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Rebecca Gablé – Das Lächeln der Fortuna

Rebecca Gablé – Das Lächeln der Fortuna

Bastei-Lübbe Verlag
25. Auflage von 2009 (erschienen 1997)
1194 Seiten (mit Nachwort)

gelesen im November 2010 für die Challenge “Der Geschichte
auf der Spur”, Station: Spätes Mittelalter

Uff, endlich geschafft ;-) !

Rebecca Gablé erzählt in ihrem Debut-Roman die Geschichte eines Jungen,
der angeblich der Sohn eines Hochverräters sein soll. Im Jahr 1360 flieht er
nach dem Tod seines Vaters aus dem Kloster, in dem er bisher lebte, kehrt
zurück in seine Heimat Waringham und verdient sein Brot als Pferdeknecht.
Alles könnte so schön sein – wäre da nicht Mortimer, der Sohn des neuen
Earl of Waringham…

Hm. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es mir schwerfallen wird, eine
Rezension zu diesem Buch zu schreiben. Ich will’s trotzdem versuchen. Es gibt
insgesamt drei Dinge, die mir extrem positiv aufgefallen sind:

1) Die historische Korrektheit. – Ich bin zwar nicht so sattelfest in der Geschichte
des englischen Mittelalters, aber mir erschien das alles ziemlich richtig und
plausibel; und Rebecca Gablé hat ja auch nicht umsonst Mediävistik und Anglistik
studiert, nech? ;D

2) Der Schreibstil. – Das Buch war einfach extrem gut zu lesen. Ich finde, dass
außergewöhnlich oft die direkte Rede genutzt wurde, das hat aber auch irgendwie
echt gut gepasst (und ich habe beim Schreiben selbst gerade festgestellt, dass
direkte Rede eigentlich was ganz tolles sein kann ;-) ).

3) Der Großteil (!) der Figuren. Ich finde insbesondere Robin, Isaac, Joanna und
Henry sehr gelungen. Mortimer ist plausibel – aber ich hätte gerne mehr über
ihn erfahren.

Alles in allem habe ich einen wirklich guten Gesamteindruck. Die Geschichte ist
unterhaltsam – auf jeden Fall! Leider muss ich auch einen sehr großen Kritik-
Punkt anbringen und hoffe, dass mir Rebecca Gablé Fans die nachfolgende
Kritik nicht allzu übel nehmen werden.

Meiner Ansicht nach, hätte es dem Buch nicht geschadet, wenn es kürzer
ausgefallen wäre. In irgendeinem Interview hat Rebecca Gablé mal gesagt,
dass sie 300 Seiten rauskürzen musste, damit es überhaupt endlich
verlegt wurde. Auf den fast 1200 Seiten stehen pro Seite ca. 10 Zeilen mehr,
als in den meisten anderen Büchern. … Also, es ist wirklich ein riesiges Teil.
Das ist an und für sich kein Problem… aber:
Ich denke, es wäre vielleicht schöner gewesen, wenn sie einen Zweiteiler
draus gemacht hätte und dafür auf die ein oder anderen Dinge genauso
ausführlich eingegangen wäre, wie bspw. auf Robins erste Zeit in Waringham.
Die Entwicklung von Raymond und Edward ging mir z.B. einfach viel zu
schnell… Diese Kritik möchte ich vor allen Dingen für die letzten 400 Seiten
anbringen (ca.) – vielleicht liegt es auch daran, dass sie kürzen musste, aber
für mich hat das Buch spätestens ab diesem Punkt ziemlich viel von seiner
Dynamik eingebüßt, so leid es mir auch tut :-/

An dieser Stelle möchte ich noch kurz einen Gedanken erwähnen: Ich war mir
nie so sicher, was ich vom alten Lancaster halten sollte. Ging’s da jemandem
irgendwie ähnlich? Der wird mich wohl noch ein paar Tage beschäftigen
(was ich auch sehr schön finde – denn gut gemachte Figuren bleiben halt
hängen und so ;D).

Insgesamt ein sehr atmosphärisches Buch und ja, es hat mir wirklich gefallen,
auch wenn ich froh bin, dass ich es endlich ausgelesen habe – irgendwann kriegt
man dann halt doch Lust, mal etwas Neues anzufangen.

Ich vergebe 8 von 10 Punkten für Das Lächeln der Fortuna. Ich habe zwischen
7,5 und 8 Punkten geschwankt und mich für die 8 entschieden, da es sich ja
zusätzlich auch noch um ihren ersten historischen Roman handelt :) … und dafür
hat sie tolle Arbeit geleistet, find’ ich :)

Elmar Bereuter – Hexenhammer

Elmar Bereuter – Hexenhammer

erschienen 2003 in der F. A. Herbig
Verlagsbuchhandlung
400 Seiten

historischer Roman

gelesen am 20. und 21.10.2010 für die Challenge “Der Geschichte
auf der Spur” für die Kategorie “Frühe Neuzeit”

Der Inhalt des Buches ist schnell erzählt: Es geht um die
Verfestigung des “Hexenglaubens”, den Dominikanermönch
Heinrich Kramer (der seinen Namen später latinisierte) und
die Art, wie er “seine” Hexenverfolgung in Gang brachte und
zuletzt den Malleus Maleficarum, den Hexenhammer schrieb.

Vor knapp sieben Jahren habe ich den Malleus Maleficarum
gelesen – ein Werk, in dem jede Zeile nur so strotzt vor
Hass und Verbitterung gegenüber Frauen und dem wahnhaften
Gedanken, dass überall auf der Welt Satan lauert, auch, wenn
man dies nicht glauben möchte. Der Hexenhammer hat mich
tief beeindruckt (zumal ich mich sowieso schon sehr lange
und sehr intensiv mit der Hexenverfolgung auseinandersetze) -
und als ich dieses Buch in der Bibliothek gesehen habe,
konnte ich es einfach nicht stehen lassen.

Historische Fehler haben sich, soweit ich dies beurteilen kann,
nicht eingeschlichen (wobei ich nicht sicher bin,  ob die
päpstliche Bulle, die dem Hexenhammer vorangestellt wurde,
nicht auch gefälscht wurde… zu lange her ;-) ) – Elmar Bereuter
beschränkt sich aber auch ziemlich auf den Aspekt der
Hexenverfolgung und tlw. des Klosterlebens ~ also zwei
Teilbereiche, in denen die Recherche nicht so schwer
fallen dürfte, wie bspw. über Lebensumstände im 7. Jahrhundert.

Gut gefallen hat mir die Beschreibung von Henricus Institoris -
genau so hatte ich den Mann vor Augen, als ich den Malleus
Maleficarum las. Wirklich… genau so und nicht anders.
Glücklicherweise wurde in diesem Buch auch auf die “Verfehlungen”
Kramers eingegangen (so z.B. die Tatsache, dass man ihn in
Innsbruck quasi davongejagt hat) und Elmar Bereuter flocht
auch sehr authentisch ein, wie und aus welchen Gründen
der selbsternannte Hexenjäger Urkunden fälschen ließ
etc. …
Alles in allem ein gut gemachter Roman, der nicht zu sehr
an der Oberfläche kratzt, sondern auch Forschungsmeinungen
mit einbezieht (eben die Sache mit der Fälschung, bspw.)
und sehr schön zeigt, wie durch einzelne Verleumdungen
und Fanatiker mit der Zeit ein regelrechter Flächenbrand
entstehen kann – nicht ohne Grund wird dieses Buch
oftmals gleichgesetzt mit Hitlers “mein Kampf” (und
oft genug wird es, wie eben auch das Buch des menschen-
verachtenden Österreichers etwas zu arg überschätzt;
es ist davon auszugehen, dass längst nicht alle Menschen,
die Hitlers “mein Kampf” besaßen, dieses … ich scheue mich
wirklich es “Buch” zu nennen, gelesen haben – auch der
Hexenhammer war zwar oftmals in Gebrauch (es kann
spannende Erkenntnisse bringen, alte Gerichtsakten
durchzuarbeiten!), aber es spielte keine so riesige Rolle
bei der Verbreitung der Hexenverfolgung (zumindest
sieht man das in der Forschung heute so), zumal der
Malleus Maleficarum ja auch nichts wirklich “neues”
offenbarte (vom anwendbaren dritten Teil mal
abgesehen), sondern eher ein Traktat war.).

Ohje… Bandwurmsatz? Tut mir leid ; )

Nicht gefallen hat mir, dass die eigentliche Handlung erst
ab ca. Seite 130 begann (vorher wurde der Leser mit Johannes
Niderer konfrontiert, einem der Autoren, auf die sich Kramer
später berief – wobei ich gerade nicht sagen kann, ob das stimmt
oder Fiktion ist; ich denke aber mal, dass dies der Wahrheit
entspricht. Vielleicht sollte ich mal nachgucken?) und vor
allen Dingen… Das Buch war alles andere als auch nur
annähernd spannend. Zäh zu lesen, irgendwie und… hm…
Also, nochmal würde ich es nicht lesen, auch wenn es
an und für sich gut war.
Etwas gestört haben mich die raschen Zeit- und Ortwechsel,
die teilweise völlig unvermittelt auftraten… Die haben das
Verständnis doch ein wenig erschwert.

Insgesamt vergebe ich für dieses Buch 7,5 von 10 Punkten -
aber Achtung! Ich denke, man sollte sich sowohl mit dem
Hexenhammer irgendwie auseinandergesetzt haben, als auch
wirklich Interesse an Geschichte haben, denn mit einer
guten “Nebenhandlung” (eine mitreißende Liebesgeschichte,
ein Mord etc. pp.) kann das Buch nicht aufwarten. Es ist also
wohl eher etwas für eingefleischte “Hexenverfolgungs-
Interessierte” – andere können damit wohl nicht so viel
anfangen.