Kendare Blake: Anna dressed in blood (Anna Series #1)

Cas ist kein gewöhnlicher Siebzehnjähriger: Seit geraumer Zeit ist er in die Fußstapfen seines ermordeten Vaters getreten und tötet Geister; Geister, die selbst töten – aus Berechnung, aus Wut, aus Verwirrung… Seit zehn Jahren bereitet er sich darauf vor, das, was seinen Vater getötet hat, zur Strecke zu bringen und zieht mit seiner Mutter und der gemeinsamen Katze von Ort zu Ort, um Geistern auf die Spur zu kommen.
Als er auf Anna Korlov, Anna dressed in blood, trifft, ist alles anders. Der Geist des Mädchens tötet jeden, der es wagt, ihr Elternhaus zu betreten – sie verschont nur Cas und der hatte es noch nie mit einem Geist zu tun, der Anna auch nur annähernd geähnelt hätte…

Meine Meinung

Anna dressed in blood gefiel mir von der ersten bis zur letzten Seite gut. Das lag zum einen an der Grundidee des Buches, zum anderen an den Protagonisten, der Spannung und dem Schreibstil.

Die Idee ist schnell erklärt: Ein Junge verliebt sich in ein Mädchen, in das er sich eigentlich nicht verlieben sollte. Bei Anna dressed in blood ist dieses Mädchen jedoch ein Geist, der wider Willen töten muss und dieser Junge ein Geisterjäger, der Anna eigentlich töten sollte. Die Liebesgeschichte wird dem Leser nicht mit der Holzhammermethode eingebläut, wie in anderen Jugendbüchern, sondern entwickelt sich ganz, ganz langsam und stetig; Cas selbst ist der letzte, der bemerkt, dass er sich eigentlich in Anna verliebt hat.
Cas war mir von Anfang an sympathisch: Er ist ein netter Typ, der eine schwierige Aufgabe vor sich hat, nicht auf den Mund gefallen ist und die Dinge anpackt. Obwohl er sich zunächst gegen eine Freundschaft mit Carmel (der “Schulschönheit”) und Thomas (dem “Freak”) sträubt – er ist ja auch seit seinem 10. Lebensjahr immer wieder unterwegs und bleibt nie dauerhaft an einem Ort – wachsen die drei doch zu einem schlagfertigen Trio zusammen.
Hinter Carmel steckt viel, viel mehr, als man auf den ersten Blick vermutet. Sie ist klug, einfühlsam und sehr mutig – und Thomas ist viel mehr als der wunderliche “Freak”. Es hat mir sehr gut gefallen, dass diese beiden “Nebenfiguren” aus starren Rollenklischees ausbrechen und ganz eigen sind. Auch Morfan, Thomas Großvater, Cas’ Mentor, Cas’ Mutter und sogar der Kater Tybalt waren als Randfiguren allesamt auf ihre eigene Art und Weise speziell.
Anna ist eine sehr, sehr tragische Figur; ihr Dilemma wird von Kendare Blake einfühlsam beschrieben. Die Geschichte, die hinter ihrem traurigen Dasein als Geist steckt, war letztendlich eine ganz andere, als ich zunächst vermutete.

Das Buch hat – zumindest meinem Empfinden nach – keine Längen, sondern verfolgt einen konstanten Spannungsbogen. Selbst gegen Ende, als das Geheimnis um Anna bereits gelüftet ist, reißt die Spannung nicht ab, sondern erreicht sogar einen neuen Höhepunkt.

Die Stimmung ist eher düster und Kendare Blake scheut sich auch nicht, unschöne Dinge auch sprachlich auf den Punkt zu bringen. Ihr Schreibstil bringt die Stimmung gut zum Ausdruck und liest sich sehr angenehm und flüssig. Es hat mir gut gefallen, die Geschichte aus Cas’ Sicht zu lesen (1st person ist häufig in Jugendbüchern – doch dass Geschichten aus der Perspektive eines männlichen Protagonisten erzählt werden, ist in dem Genre doch eher ungewöhnlich).

Fazit

Absolute Leseempfehlung für Liebhaber von Teen-Liebesgeschichten und Romantasy!

Autor: Kendare Blake | Titel:  Anna dressed in blood (Anna Series #1) | Originaltitel: – | Verlag: Hachette Children’S Books | Erscheinungsdatum: 5. Juli 2012 | ISBN-10: 140832072X | ISBN-13: 978-1408320723 | Seitenzahl: 368 | Ausgabe: Taschenbuch | Preis: 7,90 € bzw. 17,90 CHF | Genre: Urban-Fantasy, Romantik, Jugendbuch

Anna dressed in blood ist der Auftakt einer Serie. Der zweite Band Girl of Nightmares (ISBN 10: 0765328666)  ist im August 2012 erschienen. Kendare Blake hat eine eigene Website und einen eigenen Blog.

C. C. Hunter: Geboren um Mitternacht – Shadow Falls Camp #1

Kylies Galens Leben läuft gewaltig aus dem Ruder: Ihr Ex-Freund Trey hat eine neue Freundin, ihr Vater ist in der Midlife-Crisis und trennt sich von ihrer Mutter und zu allem Überfluss soll sie auch noch in ein Sommercamp, in dem es vor Freaks nur so zu wimmeln scheint. Widerwillig fügt sie sich, doch bald schon findet sie im Camp echte Freunde und ein zu Hause. Allerdings soll das Camp geschlossen werden… .

Meine Meinung

Ohje. Ich bin wirklich ohne großartige Erwartungen an dieses Buch herangegangen: Ich wollte ein Buch, das ich gut zwischendurch lesen kann und bei dem ich nicht besonders viel nachdenken muss. Zumindest den zweiten Punkt hat “Geboren um Mitternacht” voll erfüllt.

Ich musste nicht viel nachdenken. Die Figuren waren in erster Linie absolut oberflächlich: Egal, ob es sich um Kylie, ihre neuen Freundinnen Della und Miranda – die ich übrigens gar nicht witzig fand – irgendwelche anderen Kids oder die Campleitung handelte.
Ebenso verhielt es sich mit der Handlung: Schnell war klar, wer sich hinter dem Geist verbirgt, der Kylie “auflauert” und die “Bedrohung” des Camps spielte ohnehin keine große Rolle. Wichtig war dafür Kylies permanentes Gefühlschaos: Weil Kylie so toll und umwerfend ist, stehen natürlich gleich drei “heiße Typen” auf sie. Da ist zunächst einmal ihr Ex-Freund Trey, dem ja alles sooo leid tut und der sie so gerne zurück hätte, dann der nette Derek, eine Halbfee und dann auch noch der mysteriöse Lucas, ein Werwolf. Natürlich sehen die Herren auch alle umwerfend aus und natürlich fühlt sie sich auch zu allen dreien hingezogen. So nimmt die Achterbahn der Gefühle schließlich ihren Lauf. Zu allem Überfluss hat Kylie auch noch eine üble Identitätskrise, denn sie weiß einfach nicht, zu welcher Art von übernatürlichen Wesen sie gehört.
Ich weiß, dass das Buch nicht im “All-Age”-Fantasy-Bereich anzusiedeln ist, aber ich glaube, dieses ständige Hin und Her zwischen Kylie, Derek, Trey und Lucas hätte mich auch als Teenager total genervt. (Die sexuellen Anspielungen/Andeutungen übrigens auch.)
Auch das Setting (Camp, übernatürliche Wesen) bewegt sich in bekannten und oft genutzten Bahnen – leider hat C. C. Hunter sich auch kein bisschen von diesem Weg entfernt; natürlich sind Vampire und Werwölfe verfeindet usw., usw. …
Handlung und Figuren waren – meinem Empfinden nach – absolut nichtssagend. Ich habe sogar die Namen noch einmal nachschlagen müssen, weil ich sie nach zwei Tagen bereits vergessen habe… Da blieb einfach nichts hängen.

Da das Buch auch als “Must-Have” für “House of Night”-Fans gehandelt wird, möchte ich auch darauf kurz eingehen: Inhaltlich fand ich das Buch mindestens ebenso langweilig, oberflächlich und z.T. nervig, wie House of Night; sprachlich war’s aber immerhin deutlich besser (keine künstliche Jugendsprache!). Störend waren die vielen Wiederholungen und ebenso wie Handlung und Figuren war der Stil auch nicht besonders fesselnd.

Fazit

Für mich ein absoluter Reinfall. Weil das Buch sprachlich immerhin noch etwas besser als House of Night ist und den Anspruch “gut lesbar” erfüllt, vergebe ich insgesamt einen Stern. Wer keine Lust auf konstruierte Dreiecksbeziehungen und pubertäres Gefühls-chaos pur hat, sollte besser die Finger von diesem Buch lassen.

Autor: C. C. Hunter | Titel:  Geboren um Mitternacht (Shadow Falls Camp #1) | Originaltitel: Born at midnight | VerlagFischer FJB | Erscheinungsdatum: 21. Juni 2012 (1. Aufl.) | ISBN-10: 384142127X | ASIN: B006M92BOG | Seitenzahl: 512 | Ausgabe: Kindle E-Book | Preis: 12,99 € | Genre: Urban-Fantasy, Romantik, Jugendbuch

Aus der Reihe “Shadow Falls Camp” sind außerdem erschienen:

Awake at Dawn (Erwacht im Morgengrauen, ISBN 3841421288)
Taken at Dusk (Entführt in der Dämmerung, ISBN 3841421296 – erscheint am 07.03.2013)
Whispers at Moonrise
Chosen at Nightfall

Rachel Vincent: My soul to take (Soul Screamers #1)

Kaylee Cavanaugh möchte eigentlich nur einen netten Abend mit ihrer besten Freundin Emma verbringen, doch dann kommt alles anders als erwartet. Kaylee wird vom Mädchenschwarm Nash angesprochen und bekommt ausgerechnet vor ihm eine ihrer Panikattacken, ausgelöst durch die Vorahnung, das eines der Mädchen im Club bald sterben wird – noch weiß sie nicht, was es mit diesem Gefühl und den Panikattacken auf sich hat und weshalb ausgerechnet Nash sie beruhigen kann; und sie weiß auch noch nicht, dass es nicht bei einer Vorahnung bleiben wird…

Meine Meinung

Ich wollte “My Soul to Take” schon 2011 (nach Elenas Rezension) lesen und habe es jetzt endlich mal geschafft, nachdem das Buch schon eine ganze Weile meinen E-Book-SuB bereichert hat.

Die Handlung gefällt mir im Grunde genommen sehr gut, aber ich würde zu viel verraten, wenn ich ins Detail ginge, daher belasse ich es bei einigen Andeutungen: Die Idee, dass eine Seele gestohlen werden kann, ist zwar nicht neu, aber gut umgesetzt (den Grund dafür hatte ich so übrigens nicht erwartet!) und mir gefällt auch die Konsequenz, mit welcher der “a life for a life”-Gedanke umgesetzt wird. Nicht so gut gefallen hat mir das große “Geheimnis” um Kaylees Eltern, denn das war einfach schon so unglaublich früh absehbar und auch die Liebesgeschichte hat mich nicht umgehauen. Dies liegt vor allen Dingen daran, dass Kaylee und Nash sich wirklich sehr, sehr schnell näher gekommen sind – zu schnell für meinen Geschmack. Etwas schade finde ich auch, dass die “Mordserie” neben der Liebesgeschichte relativ kurz kam, obwohl sie doch Dreh- und Angelpunkt war; meinetwegen hätte sie ruhig etwas mehr Gewicht haben dürfen.

Kaylee ist eine angenehme Protagonistin: Sie ist witzig und charmant, sie packt die Dinge an und sie scheut sich nicht vor unangenehmen Wahrheiten; ebenso wie Nash. Obwohl beide doch relativ oberflächlich bleiben (was wohl auch der Kürze des Buchs geschuldet ist), sind sie nicht eindimensional. Das hat mir gut gefallen.
Ich hätte gerne mehr über Kaylees Tante Val, ihre Cousine Sophie oder ihre beste Freundin Emma erfahren – oder über die toten Mädchen.
Meine Lieblingfigur ist der (Grim) Reaper Tod, denn Tod hat mich mehr als einmal überraschen können; zum Teil durch seine Vergangenheit, mehr aber noch durch seine Menschlichkeit.

Insgesamt ist das Buch – meinem Empfinden nach – an manchen Stellen vielleicht etwas zu knapp geraten und ich hatte deswegen Schwierigkeiten, so richtig in die Handlung einzutauchen. Potential haben Handlung und Figuren aber allemal.

Fazit

“My soul to take” ist meiner Meinung nach ein ganz netter Auftakt einer Buchreihe. Figuren und Handlung sind recht gut ausgearbeitet und interessant, mir hätte das Buch aber insgesamt etwas besser gefallen, wenn die Handlung mehr in die Tiefe gegangen wäre und auch die Figuren noch etwas mehr Kontur gehabt hätten; dafür hätte ich auch gerne ein paar Seiten mehr in Kauf genommen.

Autor: Rachel Vincent | Titel:  My soul to take (Soul Screamers #1) | Originaltitel: – | VerlagMIRA Ink | Erscheinungsdatum: 1. Januar 2011 (E-Book) | ISBN-10: 978-0-373-21003-5 | ASIN: B004JHY5E2 | Seitenzahl: 285 | Ausgabe: Kindle E-Book | Preis: 4,97 € | Genre: Urban-Fantasy, Romantik, Jugendbuch

Aus der Reihe “Soul Screamers” sind außerdem erschienen:

My Soul to Lose (Prequel, ISBN 978-1-4268-3867-5)
My Soul to Save ( ISBN 978-0-373-21004-6)
My Soul To Keep (ISBN 978-0-373-21005-3)
My Soul To Steal (ISBN 978-0-373-21027-5)
If I Die ( ISBN 978-0-373-21032-9)
Before I Wake (ISBN 978-0-373-21061-2)

Deborah Harkness: Die Seelen der Nacht (All Souls #1)

Inhalt

Für einen bevorstehenden Vortrag fordert die Historikerin Diana Bishop verschiedene Manuskripte in der Bodleian Bibliothek der Universität Oxford an – und bemerkt schon bald, dass mit einem von ihnen etwas nicht stimmt: Ashmole 782.
Als sich dann auch noch Dämonen und Vampire an dem Manuskript und an ihrer Person – schließlich ist sie die Nachfahrin der Hexen von Salem und selbst eine Hexe – ein übermäßig großes Interesse zeigen, wird ihr die Sache unheimlich. Der Vampir Matthew nimmt sich ihrer an und Diana bemerkt bald, dass ihre Lebenswege sich vielleicht nicht nur zufällig gekreuzt haben…

Meine Meinung

Wie bereits in diesem Beitrag erwähnt, habe ich etwas Mühe damit “Die Seelen der Nacht” zu rezensieren. Das liegt in erster Linie wohl daran, dass ich mir von Anfang an gewünscht habe, dass mir dieses Buch gefällt – und so wohl irgendwie mit den falschen Erwartungen herangegangen bin. Ich beginne mit den Figuren, denn in ihnen liegt meiner Meinung nach das größte Potential des Buches, hier habe ich aber auch meine größten Kritikpunkte.

Diana ist Hexe und Historikerin (toller kann man eine Figur für mich gar nicht konzipieren ;)). Seit sie ein Kind ist hadert sie mit ihren magischen Kräften und versucht, ihren Alltag möglichst gewöhnlich und ohne Zaubereien zu gestalten; so ganz mag ihr das freilich nicht gelingen. Ihre ermordeten Eltern – eine mächtige Hexe und ein äußerst talentierter Zauberer, beide Nachfahren der Salem-Hexen – spielen dabei eine nicht unerhebliche Rolle, aber ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Im Prinzip mag ich Diana wirklich sehr, sehr gerne: Sie ist intelligent, manchmal ein bisschen zerstreut, eher etwas eigenbrötlerisch und mit Leib und Seele Historikerin.
Dann trifft sie auf Matthew und ab diesem Zeitpunkt geht mir alles zu schnell. Es dauert nicht lange, bis sie Hals über Kopf in ihn verliebt ist und – von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen – bietet sie ihm herzlich wenig Paroli, was irgendwie nicht so recht zu ihr zu passen scheint, wirkte sie doch vor ihrer Begegnung mit Matthew sehr selbstbestimmt. Das stört mich, denn diese charakterliche Wandlung ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Etwas übertrieben wirkt auf mich auch, wie gut Diana einfach in allem ist, was sie tut – da versteht es sich ja von selbst, dass sie eine unglaublich gute und mächtige Hexe sein muss.

Matthew ist wohl der Hauptgrund, warum “Die Seelen der Nacht” mir nicht so gut gefallen hat, wie ich es mir vorher erhofft habe: Er bietet einfach so gar keine Überraschungen. Er ist unfassbar gutaussehend, total gebildet, hadert zum Teil mit seiner Vergangenheit und trifft keine falschen Entscheidungen (mehr), weil er so erfahren ist. Er ist immer da, auf ihn ist immer Verlass und nebenher gibt er sowieso immer den Ton an und alle folgen ihm auf’s Wort (sogar sein Bruder, der ihm der Hierarchie nach eigentlich übergeordnet ist, fügt sich seinem Willen). Matthew hat einfach keine Kanten. Es gibt da zwar diese typische “Oh-mein-Gott-ich-bin-ein-Vampir-und-ich-will-dich-bloß-nicht-verletzen-denn-ich-habe-schon-einmal-jemanden-verletzt/getötet/ausgesaugt/etc.” Problematik, aber die alleine reicht nicht aus, um aus Matthew eine Figur zu machen, die mehr Tiefgang hat als so manch anderer oberflächlicher Literatur-Vampir.

Durch Matthews weitestgehend vorhersehbaren Charakter, bleibt bei mir auch die Spannung und Freude an der Liebesgeschichte zwischen Diana und Matthew auf der Strecke: Während der Lektüre hatte ich immer öfter hatte ich den Eindruck, dass sie ihn einfach nur (kritiklos) anbetet wie ein kleines Teenager-Mädchen einen großen Star. Daher ließ mich die Beziehung der beiden ziemlich kalt und hat mich auch zusehends etwas genervt; ich konnte dieser Verbindung einfach nicht viel abgewinnen.
Viel zu schnell ist die Beziehung zwischen beiden “zu eng” (kann man jemanden nach ein paar Wochen wirklich schon so gut kennen, dass man sicher weiß, dass man mit ihm den Rest des eigenen Lebens verbringen will?)  und wirkt daher im Endeffekt “unglaubwürdig” auf mich (wenn man das bei einem Buch über Hexen und Vampire so sagen kann und darf); schließlich geht es hier ja nicht um zwei verliebte Teenager, sondern um einen 1500 Jahre alten Vampir und eine Hexe, die mitten im Leben steht.

Einige Nebenfiguren finde ich sehr interessant, darunter natürlich Em und Sarah (oh, und ich liebe das sich ständig verändernde Haus!), aber auch Ysabeau, Matthews “Mutter”. An Ysabeau hat mich übrigens gestört, dass sie als “Hexenhasserin” ins Buch eingeführt wird, sich dann aber so gutmütig und nahezu ohne ein böses Wort um Diana kümmert… Natürlich kann auch Mutterliebe Grenzen überwinden, aber hier hätte es so viel spannendes Konfliktpotential gegeben!

Dann möchte ich hier noch anmerken, dass ich es wirklich sehr, sehr positiv finde,  wie Deborah Harkness versucht hat, jeder Figur durch ihre ganz eigene Geschichte Glaubwürdigkeit zu verleihen. Das hat mir wirklich sehr gefallen.

Schade finde ich, dass die Rahmenhandlung durch die Liebesgeschichte wirklich derart arg ins Hintertreffen gerät. Die Geschichte von Dianas Eltern interessiert mich nämlich ebenso, wie die im Buch gemachten wissenschaftlichen Untersuchungen, die problematischen Mordfälle, der angezettelte Krieg, die Geschichte des Ordens und die Geschichte des Manuskripts. Da die Liebesgeschichte jedoch derart stark im Vordergrund steht, finden all diese Aspekte eher wenig Beachtung.

Mir gefällt, dass Deborah Harkness so detailliert schreibt (und gerade ihre Ausführungen über Alchemie sind enorm interessant), aber manchmal ist es mir doch etwas zu viel des Guten, weil viele Nebensächlichkeiten beschrieben werden, die die Handlung nicht voranbringen. Mich stört es nicht, dass es zwischen Diana und Matthew nicht gleich zum Äußersten kommt, aber insgesamt habe ich beim Lesen oft das Gefühl gehabt, dass sich Situationen unnötig in die Länge ziehen. Richtig interessante Stellen (z.B. Dianas “Aufeinandertreffen” mit der finnischen Hexe) sind dann aber eher oberflächlich beschrieben.

Fazit

Eigentlich bietet “Die Seelen der Nacht” eine tolle Ausgangssituation: Eine mächtige Hexe und ein jahrhundertealter Vampir verlieben sich, riskieren somit mehr als nur den Zorn ihrer “Zunft” und bemühen sich um ein mit einem Bannfluch belegtes Manuskript, das viele Geheimnisse lüften könnte. Leider hat die Liebesgeschichte die restliche Handlung beiseite gedrängt – und ist darüber hinaus nicht besonders speziell: Eine Frau wird zum Schäfchen, als sie auf ihren Macho-Mann trifft und ihre verbotene Liebe löst eine ganze Reihe von Schwierigkeiten aus… Hinzu kommt, dass die Figuren leider ebenfalls nicht sonderlich speziell sind – nicht, weil sie nicht interessant konzipiert sind, sondern weil es ihnen oft an den Fehlern, an den Ecken und Kanten, mangelt, die Figuren besonders sympathisch und glaubwürdig machen.

Ob ich die Fortsetzung lesen werde, kann ich noch nicht sagen. Den Film werde ich mir wohl auf jeden Fall ansehen.

 

Website zum Buch

 

Autor: Deborah Harkness | Titel:  Die Seelen der Nacht (All Souls #1) | Originaltitel: A Discovery of Witches | VerlagBlanvalet | Erscheinungsdatum: 26.09.2011 | ISBN-10: 3764503912 | ISBN-13: 978-3764503918 | Seitenzahl: 800 | Ausgabe: gebundene Ausgabe | Preis: 19,99 € / 31,90 CHF | Genre: Urban-Fantasy, Romantik

Julie Kagawa: Sommernacht (Plötzlich Fee #1)

An ihrem 16. Geburtstag verändert sich für Meghan Chase auf einen Schlag ihr gesamtes Leben: Ihr jüngerer Bruder Ethan wird von mysteriösen Wesen entführt und sie zögert keine Sekunde, ihn zurückzuholen. Sie betritt das Nimmernie, das Land der Feen und stößt dort auf unsanft auf ihre eigenen Wurzeln – und auf Ash, den Prinzen des Winterreichs…

Meine Meinung

Mir ist äußerst positiv aufgefallen, dass Meghan sich weiterentwickelt. Anfangs ist sie das „perfekte Mobbingopfer“, das vor allen Dingen durch Robbie/Puck beschützt wird – später ist sie in der Lage, sich selbst zu schützen und sich ihren Ängsten zu stellen. Trotzdem hat Meghan mich nicht erreichen können; sie blieb mir, obwohl das Buch aus der Ich-Perspektive verfasst ist, von der ersten bis zur letzten Seite fremd. Sie ist zu sehr “objektive” Erzählerin, als Figur; als Leser erfährt man nur wenig über ihre Gefühle und ihre Gedankengänge.
Grimalkin hat mir sehr gut gefallen. Einerseits ein Schlitzohr sondergleichen, andererseits ein echter Freund und natürlich überaus katzenartig!
Ash und auch Robbie, bzw. Puck, blieben für mich leider sehr konturlos. Gegen Ende erfährt man wenig darüber, was zwischen den beiden vorgefallen ist und sonst… Ja, sonst weiß man als Leser eigentlich weder über den einen, noch über den anderen viel. Ich hätte gerne mehr über beide erfahren  – dafür werde ich dann wohl die nachfolgenden Bücher lesen müssen. Während Robbie/Puck mir aber trotzdem ganz gut gefiel, konnte ich mich von der ersten Sekunde an nicht mit Ash anfreunden. Er erinnerte mich doch etwas zu sehr an einen gewissen, funkelnden Vampir: zuerst (scheinbar) unnahbar, arrogant und überheblich und zum Schluss dann ganz und gar liebevoll. Diese Wendung kam in “Sommernachtstraum” für mich nicht plausibel rüber.
Die „Liebesgeschichte“ zwischen Ash und Meghan wirkte für mich zu oberflächlich. Sie sieht ihn und ist gleich hin und weg – er sieht sie, mag sie, darf sie aber nicht mögen usw. … Das kennt man und das gibt es in anderen Büchern einfach in besserer Ausführung. Es stört mich nicht, dass die Liebesgeschichte in „Sommernacht“ irgendwie nebensächlich ist – es irritiert mich einfach, dass sie handlungsrelevant ist, aber nur so grob ausgestaltet ist.

Julie Kagawas Schreibstil ist sehr detailliert. Das ist einerseits  sehr positiv, weil es den Einstieg ins Feenreich erleichtert – andererseits störte mich diese Detailliertheit jedoch teilweise. Das lag vor allem daran, dass die Autorin sehr, sehr viele Einfälle in „Sommernacht“ einarbeitet und durch den Schreibstil plötzlich sehr viele Kleinigkeiten als sehr wichtig erscheinen – es aber letztendlich nicht sind. Das ist eigentlich nicht schlimm, allerdings hatte ich beim Lesen manchmal den Eindruck, als hätte Julie Kagawa unbedingt noch hier ein Detail einschieben müssen und dort noch eines und so wirkt das Buch auf mich zu “hastig”. Eindruck reiht sich an Eindruck und zum Schluss haben die vielen kleinen Details doch nicht großartig zur Atmosphäre beigetragen, weil die Zeit fehlt, um die Eindrücke zu verarbeiten.
Während man bei manchen Büchern den Eindruck hat, dass die Handlung sich wie Kaugummi zieht, habe ich das Gefühl, dass der erste Band der „Plötzlich Fee“-Reihe „Ruhepausen“ nicht gut vertragen kann. Im „Nimmernie“ ist immer etwas los.
Die „Eisenfeen“ finde ich faszinierend. Es handelt sich um einen wirklich tollen Einfall und ich halte die Umsetzung der eisernen Feen auch für sehr gelungen.
Mir gefällt die Intertextualität von „Sommernacht“ sehr gut. Vielleicht mögen es manche als Manko ansehen, dass das Buch deutlich von Shakespeare, Caroll und Co. inspiriert ist (und von den dahinterstehenden Geschichten und Sagen); mir gefällt’s.

Fazit

Shakespeares „Sommernachtstraum” ist mir deutlich lieber als Julie Kagawas „Sommernacht“. Mich haben das Setting und die Idee der Eisenfeen überzeugt, nicht jedoch die Protagonisten und die Gestaltung der Handlung.

Autor: Julie Kagawa | Titel:  Sommernacht (Plötzlich Fee #1) | Originaltitel: The Iron King (The Iron Fey #1) | Verlag: Heyne | Erscheinungsdatum: 21. März 2011 | ISBN-10: 3453267214 | ISBN-13: 978-3453267213 | Seitenzahl: 496 Seiten | Ausgabe: Kindle-Edition | ASIN: B005114IMO | Preis: 16,99€ / 25,90 CHF (Hardcover), bzw. 13,99€ (Kindle) | Genre: Jugendbuch, Abenteuer, Fantasy, Romantik, Serien/Buchreihen

“Sommernacht” ist der Auftakt der Buchreihe “Plötzlich Fee”. Weitere Bände:

Winternacht (The Iron Daughter)
Herbstnacht (The Iron Queen)
Frühlingsnacht (The Iron King)
Das Geheimnis von Nimmernie (The Winter’s Passage, Summer’s Crossing, Iron’s Prophecy)

 

Kerstin Gier: Saphirblau – Liebe geht durch alle Zeiten (Edelsteintrilogie #2)

Gwendolyns Leben wird und wird nicht einfacher; schnell bemerkt sie, dass sie möglicherweise Zukunft und Gegenwart durch ihre Zeitsprünge verändert hat – doch weiß sie nicht genau, weshalb und sie ist auch nicht sicher, was sie getan hat. Doch damit nicht genug! Gideon verdächtigt sie zudem, mit Lucy und Paul gemeinsame Sache zu machen und gegen ihn zu agieren…

Meine Meinung

Ich hoffe, dass ich in diese Rezension nicht schon Dinge hineinpacke, die eigentlich in die Rezension des Folgebandes (Smaragdgrün) gehören – ich habe beide Bücher direkt hintereinander gelesen und bringe hoffentlich nichts durcheinander 8)

Gideon erscheint in “Saphirblau” noch sprunghafter als in “Rubinrot”, allerdings wird sein Verhalten zumindest ansatzweise aufgeklärt. Gwen ist witzig und sympathisch, wie auch schon in “Rubinrot”. Leider – und das ist ein ganz großer Liebespunkt – hatte ich beim Lesen weder das Gefühl, dass die Liebesgeschichte eine neue Wendung nimmt oder vertieft wird, noch konnte ich feststellen, dass bei den Protagonisten irgendeine Entwicklung stattfindet.

Mit dem verschwundenen (gestohlenen? ;)) Chronografen kommt ein neuer Handlungsstrang ins Rennen, der sich mit der Liebesgeschichte zwischen Gideon und Gwen überschneidet – und in beiden Punkten (Chronograf und Liebesgeschichte!) hätte ich mir einfach mehr Tiefgang gewünscht. Die Handlung “rauschte” weitgehend an mir vorbei, wartete aber dennoch mit (gefühlt unnötigen) Längen (Xemerius… ;)) auf. Der Handlung hat es meinem Empfinden nach einfach an Spannung gefehlt. Dazu kommt noch, dass ich das Gefühl hatte, die Lektüre wirklich mitten im Buch zu beenden – ich habe ja nichts gegen Cliffhanger, aber insgesamt war der zweite Teil der Triologie etwas zu offen und zu wenig abgerundet (bzw. in sich geschlossen) für mich.

Sprachlich war der Band in Kerstin-Gier-Manier: leicht zu lesen, humorvoll, angenehm und deswegen trotz aller Kritikpunkte lesenswert (wenn man denn mit der richtigen Erwartung an das Buch herangeht!).

Fazit

“Saphirblau” bleibt meiner Meinung nach hinter “Rubinrot” zurück. Die Handlung wird nur wenig vertieft und die Protagonisten entwickeln sich leider kaum. Das Buch kratzt für meinen Geschmack etwas zu sehr an der Oberfläche – schade, denn bei der Lektüre habe ich durchaus Spaß gehabt.

Autor: Kerstin Gier | Titel:  Saphirblau – Liebe geht durch alle Zeiten (Edelsteintrilogie #2) | Originaltitel: – | Verlag: Arena | Erscheinungsdatum: Januar 2010 | ISBN-10: 3401063472 | ISBN-13: 978-3401063478 | Seitenzahl: 400 | Ausgabe: gebundene Ausgabe | Preis: 16,99€ / 25,90 CHF | Genre: Jugendbuch, Abenteuer, Fantasy, Romantik

Kerstin Gier: Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten (Edelsteintrilogie #1)

Von heute auf morgen wird Gwendolyns Leben komplett umgekrempelt: Eben war sie noch die (bedeutungslose) Cousine von Wunderkind Charlotte, doch plötzlich stellt sich heraus, dass sie das “Zeitreise-Gen” besitzt und nicht ihre Cousine. Gwendolyn kann in der Zeit springen und ist – im Gegensatz zu Charlotte – ganz und gar nicht auf das vorbereitet, was sie in längst vergangenen Zeiten erwartet… Ihr Mitreisender Gideon und den Auftrag, den beide zu erfüllen haben, machen die Angelegenheit für Gwendolyn nicht einfacher…

Meine Meinung

Ich bin etwas zwiegespalten, was das Buch angeht: Einerseits habe ich es ziemlich schnell ausgelesen, weil es sich – in typischer Gier-Manier geschrieben – einfach wunderbar lesen lässt, andererseits fand ich den Gang der Handlung eher weniger mitreißend.

Zunächst zu den Figuren: Wie erwartet sind einige herrlich schräge Charaktere darunter! Allen voran die herzliche Tante Maddy (von der ich wirklich gerne mehr lesen würde), aber auch die schrullige Lady Arista und vor allen Dingen Tante Glenda! Tanta Glenda ist eine Schreckschraube, wie sie im Buche steht und ich hoffe, dass ihr noch eine größere Rolle zuteil werden wird (vllt. in Form einer “Intrige”?)…
Gwendolyns beste Freundin Leslie ist recht amüsant, bleibt aber weitgehend farblos. Auch Charlotte wird eher am Rand gestreift, was ich sehr schade finde, da Gwendolyn und Charlotte prinzipiell ziemlich viel Konfliktpotential bieten.
Gwendolyn ist eine angenehme Protagonistin: Sie hat Humor, sie hat Gefühl und sie hat Verstand. Trotzdem fehlt mir bei ihr das gewisse Etwas. Gideon empfinde ich als eher unangenehm, da er – für sein Alter – doch recht überheblich und wankelmütig wirkt. Aus diesem Grund weiß ich auch noch nicht recht, wie ich die begonnene Liebesgeschichte einordnen soll; bisher hat sie mich eher wenig berührt.

Die Handlung hat einen schönen Kern, insgesamt habe ich mir an manchen Stellen aber etwas mehr Tiefe gewünscht, was die Vorgeschichte der eigentlichen Handlung angeht. Kerstin Gier wartet mit interessanten Ideen auf, doch im Grunde genommen passiert – meinem Empfinden nach – im ersten Band der Trilogie nicht allzu viel Bewegendes und das finde ich sehr schade; allerdings ist mit Rubinrot die Saat für ein wirklich spannendes Zeitreiseabenteuer gelegt, daher erwarte ich mit Neugierde, was sich auf Gwendolyns und Gideons Zeitreisen noch ereignen wird.

Fazit

“Rubinrot” ist ein Roman, der im typisch lockeren Stil von Kerstin Gier daherkommt, mit einigen schrägen Figuren aufwartet und durch tolle Ideen (ich will hier nichts verraten) überzeugt. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass sowohl bezüglich der Handlung als auch der Figuren etwas mehr in die Tiefe gegangen worden wäre. Auch hätte ich es schön gefunden, wenn im ersten Band etwas mehr passiert wäre.

Autor: Kerstin Gier | Titel:  Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten (Edelsteintrilogie #1) | Originaltitel: – | Verlag: Arena | Erscheinungsdatum: Januar 2009 | ISBN-10: 3401063340 | ISBN-13: 978-3401063348 | Seitenzahl: 345 | Ausgabe: gebundene Ausgabe | Preis: 15,99€ / 23,90 CHF | Genre: Jugendbuch, Abenteuer, Fantasy, Romantik

Lucinda Riley: Das Orchideenhaus

Autorin: Lucinda Riley // Titel: Das Orchideenhaus // Originaltitel: Hothouse Flower // Verlag: Goldmann Verlag // Erschienen: 03. Mai 2011  // ISBN-10: 3442475546 // ISBN-13978-3442475544 //  Seiten: 544 Seiten // Ausgabe: Taschenbuch // Preis: 9,99 € / 15,90 CHF // Genre: Drama, Romantik

Nachdem ihr Leben in Frankreich eine grauenhafte Wende erfahren hat, kehrt die Starpianistin Julia Forrester in ihre Heimat England zurück. Dort erfährt sie von der bevorstehenden Versteigerung des herrschaftlichen Anwesens Wharton Park, in dem sie als Kind bei ihren Großeltern sehr viel Zeit verbracht hat. Im Zuge der Renovierungsarbeiten stößt der Erbe Wharton Parks, Kit Crawford, schließlich auf ein Tagebuch, welches ein brisantes Geheimnis offenbart…

Meine Meinung

Das Rhein-Main-Magazin ließ über Lucinda Rileys „Das Orchideenhaus“ verlauten: “Ein Roman voll Spannung und großer Gefühle.” (Quelle: amazon) Diesem Fazit kann ich mich nicht im Geringsten anschließen.

Einen wirklichen Spannungsbogen wies „Das Orchideenhaus“ nicht auf: Spannungsmomente werden derart künstlich in die Länge gezogen, bis man sich als Leser schon längst denken kann, was Sache ist, so z.B. in Bezug auf Julias schrecklichen Schicksalsschlag. Was genau passiert ist, erfährt man erst, nachdem man die Protagonistin hat leiden und alle anderen hat mitleiden sehen, doch ist die Geschichte so einfach gestrickt, dass die Enthüllung von Julias Vergangenheit kaum schockiert, Mitleid erregt oder irgendein anderes Gefühl hervorruft. Die Handlung ist in einem Maße vorhersehbar, dass die Geschichte einfach langweilig ist und bleibt – bei jeder neuen „Enthüllung“ hoffte ich, dass Lucinda Riley nicht noch ein „Drama“ , einen Schicksalsschlag oder ein Klischee draufsetzen würde, welches das Buch noch unrealistischer machen würde – und wurde enttäuscht. Das Spektrum reicht über z.T. unglaubwürdige Affären, bis hin zur Rückkehr von längst tot geglaubten Personen usw. … Damit will ich jedoch nicht sagen, dass die Handlung besonders eingängig ist – eher im Gegenteil. Sie ist dermaßen übertrieben melodramatisch, dass sie stellenweise nahezu absurd wirkt.

Auch die Protagonisten können das Ruder nicht herumreißen. Julia blieb mir von der ersten bis zur letzten Seite unsympathisch, Kit fremd und ihre Annäherung völlig unbegreiflich. Man stelle sich zwei Personen vor, die einen schweren Schicksalsschlag erlitten haben, dann aber ohne Hintergedanken sofort Vertrauen zueinander fassen und schon nach wenigen Tagen so miteinander umgehen, als wären sie seit Jahrzehnten verheiratet (Stichwort: Krankenpflege)? Von der erwarteten Romantik und den angepriesenen „großen Gefühlen“ konnte ich in dieser Beziehung wirklich nichts entdecken.
Nicht einmal Julias Großeltern, die ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt des Romans sind, werden glaubwürdig dargestellt: Sie sind derart überzogen loyal, dass sie sich angesichts der – unglaublichen – Forderung ihres „Herrn“ nicht einmal streiten, ja nicht einmal ernsthaft darüber diskutieren.
Der einzige Lichtblick unter den Protagonisten ist Olivia, die aufgrund ihrer Naivität zumindest teilweise als überzeugende Figur gezeichnet wird. Ihre Geschichte ist es auch, die das Buch wenigstens noch ansatzweise lesenswert macht, da sie als einzige Figur nicht völlig übertrieben wirkt, sondern menschlich und normal.

Sprachlich bietet „Das Orchideenhaus“ auch keine Highlights; der Schreibstil ist zwar solide, doch die andauernden Wiederholungen lassen ihn eintönig und langweilig wirken. Und irgendwie auch unrealistisch, da alle Protagonisten gleich „klingen“. Das Wort „Liebes“ hat mich nach der Lektüre auch noch ein paar Tage verfolgt…

Zu dieser Mischung gesellen sich dann auch noch Logikfehler (über die ich hier aber nichts verraten kann, ohne zu verraten, was das „große Geheimnis“ des Buches ist).

Fazit

Lucinda Rileys „Das Orchideenhaus“ hat mich absolut nicht überzeugen können. Ich habe das Buch zu Ende gelesen, immer hoffend, dass die Autorin die eingeschlagene Richtung vielleicht noch einmal ändert und wurde mit einem abstrusen Ende belohnt, das eigentlich nur die letzte Konsequenz der vorangehenden, oft unrealistischen Handlung war. Zur unglaubwürdigen Handlung tragen neben Logikfehlern auch die häufig unrealistisch (übertrieben) gezeichneten Figuren bei. Das Einzige, was mir an „Das Orchideenhaus“ gefallen hat, war die Handlung um Olivia.


Carrie Ryan – The Forest. Wald der tausend Augen

Autor: Carrie Ryan // Titel: The Forest. Wald der tausend Augen // Originaltitel: The Forest – of Hands and Teeth // Verlag: cbt // Erschienen: 18. Juli 2011 (Taschenbuch) // ISBN -10: 3570307298 // ISBN-13: 978-3570307298 // Seiten: 400 Seiten  // Ausgabe: Taschenbuch // Preis: 8,99 € / 14,90 CHF  // Genre: Jugendroman, YA, Romantik

Mary verspürt eine unendliche Sehnsucht nach dem Meer, das sie nur aus den Erzählungen ihrer Mutter kennt. Sie möchte wissen, was hinter dem Zaun liegt, der das Dorf, in dem sie lebt, umgibt; ob es noch andere Menschen, andere Dörfer gibt… Und ob hinter dem Wald der tausend Augen vielleicht das Meer liegt.
Als sie gezwungen ist, aus dem Dorf zu flüchten, entscheidet sie, nach dem Meer und anderen Menschen zu suchen…

Meine Meinung

Obwohl ‘The Forest’ sich nahtlos in die derzeitige YA- und Jugendliteratur einrreiht – ein “Endzeit”-Szenario, eine Liebe, die nicht sein darf, eine Gemeinschaft, welche die individuelle Entfaltung unterdrückt – hatte ich beim Lesen nicht das Gefühl, einen Aufguss eines anderen Buches zu lesen: Immer wieder ist die Autorin von bereits eingeschlagenen Pfaden abgewichen und hat mich überrascht – in Bezug auf die Entwicklung ihrer Figuren und auch in Bezug auf die Handlung; so wandelt sich Cass von der liebenswerten Freundin zu einem regelrechten Biest – doch dabei bleibt es nicht. Jed, Marys Bruder, erscheint zunächst vernünftig und gefühlskalt, doch auch diese Fassade beginnt schnell zu bröckeln… Die Liebesgeschichte zwischen Mary und Travis verläuft nicht so, wie ich sie erwartet habe – es gibt Spannungen und Reibereien… Und ein (mehr oder weniger) unerwartetes Ende.
Die Figuren haben mir gut gefallen: Mary, ihr Bruder Jed, die Brüder Harry und Travis, Marys Freundin Cass und Schwester Tabitha, eine Nonne – sie alle sind, obwohl eigentlich nur Mary im Zentrum der Handlung steht, gut ausgearbeitet und zeigen verschiedene Seiten. Oft erscheinen ja gerade Nebenfiguren eher eindimensional; in “The Forest” war dies nicht der Fall.
Mary ist eine sympathische, aber auch schwierige Protagonistin: Sie schwankt zwischen Egoismus und Selbstaufopferung, zwischen Angst und Mut, zwischen Zögerlichkeit und Neugierde. Nicht immer ist sie dabei gegen andere oder sich selbst gerecht – sie reflektiert jedoch ihr Handeln (eine Eigenschaft, die so manche Hauptfigur vermissen lässt) und gesteht sich ihre Fehler ein.
Schön (und plausibel) wäre es gewesen, wenn es zu mehr Konflikten innerhalb der Gruppe um Mary gekommen wäre.
Auch ich war neugierig, vor allen Dingen auf die Hintergründe des Buches: Die Ungeweihten (eindeutig Zombies – da habe ich mich natürlich sehr gefreut, als Zombie-Liebhaberin!) leben im Wald, leben auf der anderen Seite des Zaunes… Und im Dorf leben diejenigen, die nicht zu Zombies geworden sind. Wie war diese Zombie-Apokalypse möglich? Was weiß die “Schwesternschaft” und welche Geheimnisse hütet sie? Was hat die Schwesternschaft mit einem Mädchen zu tun, das später zum Zombie wird und eine für das Dorf verhängnisvolle Rolle einnimmt?
All diese Punkte werden leider nur am Rande berührt. Mehr “Hintergrundinformationen” hätten dem Buch mit Sicherheit zu mehr Spannung verholfen. So bleiben einige Fragen offen, deren Erklärung ich benötigt hätte, um von “The Forest” wirklich überzeugt sein zu können.

Fazit

Ich war wirklich sehr positiv von “The Forest – Wald der tausend Augen” überrascht: Mit einer “Zombie-Apokalypse” habe ich ebenso wenig gerechnet, wie mit einigen Handlungsverläufen, die Figuren haben mir gefallen und das Buch ließ sich gut lesen. Ich habe allerdings etwas “Tiefe” vermisst – mehr Geheimnisse (und deren Auflösung) und mehr Konflikte hätten dem Buch mit Sicherheit nicht geschadet.


 

Sara Gruen – Wasser für die Elefanten

Autor: GRUEN, Sara // Titel: Wasser für die Elefanten // Originaltitel: Water for Elephants // Verlag: Rowohlt // Erschienen: 1. April 2011 (8. Auflage, Buch zum Film) // ISBN-103499256029 // ISBN-13978-3499256028 // Seiten: 416 Seiten // Ausgabe: Taschenbuch // Preis: 8,99 € / 13,90 CHF // Genre: Historischer Roman, Liebesroman, Drama

Jacob Jankowski hat ein gutes Leben, bis das Schicksal eines Tages erbarmungslos
zuschlägt: Seine Eltern kommen bei einem Autounfall ums Leben. Er verliert nicht
nur seine Familie, sondern sein zu Hause, bringt es nicht über sich, sein Studium zu beenden und gibt alles auf, was er sich erarbeitet hat.
Eines Nachts springt er auf einen fahrenden Zug und macht dort Bekanntschaft mit einigen Zirkusleuten, die ihn schon bald beim Zirkus “Benzini” – welcher die spektakulärste Show der Welt verspricht – als Arbeiter einschleusen. Zu seinem großen Glück fehlt dem Zirkusdirektor noch ein Veterinär. Jacob hat sein Studium zwar nicht beendet, doch ein halber Tierarzt ist besser als gar kein Tierarzt…

Meine Meinung

Das Buch beginnt zunächst unerwartet, denn der Leser bekommt es nicht mit einem jungen Mann zu tun, der über Umwege zum Zirkus gelangt ist und jetzt sein Leben in die Hand nimmt, sondern mit einem alten Herren, der seinen Mitbewohnern im Altenheim ab und an den letzten Nerv raubt, eine Vorliebe für eine seiner Betreuerinnen hegt und sich immer wieder darüber aufregt, wenn eine gewisse Person in seinem Umfeld behauptet, sie habe Wasser für die Elefanten beim Zirkus getragen.
Man lernt Jacob Jankowski als alten, schrulligen Opa kennen – und lieben. Sara Gruen gelingt es, diese Figur so echt und liebenswert wirken zu lassen, wegen ihrer kleinen Ecken und Kanten, dass die Lektüre ein wahrer Genuss ist! Senioren kommen in Büchern  ohnehin viel zu selten zu Wort. Und noch dazu so gewitzte alte Knaben. Die Darstellung des jungen Jacob kann da leider nicht mithalten – Jacob entwickelt sich zu wenig.
In einer Art Rückblende erfährt man von Jacobs Erinnerungen – oder auch, wenn er von seiner Zeit beim Zirkus erzählt.
Im Amerika der 1930er Jahre ist die große Depression noch spürbar und sie macht
selbstverständlich auch nicht vor der Unterhaltungsbranche halt: Nicht nur mit den Tieren wird skrupellos verfahren, auch die Menschen zählen nur etwas, so lange man ihre Leichen noch fleddern kann.
Eine der schillerndsten Figuren in dieser Melange ist mit Sicherheit August, der Stallmeister und Tierdompteur. Auf der einen Seite so weich wie ein Stück heißes Wachs – auf der anderen eine unberechenbare Bestie, deren Zerstörungswut sich gegen Tiere und Menschen richtet… Tierliebhaber dürften ihre Mühe mit dieser kompromisslosen Figur haben und mit der Art und Weise, wie er die ihm anvertrauten Tiere behandelt. August ist undurchschaubar und gerade deswegen so interessant.
Interessant ist auch Marlena, die ihren Mann August auf eine naive Art und Weise anhimmelt und sich dann letztendlich doch so konsequent gegen ihn stellt.
Obwohl Marlena, Jacob und August im Mittelpunkt des Geschehens stehen, bietet Sara Gruen durchaus facettenreiche Nebenfiguren auf (allen voran Kinko) und webt diese geschickt in die Haupthandlung ein. So auch Rosie, die sympathische Elefantendame, die ein eigenes kleines “Geheimnis” hat und die man einfach von ihrem ersten Auftritt an ins Herz schließen muss.
Wasser für die Elefanten ist atmosphärisch: Mittendrin statt nur dabei – so wirkt die
Szenerie, welche die Autorin erschafft. Sie schildert das Zirkusleben detailreich und in vielen Facetten, welche zum Teil humorvoll, zum Teil tragisch oder brutal sind. Sara Gruen beschönigt nicht den grausamen Umgang mit den Tieren und auch nicht das abscheuliche Verhalten Personen gegenüber, die auf ihre Rechte pochen, obwohl sie in der “Rangordnung” des Zirkus’ ganz unten rangieren. Es geht hier nicht um glanzvolle Vorstellungen und hübsche Tierdressuren, die einem als Kind vielleicht viel Freude bereitet haben, sondern darum, mit welch’ harten Fesseln um die wirtschaftliche Existenz gekämpft wird und wie korrupt und skrupellos sich (fast) jeder selbst der nächste ist.
Der große Knackpunkt ist für mich die Handlung: Mir hätte das Buch deutlich besser gefallen, wenn es anders geendet hätte (in Bezug auf Marlena und Jacob) und auch, wenn Rosie etwas mehr im Mittelpunkt gestanden hätte. Schließlich heißt das Buch Wasser für die Elefanten – etwas mehr von der lieben dickhäutigen Elefantendame zu lesen wäre schön gewesen. In großen Teilen war das Buch leider auch vorhersehbar, auch, wenn durch August immer wieder ein unberechenbares Element eingeflochten wurde. Die Liebesgeschichte hat mir gefallen – allerdings hätte ich diesbezüglich auch gerne noch mehr über August erfahren… Der Film (von dem ich bisher nur den Trailer gesehen habe) hat übrigens mehr Liebesgeschichte versprochen, als meinem Empfinden nach im Buch wirklich zur Sprache kam. Ich empfand dies als weniger schlimm, weil ich das Buch von Anfang an nicht als “Liebesroman” begriffen habe. Romantik-Fanatiker werden mit Wasser für die Elefanten aber wohl eher nicht auf ihre Kosten kommen.
Das Buch zieht sich stellenweise, weil die Autorin mehr auf Atmosphäre und Momentaufnehmen setzt, als auf eine spannende Entwicklung der Geschichte – der Handlungsstrang fällt einfach zu dünn aus.

Fazit

Insgesamt habe ich Wasser für die Elefanten als faszinierendes Buch empfunden, das vor allen Dingen durch die (ungewohnte) Zirkusatmosphäre überzeugt. Jacob ist insbesondere als alter Herr eine sehr interessante Figur. Die Handlung ist mir persönlich zu oberflächlich und vorhersehbar.
Wasser für die Elefanten hatte durchaus Schwächen, dennoch habe ich die Lektüre genossen.