auch in extremen Situationen überwinden kann, wenn der eigene Wille dazu nur eisern genug ist. In knapp 3 Wochen ist er durch ganz Deutschland gelaufen – rund 900 km – von Wilhelmshafen aus hinaus auf die Zugspitze. Ernährt hat er sich dabei nur von dem, was er unterwegs finden konnte. Geschlafen hat er bei Wind und Wetter draußen.

Eingestreut sind immer wieder Anekdoten aus der Vergangenheit – dabei geht es einerseits um die Familiengeschichte, andererseits aber auch um Wettkämpfe und von denen hat Joey Kelly bereits einige absolviert, darunter z.B. mehrere Ultra-Marathons von 250km oder mehrere Iron Man Veranstaltungen. Sehr eindrucksvoll war dabei die Schilderung des Marathon des Sables – da ging ja wirklich alles schief, was nur irgendwie schief gehen konnte, und trotzdem ließ Kelly sich nicht die Butter vom Brot nehmen und hat das Ding durchgezogen. Viele andere Leute – mich mit inbegriffen – hätten wohl schon im Vorfeld entnervt aufgegeben.

Es ist interessant zu erfahren, wie er es immer wieder geschafft hat, sich selbst durch seinen Willen und seine Disziplin auszutricksen und das ganze Projekt durchzuziehen – aber auch die vielen anderen Läufe und Wettkämpfe, die er absolviert.

Das Buch liest sich schnell, die Sprache ist flüssig. Trotzdem ist bei mir der Funke nicht wirklich übergesprungen – ohne, dass ich genau festmachen kann, woran das liegt. Da ich als Kind ein großer Kelly Family Fan war, haben mich die Rückblenden nicht im Geringsten gestört – dies könnte natürlich anders sein, wenn man nur an der sportlichen Leistung Kellys interessiert ist. Andererseits ist es für den 0815-Sesselsitzer vielleicht nicht wirklich nachvollziehbar, wieso ein Mensch so an seine Grenzen geht. Weil ich selbst so gerne laufe, war das für mich kein Problem… Joeys Tour hinauf auf die Zugspitze kam etwas zu kurz und ich persönlich hätte noch gerne mehr davon erfahren, wie er es immer wieder schafft, so einen enormen Willen aufzubringen.

Fazit

Hut ab vor dieser Leistung. Ich hätte nicht den Mut und das Durchhaltevermögen aufbringen können, Wasser aus irgendwelchen Gruben oder Bächen zu trinken (Stichwort: Verunreinigung?), Hunger und Schmerzen zu haben und trotzdem unermüdlich weiterzulaufen.  Unter diesem Gesichtspunkt hätte das Buch 5 Sterne verdient ~ ich bin wirklich beeindruckt. Aufgrund der o.g. Kritikpunkte vergebe ich “nur” 4 Sterne.

Lauren Oliver – Delirium (amor deliria nervosa)

Autor: OLIVER, Lauren // Titel: Delirium (amor deliria nervosa) // Originaltitel: Delirium // Verlag: Carlsen Verlag // Erschienen: “Delirium” erscheint am 01. November 2011 // ISBN-10: 3551582327 // ISBN-13: 978-3551582324// Seiten: 416 Seiten // Ausgabe: gebundene Ausgabe // Preis: 18,90 € // Genre: Dystopie, Kinder- und Jugendbuch, Romantik

Lena lebt in einer Welt, in der alles perfekt ist – perfekt, weil die Menschen nicht durchdrehen, kaum kriminell sind, keine Depressionen haben… Perfekt, weil die Regierung das Heilmittel für die armor deliria nervosa, die Liebe, gefunden hat – die Krankheit, die alle Menschen irgendwann befällt und deren Folgen unabsehbar sind.
Kurz vor ihrem 18. Geburtstag soll auch Lena den Eingriff über sich ergehen lassen. Ihr Leben lang hat sie ihn herbei gesehnt, denn ihre Mutter fiel der Krankheit zum Opfer – doch dann lernt sie Alex kennen, der ihr Weltbild auf den Kopf stellt…

Meine Meinung

Zunächst besticht Lauren Olivers Buch “Delirium” durch die Sprache, die zwar schlicht, aber dennoch ausdrucksstark ist. Das Buch wirkt wie aus einem Guss – es gibt keine sprachlichen Auffälligkeiten, die ich als störend empfinde – und liest sich sehr gut und flüssig.
Der Inhalt ist nicht neu: George Orwells 1984 ist, wie in vielen anderen Dystopien, hier sicherlich auch Pate gewesen, trotzdem hat sie nicht einfach “abgekupfert”, sondern sich sichtlich um Originalität bemüht.
Lena, die Protagonistin, ist keine einfache Figur. Sie hat früh ihre Eltern verloren und ist bei ihrer Tante und ihrem Onkel aufgewachsen – aus lauter Angst, aufzufallen, hat sie sich immer angepasst und schließlich die Vorstellungen der Regierung so stark verinnerlicht, dass sie es kaum erwarten kann, ihren “Eingriff” zu haben. Sie fürchtet die armor deliria nervosa und überhaupt alles, was nicht konform ist. Bis sie erkennt, dass Liebe etwas Wunderschönes sein kann und dass ein Leben ohne Liebe vielleicht unkompliziert, dafür aber nicht lohnenswert ist, muss sie einen langen Weg gehen, sich oft selbst überwinden und sich selbst, ihre Ansichten und die Ansichten ihrer Familie hinterfragen.
Am Besten hat mir Hana gefallen, denn Hana hat bereits lange vor Lena begonnen, das System in Frage zu stellen. Sie will das Leben spüren, das außerhalb der ganzen Regeln existiert und setzt sich über Grenzen hinweg, ohne vor den Konsequenzen zurückzuschrecken. Trotz allem, was zwischen ihr und Lena vorfällt, deckt sie Lena und hilft ihr, wo sie nur kann.
Neben zwei so schön konstruierten Figuren, bleibt Alex leider blass und unauffällig. Es gibt einfach keine “Reibungsfläche”, er ist durch und durch gut und deswegen völlig langweilig. Schade!
Das System, in dem Lena, Hana und Alex leben, ist sorgfältig konstruiert. Ein Szenario, das anfangs zwar eigenartig, aber harmlos anmutet, wird schnell brutal und bedrohlich. Der schaurige Höhepunkt stellt hier mit Sicherheit Lenas Besuch in Block 6 dar. Die zunehmende Brutalität ist es auch, die mir besonders gut gefallen hat, weil sie das Buch immer ernster hat wirken lassen und die Atmosphäre immer faszinierender wurde.
Die Handlung hat mich zu Beginn nicht fesseln können, doch das änderte  sich schnell mit der ersten Razzia, mit dem ersten wirklichen Eingreifen des Staates. Von diesem Moment an war wirklich klar, wirklich spürbar, dass es hier nicht um eine “schöne neue Welt” geht.
Die Geschichte zwischen Lena und Alex war vorhersehbar (insbesondere das Ende), trotzdem habe ich sie genossen, weil sie nicht kitschig rüberkam, sondern relativ “normal” gewirkt hat. Ich mag ja keine kitschigen Liebesgeschichten…
Sehr gut haben mir kleinen einleitenden Passagen gefallen, welche sich die Autorin für jedes Kapitel ausgedacht hat. Durch die vermeintlichen Auszüge aus dem Buch Psst oder angeblichen Kinderliedern und -Reimen, werden die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit besser verwischt; Man ist nicht gleich mittendrin im Geschehen, sondern wird an die Hand genommen und in die Situation hineingeführt.

Fazit

“Delirium” hat mir alles in allem gut gefallen. Das Buch hebt sich jetzt nicht sonderlich von anderen Büchern des Genres ab, wartet aber dennoch mit interessanten Einfällen auf und ist insgesamt ansprechend und interessant gestaltet. Mit der Protagonistin Lena bin ich nicht wirklich warm geworden, auch Alex blieb mir fremd.
Da die Handlung mit einer unerwarteten Wendung überraschte, freue ich mich auf die Fortsetzung des Buches.

Danke an lovelybooks und den Carlsen-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Kay Peter Jankrift – Artus ohne Tafelrunde: Herrscher des Mittelalters. Legenden und Wahrheit

Autor: JANKRIFT, Kay Peter // Titel: Artus ohne Tafelrunde – Herrscher des Mittelalters. Legenden und Wahrheit  // Originaltitel: / // Verlag: Theiss Verlag // Erschienen: 1. März 2008 // ISBN-10: 380622028X // ISBN-13: 978-3806220285 // Seiten: 192 Seiten // Ausgabe: gebundene Ausgabe // Preis: 9,95 € // Genre: Sachbuch (Geschichte)

Hat die Nibelungensage reale Vorbilder? Warum wurde Karl der Große von den Nationalsozialisten zunächst als Sachsenschlächter bezeichnet und dann  nur wenige Jahre später gefeiert? Wo liegt Avalon? Reiht sich Friedrich der II. ein in eine Reihe skurriler Figuren wie Dr. Frankenstein?

Es sind unter anderem diese Fragen, denen Kay Peter Jankrift, ein Historiker, in seinem Buch “Artus ohne Tafelrunde” nachgeht. Dass er dabei die ausgewählten Legenden und Sagen nur oberflächlich und in Kürze behandeln kann, ist überaus bedauerlich, denn er versteht es angenehm zu schreiben und für mich als (angehende) Historikerin und Germanistin offenbarte dieses Buch aufgrund seiner Kürze nur wenig Neues. Für einen knappen Überblick ist “Artus ohne Tafelrunde” aber sicher gut geeignet und darüber hinaus auch noch sehr unterhaltsam.
Jankrift gibt zu jeder Legende zunächst deren Inhalt grob an und untersucht hinterher kurz, wie die Legendenbildung sich im Verlauf der Geschichte wohl entwickelt haben mag. Dabei beruft er sich auf Quellen, die in der Bibliographie selbstverständlich angegeben sind und einem interessierten Leser eine erste weiterführende Einarbeitung in das Thema ermöglichen, ohne selbst stundenlang Bibliothekskataloge wälzen zu müssen.
Mit dem Inhalt seiner Aussagen stimme ich weitestgehend überein – etwas Mühe habe ich mit seiner Bemerkung zur Friedelehe – und auch die Auswahl der Aspekte, die Grundlage des Buches bilden, halte ich für gut gelungen. Im Bezug auf das Nibelungenlied wären mir ein paar Sätze über Brunhild lieber gewesen, als drei oder vier Seiten “Drachen-Theorie” (wobei das überaus interessant war!) – und das Kapitel über Richard Löwenherz ist meiner Meinung nach eindeutig zu kurz geraten.

Fazit

Das Buch “Artus ohne Tafelrunde” von Kay Peter Jankrift weist minimale Schwächen auf, die aber der Kürze des Werks geschuldet sein dürften. Auf 192 Seiten kann man so viele Sagen und Legenden nur oberflächlich behandeln und letzten Endes ist das für ein Sachbuch ja auch völlig in Ordnung.

Kimberly Derting – Body Finder: Das Echo der Toten (Body Finder Reihe, Bd. 1)

Autor: DERTING, Kimberly // Titel: Body Finder – Das Echo der Toten // Originaltitel: The Body Finder // Verlag: Coppenrath Verlag // Erschienen: 1. September 2010 // ISBN-10: 3815798736 // ISBN-13: 978-3815798737 // Seiten: 343 Seiten // Ausgabe: gebundene Ausgabe // Preis: 16,95 € /  Genre: Kinder- und Jugendbuch, Fantasy, Thriller

Violet ist ein Mädchen mit einer ungewöhnlichen Gabe – einer Fähigkeit, die sie verabscheut und die sie beinahe das Leben kostet; Violet nimmt die Echos ermordeter Lebenwesen wahr, entweder als akustisches Signal oder optisch; und sie findet nicht nur Leichen, sondern kann anhand der Echos auch ihren Mörder erkennen. Als in ihrer Heimatstadt mehrere junge Mädchen verschwinden, weiß sie, was sie tun muss…

Meine Meinung

“Body Finder” gehört zu der Art von Büchern, die sich unwahrscheinlich gut lesen lassen. Die Sprache hat keine Ecken und Kanten – da ist nichts, was den Lesefluss stört; weder überflüssige Dialoge, noch unpassende Worte oder Logikfehler. Die Handlung folgt einer klaren Linie, die nicht stockt und keine Umwege nimmt und dennoch einen guten Spannungsbogen aufrecht erhalten kann. Obwohl das Buch über weite Strecken recht offensichtlich ist, wurde ich doch das ein oder andere Mal überrascht (und gerade zum Schluss war ich darüber sehr erleichtert – mehr will ich hier aber nicht verraten!).
Die einzige “Nebenhandlung”, die das Verhältnis von Violet zu ihrem besten Freund Jay beschreibt, finde ich sehr gelungen. Es ist angenehm, dass es hier keine Geheimnisse gibt, keine Rätsel, die es zu lüften gilt, sondern einfach Vertrauen und jahrelange Freundschaft. Für das empfohlene Lesealter (12-17 Jahre) betrachte ich diese Liebesgeschichte als angemessen – mit 23 wünscht man sich vielleicht etwas mehr Reibungspunkte und Konflikte, aber dies soll hier nicht ins Gewicht fallen, da ich mit meinem Alter ja bereits deutlich über der Zielgruppe liege.
Violet ist trotz ihrer Gabe ein ganz normales Mädchen. Sie macht sich Sorgen darüber, was sie zu einem Schulball anzieht und kreist mit ihren Gedanken um ihre Gefühle – doch in den Momenten, in denen die Auren oder Laute der Toten über sie hereinbrechen, wirkt sie deutlich erwachsener. Das gefällt mir insgesamt sehr gut, weil sie dadurch sehr facettenreich ist. Die anderen Figuren, bspw. Grady, bleiben leider eher im Hintergrund – auch über Jay hätte ich gerne mehr erfahren und insbesondere ein Einblick in die Motive des Mörders wäre sicherlich interessant gewesen. Er kommt immerhin in kleinen Einschüben selbst zu Wort und ich hätte gerne mehr dieser Passagen gelesen.
Ich muss offen gestehen, dass ich mich nicht recht mit dem Gedanken an eine Fortsetzung anfreunden kann. Das Buch ist rund und gut abgeschlossen – aber ich lasse mich einmal von der Fortsetzung überraschen.

Fazit

Insgesamt hat mir Bodyfinder gut gefallen, auch wenn ich ab und an etwas Tiefe vermisst habe (ein Punkt, der mich  mit 12 Jahren vielleicht noch nicht gestört hätte – mit 17 aber ganz sicher!). Die Handlung entwickelt sich konsequent, die Protagonistin ist sympathisch und facettenreich und die Geschichte liest sich gut.  Ich habe mit Sicherheit schon viele Bücher gelesen, die mir deutlich besser gefallen haben, aber gerade im Hinblick auf die empfohlene Altersangabe vergebe ich doch 4 von 5 Sternen. Ich danke an dieser Stelle auch noch einmal Elena ganz herzlich, denn bei ihrem Gewinnspiel zum Bloggeburtstag, habe ich Body Finder gewonnen. Schaut doch mal bei ihr vorbei unter http://www.lesetraeume.net/ .

Oliver Plaschka – Die Magier von Montparnasse

Autor: PLASCHKA, Oliver // Titel: Die Magier von Montparnasse // Originaltitel: -  // Verlag: Heyne Verlag // Erschienen: 8. August 2011 (Taschenbuchausgabe) // ISBN-10: 3453528506 // ISBN-13: 978-3453528505 // Seiten: 479 Seiten // Einband: Taschenbuchausgabe // Preis: 8,99 € / 16,90 CHF // Genre: Fantasy, historischer Roman, Abenteuer // gelesen vom 31. August 2011 – 04. September 2011

 

Inhalt

Paris im Jahr 1926: Im Künstlerviertel Montparnasse tummeln sich kuriose Gestalten. Unter ihnen ist auch der Zauberkünstler Ravi mit seiner Assistentin Blanche, die aus einer Notsituation heraus gegen eine wichtige Regel verstoßen – benutze niemals wahre Magie vor den Augen der Menschen. So kommt der Stein ins Rollen, der nicht nur Ravis und Blanches Leben für immer verändern soll…

Meine Meinung

“Die Magier von Montparnasse” ist ein Phantastik-Roman, für den man sich wirklich Zeit nehmen sollte – einerseits, weil Oliver Plaschka durch eine besonders ausdrucksstarke und abwechslungsreiche Sprache jede Seite zu einem Lesegenuss macht, andererseits, weil es in diesem Buch so viel zu  entdecken gibt.
Im “Jardin”, einem kleinen, billigen Hotel in Montparnasse, kommen allerlei skurrile Figuren zusammen, um im Endeffekt ein gemeinsames Abenteuer zu bestreiten – als Leser wird man hier so manches Mal an der Nase herumgeführt und entdeckt plötzlich Facetten an bestimmten Figuren, die man so sicherlich nicht erwartet hat. Ravi und Blanche hüten beispielsweise ein Geheimnis ganz besonderer Natur und während Ravi immer wieder präsent íst und an den Fäden zieht, ist es doch Blanche, die hinter allem  steht. Eines ist auf jeden Fall sicher: Die beiden sind nicht gerade leicht zu durchschauen.
Dies gilt für die meisten der Figuren – bei Barneby (der mein Herz übrigens im Sturm eroberte!) ist man nie sicher, auf welcher Seite er steht und was er genau beabsichtigt, bei Céleste ist eine Einschätzung noch schwieriger. An der Frage, welche Rolle Seraphina spielt, beißt man sich anfänglich die Zähne aus. Esmée erscheint zunächst als keifende, eifersüchtige Ehefrau und hat doch so eine wunderbare, so liebevolle Seite, die sie zu einer der schönsten Protagonisten im gesamten Buch macht – ihr Mann Alphonse wirkt wie aus dem Leben gegriffen und ist auf seine ganz eigene Art und Weise einfach liebenswert.
Die Positionen von Gaspard und Justine sind einigermaßen klar, trotzdem wird man nicht müde, ihrer Geschichte zu folgen. Ein besonderes Meisterstück ist Oliver Plaschka jedoch vor allen Dingen mit Orlando und Chloderic gelungen, die so undurchschaubar sind, dass sie die ein oder andere Überraschung parat halten.
Ja, Überraschung ist das richtige Wort – in “Die Magier von Montparnasse” wimmelt es vor Überraschungen und unvorhersehbaren Wendungen, weswegen es schwer fällt, das Buch aus der Hand zu legen; obwohl der Spannungsbogen nicht kontinuierlich aufrecht erhalten wird und sich die Erzählung im ein oder anderen  Moment doch sehr in die Länge zieht.
Anfangs hatte ich Mühe, mich mit dem Erzählstil anzufreunden: Die Protagonisten kommen hier alle in kurzen Abschnitten selbst zu Wort, natürlich aus der Ich-Perspektive. Im Nachhinein betrachtet finde ich diese Erzählform für die ganze Geschichte sehr passend, weil sie dem Leser die Vielschichtigkeit der Figuren erst richtig offenbart.
Ich muss gestehen, dass ich der Handlung nicht immer zu 100% folgen konnte, auch wenn ich das Buch sehr  langsam und gründlich gelesen habe, um es wirklich genießen zu können. Einige Dinge sind mir auch nach der Lektüre noch unklar (über diese Dinge möchte ich aber hier schweigen, um nicht zu viel zu verraten) und durch die Erzählungen der verschiedenen Protagonisten kam ich auch manchmal beim Lesen durcheinander.
Auch aus diesen Gründen werde ich das Buch mit Sicherheit noch einmal lesen – in erster Linie aber, weil es mir wirklich gut gefallen hat.

Mein Fazit

“Die Magier von Montparnasse” ist undurchschaubar, mitunter schwierig – vielseitig, interessant, tiefgehend und vor allen Dingen faszinierend! Ich möchte auch nicht unerwähnt lassen, dass ich an der ein oder anderen Stelle herzlich gelacht habe und mehr als einmal gründlich vom Handlungsverlauf (und von den Figuren) überrascht wurde.

Richelle Mead – Schicksalsbande (Vampire Academy, Bd. 6)

Autor: MEAD, Richelle // Titel: Schicksalsbande (vampire Academy, Band 6) // Originaltitel: Last Sacrifice // Verlag: LYX Verlag // Erschienen: 07. Juli 2011 // ISBN-10: 3802583477 // ISBN-13: 978-3802583476 // Seiten: 528 // Einband: broschiert // Preis: 12,99 € // Genre: Fantasy, Kinder- und Jugendbuch, Romantik // gelesen am 22./23. Juli 2011

Inhalt

Die Welt der Moroi gerät nach dem Tod ihrer Königin aus den Fugen: Ein Nachfolger muss gewählt werden und Lissa rückt auf einmal in den Fokus der Ereignisse – sehr zu ihrem Missfallen.
Rose begibt sich derweil mit Dimitri auf die Flucht, versucht den Mord an der Königin aufzuklären und ihrer Freundin zu den Rechten zu verhelfen, die ihr aufgrund ihrer Familienbande zustehen…

Meine Meinung

Besonders gefallen hat mir diesmal Lissa. Sie zeigt eine unheimliche Charakterstärke und gibt sich kämpferisch, ohne dabei den Kopf zu verlieren. Sie ist anmutig, schön und zart und kann doch gleichzeitig ihre Krallen ausfahren und sich durch unangenehme und schwierige Situationen hindurchbeißen.
Adrian hat es – sehr zu meinem Leidwesen – diesmal kalt erwischt. Trotz allem hilft er Rose und ist einfach unheimlich aufrichtig. Sehr gut gefällt mir, dass es hier zu einer klaren Aussprache zwischen Rose und Adrian kommt und die Dinge geklärt werden. Hier wird nicht verniedlicht und was Rose getan hat, wird auch nicht einfach “verziehen” oder unter den Tisch gekehrt (wie es bei Zoey aus House of Night der Fall ist). Hier ist nicht Rose das “arme Opfer”, sondern diejenige, die einer anderen Person bewusst das Herz gebrochen hat – und dazu steht sie.
Rose entwickelt sich diesmal erstaunlich wenig. Ihre ‘Reaktion’ gegenüber Victor hätte da einige Möglichkeiten geboten, die leider nicht genutzt wurden. Zu bemerken ist allerdings, dass sie sich im Großen und Ganzen mutiger zeigt als je zuvor und auch dazu bereit ist, Dimitri die Stirn zu bieten, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Sie liebt ihn, aber sie himmelt ihn nicht mehr an und lässt sich von ihm einfach so außer Gefecht setzen – wenn es sein muss, dann kämpft sie auch gegen ihn. Und wenn es sein muss, ist sie auch bereit, ihn zu verlassen. Dimtiri findet schließlich endlich einen Weg zurück zu sich selbst.
Toll war in diesem Band auch Sydney Sage, die wirklich über sich hinausgewachsen ist. Ihr “Versprecher” bei der Anhörung macht deutlich, dass sie aus Freundschaft entgegen all ihren Werten (und Auflagen) gehandelt hat und nicht (nur) aus Angst vor Abe. Was die Beziehung zu ihr und Abe angeht, hätte ich auch gerne noch erfahren, was da genau vorgefallen ist – aber das wird wohl ein Geheimnis bleiben ;)
Die Handlung war insgesamt spannend, hatte jedoch auch einige Längen. Mir persönlich ging es teilweise etwas zu sehr um Rose und Dimitri (aber das war ja zu erwarten), allerdings muss ich auch gestehen, dass viele dieser Stellen sehr schön geschrieben waren. Als nicht unbedingt nötig empfand ich z.B. die Stelle mit den “wilden Vampiren”, welche die Handlung im Prinzip ja nur in die Länge gezogen hat und auch den ein oder anderen ausgedehnten Geist-Traum. Lissas erste Aufgabe war leider sehr lasch und vorhersehbar (und erinnerte mich ja minimal an die Tribute von Panem – nur, dass sie eben bei Weitem nicht so spektakulär war).
In Bezug auf Victors Bruder hatte ich gehofft, dass noch etwas nachkommen würde – die sache mit Adrians Mutter wurde mir ebenfalls zu schnell abgehandelt. Darüber hinaus fand ich die Motive für ihr umfassendes “Geständnis” nicht unbedingt plausibel.
Davon abgesehen geht es aber rund in “Schicksalsbande”: Roses Ausbruch ist ziemlich nervenaufreibend, ebenso ihre Flucht. Lissas Geschichte ist interessant – insbesondere die zweite Aufgabe, die sie auf ihrem Weg zum Thron lösen muss (und die mich etwas an Harry Potter erinnerte…). Wer Tatiana wirklich ermordet hat, bleibt über weite Strecken unklar – mir kam die Auflösung aber dann leider doch noch relativ früh in den Sinn. Vielleicht habe ich in meinem Leben einfach zu viele Kriminalromane gelesen. Trotz allem bleibt dies eine wunderbare Wendung, die ich so ganz sicher nicht erwartet habe; Und Richelle Mead wartet mit einigen unerwarteten Entwicklungen auf, z.B. in Bezug auf Sonya Karp, Victor Dashkov oder Jill Mastrano.
Die Übersetzung wies leider wieder einige Mängel auf (das Original habe ich nicht gelesen, daher kann ich nicht sagen, ob diese “Fehler” schon in der Vorlage vorhanden waren). Es handelt sich hierbei nicht um gravierende Dinge, sondern um Kleinigkeiten (z.B. “Lizza” statt “Lissa” oder “Ich hatte den Verdacht, dass er es zufrieden gewesen wäre, sich in unserem Zimmer zu verkriechen, aber als Sydney sagte, sie wolle zum Feuer gehen, kam seine Antwort automatisch.” (S. 173) um nur zwei Beispiele zu nennen).

Fazit

Trotz einiger kleinerer Schwächen – z.B. nicht genutzte Chancen oder unnötige Längen – hat mir “Schicksalsbande” ausgesprochen gut gefallen und stellt in meinen Augen einen guten Abschluss der Vampire Academy Reihe dar. Für jeden ist etwas dabei: Für Krimifans wie mich, für Personen, die Liebesgeschichten mögen – und auch für Personen, die politische Entwicklungen interessant finden und sich für Ränkeschmiederei und Intrigen interessieren. “Schicksalsbande” hat mich gut unterhalten und ich vergebe 4 von 5 Sternen für den letzten Band der Reihe.

Rezension zu “Blutsschwestern” (Vampire Academy, Bd. 1)
Rezension zu “Blaues Blut” (Vampire Academy, Bd. 2)
Rezension zu “Schattenträume” (Vampire Academy, Bd. 3)
Rezension zu “Blutschwur” (Vampire Academy, Bd. 4)
Rezension zu “Seelenruf” (Vampire Academy, Bd. 5)
Rezension zu “Schicksalsbande” (Vampire Academy, Bd. 6)